Geschichte Hausberg und ehem. Burg Kogl - Teil 2


D Hintergrund Wissen zu den Themen Awaren, Ungarn, Geschichte


D 1   791, 985, Quellennachweis zur Geschichte von Sieghartskirchen

Zusammengestellt vom ehem Pfarrer von Sieghartskirchen, Josef Pilsinger.

791

In einem alten Werke der Müncher Hofbibliothek finden sich Aufzeichnungen, welche erzählen, daß Karl der Große Anno 791 eine Avarenring vor dem Kuhberg zerstörte, die von den Heiden verwüstete Gegend dem bayerischen Gaugrafen Sieghart zur Besiedlung übergab, der auch seinen Ansiedlern hier die erste christliche Kirche erbaute. Da auch die Gründung der Nachbarpfarre Rapppoltenkirchen in diese Zeit fällt, so drängt sich die Vermutung auf, daß beide Orte bei ihrer Nähe von Brüdern oder Verwandten eines angesehenen Geschlechtes „Rapoldo“ und „Sigward“ samt den Kirchen ihr Dasein verdanken (um 798).

(Quelle 1, Seite 1)
Originalquelle: G. Loidold, Top. v. S. – 13. [1913]

791

Eine andere Sage verlegt die Entstehung von Sieghartskirchen in die Zeit der ersten Ostmarkbesiedelung. In einem Werke der alten Münchner Hofbibliothek sollen auch nämlich Aufzeichnungen vorfinden, die besagen, daß Karl d. Gr. im Jahre 791 einen Avarenring vor dem Kuhoeberge zerstörte und die verwüstete Gegend dem bayrischen Gaugrafen Sieghart zur Besiedlung übergab. Weiter heißt es: Der Ort scheint sich während der Raubzüge der Madjaren erhalten zu haben, denn 985 soll er auf einem Landtag zu Tulln schon zum Markt erhoben worden sein. Diese Sage ist weniger glaubwürdig und wird stark angefochten.

(Quelle 1, Seite 1)
Originalquelle: R. Heinike, Gesch. v. Siegh.
[Um 1935. Vermutung zum Jahr siehe unter Frühgeschichte Register Nummer 32]

 

985

Nicht unwahrscheinlich ist es, wie selbst der hochwürdige Herr Pfarrer Mihm bemerkt, daß Sieghartskirchen bei Gelegenheit der Abhaltung des Landtages, zu Tulln, des gedachten Markgrafen (Leopold d. Glorr.) mit dem erst fünfjährigen Kaiser Otto und den anwesenden vielen Bischöfen und Adeligen im Jahre 985, schon zum Markte erhoben wurde, welche Versammlung vorzüglich zum Zwecke hatte, den Bischöfen und Adeligen die Bewilligung zu erteilen, Vesten anzulegen, Städte und Märkte zu errichten.

(Quelle 1, Seite 3)
Originalquelle: Topogr. v. N.Ö. 1836, VOWW/2 – 143 – 144.

985

Nicht unwahrscheinlich ist es, daß Sieghartskirchen bei Gelegenheit der Abhaltung des Landtages zu Tulln des Markgrafen Leopold I, des Erlauchten, mit dem erst fünfjährigen Kaiser Otto und den anwesenden vielen Bischöfen und Adeligen im Jahre 985 schon zum Markt erhoben wurde. Auf diesem Landtage erlaubt nämlich der Markgraf den Anwesenden Festungen anzulegen, Städte und Märkte zu errichten und neue Kolonisten in dieselben einzuführen. Er versprach auch allen, welche sich in der neuen Mark ansiedeln wollten, die Freiheit von Steuern und Kriegsdiensten.

(Quelle 1, Seite 3)
Originalquellen: J.A. Mihm, Top III 1836 – 10 / G. Loidold, Topogr. v. S. – 14.[1913]

Veröffentlicht am 15.8.2025

D 2   1874, Geschichte der Stadt Tuln.

Von Dr. Anton Kerschbaumer,
geheimer Kämmerer Sr. Heiligkeit, Ehrencanonicus von St. Pölten, Dechant und Stadtpfarrer zu Tuln.
Krems, 1874.

PDF-Seite 20:

Lohnende Ausflüge zu Fuß oder zu Wagen in die Umgegenden Tulns sind zunächst: Das Thal der Tulln. Man kommt über Judenau nach Plankenberg, Asperhofen und Neulengbach, in dessen Nähe der Buchberg und Kogel die weiteste Rundsicht bietet. Lohnend ist auch eine Wendung nach Rapotenkirchen an der kleinen Tuln mit einem Schloß des Baron Sina und von dort über Kracking und Au nach dem Tullnerbache, der zur Wien gehört, oder durch den Schmeißgraben auf den Troppberg und nach Purkersdorf. Im ersten Falle erreicht man die Westbahn unter Preßbaum.

PDF-Seite 305:

Der Bezirk erstrecke sich von Tuln bis St. Andrä durchs Hackenthal gegen Kierling, von da bis dem Wald hinum nach Rapoltenkirch, von da bis auf den Kogel und den Strich hindurch bis Böhmkirchen, alsdann auf St. Pöltiger Stög, den Zirk herum bis Träßmaur und dann an der Donau herab bis wiederum nach Tuln. (Aus einer Ordnung vom 26. März 1665).

Die Ostmark wird vereinzelt erwähnt:
PDF-Seite 8: Damals, als der Weg vom Westen nach dem Osten durch die wilden Horden barbarischer Völker versperrt war, galt das an der Donaustrasse gelegene Tuln als Grenzstein der christlichen Civilisation und als Hauptstadt der Ostmark.

PDF-Seite 41: Zur Beschützung und Verwaltung des eroberten Landes (Ostmark) ward ein Gaugraf aufgestellt und das menschenleere Land von eingewanderten Sachsen, Franken, Baiern, Slaven und Wenden bevölkert.[…]
Bald änderte sich die Gestalt des Landes, neue Ortschaften entstanden, die Landwirthschaft und der Verkehr, besonders an der Donau, hoben sich, und die Ostmark, die Wiege des österreichischen Kaiserthums, konnte sich unter dem Schutze des mächtigen deutschen Kaisers und unter den Segnungen des Krumstabes zu größerer Bedeutung und Blüthe entwickeln.

PDF-Seite 42: Zu jener Zeit, wo aller Handel und Verkehr von Regensburg und Passau aus sich auf die Donaustrecke von Enns bis Tuln beschränkte, und das Gebiet zwischen dem Kalenberge und der Leitha durch feste Punkte noch nicht gesichert war, besaß Tuln unzweifelhaft die größte Bedeutung in der Ostmark, es war der zeitweilige Sitz des Ostmarkgrafen, die Landeshauptstadt, wie sie Jans in einem Fürstenbuche bezeichnet.   1) Die Babenberger hielten in Tuln wiederholt ihre Hoftage.
1) Weiß, Geschichte der Stadt Wien, 1872 S. 28, 33.

PDF-Seiten 42-43: Nach dem Aussterben der Babenberger (1246) kamen die trüben Zeiten des Faustrechtes auch über Oesterreich, und die kaum cultivierte Provinz drohte zu verwildern. Die Könige von Ungarn und Böhmen, die Herzoge von Baiern und Kärnthen stritten sich um die Herrschaft, während die Mächtigen des Landes in Parteien gespalten sich gegenseitig befehdeten und das Interdict auf der Ostmark lag.

PDF-Seite 204: Mit Carl dem Großen zog der Segen des Christenthumes, dessen Samen der h. Severin gleichsam nur vorübergehend ausstreuen konnte, bleibend in die Ostmark ein. […]
Ludwig erklärte hierauf in einem Diplom vom 28. Juni 823, daß die Güter dem Bischof von Passau zurückgestellt werden sollten und bestimmte auch die Gränzen zwischen den Bisthümern Salzburg und Passau, wornach das ganze Uferland der Ostmark bis zum Schwarzafluß letzterem zu verbleiben hatte.   2) Mit dieser reichen Schenkung erhielt der Bischof von Passau die geistliche Gerichtsbarkeit beinahe über das ganze Erzherzogthum Oesterreich ob und unter der Enns.   3)

2) Hansiz, German. sacra. I. 155–156. – Mon. Boic. XIX. P.I. p. 381.

3) Unter den geschenkten Gütern kommen folgende vor: Inprovincia Avarorum: Lytaha. In provincia Hunnorum: Zeusenmurum, Trasmam, Wachovuam, Pielagum, Nardinum, Roede, Aspach, Wolfeswane, Erlapha, Bierstlingum, Tullana, Trebensee, et in Artagrun basilicas duas et Saxinabasilicas duas et totidem in Fabiana.

Veröffentlicht am 15.8.2025

D 3   1926 - 1928, Der Tullner Gau, Zeitschrift für Heimatforschung

Jahrgang 1, Folge 1
15. Jänner 1926

Das Werden unserer Heimat. 
Von Ludwig Piffl.

Seiten 6 - 7:
1. Das Baumaterial unserer Heimat und seine Entstehung.

[…] Damit war das Meer aus unserer Gegend nicht verschwunden. Vom nördlichen Rande des hochaufgerichteten Wienerwaldes (Greifenstein – Königstetten – Rappoltenkirchen) bis zum weiterhin noch unveränderten Rande des Waldviertels blieb ein schmales, seichtes Meer zurück. Da das Klima, die Tier- und Pflanzenwelt sehr dem des heutigen Mittelmeeres glichen, nannten die Gelehrten dieses Meer mediterranes Meer. Auch dieses brandete an seinen Küsten, zerstörte sie und lagerte abermals Kiese, Sand und Schlamm auf seinen Grunde ab. Auf diese Weise bildeten sich die aus Quarzsand bestehenden Melker Sande bei Ried, Kogel und Dittersdorf und der glimmerreiche Schlier des Auberges und Heuberges an der Gr.[oßen] Tulln. Gleichzeitig trugen bedeutende Flüsse aus dem hoch aufgerichteten Wienerwalde große Mengen von Sandsteingeröll ins Meer und lagerten sie daselbst ab. Dadurch bildeten sich Geröllanhäufungen des Buchbergkonglomerates zwischen Rappoltenkirchen und Neulengbach, des Eichbergkonglomerates bei Dittersdorf und des Hohlenburgerkonglomerates zwischen Herzogenburg und Gobelsburg. Auch diese Ablagerungen wurden etwas gehoben, geschoben, gefaltet.

Allmählich ging das Meer gegen Norden zurück, lagerte zuletzt noch die Sande der Oncophoraschichten, vom Volke Flinz genannt, zwischen Judenau und Traismauer ab und verschwand aus unserer Gegend. Unsere Heimat wurde trockenes Land.

(Fortsetzung folgt.)


Seite 7
Vorgeschichtliches und Geschichtliches über Gösing u. Wagram im Bezirke Tulln,N.-Ö.
Von Robert Löffler.

[…] Den ergiebigsten Fundort bot seinerzeit die sogenannte „Burg“, jetzt eine auf mäßiger Höhe gelegene kleine Häuserzeile. Wir haben es hier nicht etwa mit einer mittelalterlichen „Burg“ zu tun, sondern mit einer jener Befestigungen, wie sie unter anderen nach der Lechfeldschlacht gegen etwaige nochmaliger Einfälle der Magyaren mancherorts errichtet wurden und nach der modernen Befestigungskunst als „Erdwerke“ bezeichnet werden könnten. In den Tiefen dieser „Burg“ fand man gelegentlich einer Abgrabung (Scheinenbau) beim Hause Nr. 8 im Lötz zwischen Aschenschichten zahlreiche Steinwerkzeuge, Gefäßreste, Herdstellen usw. […]

Erdställe. – Diesem Kapitel soll, einerlei, ob es nach der auseinandergehenden Ansicht der Gelehrten hier oder später mit Fug und Recht eingerückt zu werden verdient, an dieser Stelle Erwähnung getan sein.

Solche künstliche Schlupfwinkel sind, wie in anderen Orten am Wagram, auch in Gösing keine Seltenheit. So finden sich unter den Häusern Nr. 58 und 59 Erstställe mit sehr interessanten Einzelheiten. Auch im Bereiche der eingangs erwähnten „Burg“ sollen Erdställe gewesen sein. Im Hause Nr. 17 ist eine Höhle, die durch die achitektonische Verschneidung der Decke in den Kammern und Gängen hervorragt. (Nach Karner). Im Hause Nr. 21 steht ein solcher Bau mit dem Hofbrunnen in Verbindung. In der letzten Kammer dieses Erdstalles tragen die Wände rätselhafte Zeichen. (Bericht durch den noch lebenden Besitzer). […]

 

1. Jahrgang, Folge 2
15. März 1926

Seite 2 - 3:
Das Werden unserer Heimat. 
Von Ludwig Piffl.

2. Die Gestaltung der heutigen Landschaft seit dem Rückzuge des Meeres.

[…] So arbeitete im Laufe ungeheurer Zeiten die Flüsse und Bäche, mit diesen im Bunde Wind und Regen, Frost und Sonnenschein an der heimatlichen Erde und brachten dabei gleichzeitig die Eigenheiten des Gesteins zum Ausdruck. Die einstigen Inseln mit granitenem oder kalkigem Kerne stehen heute noch, Inseln gleichend, da. So der Waschberg und Michelberg. Die harten Sandsteine des Wienerwaldes, Rohrwaldes und Bisamberges treten heute noch als stattliche Berge hervor. Hingegen die weichen Schliere, Sande und Tone des Mediterran-Merres, die den abtragenden Kräften wenig Widerstand leisten konnten, bilden ein sanft gewelltes Hügelland südlich und nördlich des Tullnerfeldes. Die härteren Konglomerate (Buchberg-Eichberg- u.Hollenburgerkonglomerate) ragen als steilere Berge aus ihrer Umgebung hervor. So der Buchberg bei Neulengbach, der Hohenwartberg bei Rappoltenkirchen und der Spatzenberg und Schiffberg bei Traismauer.

Auch die Donau und ihre Nebenflüsse vermochten im weichen Gesteine breitere Täler zu schaffen (Tullnerfeld). Dagegen nur verhältnismäßig enge Täler im harten Gesteine (siehe das Donautal in der Wachau und bei Klosterneuburg).

Damit wäre das heimatliche Landschaftsbild, was Berg und Tal betrifft, in groben Umrissen erstanden. Die letzten Feinarbeiten blieben der Eiszeit überlassen.

(Fortsetzung folgt.)


1. Jahrgang, Folge 4
15. Juli 1926

Seite 4 - 5:
Die Burg Greifenstein in der Geschichte.
Von Josef Machan.

Die Burg Greifenstein ist eine der ältesten des Landes und ihre Entstehung fällt zeitlich mit der deutschen Kolonisation des Tullnerfeldes zusammen, die nach dem Zurückweichen der auf dem Lechfelde geschlagenen Ungarn nunmehr zielbewußt einsetzte und in dieser Gegend besonders durch das Hochstift Passau energische Förderung fand. Es ist begreiflich, daß bis zur endgültigen Zurückdrängung der Ungarn über die Leitha in den Grenzgauen noch manche Kämpfe und Überfälle sich abspielten, unter denen das rasch besiedelte, fruchbare Tullnerfeld besonders litt. Die Passauer, als Eigner dieser ausgedehnten Gefilde, erbauten daher dort, wo das Gebirge dicht an die Donau rückte und nur einen schmalen Engpaß frei ließ, eine Feste, die, wenn auch in kleinen Verhältnissen, den Waffen der Ungarn standzuhalten und ihre Einfälle in das Tullnerfeld abzuwehren fähig war. Auf diese Burg setzten sie Ministerialen aus dem Rittergeschlecht der „Grifo“, wonach die Burg den Namen Grifinstein –Felsburg des Grifo erhielt. Dieser Ursprung sowie die frühzeitigen nahen Beziehungen der Greifensteiner zu Wien beweisen, daß Greifenstein keineswegs ein Raubnest war, zu dem es die Sage gerne stempeln möchte. In der Geschichte erscheint zuerst ein Dietrich von Greifenstein in einer KlosterneuburgerUrkunde des Jahres 1136, sechs Jahrzehnte später ein Siegried von Greifenstein.Von nun an mehren sich die Nachrichten über die Greifensteiner, die zur Zeit, als Ottokar im Besitze Niederösterreichs war, wie die meisten Herrengeschlechter zu seinen Anhängern zählten. […] 

Es ist übrigens fraglich, ob das Geschlecht der Greifensteiner zu jener Zeit noch auf der Burg saß, da das Bistum Passau sie bereits 1146 an einen Otto von Marchland verliehen haben soll. Als letzter der Greifensteiner wird Friedrich 1358 genannt. 

Die Burg hatte mittlerweile ihre Bedeutung als Schutzwehr gegen feindliche Einfälle aus dem Osten vollständig verloren. Dennoch blieb ihr Bestand dem Passauer Bistum als Stützpunkt inmitten ihres ausgedehnten liegenden Besitzes höchst wertvoll und sie wurde auch trotz wiederholter Zerstörung immer wieder aufgebaut. In den Wirren zur Zeit Kaiser Friedrichs III., 1461, fiel sie dem berüchtigten Bandenführer Fronauer zum Opfer, wurde niedergebrannt, aber bereits 1463 wieder hergestellt. Neue strategische Bedeutung erhielt Greifenstein erst wieder zur Zeit der Türkeneinfälle. […]

 

Ihre Verwendung hatte sich im Laufe der Zeiten gründlich geändert. Aus einer Wehr- und Trutzburg war sie zu einem Gefängnis geworden, indem die Passauer nicht nur ihre widerspenstigen Untertanen im Tullner Gebiete, sondern während der Reformation auch abtrünnige Priester einsperrten. Statt eines Burgherrn saß nun ein passauischer Vogt auf Greifenstein, das zur Zeit, als die Wellen der Gegenreformation besonders hochgingen, von Kardinal Khlesl auch für die eigene Diözesangerichtsbarkeit in Anspruch genommen wurde. […]


1. Jahrgang, Folge 5
15. September 1926

Seite 3 - 4:
Die Burg Kreuzenstein in der Geschichte. *)
Von Dr. Anton Becker.

*) Aus „Kreuzenstein“ von Dr. Anton Becker, Reihe: Heimatkundliche Wanderungen, Öst. Bundesverlag, Wien 1926, S. 5 ff.

Zum erstenmal wird Kreuzenstein in einer Melker Urkunde vom Jahre 1115 genannt. Bei der Einweihung der dem Stifte Melk gehörigen Pfarrkirche zu Weikendorf bei Gänserndorf im Marchfelde wurde der Besitzstand dieser Pfarre festgestellt; als Zeuge wird Dietrich von Formbach (Vormbach) und Viechtenstein angeführt, der sich nach seinem Wohnsitz „von Grizanestein“ nennt, was […]

 


2. Jahrgang, Folge 1
15. Jänner 1927

Seite 7 - 8:
Der Leopoldsberg.
(423 m Seehöhe, 240 m Höhe von der Donau aus.)
Von Richard Zinnecker.

Er ist alljährlich das Ziel zahlreicher Schulwanderungen. Bietet er doch an schönen Tagen eine herrliche Aussicht, die sich in der Ferne von den Karpathen mit der Ruine Blassenstein und der Wysoka, über die Hundsheimerberge, das Leithagebirge, das Rosaliengebirge mit der charakteristischen Kapelle, den Wiener-Wald bis zu Schneeberg, Schneealpe und Göller dem dankbar staunenden Blick gewährt. Im Norden und Osten sieht man das malerische Landschaftsbild der Donau, Stadt und Stift Klosterneuburg mit der Schwesterstadt Korneuburg, Kreuzenstein, den Wallfahrtsort Karnabrunn, den Bisamberg mit dem angrenzenden Marchfeld. In nächster Nähe fesselt uns das Stadtbild Wiens. 

Die Geschichte des Berges ist auf das engste mit der unseres Heimatlandes und jener Wiens verknüpft. Einstens trug er den Namen Kahlenberg, wie überhaupt der ganze Ostteil des Wiener-Waldes den Namen Kahlengebirge trug. 

Der ursprüngliche Name gibt zu verschiedenen Deutungen Anlaß:

1. wegen seines „kahlen“ Abfalles gegen die Donau zu.

2. „Kallen“ soll an die germanischen Kelten und Gallen, die wahrscheinlich in vorrömischer Zeit hier ihre Opferstätte hatten, erinnern.

3. „kallen“ hat auch die Bedeutung von bellen (siehe ethym.[ologisches] Wörterbuch von Kluge):wohl das Bellen der Schloßhunde oder das der Hirsche zur Brunftzeit gemeint. 

Die Römer legten wahrscheinlich zur Sicherung Vindobonas einen Wartturm an, während unten am Fuße der Donau-Limes (Donaustraße von Wien (Vindobona) nach Klosterneuburg (Asura), Zeiselmauer (Cetium) führte. Das Römerreich löste sich auf, der Wartturm zerfiel in der wechselvollen Zeit der Völkerwanderung. Durch lange Zeit hindurch ist die Geschichte des Berges in geheimnisvolles Dunkel gehüllt. 

Erst in der Zeit der Babenberger erwacht er zu neuem geschichtlichen Leben. 1101 erbaute Markgraf Leopold III. der Heilige (1095 – 1136) auf dem äußerst günstig gelegenen Gipfel seine neue Burg, als Feste gegen den gefahrbringenden Osten. Nach Fertigstellung verlegte er 1106 seine Residenz von Melk hieher. […]


2. Jahrgang, Folge 3
15. Mai 1927

Seite 8:
Ein "steinernes" Geschichtsbuch.
(Von H. J. Koprivnikar.)

Daß sich da und dort „steinerne“ Geschichtsblätter (Denksteine eines Einzelereignisses!) finden, ist bekannt und für den Lehrer der Geschichtehöchst erfreulich. 

Auf der Serpentinenstraße von St. Andrä vor dem Hagentale nach Gugging bzw. Hintersdorf führend, steht ein ganzes Buch aus Stein: ein im romanischen Baustile ausgeführter Denkstein. Sein Inhalt lautet: 

Blick in das Tullnerfeld
In Zeiselmauer, Tulln und Pischelsdorf bestanden die römischen Castelle Cetium, Comagena und Pirotorto zur Vertheidigung der Reichsgrenze gegen die jenseitswohnenden Germanen.
Auf dem Kumberge stand eine römische Warte. Unten am Ufer des Stromes betrat St. Severin zuerst den norischen Boden ums Jahr 450.
Hier erstürmte Carl der Große einen Ring der Avaren 791.
Von hier aus rückte 1683 der linke Flügel des Entsatzheeres gegen den Kahlenberg vor, um Wien von den Türken zu befreien.
Diese Straße wurde erbaut und der Denkstein errichtet vom n.-ö. Landesauschusse 1876. 

Wenngleich nun dieses „steinerne“ Geschichtsbuch etwas knapp gehalten ist, so bietet es doch sehr viel, besonders für den ersten Geschichtsunterricht. Und fügt man dann noch die vorhandenen „Blätter“ hinzu – ich bringe nur die auffälligsten: die alte, ehrwürdige Kirche, die Kreuzfahrerstraße „Donau“, die Burguine Greifenstein, die Burg Kreuzenstein, beide Stätten, im Gesichtskreise von St.Andrä-Wördern, die Körnereiche mit dem Denkstein, Schloß Altenberg, die ehemalige Villa Beust usw. – So läßt sich in der Geschichtsstunde recht nett arbeiten.


2. Jahrgang, Folge 5
15. September 1927

Seite 1:
Hadersfeld und Hintersdorf in der Vergangenheit.
Von Ferdinand Hoßfeld.

Zwei kleine Ortsgemeinden. Beliebte Ausflugsziele für den Wanderer, der dem Staube der Großstadt entflieht und in Wald und Flur Erholung sucht von den Mühen und Aufregungen des Alltages. 

Beide Orte, entrückt dem nerventötenden Getriebe der Gegenwart, sind schon uralt. Als sozusagen die Vorposten des Wienerwaldes liegen sie auf einem Hochplateau desselben, hat an der Stelle, wo sich der Wald zur Donau absenkt. 

Auch in der Entwicklung ähneln sich beide Orte. Hadersfeld ist sich mit seinen 30 Häusern und 180 Einwohnern vom Jahre 1795 nahezu gleichgeblieben bis heutzutage, wo es etwa 35 Häuser mit beiläufig 200 Einwohnern aufweist. 

Im Mittelalter war dieser Ort ein Teil des Greifensteiner Besitzes. Markgraf Leopold der Erlauchte dehnte bekanntermaße nim harten Kampfe gegen die Ungarn die Ostmark bis an den Wienerwald aus. Nach der Besitzsicherung dieses Landstriches ging er an die Regelung der Eigentumsverhältnisse in diesem Gebiete. Im Tullnerfelde erscheint schon damals das Bistum Passau, seit den Karolingern her reich begütert. Die Besitzung von Greifenstein, mit der unser Ort in ursächlichem Zusammenhange steht, war einem Ministerialengeschlecht zu Eigen. Besthaupt und Butteil des Dorfes Hadersfeld gehörten ihm und der Name des Ortes stammt gewiß von einem Hadmar aus diesem Geschlechte. […]


3. Jahrgang, Folge 2
15. März 1928

Seite 4 - 5:
Forst und Jagd im Weidlingtale.
Von Revierförster Wilhelm Lischka.

[…] Die vielen Ausgrabungen aus der Vorzeit beweisen überdies, daß dieses Tal schon in der Steinzeit besiedelt war. Befestigte Keltenansiedlungen am Leopoldsberg gegen die Minnichwiese wurden schon vor längerer Zeit festgestellt, dergleichen Brandgräber am Leopoldsberg und weitere Brandgräber am Simonsberg, aus Anlaß von Befestigungsarbeiten im Weltkriege aufgedeckt.

 

Die Funde, wie Lanzenspitzen, Rüstungsfragmente, Münzen u. dgl., darunter ein besonders schönes Bronzeschwert, wäre noch, daß im Rotgraben, einem Seitentale des Weidlingtales, beim Brunnengraben in 8 m Tiefe auf einer alten Kohlstätte zahlreiche Topfscherben gefunden wurden, die jedenfalls aus der Vorzeitstammten, leider aber verloren gingen, und daß sich in diesem Tale auch eine Fundstelle befindet, woselbst im Laufe der letzten zwanzig Jahre viele Hunderte uralter Ochsenhörner ausgegraben wurden. Daß der Boden des Weidlingstales im Altertum von Römern bevölkert war, ist geschichtlich erwiesen, war doch auf dem Leopoldsberg ein mächtiger altrömischer Wartturm, dessen Steinmaterialien zum Aufbau der alten Babenbergerburg dienten. […]

 


3. Jahrgang, Folge 4
15. Juli 1928

Seiten 1 - 2:
Pixendorf.
Von Pfarrer Dorninger.

[…] Noch einiges über das Schloß Pixendorf. Eine Ried heißt heute noch Burgstallerberg. Die Sage berichtet, daß diese Burg, welche auf einer Anhöhe thronte und einen Ausblick ins ganze Tullnerfeld und weit über die Donau bot, im 14. Jahrhundert geschleift worden sei. Von dem betreffenden Material wurde dann das neue Schloß im Dorfe selbst erbaut. Wahrscheinlich ist aber diese Burg in den Zeiten der Türkennot verfallen; denn das neue Schloß ist erst im 16.Jahrhundert gebaut worden. Dieses Schloß, welches heute ebenfalls vollständig verschwunden ist, ist in Vischers Abbildungen von 1672 erhalten. Es war von einer viereckigen Mauer und einem Wassergraben umgeben. […]

Veröffentlicht am 15.8.2025

D 4   1953, Heimat-Kalender des Tullner Bezirkes

Seiten 67 – 80:

Siedlungsnahmen und Siedlungsformen im Tullner Bezirk als Zeugen geschichtlichen Lebens
Dr. Karl Lechner

Entscheidender Verkehrsweg die Donau (Berichte schon in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts).
Alte römische Limesstraße – Kierling Furche Wienerwald, von Zeiselmauer – Tulln gegen Traismauer.
Römische Poststraße – von Zeiselmauer – Nitzing mehr gegen Süden, gegen Pixendorf – Rust und nach St. Pölten.
Mittelalterliche Hauptstraße (Ungarnstraße) näher dem Gebirgsrand: über St.Andrä-Tulbing-Judenau-Atzenbrugg gegen Herzogenburg.
Alte Verkehrswege auch über den Excelberg-Schreiblingstein-Königstetten und über die Gablitzfurche-Riederberg-Sieghartskirchen.
Im Norden der Donau war es der die Wagramhöhe beherrschende, den Blick weithin ins Land freigebende „Plekete Weg“ (plaiken, blecken = sichtbar werden!). Von ihm führten alte bedeutende Verkehrswege in das Schmida- und Strassertal. Ebenso verlief durch die Korneuburger Bucht eine vorgeschichtliche Straße. Am Fuße des Wagrams aber zog sich ein weniger bedeutsamer Parallelweg, der Leeweg oder Kirchweg. […]

Namenkunde und die Siedlungsformenkunde ergänzen sich.
Die ältesten Namen sind Flußnamen. Donau – „danu“ = Fluß, reicht inillyrisch-keltische Zeit zurück. Kamp – „Cambos“ = der Krumme. Fluß Tulln viele Möglichkeiten: „tuolla“ = Vertiefung, Graben; „tulle“ = Umzäunung; „tully“ =Überschwemmungsort, Sumpf.
Römische oder romanische Namen haben sich nicht erhalten.
Hinweise auf die unter awarischer Oberhoheit stehenden und von ihnen vorgeschobenen Slawen, die etwa im 7. Jahrhundert in unser Gebiet gekommen sind, finden sich in den Flußnamen des Reidlingsbaches  […], Gablitzbach, […]
Slawische Ortsnamen sind in unserem Gebiet selten.

Schon in der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts sind die Baiern, Bai(o)waren, vom Westen her bis an den Wienerwald in unser Gebiet gekommen, bald setzen sie auch über die Donau. Dabei müssen wir festhalten, daß Reste einer germanischen Mischbevölkerung sich noch von früher erhalten hatten. Jedenfalls darf ein Gutteil unserer Siedlungen als vorkarolingisch bezeichnet werden (vor 750). Die ältesten Ortsnamenschicht, die wir in unserem Gebiet und zwar in großer Zahl treffen, sind jene mit der Endung –ing. Sie zeigen die geschichtliche Zugehörigkeit zu einem Sippenhaupt an, oder häufiger noch die gefolgschaftsmäßige Zugehörigkeit, sei es waffenfähiger Leute zu einem Führer, sei es sonst untertäniger Leute zu einem freien Grundherrn. Der Name dieser Herren ist im Hauptwort enthalten. Der Name bedeutet also: (die Siedlung) beiden Leuten des …!
Penzing (PN. Penzo, Koseform vonBerengar)
Epping (PN. von Eppo, Eberhard)
Henzing (PN. Henzo, Koseform von Heinrich)
Kraking (PN. Graggo) […]
Sind echte, aus Personennahmen gebildete –ing Namen, die zweifellos spätestens in das 9. Jahrhundert zurückreichen.

Ähnliche Bedeutung wie die –ing Namen, aber aus jüngerer Zeit stammend, haben die Namen mit der Endung –ern oder –arn. Sie bedeuten entweder die Ansiedlung von Leuten eines bestimmten Berufes, z. B. Gollarn („Goldarin“, d. h. bei den Goldwäschern; […];
hierher gehört auch Ollern (1033 Alarun, Leute bei den Erlen, Ellern)
[…]

Andere noch weitin die Karolingerzeit zurückreichende Namen sind jene auf –heim. […]
Häufiger und gleichfalls aus dem 9. Jahrhundert stammend sind die Orte auf–hausen, -hofen und –stetten. Die ersteren geben einen Hinweis auf einebedeutsamere, vielleicht wehrhafte Siedlung. […]
In einem gewissen Gegensatz dazu stehen die Namen auf –stetten, die eher auf Lagerstätten, große Scheunen, also mehr auf Landwirtschaft (Getreidebau) deuten. […] Hieher gehört aber das sicher aus der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts stammende Abstetten(„Abbatesteti“), also: bei den Stätten eines Abtes! […]

Zweifellos in die karolingische Zeit zurückreichend, schon im Zusammenhang mit der deutlich ausgeprägten Siedlungsform sind die Ortsnamen auf –kirchen. Es sind zwei bedeutsame und alte Siedlungen dieser Art in unserem Raum: Rappoltenkirchen, also die Kirche (und Kirchensiedlung) eines Rapoto –und wir dürfen diesen ruhig auf den in der ersten Hälfte des 9. Jhdts. Genannten Grafen Rapoto (in Tulln, siehe nächsten Aufsatz) beziehen; ferner Sieghartskirchen, in welchem Namen wir gleichfalls spätestens den um 906 verstorbenen Ahnherrn Sighard der Grafen von Ebersberg erkennen dürfen. […]

Tatsächlich reicht besonders in unserem Gebiet der Großteil der Orte mit der Endung –dorf noch in die Karolingerzeit zurück. […] Dabei bedeutet –dorf (-thorp) ursprünglich keineswegs jene große Siedlung, die wir heute damit verbinden. „Dorf“ heißt dann wohl schlechthin Gut, grundherrliche Siedelstätte, Landgut (mit abhängigen Nebengebäuden). […] Wahrscheinlicher ist das schon etwa bei den Namen Dietersdorf (von einem Diether, Theother, den wir in der Mitte des 9. Jahrhunderts im Osten finden; s. u.) oder Gerersdorf (von einem Gerold, wohl einem der karolingischen Präfekten der Mark am Ende des 8. und der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts, bzw. einem 861 entsetzten Grafendes gleichen Namens), […]

Eine jüngere Ortsnamenschicht stellen im allgemeinen jene auf die Endung –bach dar, obwohl der Gewässername selbst sehr alt sein kann. Sie künden vielfach ein erstes systematisches Hineingreifen in das Waldland an, […] Im Tullner Bezirk selbst sind es: Röhrenbach und Elsbach (richtig„Esilspach“, zirka 1037/42). […]

Von Rodungsnamen wäre nur einer im Süden: Kreuth (=Gereut) bei Rappoltenkirchen zu nennen, wiewohl hierher auch bereits Ried (Reode, Rodung) zu zählen ist, das wohl erst in das 11. Jh. gehört. […]

Siedlungsplanforschung (Adalbert Klaar)
Dazu tritt nun vom 9. Jh. an, sozusagen mit einem gewissen Ordnungselement und zugleich der ungeschützten Siedlung ein wehrhaftes Moment hinzufügen, jene charakteristische Siedlungsform, die man als Kirchen-(höhen-)siedlung bezeichnet; also eine wehrhafte Kirche auf erhöhtem Platz und am Abhang oder zu ihren Füßen die Siedlung. Diese Form zieht sich – wie die übrigen auch – von Bayern und Oberösterreich herein und reicht noch über Wien heraus. […] Gleichöstlich daran schließen sich die Kirchensiedlungen Murstetten, Würmla, Asperhofen, Abstetten, Sieghartskirchen (in Rappoltenkirchen ist die Lage nicht mehr erkennbar). […]

Frühangerdorf – Dietersdorf
Ein sehr schönes Dreiecks-Angerdorf ist Ollern.
Alle diese Angerdörfer sind typische Kolonisationssiedlungen, die seit dem 11. Jh. auftreten. […]
[Anmerkung Marktgemeinde, Andreas Bohnec, 14.6.2024:
Josef Koller untersucht in seiner Chronik „Ollern, Orts- und Häuserchronik, 1983“ in den Seiten 22 bis 24 mit Skizze, das ein älterer Teil ein Haufendorf ist und somit in karolingischer Zeit oder früher entstanden sein könnte.
Die angegebene Skizze siehe unter 01 Karten, Bilder Nummer 19_Ortschronik_Ollern,Abbildung 3.]

Seite 83 –101:

Geschichte des Tullner Bezirkes in der Karolingerzeit
Dr. Karl Lechner

Hat uns nun Namen- und Siedlungsformen-Kunde im großen und ganzen die geschichtliche Struktur der heutigen Landschaft veranschaulicht, wobei wir noch einmal entschieden betonen wollen, daß ihre Anfänge deutlich in die vorkarolingische Zeit (mindestens des 8. Jahrhunderts) zurückweisen – so sollen nun die historischen Quellen im engeren Sinn, die schriftlichen Zeugnisse urkundlicher und erzählender Art, uns ein genaueres Bild der Siedlung und Besitzverteilung, sowie der dahinterstehenden Menschen und Geschlechter, und auch der kriegerischen und politischen Ereignisse, die sich in diesem Raum abgespielt haben, vermitteln.  *)

*) Eine zusammenfassende Darstellung der Geschichte des Tullner Bezirkes fehlt. Für die allgemeine Geschichte des Landes Niederösterreich wir mit Gewinn immer noch auf die „Geschichte Niederösterreichs und Oberösterreichs“ von Max Vancsa gegriffen werden (1. Bd. 1905, 2. Bd. 1927).
Für das Wienerwaldgebiet ist das Buch von A. Schachinger, „Der Wienerwald“. Eine landeskundliche Darstellung („Forschungen zur Landeskunde von Niederösterreich“, herausgegeben vom „Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien“, Bd. 1/2, 1934), ein wertvoller Behelf, auch für die Ortsgeschichte.
An kleineren Arbeiten, die sich teilweise auf den Tullner Bezirk beziehen, sind zu nennen:
K. Lechner, Studien zur Besitz- und Kirchengeschichte der karolingischen und ottonischen Mark an der Donau (Mitteilungen des Institutes für Oesterreichische Geschichtsforschung 52. Band, 1938, Seite 195 – 215;
ferner derselbe, Die geschichtliche Landschaft zwischen Donau und Wagram (Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich, 27. Jg., 1938, Seite 30 – 70);
derselbe, Urgeschichtliche Bodendenkmäler in mittelalterlichen Urkunden (Mitt.d. Inst. f. Oest. Gesch.-Fg. 60. Bd., 1952, S. 90 – 107).

Für die allgemeinen und verwaltungsmäßigen Verhältnisse zu Karolingerzeit ist immer noch zu verwenden:
E. Dümmler, Ueber die südöstlichen Marken des fränkischen Reiches unter den Karolingern (Archiv für Kunde österr. Geschichtsquellen, 10. Band, 1853).
Auf die vielen, einander widersprechenden und doch zu keiner wirklichen Klärung kommenden Aufstellung betreffend die Grafschaften zwischen Traisen und Wienerwald bzw. Wiener Becken von Dümmler bis Oettinger, „Das Werden Wiens“, 1951, sei hier nicht näher eingegangen. Erwähnt sei nur das Buch von I. Zibermayr, Noricum, Baiern und Oesterreich, 1944, der Tulln dabei eine besondere Bedeutung beimißt (besonders Seite 298 ff).

An ortskundlicher Literatur nenne ich noch die Artikel in der „Topographie von Niederösterreich“, hrsg. vom „Verein für Landeskunde von Niederösterreich“, bis jetzt 8 Bände, deren erste jedoch völlig veraltet sind;
ferner die vielen Anmerkungen bei G. Winter, Die niederösterreichischen Weistümer, 2. und 3. Band (für die Viertel unter dem Manhartsberg und ober dem Wienerwald);
endlich die Anmerkungen bei A. Maidhof, Die Passauer Urbare, 1. Band, 1933.

Anmerkung Marktgemeinde, Andreas Bohnec, 14.6.2024:
Im „Heimatkalender des Bezirkes Tulln“ gibt es von Dr. Max Wellner den Artikel „Die Weistümer des Tullner Bezirkes“. Teil 1 aus 1955, Seiten 21 bis 60 und Teil 2 aus 1960, Seiten 17 bis 68.
Beide Ausgaben aus Privatbesitz sind bekannt. Die Ausgabe 1960 konnte schon vor einigen Jahren für das Gemeindearchiv gescannt werden, die Ausgabe 1955 (im Mai 2024 leihweise erhalten) noch nicht.
Diese beiden Artikel sind interessant, die die Weistümer nicht nur zitiert, sondern auch erklärt werden. Online sind die Weistümer zur Verfügung – siehe unter Frühgeschichte Register Nummern 15 – 19 (aus den Heimatbüchern) und Abschriften Nummern 20 – 26.

 

Eine urkundliche Nachricht aus dem 8. Jahrhundert fehlt für unser Gebiet. (Eine solche haben wir z. B. für das Gebiet des Dunkelsteiner Waldes, links der Traisen.) Aber jenes Ereignis, das entscheidend für den ganzen Donauraum und den deutschen Süden, ja für das fränkische Reich überhaupt werden sollte, die siegreichen Kämpfe Karl des Großen gegen die Awaren, haben auch für unsere Gegend einen direkten Niederschlag gefunden. Immer wieder hatten seit dem 7. Jahrhundert die Awaren das Land westlich des Wienerwaldes heimgesucht. Um 700 waren sie bis über die Enns gelangt und hatten nun, zumindest im Osten dieses ganzen Landstriches, auch Dauersiedlungen angelegt. 808 ist zum Beispiel die Rede von der „loca Auarorum“, also „Awarenniederlassungen“, für den Raum nordwestlich von Neulengbach. Und „terra“ bzw. „provintia Avarorum“ wird im nächsten halben Jahrhundert das ganze Gebiet von der Erlauf bis zur Leitha genannt werden.  1)

(1: Vgl. dazu K. Lechner, Urgeschichte Bodendenkmäler, a. a. O. S. 92 f, 97.)

Im Jahre 791 nun zog Karl der Große von Lorch (Enns) aus in drei Kolonnen gegen Osten. (Wir sind durch die von Einhard, dem Biographen Karls d. Großen überarbeiteten und fortgesetzten, aus der alten Reichsabtei Lorsch in Hessen stammenden Reichsannalen über diese Ereignisse bestens unterrichtet.)   2)

(2: Mon. Germaniae, Scriptores I, p. 176 ff;
In der Schulausgabe von F. Kurze (Annales regni Francorum), p. 88 f.)

Karl d. Große selbst zog im Süden der Donau, zweifellos entlang der alten Römerstraße; die Friesen und Sachsen im Norden der Donau (zunächst von Böhmen her durch den „Nordwald“, vermutlich auf den „Böhmweg“, der bei Straß einen alten West-Ostweg erreichte), sei es auf dem „Pleketen Weg“ auf der Höhe des Wagrams oder auf dem südlich und niederer gelegenen „Lee-Weg“ („Straß“, „Markt-Weg.“), wobei es nicht unwahrscheinlich ist, daß der Name des Dorfes Sachsendorf mit seiner altartigen Block-Streifenflur auf eine solche (vorübergehende?) Niederlassung von Sachsen deutet. Auf der Donau selbst zog eine Flotte mit Kriegsmaterial. Wir erfahren, daß das Nordheer am Unterlauf des Kampf, etwa bei Hadersdorf-Kammern (=Chambarn; also knapp außerhalb unserer Bezirksgrenze“!), eine Straßensperre der Awaren erstürmte, während Karl d. Große selbst im Süden eine ähnliche Sperre eroberte, und zwar „in monte Cumeoberg“ mit der näheren Bezeichnung: „iuxta Comagenos civitatem“, also: „auf dem Cumeoberg, bei oder in der Nähe der Stadt Tulln“.  3)

(3: ebenda. (Damit ist Anmerkung 2 gemeint.))

Es ist der noch heute so genannte Kumenberg oberhalb von St. Andrä, links an der Straße, dort also, wo die alte Römerstraße (durch die Kierlingfurche) in das Tullner Feldtritt. (Der Name, der sich allerdings auf einen größeren Teil des Wienerwaldrückens von Königstetten bis Greifenstein erstreckt, stammt von dem „mons Commagenus“, dem Bergland von Tulln, Commagena). Klar ist aber mit der Bezeichnung „civitas“ die Bedeutung des Ortes Tulln umschrieben: keine „Stadt“ im Sinn des 11. Jahrhunderts, aber die entscheidende und wichtige Donau-Großfeste im Tullner Feld, erstanden auf dem zweifellos noch deutlich in seinen Grundzügen und Gebäuderesten erhaltenen römischen Lager! Ein halbes Jahr später starb in dieser Gegend, „az haga Huno Chumiberg“ (in der Quelle verderbt zu „Asnagahunc Chunisberch“), der Erzbischof Angilram von Metz, vielleicht an einer im Kampf erlittenen Wunde.  4)

(4: Metzer Bischofskatalog: Mon. Germaniae, Scriptores XIII, p. 306;
vgl. dazu Lechner, a. a. O. S. 98 f.)

Karl der Große aber drang zum ersten Mal nach Pannonien vor, über den Ort „Omuntesdorf“ hinaus („Karolus perrexit in Pannoniam ultra Omuntesdorf“, bzw. „Omundesthorf“).  5)

(5: So nach den vor 30 Jahren aufgefundenen älteren Salzburger Annalen: Mon. Germ., Sciptores XXX/2, p. 734,
und nach den aus dem Kloster St. Maximin in Tier stammenden Annalen: Mon.Germ., Sciptores XIII, p. 22.)

Wir wissen, daß die alte Grenze zwischen Noricum und Pannonien auf der nördlichen Kammhöhe des Wienerwaldes, bei Gugging und am Greifensteiner Sporn verlief (nicht, wie wir später noch betonen werden, an der Großen Tulln). Karl der Große erreichte also auf der alten Heerstraße beim Austritt aus dem Kierlingtal wieder die Donau, bei Klosterneuburg, und wir werden nicht fehl gehen, wenn wir das alte Omuntesdorf – eben der erste Ort in Pannonien -, dem, wie wir noch sehen werden, 100 Jahre später ein „Omuntesperch“ entspricht, auf die Stelle St. Martin in Klosterneuburg beziehen, zu der auch das gegenüberliegende (Lang-)Enzersdorf (schon im 11. Jahrhundert genannt) als Übergangsstelle paßt.

Die Kämpfe Karl des Großen endigen mit einem vollen Erfolg. Karl drang bis zur Raab vor, 796 eroberte sein Sohn Pippin im Alföld eine der großen Ringe der Awaren und 895 kam der Awaren-Khagan an die Fischa und wurde dort getauft. Zunächst bis zur Fischa, später bis zur Leitha und bis zur Raab wurde das Land in die Reichsorganisation Karl des Großen einbezogen. Das Tullner Feld und der Wienerwald waren dem Reich gesichert! Das Land östlich der Enns („Avaria“, „terra“ oder „provincia Avarorum“, manchmal auch „Pannonia“ genannt) ist nun mit dem Land bis zur Raab zu einer Mark gemacht worden. (I. Zibermayr läßt die Mark erst am Wienerwald beginnen!), über die ein Präfekt (auch Markgraf genannt) gesetzt war. Er hatte seinen Sitz in Traisma (St. Pölten). Der erste von ihnen war Gerold, der Schwager Kaiser Karls selbst, dem später noch ein jüngerer Gerold (bis 832) folgte. Von diesen Gerolden (bis in die Mitte des 11 .Jahrhunderts sind Grafen dieses Geschlechtes nachweisbar) führen wohl die Orte Gerersdorf (bei St. Pölten), Gerolding (im Dunkelsteinerwald) und auch unser Gerersdorf (nördlich Rappoltenkirchen) ihren Namen. Dem Präfekten waren Grafschaftsbezirke unterstellt. Während zuerst die Grafschaft Traisma bis zum Wienerwald reichte, scheint später Tulln selbst zu einem Grafensitz geworden zu sein. Wir werden von den hier waltenden Grafen gleich höhren.

Das eroberte Land in dieser „terra Avarorum“ war nach altem Recht Königs- oder Reichsland und wurde nun geistlichen und weltlichen Herren zum Geschenk ausgeteilt; meist zu Eigen, aber gelegentlich auch zu Lehen. Die älteste dieser Schenkungen, die wir im Donauraum kennen, bereits vom Jahre 808 – sie erfolgt durch ein baierisches hochadeliges Geschlecht, dem es wohl unmittelbar nach der Eroberung dieses Raumes (es ist die Rede von der „loca Avarorum“) vom Kaiser gegeben worden war, an das Kloster St. Emmeram in Regensburg -, trifft zwar nicht mehr den Tullner Bezirk selbst, sondern das Gebiet unmittelbar südlich davon, am Haspelwald (um Unterwolfsbach, zwischen dem Raipoltenbach und Seebach); aber es wurde so der Eckpfeiler des späteren großen Herrschaft Neulengbach, die allerdings gelegentlich auch noch nach Norden ausgriff. 6)

(6: J. Widemann, Die Traditionen des Hochstiftes Regensburg und des Klosters St. Emmeram („Quellen und Erörterungen z. bayr. Geschichte“ N.F. VIII) Nr. 10:
vgl. dazu K. Lechner, a. a. O. S. 92 ff.)

[Anmerkung Marktgemeinde, Andreas Bohnec, 15.6.2024:
Eine Abschrift der Urkunde, Erklärung einiger Begriffe und die Verortung zu unserem Elsbach durch Franz Zarl – siehe Geschichte Epoche 9. Jahrhundert.]

Jedenfalls ist damit das alte Siedlungsgebiet, gekennzeichnet durch Ortsnamen und Siedlungsformen, von dem wir im ersten Aufsatz sprachen, genügend erklärt.

Die genannte Benediktinerabtei St. Emmeram in Regensburg war im frühen 8. Jahrhundert gegründet und dem 739 errichteten Bistum Regensburg als Eigenkloster unterstellt worden, so daß in Real- und Personalunion sowohl der Gutsbesitz als auch die bischöfliche und äbtliche Würde vereinigt waren. Dieser Zustand fand erst 975 ein Ende. St. Emmeram war es nun wieder, auf das sich die erste urkundliche Nennung im Tullner Bezirk bezieht! Im Jahre 834 gibt ein Graf Willehelmus (Wilhelm) sein Eigengut „am Orte, genannt Bersnicha“ („in loco nominato Bersnicha“), das ist eine Kirche mit dem dazugehörigen Haus („casa“-Priesterhaus), einem Hof sammt den übrigen Gebäuden, mit Hörigen und Knechten und Ländereien (kultiviert und unkultiviert) und mit dem halben anschließenden Forst. Der Schenker behält sich für sich und seine Frau Engilrada den lebenslänglichen Nutzgenuß vor und erhält dazu noch andere Güter des Domstiftes (im heutigen oberösterreichischen Innkreis) auf Lebenszeit. (Ausgestellt ist die Urkunde im Kartinskloster zu Schönau, nordöstlich von Eggenfelden im baierischen Rottal, vermutlich einem alten, schon vor 819 an das Bistum Regensburg gegebenen Wilhelminerbesitz.  7)

(7: ebenda (Regensburger Traditionen) Nr. 27.)

Wenn wir uns nun fragen, wo dieser Besitz im Ort „Bersnicha“ (Perschling) gelegen ist, dann dürfen wir dabei nicht an den heutigen kleinen, zur Pfarre Weißenkirchen gehörigen Ort Perschling denken, sondern – wie Ortsname, Patrozinium und Besitzgeschichte sagen – an das nordöstlich gelegene Michelhausen (=“Großhausen“) an der Perschling. Wie so häufig ist in der Bezeichnung „locus Bersnicha“ nur ein großer, vielleicht der bedeutenste Ort am Fluß Perschling (oft auch ein Ort an der Mündung eines Flusses) gemeint, der zunächst den Flußnamen trägt. Hier haben wir es mit einer alten, schon 1227 genannten Kirche zu tun, die das Patrozinium St. Peter – also das gleiche wieder Dom von Regensburg! – trägt. Michelhausen ist vor allem der Mittelpunkt eines großen, zum Teil bis ins 17. Jahrhundert heraufreichendes Besitzes des Bistums Regensburg (an das eben der alte Emmeramer Besitz übergegangen war), nämlich in Michelhausen, Mitterndorf, Michelndorf, Rust, Spital.  8)

(8: Lechner, a. a. OS. 95;
Blätter des Vereines f. Landeskunde 35, S. 481 *);
Topographie v. NOe., VI. Band, S. 571 ff.)

[*) AnmerkungMartgemeinde, Andreas Bohnec, 15.6.2024:
Urkunde vom 11.8.1469, Seite 480 – 481.]

Die Zehente, in diesen und noch anderen Orten aber gehören bis in die Neuzeit zur Regenburgischen Lehensherrschaft Orth a.d. D.  9)

(9: O. H. Stowasse, Das Land und der Herzog, 1925,S. 107 ff und Karte.)

Und schließ-[lich ?] hält ja noch der Name Michelhausen die Erinnerung an das große Haus (casa) des Schenkungsgutes von 834 aufrecht. Ob der an der Mündung der Perschling liegende Ort Pischelsdorf, d. i. Bischofsdorf, auf Regensburg oder doch eher, wie wir noch höhren werden, auf Passau deutet, sei hier nicht entschieden.

Unsere Urkunde vermittelt uns nicht nur die Kenntnis einer alten, in den Anfang des 9. Jahrhunderts zurückreichenden Kirche an der Perschling, zugleich geistliches Zentrum für die ganze Umgebung, von einem baierischen Beneditkinerkloster betreut – ein großer Unterschied zu dem späteren, im 11. Jahrhundert vom Passauer Diözesanbischof organisierten Pfarrsystem! -, sondern auch von der Bedeutung des Forstbesitzes, des unter Bannhoheit stehenden Waldes“ Bis in das 19. Jahrhundert bestand eine eigene kleine Herrschaft der Pfarre Michelhausen.

Noch mehr Bedeutung hat für uns der Schenker und sein Geschlecht. Es ist der älteste jenes hochbedeutsamen Geschlechtes, das nach dem am häufigsten vorkommenden Namen, die Wilhelminer genannt wird. Es ist vermutlich mit der im austrasisch-aquitanischen Gebiet des Frankenreiches bedeutsamen Sippe der Wilhelme verwandt. Dieses Geschlecht ist mit reichem Besitz in Niederbayern und im Innviertel, im oberösterreichischen Machland und in der Riedmark und um Linz (dort auch in Ausübung des Grafenamtes!), im Viertel ober dem Wienerwald, in der Wachau und vor allem im Tullner Feld, und zwar beiderseits der Donau, nachweisbar.  10)

(10: K. Lechner, Studien z. Besitz- und Kirchengeschichte etc. (Mitt. d. Inst. f. Oest. Gesch.-Fg. 52, 1938), S. 199ff;
O. Mitis, Die Suche nach der Heimat des Ostmarkgrafen Wilhelm (Jahrb. f.Landeskunde von Noe. 29, 1948), S. 42 ff. 
E. Zöllner. Zur Bedeutung der Otokare für Salzburg, St. Pölten und Wien (Jahrb.der Herald.-Geneal-Gesellschaft „Adler“, Jg. 1945/46), S. 31 f.)

Einen Großteil dieser Güter lernen wir aus einer Urkunde vom Jahre 853 kennen, in der König Ludwig der Deutsche dem Bischof von Regensburg (zugleich Abt von St. Emmeram) alle Güter bestätigt, die einst Graf Wilhelm zu eigen besessen hatte und für die alle nun Immunität (Freiheit vor jeder Gewaltübung des öffentlichen Richters) verliehen wird. Unter den Gütern des hl. Petrus (Hochstift) und des hl. Emmeram (Kloster), die sowohl von Bayern als Slawen, von Freien und Unfreien bewohnt sind, werden auch wieder solche zu „Bersnicha“ aufgezählt.  11)

(11: Mon. Germaniae, Diplomata: Urkunden Ludwigs d. Deutschen Nr. 64.)

Der Übergang an das Hochstift ist deutlich! Graf Wilhelm scheint um diese Zeit also gestorben zu sein. Ihm und seinen Nachkommen sind Grenzgrafschaften des Reiches anvertraut. Und es ist klar, daß dieses Geschlecht gerade an der Grenze gegen die Mährer besonders mit Gütern ausgestattet wurde. Wir werden davon und von seinen Nachkommen noch später hören.

Ob Wilhelm als Untergraf in Tulln oder in Mautern seinen Amtssitz hatte, läßt sich nicht sagen. Aber wir erfahren von einem Grafen, Ratbot bzw. Rapoto, in unserem Gebiet, der wohl, zumindest von 836 – 854, in Tulln seinen Sitz hatte, aber als Präfekt der östlichen Mark und Grenzgraf in Oberpannonien eine besondere Rolle spielte. Zuerst finden wir ihn in einer Urkunde vom Jahre 836, die in jeder Beziehung für unseren Bezirk bedeutsam ist.  12)

(12: ebenda, Nr. 18;
vgl.. dazu Lechner, Urgesch. Bodendenkmäler S. 96 ff.)

Danach schenkt König Ludwig der Deutsche, der Enkel Karl des Großen, dem Hochstift Passau sein Eigengut „im Awarenland“ („provincia Auarorum“) an einem Ort, der „Kirichbach“ heißt, und zwar eine Kirche mit einem großen Gebiet (die Worte „Mehr als hundert Huben“ sind später hinzugefügt!). Dieses ist begrenzt auf der einen Seite (Nordwesten) durch einen Weg, der zu einem Ort namens „Tumulus“ (= Lebarn, unteres Eigen) führt, auf der anderen Seite (Nordosten) durch das Gut eines Theother (in der Gegend Höflein-Kritzendorf-Kierling) und im Süden durch die „Höhe des Cumenberges“. Bei der Aufzählung der Zugehöre zum geschenkten Gut werden ausdrücklich „vineae“ (Weingärten) genannt –zugleich die erste Erwähnung des Weinbaues in unserer Gegend! (im 5. Jahrhundert wird solcher allerdings schon für die Gegend von Mautern und 830 für die Gegend von Spitz erwähnt). Die Überweisung an den Passauer Chorbischof erfolgt nun eben durch einen Grafen Ratbod – an Königsstatt, also als Amtsgraf! Wir kommen gleich auf ihn zurück.

„Kirichbach“, zugleich der Mittelpunkt des ganzen Schenkungsgutes, ist St. Andrä vor dem Hagenthal, mit seiner hochgelegenen, wehrhaften, in der heutigen Gestalt noch in das 13. Jahrhundert zurückweisenden Kirche. Wir haben hier zunächst wieder eine alte Kirche, die aber diesmal dem Diözesanbischof selbst übereignet ist und die daher in die spätere passauische Pfarrorganisation einbezogen wurde – St. Andrä ist Mutterpfarre für die Pfarren Langenlebarn, Tulbing und Königstetten und griff später auch noch in das Waldgebiet von Mauerbach zurück. In dieser Schenkung liegt die Begründung jenes bedeutsamen Passauer Besitztumes, das genau in dem gleichen Umfang der Urkunde von 836 als "Hofmark Zeiselmauer“ (mit dem Unteramt „Tullnerfeld“) und später „Rentamt Königstetten“ erhalten blieb bis in das 19. Jahrhundert. Auch die Südgrenze auf den Kammhöhen des Wienerwaldes – „Passauer Hof“ (beachte den Namen!) –Hirschengarten – Scheiblingstein (ein alter römischer Meilenstein!) –Hadersdorfer Höhe – blieb die alte: ein Beweis für die Kontinuität historischer Grenzen und Besitzansprüche seit der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts!! Hier, nördlich von Mauerbach, entstand bezeichnenderweise der Ort „Bischofsdorf!, der aber bereits Ende des 15.Jahrhunderts öde lag. Die genannte Grenze deckt sich auch mit jener zwischen Noricum und Pannonien – der „Marbach“ (= Grenzbach, der obere Kierlingbach) und der „Hangende Stein“ (später Greifenstein) sind Zeugen dafür! Genau bis dorthin reicht das Besitztum Passaus; erst allmählich greift es über diese Grenze hinaus nach Osten, nachdem ihm schon 829/30, vermutlich eher später (die Urkunde ist eine Fälschung!), dort, d. h. jenseits des Wienerwaldes, gegenüber Salzburg Diözesanrechte zugesprochen wurden.  13)

(13: Urkunden Ludwigs d. D. Nr. 173.)

Der genannte Ort „Tumulus“ (= Grabhügel, vermutlich aus illyrischer Zeit) wird durch die deutsche Bezeichnung „Leber“ völlig gleichsinnig wiedergegeben. (Im 10.Jahrhundert ist die Rede von den „colles“ und „acervi“, was alles „Hügel“ bedeutet. Er handelt sich eindeutig um Langen-Lebarn!).

Auf dem Boden des Schenkungsgutes von 836 entstanden nun bald die Orte Königstetten (Chunihohestetin) und in oder bei den Resten des Römerlagers Asturis (das zweifellos schon in Noricum gelegen war), Zeiselmauer („Zeizinmure“; im 10.Jahrhundert als „civitas“ bzw. „castellum“ bezeichnet); beide Orte sind aber in echten Urkunden erst aus dem 10. Jahrhundert überliefert. Eine angebliche Urkunde Ludwig d. Frommen vom Jahre 823, die sie nennt, und zwar Zeiselmauerals angebliche Schenkung Karl des Großen, erweist sich als Fälschung aus dem Ende des 10. Jahrhunderts. (Wir kommen in einem späteren Aufsatz darauf zurück!) Die echte Urkunde dieses Jahres kennt westlich von St. Pölten noch keinen Passauer Besitz!  14)

(14: Ob.-Oest. Urk. Buch II. Bd.S. 8 f und 10 f;
E. Mühlbacher. Karolinger Regesten, 2. Auflage, Nr. 778.)

Der genannte Graf Ratbod (Rapoto), der in Baiern über reichen Besitz verfügt und ebenso im Wechselgebiet, wo er als Graf nachweisbar ist, und der vielleicht aus dem altbaierischen hochadeligen Geschlecht der Huosi stammt, tritt uns bereits im Jahre 837 selbst mit einer großen Schenkung entgegen, und zwar wieder an das Kloster St. Emmeram. Sie erfolgt in Gegenwart König Ludwig des Deutschen in Regensburg und betrifft des Grafen Eigengut „ad Tullinam“.  15)

(15: Widemann, Regensburger Traditionen Nr. 29.)

Er ist damals ohne Söhne gewesen; sollten solche noch kommen, dann kann der Besitz rückgelöst werden. Wieder erhebt sich die Frage nach dem genauen Ort des Schenkungsgutes. Die Wahrscheinlichkeit, daß es die Tulln und nicht der Ort Tulln ist, ist groß. Zum Unterschied von der Perschling können wir später (so auch in der oben erwähnten Besitzbestätigung von 853) Regensburg – St. Emmeram direkt nicht mehr an der Tulln (und schon gar nicht in Tulln selbst) nachweisen. Es ist nun möglich, daß eine Wiedereinlösung des Gutes durch Söhne des Schenkers erfolgt ist. Der Übergang an Vögte von St. Emmeram aber wäre mindestens ebenso naheliegend. Wir werden solche später noch kennenlernen! Vor allem aber gehörten zu der späteren Regensburgischen Lehensherrschaft Ort Besitz und Zehente in Judenau, sowie in allen Orten von Dietersdorf bis Markersdorf an der Großen Tulln, vor allem aber Dorf Sieghartskirchen und Gut in Gerersdorf an der Kleinen Tulln. 16)

(16: Stowasse, a.a. O.)

Ein zweifelloses Besitztum unseres Rapoto aber ist wohl der an der Kleinen Tulln gelegene Ort Rappoltenkirchen (richtiger Rapotenkirchen) mit seiner alten St. Georgskirche – zugleich ein Beweis dafür, daß dieses Patrozinium nicht etwa erst durch die Kreuzzüge seit Ende des 11. Jahrhunderts in unsere Gegend gebracht wurde! Rappoltenkirchen aber ist im 12. Jahrhundert in der Hand der steirischen Markgrafen, der Otakare, an die es (sei es durch ein babenbergisches Zwischenglied oder nicht)von den alten Regensburger Vögten, den Grafen von Formbach, gelangt sein dürfte. Und an die Domvögte von Regensburg, die Herren von Lengenbach, kam es am Ende des 12. Jahrhunderts wieder zurück. 17)

(17: Mon. Germ., Deutsche Chroniken III, S. 710;
Maidhof, Passauer Urbare I, S. 222, Anm. 1745, S. 710.)

Rapoto, von dem es heißt, daß er 854 das Grenzgebiet im Osten des Reiches aufgegeben hat und mit dem Fürsten Rastislaw von Mähren sich verbündet hat,  18)

(18: Mon. Germ., Scriptores XXX/2, p. 744 (Excerpte Aventius aus den alten Salzburgern Annalen): „Rantopot comes plagisorientalibus terminum dimisit. Ratislao carmulam (= Aufstand) fecit“.)

wurde wegen seiner Untreue schwer bestraft. In einer Urkunde vom Jahre 859 sagt König Ludwig der Deutsche, daß er früher einmal dem Ratboto, einem seiner angesehensten Gefolgsleuten („cuidam ex primatibus nostris“) die Hälfte seines Königsgutes („fiscus“!), „qui vocatur Tullina“, gelegen „in regione Pannonia“, zu Eigen übertragen hatte. Da er aber Treubruch beging und sich dem König entfremdet hatte, entzieht er ihm diesen Besitz und gibt ihn den Mönchen von St. Emmeram (gegen vorläufigen Nutzgenuß durch seinen Truchseß mit dem gleichen Namen Ratbot, vermutlich einem Verwandten des Grenzgrafen.  19)

(19: Urkunden Ludwigs d. D. Nr. 96.)

Hier haben wir es doch wohl mit dem Ort Tulln selbst zu tun, das also so eindeutig als Königs- bzw. Reichsgut bezeichnet ist. Die eine Hälfte besaß also Graf Rapoto und jetzt St. Emmeram, die andere Hälfte behielt sich – wie wir das auch sonst wissen – der König vor und ging wohl später in andere Hand über. Auch hier gilt das oben Gesagte: vermutlich haben Vögte von St. Emmeram in Regensburg hier den Besitz gewonnen. Wir aber sehen nochmals die überragende Bedeutung vom Kloster St. Emmeram im Raum zwischen der Perschling und Tulln!

Wenn hier Tulln als „in regione Pannonia“ gelegen bezeichnet wird, dann darf daraus nicht, wie dies durch I. Zibermayr geschehen ist, Tulln als zu Pannonien gehörig bezeichnet und die Große Tulln als Grenze angesehen werden! Denn auch 863 werden die Güter des Klosters Niederaltaich im Viertel ob dem Wienerwald (sie reichen bis in die Wachau), noch als „in Pannonia“ gelegen bezeichnet. (Hermann von Altaich bezeichnet im 13. Jahrhundert „Pannonia“ gleichbedeutend mit „Austria“!). Nein, Tulln liegt in jener Grafschaft, die am Wienerwald endigt. Aber es ist wohl denkbar, daß mit dem Vorschieben der Reichsgrenzen nach Osten, sich auch diese Grafschaft noch über den Wienerwald (und Wien) ausdehnte. Tulln aber ist für die Mitte des 9. Jahrhunderts als bedeutender Ortgesichert, bedeutsamer als Wien! Zweifellos gab es hier auch eine alte Kirche (schon zur Zeit Severins im 5. Jahrhundert bestand eine solche dort) – deren Stelle im 12. Jahrhundert noch die Kapelle zum Heiligen Kreuz einnimmt! Diese Kirche fügt sich so zwischen den Kirchen Michelhausen, Rappoltenkirchen und St. Andrä richtig ein.

Wir dürfen annehmen, daß – wie dies immer wieder durch Beispiele in der Karolingerzeit und bis in das 11. Jahrhundert zu belegen ist – Seitenverwandten des Verurteilten ein Großteil seiner Besitzungen zugesprochen wurde. (Von dem Truchseß Ratbot haben wir schon oben gehört.) Zunächst bestehen, ohne daß die jeweiligen Verbindungen immer im einzelnen genau zu belegen sind, enge verwandtschaftliche Beziehungen zwischen den karolingischen Grafengeschlechtern untereinander, den Wilhelminern, Rapotonen, Geroldonen, Sighardingern und Otakaren.  20)

(20: Vgl. die Arbeiten von E. Zöllner (Anm. 10),
Mitscha-Märheim, Das Ybbstal II. Bd., 1951, S. 22 und
C. Plank, Veröffentlichungen d. Museums Ferdinandeum, Innsbruck, 31. Bd., S.561 ff.; Stammtafel.)

Hier kommt aber noch ein anderes Geschlecht herein, dessen Verwandtschaft mit Rapoto zweifellos ist, jenes Geschlecht, das den Leitnamen Meginhart führt, das wir als Grafen im Traungau kennen und das als Vögte von St. Emmeram und Niederaltaich nachweisbar ist, jenes Geschlecht dessen jüngere Glieder im 11. und 12. Jahrhundert die Namen: Grafen von Formbach (am Inn in Bayern) und Grafen von Ratelnberg (Ratilinperg =Radlberg zwischen St. Pölten und Herzogenburg) führen. (Ratho, bzw. die Koseform Ratilo ist eine bekannte Ableitung von Rapoto!). Und tatsächlich finden wir an der Perschling, knapp außerhalb der Bezirksgrenze und unterhalb des obenerwähnten St. Emmeramer Schenkungsgutes um Michelhausen, den Ort „Meginhartesdorf“ (= Langmannersdorf),bei dessen ersten Nennung in der zweiten Hälfte des 12.Jahrhunderts noch die alten Beziehungen zu den Formbachern durchleuchten.  21)

(21: Göttweiger Traditionen (Fontes rer. Austr.II/69), Nr. 380.)

Noch deutlicher zeigt das der Perschling abwärts und noch im Tullner Bezirk gelegene Ort Diendorf, d. i. „Tiemindorf“, von dem Personennamen Tiemo (Thietmar). Graf Tiemo aber, am Anfang des 11. Jahrhunderts in den bayerischen Grafschaften Reichenhall und Schweinachgau (um Passau) nachweisbar, ist der Ahnherr der Formbacher! Daß wie die Grafen von Formbach-Ratelnberg und vor allem das von ihrem Verwandten Bischof Altmann von Passau gegründete und von ihnen selbst bevogtete Kloster Göttweig im ganzen Tullner Feld auf Schritt und Tritt finden, werden wir in einem späteren Abschnitt höhren.

Aber auch die obengenannten Wilhelminer sind jetzt in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts an hervorragender Stellen nachzuweisen. Denn in den folgenden Kämpfen gegen das großmährische Reich spielt das Tullner Feld eine entscheidende Rolle. Im Jahre 856 war die Ostmark („marchia orientalis“) an den Sohn König Ludwigs, Karlmann, selbst übertragen worden. Aber im Zusammenhang mit Akten der Untreu und Empörung einer Reihe von baierischen Grafen, darunter auch Vertretern der Sigharde und Gerolde, stand auch Karlmann gegen seinen Vater auf und verjagte die von diesem eingesetzten Präfekten (861).  22)

(22: Fuldaer Annalen, Kurze (Schulausgabe), S. 55;
für die Nachricht von 856 vgl. Mon. Germ., Scriptores IX, p. 565 und XXX/2, p.744.)

Im Traisenfeld (beiderseits der unteren Traisen) und im Tullner Feld, östlich von der unteren Traisen und vom unteren Kampf, geboten nach wie vor die Wilhelminer. Freilich darf eine Urkunde für das baierische Benedektinerkloster Metten vom Jahre 868, die ein „Drousinindorf“ in der Grafschaft Wilhelms nennt  23)

(23: Mon. Germ., Urkunden Ludwigs d. D. Nr. 181.)

nicht auf Trasdorf bezogen werden, sondern auf das Gebiet zwischen Nußdorf und Getzersdorf an der Traisen. Mit dem Tullner Feld hat sie nichts zu tun!

Die Wilhelminer spielen im Kampf gegen den mährischen Großfürsten Rastislaw und seinem Neffen Swatopluk (= Zwentibold) eine große Rolle, nicht immer alle auf Seite des fränkischen Königs und Kaisers. Bevor wir darauf eingehen, sei noch eine, gewöhnlich übersehene Nachricht behandelt, die sich auf Tulln selbst bezieht. Nicht nur gegen den Mährerfürsten, sondern auch gegen den Bulgaren-Khagan Bogoris hatten die fränkischen Herrscher zu kämpfen. Das Jahr 864 brachte nun den Friedensschluß und das Versprechen des Bulgarenkönigs, Christ zu werden. Die Zusammenkunft zwischen König Ludwig dem Deutschen und Bogoris fand in „Tullina“ statt – also in der ersten Großfeste westlich der pannonischen Grenze!  24)

(24: Mühlbacher, Karolinger Regesten, 2. Aufl. Nr.1455a;
darüber berichten auch die Annalen der Abtei St. Bertin zu St. Omer in Frankreich: Mon. Germ., Scriptores I, p. 465, besser:
Waitz in der Schulausgabe, 1883, S. 72.
Der Ort der Zusammenkunft selbst aber wird dabei nicht genannt, sondern geht aus dem Schreiben des Papstes Nikolaus an K. Ludwig hervor (Mansi, Sacr. Conciliorumm n. et. a. collectio 15, 457)

Von dort aus zog Ludwig über die Donau – vermutlich an einer der alten Übergangsstellen Tulln-Trübensee oder Klosterneuburg-Langenzersdorf – gegen Rastislaw und belagerte dessen Hauptfeste Dowina (Theben oder in den Pollauer Bergen). Ganz deutlich sehen wir hier nochmals, welche Bedeutung Tulln, diese Großfeste an der Donau, hatte und die es bereits in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts, ja am Ende des 8. Jahrhunderts (denken wir an die „civitas Commagena“ von 791!) erlangt hatte. Hier war Reichs- und Königsboden, der Sitz eines Grafen; hier empfing der fränkische Kaiser und deutsche König die fremdländischen Fürsten und Vasallen. Das Nibelungenlied läßt bis Tulln König Etzel seiner Braut Kriemhield zum Empfang entgegenkommen. Hier läßt die kuriose „österreichische Chronik“ des Leopold Stainreuter („von den 95 Herrschaften“), aus dem Ende des 14. Jahrhunderts, die meisten heidnischen und jüdischen Markgrafen Österreichs begraben sein. Diese Chronik, aber schon Jans Enenkels Fürstenbuch (von zirka 1280) bezeichnen Tulln als „des Landes Hauptstadt“, lange vor Wien! Und noch Rudolf IV. nennt es 1364 in seinem Privileg für die Bürger von Tulln „eine Hauptstadt des Landes Österreich“.  25)

(25: Mon. Germ., Deutsche Chroniken III, p. 599;VI, p. 27 ff und 88;
Org. Urkunde von 1364: nö Landesarchiv.)

Aber jetzt tritt nun auch das Land nördlich der Donau deutlich in das Blickfeld der Geschichte. Wir können die Wilhelminer dort mit reichem Güterbesitz nachweisen und verstehen, daß sie – wie das auch in der Mark des 11. Jahrhunderts bei den Markgrafen der Fall ist! – gerade an der Grenze des Reiches besonders vom König ausgestattet werden.  26)

(26: Vgl. für das Folgende und die Beweisführung im einzelnen: K. Lechner, Studien z. Besitz- und Kirchengeschichte etc. S. 197ff.)

Die älteste Nennung in diesem Raum, wenn auch in direktem Zusammenhang mit den Wilhelminern nicht faßbar, ergibt sich aus einer Urkunde König Ludwigs des Deutschen vom gleichen Jahre 864. Er bestätigt damit den Mönchen des baierischen Benediktinerklosters Nieder-Altaich (am linken Ufer der Donau, zwischen Passau und Straubing), daß ihnen ihr Abt Otgar (857 zum ersten Mal nachgewiesen) eine Reihe von Gütern zum Eigenbedarf und zur freien Verfügung übergeben hat. Darunter werden genannt: „Shidaha“ (und 10 Weingärten in der Wachau).  27)

(27: Urkunden Ludwigs d. D. Nr. 116.)

Aus Erweiterungen des Schenkungsgutes am Anfang des 11. Jahrhunderts läßt sich zeigen, daß darunter jenes Gebiet „an der Schmida“ gemeint war, auf welchem nun der Ort (Ober-) Absdorf entstand, der im Namen also deutlich die Herkunft an sich trägt („Abbatesdorf“!). Das Schenkungsgut war freilich größer und umfaßte mit den Erweiterungen des 10. und 11. Jahrhunderts den Raum zwischen Donau und Wagram, so daß in den Urbaren des Klosters Niederaltaich aus der Mitte des 13.Jahrhunderts neben Ober-Absdorf die Orte Inkersdorf, Utzenlaa, Bierbaum und „Chirchaim“, sowie ritterliche Lehen in Frauendorf und Winkel aufscheinen. Absdorf selbst stammt dann also noch aus der Mitte des 9. Jahrhunderts! Das Patrozinium seiner alten Pfarrkirche –Mauritius – deutet auf das gleichnamige des Mutterklosters Niederaltaich! Auf den Ort „Kirchheim“ und eine daneben bestandene alte St. Michaelskirche kommen wir gleich zurück.

Wir müssen aber vorher noch kurz auf eine andere Schenkungsurkunde in diesem Raum zu sprechen kommen, die zwar zunächst Gebiet außerhalb der Grenze unseres Bezirkes betrifft, die aber auch für ihn von Bedeutung ist. Im Jahre 877 gibt König Karlmann dem Kloster Kremsmünster (im oberösterreichischen Traungau) Königsgut „am Ort, der Smidaha genannt wird“ und der – wieder! – von der Donau bis zu einem Ort „Wagram“ reicht. Dazu heißtes, daß dieses Gut einst von Graf Willehelmus dem Kloster durch Umschreitung zugewiesen wurde – als beauftragter Graf des Königs also in diesem Bereich!  28)

(28: Mon. Germ., Diplomata: Urkunde K. KarlmannsNr. 3.)

Es ist wieder der schon genannte jüngere Gau- und Grenzgraf Wilhelm, der zusammen mit seinem Bruder Engelschalk im Kampf gegen den Mährerfürsten Zwentibold (Swatopluk) im Jahre 871 gefallen ist. (Die Brüder werden ausdrücklich „Grenzgrafen“ genannt, bzw. sie verwalten den „Grenzabschnitt des baierischen Reiches im Osten“ – also das Gebiet bis zum Wienerwald.)  29)

(29: Fuldaer Annalen (Schulausgabe), S. 110;
vgl. auch Mühlbacher, Karolinger Regesten, 2. Aufl., Nr. 1488c.)

Es ist das Gebiet von Hausleiten (am Wagram) und zum Teil von Zaina und Schmida (Bez. Stockerau).Mittelpunkt des ganzen Gebietes ist die uralte St. Agatha-Kirche, wonach die Pfarre auch genannt ist. Dieses Patrozinium aber geht, wie sonst nachweisbar, in die Karolingerzeit zurück (wir dürfen die in Niederösterreich vorkommenden alten St. Agathen-Kirchen mit den Wilhelminern und ihren Nachfolgern, den Grafen von Ebersberg, zusammenstellen!). St. Agatha-Hausleithen, als Kirche wahrscheinlich erst nach der Überweisung an Kremsmünster entstanden, ist die Urpfarre für ein großen Gebiet, das weit hinauf nach Westen reicht. Neu-Aigenund Trübensee, aber auch die obengenannte Kirche St. Michael neben „Kirchheim“(vergleiche den Michaeli-Meierhof und die Flurnamen Michaelsgrund und Michaeliwiese zwischen Utzenlaa und Mollersdorf!) gehörten dazu. Wir dürfen sie zweifellos als eine in das 9.Jahrhundert reichende Eigenkirche des Grafen Wilhelm, bzw. seines Geschlechtes und seiner Erben ansprechen, die dann in die Pfarre St.Agatha-Hausleithen einbezogen wurde, 1307 aber schon daraus gelöst und später zur Pfarre Kirchberg am Wagram gehörig war. 30)

(30: Lechner, a. a. O., S. 204 f.)

Der Passauer Besitz ging, wie wir aus dem 10. Jahrhundert wissen, also bis auf den Wagram hinauf und reichte im Osten bis knapp vor das spätere Stockerau. Ein „Mochinle“ genannter Ort (Leberg des Mohho) ist auf den Tumulus bei Unter-Zögersdorf zu beziehen. Bis dorthin reichte auch die Grenze des fränkischen Reiches gegen das großmährische Reich! 31)

(31: ebenda, S. 210 ff.)

Wie verhält es sich aber mit Kremsmünster in unserem Gebiet? Darüber gibt uns eine sehr interessante Urkunde vom Jahre 893 weiter Auskunft. Mit ihr schenkt König Arnulf, der Sohn Karlmanns, diesem Kloster die Güter der beiden Grenzgrafen Wilhelm und Engelschalk („quondam comites terminales“, „einst die Grenzgrafen“) und ihrer Erben, die infolge Untreue und Hochverrat der letzteren an den König rückgefallen sind. 32)

(32: Mon. Germ., Diplomata: Urkunden K. Arnulfs, Nr. 120;
Lechner, a. a. O. S. 202.)

Die Söhne der beiden Grenzgrafen (je 3!) waren nach dem Tode ihrer Väter 871 nicht mit deren Grafschaften belehnt worden, hatten sich empört, waren zum Teil im Kampf gegen Zwentibold gefallen, zum Teil aber wurden sie ihrer Güter, besonders ihrer Lehen verlustig erklärt.  33) 

(33: Fuldaer Annalen (Schulausgabe), p. 110 f.)

Vielleicht war schon das Gut von 877 (Schmida-Hausleiten) zum Teil ein altes Wilhelminisches gewesen. Jetzt aber, 893, werden ausdrücklich genannt: Güter „ad Eparesburg“(= Stein-Mautern, wo altes Kremsmünsterer Gut nachweisbar ist), „ad Cambe“ (am Kamp) und „ad Persnicha“ (an der Perschling). Die Güter „am Kamp“ dürfen mit gutem Recht mit Grafenwörth gleichgesetzt werden, wobei schon der Name auf eine „Grafeninsel“ (in den Kamp-Donauarmen) hinweist. Im übrigen sind die oft genannten Grafen von Ebersberg, die Nachfolger der alten Wilhelminer, und deren gleichnamiges baierisches Hauskloster im 11. Jahrhundert am unteren Kamp nachweisbar. Kremsmünster selbst hat in den benachbarten Orten Fels und Kollersdorf bis ins 15. Jahrhundert Besitz; das Hochstift Passau, das, wie wir gleich höhren werden, die Nachfolge nach Kremsmünster angetreten hat, in Grafenwörth, Wasen, Niederseebarn und Sankt Johann.  34)

(34: Lechner, a. a. O., S. 208, Anm. 5 und 202.)

Dann verstehen wir schließlich auch, wenn dort am Anfang des 11. Jahrhunderts ein Ort „Sigimarisweride“ genannt wird, der mit dem benachbarten Altenwörth gleichzusetzen ist. Sigimar aber heißt der Abt von Kremsmünster, der ab 1013 regierte!  35)

(35: ebenda, S. 198.)

Endlich noch die Nennung „an der Perschling“ in der Kremsmünsterer-Urkunde von 893! Die Deutung ist zweifelhaft. Man kann am ehesten an Zwentendorf denken, dessen Kirche das passauische Patrozinium St. Stephan trägt und im 13.Jahrhundert dem Patronat des Hochstiftes Passau untersteht, ebenso wie der Kirchengrund und die Zehente ihm zustehen;  36)

(36: Maidhof, Passauer Urbare I, S. 223.)

dann wäre das benachbarte Pischelsdorf (Bischofsdorf) auf den Bischof von Passau zu beziehen! Aber es wäre auch das, allerdings nicht direkt an der Perschling liegende Murstetten, möglich, für das sowohl das Kirchenpatrozinium St. Salvator, das Hauptpatrozinium des Klosters Kremsmünster, als das Nebenpatrozinium (heute der Gruftkapelle) St. Michael sprächen, dessen Beliebtheit im Hause der Wilhelminer wir oben angeführt haben. Schließlich gehört auch der Grund der Kirche Murstetten im 13. Jahrhundert dem Hochstif Passau, dem Nachfolger Kremsmünsters. Passauische Zehente werden von Kapellen über Perschling bis Saladorf genannt.  37)

(37: ebenda, S. 301, 839 ff.)

Man könnte schließlich auch an Böheimkirchen an der oberen Perschling denken; denn in einer Aufzählung des Besitzes von Passau aus dem 10. Jahrhundert ist wieder Perschling genannt, noch dazu mit dem Bemerken, „wie es einst Graf Wilhelm zu eigen hatte“! Aber dabei steht weiter: „wie es gegenwärtig dort sitzende Böhmen bestellen“. Böheimkirchen aber ist alter Passauer Besitz, die Kirche war bereits im 11. Jahrhundert vom dortigen Bischof an das ihm unterstehende Kloster St. Pölten gegeben worden. Und auch passauische Zehente sind dort nachweisbar.  38)

(38: Heuwieser, Passauer Traditionen Nr. 93;
Maidhof a. a. O. S. 224, 171 u. 789 ff.)

Wie immer aber dieser Kremsmünsterer Besitz „an der Perschling“ von 893 gedeutet wird – immer erscheint als späterer Eigentümer das Hochstift Passau. Und das muß zum Schluß noch betont werden: Das Kloster Kremsmünster ist am Ende des 9. Jahrhunderts als Eigenkloster an Passau gekommen (angeblich durch Schenkung König Arnulfs), so daß ein Großteil des klösterlichen Besitzes an das Hochstift gefallen ist. Dessen Stellung, gerade auch im Tullner Feld, wurde dadurch noch besonders gestärkt. So dürfen wir auch so manchen alten, aber in seiner Herkunft nicht geklärten Besitz des Hochstiftes aus dem Übergang von Kremsmünster her erklären. Dazugehört wohl auch der erst im 10. Jahrhundert genannte, aber sicher ältere Besitz von Abstetten an der Großen Tulln. Schon sein Name „Abbatesteti“ deutet auf klösterliche (äbtliche) Herkunft. 39)

(39: Heuwieser, Passauer Traditionen Nr. 93.)

Daß es von den Wilhelminern herrührt, ist aus verschiedenen Gründen her wahrscheinlich: die alte Martinskirche deutet auf das bei den Wilhelminern beliebte (siehe ihr Kloster im baierischen Rottal, sowie andere Kirchenorte!) gleiche Patrozinium; die von Abstetten abhängige Filiale Asperhofen aber – Ortsname und Ortsform (Kirchensiedlung um Wehrkirche) deuten auf das 9. Jahrhundert – ist der heiligen Agathe (siehe oben Hausleiten!) geweiht. So ergänzen sich alle diese Beobachtungen. Abstetten gehört zweifellos zu solchem, schon früher von den Wilhelminern an Kremsmünster gegebenen Besitz, wie solches die Urkunde von 893 andeutet.

Wir aber dürfen zusammenfassend sagen: seit Beginn des 9. Jahrhunderts lassen sich im Tullner Feld, und zwar zu beiden Seiten der Donau, große, vom fränkischen König herrührende Schenkungsgüter an geistliche Grundherren nachweisen, allen voran an die Diözesan-Bischofskirche von Passau und an die Klöster St. Emmeran, Kremsmünster und Niederaltaich. Knapp an die Bezirksgrenze heran reichen vom Westen noch die Besitzungen der Hochstifte Salzburg und Freising; letzteres seit 895 als Nachfolger des bairischen Klosters Moosburg (Gut Hollenburg westlich der Traisen)  40),

(40: Bitterauf, Die Traditionen des Hochstiftes Freising I. Bd., Nr. 1007.)

ersteres durchseinen 860 erhaltenen Besitz zu Traismauer, den es noch im 9. oder Anfang des 10. Jahrhunderts nach Osten ausgeweitet hat, bis nach Reidling und Preuwitz  41).

(41: Salzburger Urkundenbuch II. Bd. Nr. 21 (860), Nr. 34 (angeblich 890; Fälschung von ca. 970/977) und Nr. 57 (977); dazu I. Bd., S. 196, Nr. 13.)

Im Osten unseres Bezirkes hat Salzburg erst im 12. Jahrhundert Besitz erworben. Aber eben sosehr finden wir eine reiche Ausstattung von weltlichen hochadeligen Geschlechtern, vorerst wieder die hier zugleich als „Gau- und Grenzgrafen“ nachweisbaren Familien der Wilhelminer und Rapotonen. Sie vermehren ihrerseits wieder den klösterlichen Besitz. Sie sind zweifellos untereinande rund auch mit anderen Geschlechtern, so den als Präfekten der südöstlichen Mark nachweisbaren Geroldonen und den Sighardingern verwandt. Je ein Vertreter von diesen beiden Geschlechtern wurde im Jahre 861 von König Ludwigabgesetzt. Die Sighardinger sind stammesgleich mit den Grafen von Ebersberg, die wir als Nachfolger der Wilhelminer im 10. und 11. Jahrhundert wiederholt schon genannt haben. Der gemeinsame Ahnherr ist jener um 906 gestorbene Graf Sighard, auf den vermutlich die Gründung von Sieghartskirchen zurückgeht, einer markanten Kirchensiedlung um Wehrkirche (St. Margaretha). Dann ist es kein Wunder, wenn wir die Ebersberger im 11 .Jahrhundert in der Umgebung finden (in Elsbach und Asperhofen; ein Ebersberg liegt gegenüber von Neulengbach). Und die engen Beziehungen, die wir von den Wilhelminern sowohl wie von den Ebersbergern zum Kloster Niederaltaich finden, erhalten dadurch eine neue Stütze, daß das Schloß Ried ein Lehen von Niederaltaich ist, ebenso wie es in Mauterheim an der Perschling Besitz hat.  42)

(42: Monumenta Boica XI, S. 321,  324; XV, S. 66;
Sitz.-Ber. d. Akad. d. W., phil.-hist Kl. XI, S. 946.)

Von den Beziehungen zu den Meginharden und ihren Nachkommen, den Grafen von Formbach und Ratelnberg, haben wir schon gesprochen. Daß die Kirche des bereits an der Wende des 10. und 11. Jahrhunderts genannten Tulbing den Niederaltaicher Klosterheiligen Mauritius als Patrozinium hat, gehört auch hierher.

Alle diese Grafengeschlechter sind nicht nur in den Ortsnamen verewigt, auf ihren Besitzungen erheben sich allmählich Burgen und bilden sich Herrschaften heraus, die wir im späteren Mittelalter deutlich feststellen können und an die sich besondere Hoheitsrechte knüpfen. Davon soll in einem späteren Abschnitt die Rede sein.

Zum Schluß, aber sei noch etwas über den Ausgang der Ostmark und des karolingischen Reiches gesagt. Wir hörten von den Kämpfen mit dem mährischen Großfüsten Swatopluk-Zwentibold. Statt der jüngeren Wilhelminer wurde ein vermutlich mit ihnen verwandter Markgraf Aribo eingesetzt, (auf ihn weist wohl der Ortsname Ahrenberg = „Erbenperig“ hin), während das Geschlecht der Wilhelminer, zumindest im männlicher Linie, ausstarb (893). Groß war die Bedrängnis durch Swatopluk, der in Pannonien eingefallen war. Und zu gleicher Zeit drohten vom Osten her die Magyaren, die bereits 881 in einem Treffen bei Wien (Wenia) genannt sind. Aber 884 zieht nun Kaiser Karl III. durch Baiern nach Osten und „nahe beim Fluße Tulln am Berg Comiano“ („prope flumen Tullinamm Monte Comiano“) – also wohl wieder auf der Anhöhe oberhalb St. Andär, an der alten Heerstraße, oder aber auf der Anhöhe oberhalb Königstetten, beim Austritt der Exelberg-Scheiblingsteinstraße in das Tullner Feld; auf jeden Fall aber wieder westlich der alten pannonischen Grenze! – hat er mit dem von seinen Edlen begleitenden Zwentibold eine Zusammenkunft, bei der dieser dem Kaiser den Treueid als Vasall leistet. 43)

(43: Fuldaer Annalen, Mon. Germ., Scriptores I.,401, Kurze, Schulausgabe (als „Bairische, u. zw. Regensburger u. Altaicher, Fortsetzungen“), S 113.)

Um 890 wird diese Vereinbarung bei einer neuerlichen Zusammenkunft des 888 zur Regierung gekommenen Königs Arnulf (Sohn Karlmanns) mit Zwentibold in Pannonien (der König kam von Regensburg her!), „an einem Ort der Omuntesberch (Omuntesperch) heißt“, erneuert.  44)

(44: ebenda (Scriptores I), 407; bzw. (Kurze), S.118.)

Der Zusammenhang zwischen dem „Omuntesdorf“ von 791 und „Omuntesberch“ von 890 ist offensichtlich“ Es ist also wieder an die Höhe oberhalb Klosterneuburg (St.Martin) zu denken. (Diesmal hat Zwentibold noch einen besonderen Auftrag des Papstes an den König zu bestellen. Es ist verständlich, daß der König sich in die pannonische Grafschaft begab). Aber Zwentibold hielt seine Versprechungen nicht und neue Kriege waren die Folge, die auch nach dem Tode Zwentibolds nicht endigten. Diese waren umso gefährlicher, als auch der Sohn Margraf Aribos, Isanrich, der in Mautern saß, sich gegen den König empörte, von diesem aber in Mautern belagert und nach dessen Erstürmung vertrieben wurde. 899 war Arnulf gestorben und 901 kam es zum endgültigen Frieden mit den Mährern. Schon waren die Ungarn bis Linz vorgedrungen; um 905 ist Markgraf Aribo gestorben.

Noch haben wir aus dieser Spätzeit des karolingischen Reiches ein wirtschaftsgeschichtlich hochbedeutsames Zeugnis, die sogenannte Raffelstettner Zollordnung von 903/906, ein in Raffelstetten (an der unteren Traun, unterhalb St. Florian) erlassenes Weistum über die Zollsätze in der Ostmark. Sie spricht von drei Grafschaften, aber sie reicht nur bis unterhalb Mautern-Stein (Eparesburg). Dort beginnt der Handel mit den Mährern.  45)

(45: Mon. Germaniae, Capitularia II, S. 250 f.)

Wir wissen, daß die Grenze gegen das großmährische Reich nun auf die Wagramhöhe hinaufstieg und dort oben (also in unserem Tullner Bezirk) verlief bis zum Austritt des Göllersbaches (knapp vor Stockerau). Dort war die Grenze des Deutschen Reiches auch noch am Anfang des 11. Jahrhunderts und zugleich die Grenze des alten Passauer Besitzes, mit dem alten Mittelpunkt St. Agatha-Hausleiten und dem östlichen Eckpunkt „Mochinle“, dem großen Tumulus von Unter-Zögersdorf. Von dort an bildete die Donau die Grenze. Aber nicht von den Mährern, sondern von den Magyaren wurde nun das absinkende, von einem Kind geleitete karolingische Reich überrannt.

Im Jahre 907 wurde der gesamte bairische Heerbann, an der Spitze der Präfekt Baierns und Karantaniens, Luitpold, und wohl die letzten Ostmark-Grafen, in der Schlachtbei Preßburg vernichtet. Die karolingische Ostmark und damit das Tuller Feld lagen den Stürmen der Ungarn offen dar. Schwerer Schaden wurde dem blühenden wirtschaftlichen und kulturellen Leben in allen diesen Gebieten zugefügt. Aber es wurde dadurch nicht ganz vernichtet. Es blieb, wie uns nicht zuletzt das Nibelungenlied zeigt, das im 10. Jahrhundert zuerst aufgezeichnet wurde, zum Gutteil unter fremder Herrschaft erhalten und als nach mehr als einem Jahrzehnt das deutsche Königtum sich neu gebildet hatte und nach einem halben Jahrhundert das Römische Reich wieder erstand, da wurden auch die östlichen Markgebiete wieder einbezogen und das in der Karolingerzeit Geschaffene lebte in der ottonischen und Babenbergerzeit wieder auf. Die alten geistlichen und weltlichen Grundherrschaften sind fast alle wieder greifbar. Von ihnen werden wir in einem nächsten Abschnitt hören. Die Stadt Tulln aber, der heutige Hauptort des Bezirkes, behielt die Bedeutung bei, der er im 9.Jahrhundert errungen hatte; sie blieb auch in der ottonischen Mark unter den Babenbergern zunächst die „Hauptstadt des Landes Österreich“.

Veröffentlicht am 15.8.2025

D 5   1954, Heimat-Kalender des Tullner Bezirkes

Abschrift aus Privatbesitz, Scann teilweise zu diesem Thema im Gemeindearchiv.

Anmerkung Marktgemeinde, Andreas Bohnec, 7.6.2024:
Die Anmerkungen werden hier im Gegensatz zum Original gleich angegeben. Die Absätze stimmen somit mit dem Original nicht überein.
Der Fettdruck stimmt entweder mit dem Original überein oder stellt den Bezug zu unserer Gemeinde her.

Ab Seite 35bis 43:

Dr. Karl Lechner
Der Tullner Bezirk zur Babenbergerzeit

a) Einleitung

Wir haben in einem ersten Aufsatz den Tullner Bezirk zur Karolingerzeit behandelt („Tullner Heimatkalender 1953“, S. 83 –101), haben gesehen, daß hier – nach den Zeugnissen der Ortsnamen und Ortsformen – ein sehr alt-, zum Gutteil schon vor karolingisch besiedeltes Gebiet vorliegt. Wir haben gesehen, daß nach den entscheidenden Siegen Karls des Großen über die Awaren (die Kämpfe spielten sich gerade besonders im heutigen Tullner Bezirke ab, 791 ff.) dieses Gebiet in die fränkische Reichsorganisation einbezogen wurde. Es war (wie schon zur Römerzeit zwischen Noricum und Pannonien) Grenzland zwischen Baiern und Pannonien – die Grenze lief am nördlichen Wienerwaldrücken bis zum Greifensteiner Sporn. Jetzt setzt eine Reihe von Königsschenkungen an bairische geistliche und weltliche Grundherrn ein. Bestimmte Grafengeschlechter sind nachweisbar, und zwar südlich und nördlich der Donau. Tulln selbst ist der Mittelpunkt, als Reichsgut Sitz eines Grafen; der Bezirk selbst ist höchstwahrscheinlich eine Grafschaft. Noch deutlicher zu fassen sind die Schenkungen an bairische Hochstifte und Klöster, allen voran St. Emmeram in Regensburg, Nieder-Altaich, Kremsmünster, und an das Hochstift Passau. Salzburg scheint noch in der späten Karolingerzeit vom Westen her (Traismauer!) in den Bezirksich vorgeschoben zu haben. Vor allem verdanken wir diesen geistlichen Kongregationen die kirchliche und pfarrliche Organisation des gesamten Raumes, die sich also vorwiegend auf klösterliche Zellen bzw. Filialkirchen stützt. Die Ungarninvasion und die Niederlage von Preßburg (907) brachten zunächst das Ende dieser Ordnung. Ein fremder Machthaber herrscht, wie uns das Nibelungenliedzeigt, über die karolingische Mark bis zur Enns. Wohl gab es im Westen und in der Mitte des Landes, bis zur Traisen reichend, ein Grenzgebiet, über das ein dem Ungarnherrscher untertäniger bairischer Graf gebot – der Markgraf Rüdiger von Bechelaren des Nibelungenliedes! Aber das Land östlich der Traisen war unmittelbares ungarisches Machtgebiet.

Es ist jedoch nicht so, als ob nun alles deutsche Leben, alle Besitzrechte deutscher Grundherren, ja selbst das kirchliche Leben gänzlich erloschen wäre. Unterungarischer Oberhoheit konnten alte Rechte gewahrt werden. Das dürfen wir daraus schließen, daß am Ende des 10.und im 11. Jahrhundert fast überall die gleichen Grundherren wie zur Karolingerzeit nachweisbar sind, besonders die geistlichen, aber auch die weltlichen bzw. deren Erben und Gesippen.

So kann die ottonische bzw. die babenbergische Zeit aufbauen auf den Erkenntnissen, die wir aus der Karolingerzeit geschöpft haben. 1)
(Vergleiche für das Folgende: K. Lechner, Die Babenberger und Österreich, Wien 1947,
u. ders., Die territoriale Entwicklung von Mark und Herzogtum Österreich(Unsere Heimat“, 24. Jg., S. 33 -35).) [
Online-Link]

Nach vorhergehenden Erfolgen der bayrischen Herzoge gegen die Ungarn erfolgte in der Schlacht auf dem Lechfeld, am 10. August 955, die entscheidende Niederlage der Ungarn durch den deutschen König Otto I. und ihre Zurückdrängung nach Osten –nicht ohne daß auch noch bis in die Mitte des 11. Jahrhunderts kleinere Vorstöße ihrerseits geschahen.

Und als nun 962 dieser deutsche König in Rom zum römischen Kaiser gekrönt wurde, da setzt nun eine großzügige Ostpolitik ein. Jetzt werden hier im Südosten zwei Marken eingerichtet, die „bairische Mark“(im 11. und 12. Jahrhundert auch „Ostmark“ genannt) und die „Kärntner-Mark“ (Steiermark). Über erstere gebietet zunächst, um 970, ein Markgraf Burkhard, seit 976 aber, nach der Niederwerfung eines Aufstandes des bayrischen und böhmischen Herzogs gegen Otto II. ein Markgraf Luitpold, der Ahnherr der österreichischen Babenberger. Unter seinem Sohn Heinrich, 996, wird diese Mark zum ersten Mal „Ostarrichi“ genannt! Die Mark ist Glied des Reiches, Markgrenze ist Reichsgrenze, ihr Vorschieben und ihre Erweiterung ist für beide gemeinsam. 2)
(Ebenda – wie Anmerkung 1)

Und der Markgraf ist in erster Linie der für die militärischen Aufgaben dieses Grenzgebietes Bestellte. Er ist zugleich Stellvertreter des Königs, von ihm gestützt und gefördert. Aber dieses babenbergische Geschlecht ist hier im Südosten zunächst besitzgeschichtlich nicht verwurzelt. Es gibt eine Reihe von anderen Grafengeschlechtern, die mit Grund und Boden und mit Hoheitsrechten reicher ausgestattet sind als jenes. Und ebenso gibt es vielkirchlichen Grundbesitz hier in der Mark und er wird dauernd vermehrt. Denn als erobertes Land ist der Boden hier Reichsgut und aus ihm heraus folgen die großen Schenkungen des deutschen Königs und Kaisers. Und diese Schenkungsurkundensind es, die uns den besten Aufschluß über die Besitz- und Familiengeschichte, aber auch über die verfassungsrechtlichen und wirtschaftlichen Zustände des Landes geben. Andere Aufzeichnungen kommen dazu.

b) Besitz bairischer Hochstifte und Klöster im Tullner Bezirk

So wollen wir zunächst jene ältesten urkundlichen Nachrichten nach Errichtung der Ostmark betrachten, die sich auf den Raum des Tullner Bezirkes beziehen und wollen fragen, was sie uns lehren. Wir haben zunächst die allgemeinen Besitzbestätigungen für die Hochstifte Passau (972,976) und Salzburg (977).  3)
(Monum. Germaniae, Diplomata: UrkundenOtto II. Nr. 27, 135, 165.)      Hier können Sie Online recherchieren: MGH DD OII. / DD O III. (dmgh.de) […]

Daß sich dieser Salzburger Besitz auch weiter südlich in den Tullner Bezirk hereinerstreckte, nach Reidling, geht aus einem Tausch mit einem Hochadeligen namens „P.“ (der Name ist in der Urkunde nicht ausgeschrieben) aus der Zeit 991 – 1023 hervor, nach dem Salzburg Gut in den Orten Reidling und Preuwitz mit einer Furth und einer Fischweide (!) gab und dafür Gut zu Dittersdorf (bei Sieghartskirchen) von jenem bekam. Es spricht alles dafür, daß in jenem „P.“ (Perthold?) ein Angehöriger des später so genannten Geschlechtes der Grafen von Formbach und Ratelnberg vorliegt! 5)
(Salzburger Urk.-Buch I, S. 195 f. Nr.13; der hie als Zeuge genannte Sizo deutet wohl auf Sitzenberg! Für die Deutungdes P(erthold) vgl. auch H. Mitsch-Märheim, Jahrb. f. Landesk. v. NÖ. 1944/48,S. 437 f.)     [Online-Link zum Jahrbuch]

Inzwischen aber war die ursprüngliche Grenze der Mark, die sich an dem Südwest – Nordost streichenden nördlichen Kamm des Wienerwaldes, bzw. an der Kleinen Tulln befand, weiter nach Osten vorgeschoben worden, bis zu den vorderen Kammhöhen des Wienerwaldes und deren Abfall gegen die Donau bei Greifenstein (also die alte Grenze Noricum– Pannonien). Die karolingischen Gutsschenkungen in diesem Bereich, besonders Königstetten und Kirchbach (St. Andrä), werden nun wieder genannt. Im Jahre 985 gibt Kaiser Otto II. an Passau ein großes Privileg, aus dem wir nicht nur erfahren, daß die Passauer-Besitzungen „in dem den Barbaren (Ungarn)benachbarten Ostgebiet“ („in orientali plaga“) durch den nächst vorausgegangenen Einfall schwer verwüstet wurden („so daß sie ohne Bewohner in der Einöde verwildern“, sagt die Urkunde!), sondern daß der Mangel an unfreien Knechten(„inopia servorum“) zwingt, Gemeinfreie („ingenuii“) als Colonen (Grundholden) einzusetzen. Sie werden von der Gewalt der königlichen Amtsleute ausgenommen und jener des bischöflichen Vogtes unterstellt (Immunitat!); ihre bisher dem Fiskus entrichteten Abgaben sind fortan dem Hochstift Passau zu leisten. 11)
(Mon. Germaniae, Diplomata: Urkunden Otto III. Nr. 21. Über die Bedeutung dieser Urkunde handle ich demnächst an einem anderen Ort.)

Eine rechts- und wirtschaftsgeschichtlich hochbedeutsame Urkunde! Und sie darf in besonderer Weise auf das Tullnerfeld bezogen werden. Vermutlich geht der Ortsname Freundorf (= Dorf der Freien) auf solche Verhältnisse zurück.

Gleich darauf (985 – 991) werden die Zehentrechte der Passauer Kirche in der Provinz zwischen Ennsfluß und Wienerwald („inter Anesum fluvium et Comagenum montem“)festgesetzt.  12)
(Heuwieser, Passauer Traditionen(Quellen u. Erörterungen z. bayr. Geschichte, N. F. VI. Bd.), N. 93a.)

Passau war hier das zuständige Bistum! Aber dieses Hochstift hatte auch seine besonderen Rechte gegenüber dem neuen Markgrafen, nämlich die Befreiung von verschiedenen, gerade die Mark auszeichnenden Abgaben (besonders Marchfutter und Burgwerksleistungen!) auf seinen Besitzungen.  13)
(ebenda, wie Anmerkung 12, Nr. 92; der erste Zeuge ist ein Graf Meginhard, der Ahnherr der schon genannten Grafen von Formbach; später folgt ein Tiemo, der zur gleichen Sippe gehört (vgl. „Tullner Heimatkalender“ 1953, S. 91 f.)).

Darunter werden nach Mautern, St. Pölten und Gütern an der Perschling (vermutlich Böheimkirchen) ausdrücklich genannt: „Liliunhova“ (obwohl der folgende Zusatz „bei Tulln“ formal auf diesen Ort zu beziehen ist und dieser daher immer wieder mit Frauenhofen identifiziert wird, kann davon keine Rede sein: es ist der Lilien- bzw. Zillinghof bei St. Pölten!) und die tatsächlich auf die Umgebung von Tulln zu deutenden drei Orte „Egilinsteti“, „Zeizmannestetin“ und „Abbatesteti“. Von ihnen ist nur Abstetten, das wir schon als karolingischen Besitz des an Passau gekommenen Klosters Kremsmünster kennen, klar.  14)
(Vgl. „Tullner Heimatkalender“ 1953, S.96.)

Bei den zwei anderen handelt es sich um abgekommene Orte, die späterhin nicht mehr erwähnt werden.  15)
(Ein Egil ist als Zeuge bei dieser Rechtshandlung genannt. Bestimmte Träger gleichen Namens kennen wir aus dem späteren 9. und Anfang des 10. Jahrhunderts.)

Und endlich folgt der schon seinerzeit erwähnte Besitz mit folgender Umschreibung: „von den 7 Hügeln westlich von Zeizinmure (also Lebarn-Unteraigen bei Zeiselmauer!) aufwärts nach Süden, nach Chunihohestorf (= Königstetten) und bis zum Kamm des Comagenischen Gebirges (Wienerwald) und zum Hangintenstein (= Greifensteiner Sporn)“ – also genau die gleiche Begrenzung, die schon die königliche Gutschenkung von Kirchbach-St. Andrä vom Jahre 836 an Passau hatte! 16)
(„Tullner Heimatkalender“ 1953, S. 88 f.)

Dann heißt es von den Passauer Besitzungen in der Urkunde weiter: „Jenseits der Donau in der Breite (d. h. nach Norden zu) bis zu den Grenzen der Mährer („usque ad Marevinos terminos“ (oben auf der Wagramhöhe, wo der „Plekete Weg“ zog!) und in der Länge bis nach Mochinle (der Tumulus von Oberzögersdorf bei Stockerau!) und nach Trepinse (= Trübensee); dazu das Donauufer auf beiden Seiten des Stromes innerhalb der genannten Grenze, und einen Ort für den Hausen-Fang, den sich jetzt die Tullner (Tullinonenses) zu ihrem Gebrauch angeeignet haben.“ Interessant ist diese Stelle, weil hier ausdrücklich auf die bedeutsame Donaufischerei, im besonderen auf Hausen hingewiesen ist, vor allem aber hier die erste Nennung einer Gemeinschaft, der werdenden Stadtgemeinde der Tullner vorliegt – lange vor jeder ähnlichen Erwähnung einer anderen Stadtbewohnerschaft! Der orts- und besitzgeschichtlich ebenso wie rechts- und wirtschaftsgeschichtlich bedeutsame Inhalt möge die längere Behandlung dieser Urkunde erklären. Der weltliche Mittelpunkt des Passauers Besitzes im Tullnerfeld war Zeiselmauer bzw. Königstetten, der kirchliche aber St. Andrä (Kirchbach). 17)
(Königliche Bestätigungen des Passauer Besitzes im Tullnerfeld und im nörd. Wienerwald finden wir in den Jahren 1052 und 1063 (Monum. Germaniae, Diplomata: Urkunden König Heinrich III., Nr. 300 und König Heinrich IV., Nr. 114.
Die Passauer Zehentrechte zwischen Tulln und Perschling sind ausführlich in einem Zehentverzeichnis von 1366 zu ersehen; sie häufen sich um Sitzenberg (dabei wird auch ein abgekommener Ort „Neuhofen“ zwischen Sitzenberg und Gutenbrunngenannt), Würmla, Kapellen (Maidhof, Passauer Urbare I, S. 839 ff.).

Das Vordringen gegen Osten, gegen die Ungarn, hält an. Der Wienerwald wird überschritten, bis zur Triesting-Schwechat südlich, bis in das Marchfeld und zur March nördlich der Donau. Auch über die Höhe des Wagram hinaus in das Hügelland des unteren Manhartsbergviertels, zwischen Strassertal und Göllersbachtal, wird vorgestoßen- […]

Jetzt aber kommt noch ein neues bairisches Hochstift in den Tullner Bezirk – Freising. Im Westen war sein benachbartes Gebiet (schon vom Jahre 895 her) jenes von Hollenburg an der Donau, das ja gleichfalls bis knapp vor die Grenze unseres Bezirkes heranreichte. Nun aber erhielt es, 1033, von Kaiser Konrad II. einen Hof („curtis“) zu Ollern (Alarun) mit allem Zubehör an Hörigen, Gebäuden und Kulturland, darunter sind ausdrücklich auch Weingärtengenannt.  30)
(Mon. Germ., Diplomata: Urkunden K.Konrad II., Nr. 195.)

Der Hof ist also alter Reichsbesitz. Auch dieser Besitz erweitert sich später über den Riederberg bis zum Gablitzbach nach Süden (dazu gehört auch Besitz in Laabach, „Loupach“, der 1060 vom Stift im Tausch erworben wird  31),
(Fontes rer. Aust. 31, S. 80. Der Bischof erwirbt von einem „servus“ (unfreier Dienstmann) der Kirche dessen Eigengut, eine Hube in Laabach, und gibt ihm dafür eine andere in Ollern, die bisher Otto, der Sohn Graf Bertholds (von Diessen), vom Hochtstift zu Lehentrug. Es ist Otto, der Anherr der Grafen von Wolfratshausen, die wir später noch als besitzmächtig im Tullnerfeld werden kenne lernen (s. u. S. 44).)

und andererseits nach Westen. Die Dörfer Weinzierl und Flachberg („Vlohsperg“) sind später (1305) als Lehen des Hochstiftes Freising nachgewiesen. Dasselbe wird für die Burg Ried behauptet.  32)
(Fontes rer. Austr. 36, 103 f. Noch im „Bereitungsbuch“ von 1590 werden Ollern, Weinzierl, Neusiedl und Ried als zu Freising gehörig aufgezählt. (NÖ. Landesarchiv, Hschr. 64.)
[Siehe Geschichte Epoche 16. Jahrhundert „1591 Abschrift Bereitungsbuch.]

Dem steht allerdings gegenüber, daß mindestens im 15. Jahrhundert die gleiche Burg als Lehen des Klosters Nieder-Altaich genannt wird.  33)
(Mon Boica XI, S. 321, 324; XV, 66 f.;Sitz.-Ber. d. Akad. d. Wissenschaften phil.-hist. Kl. XI, 946. Auch St. Laurenzbei Markersdorf gehört noch hieher.)

Und um die Unklarheit zum letzten zu führen, muß noch bemerkt werden, daß der Fundus, auf dem sich das Schloß Ried erhebt, sowie Besitz auf dem Riederberg, angeblich Lehen vom Hochstift Passau sind.  34)
(Maidhof, Passaue Urbaare I, S. 221 u.301;
vgl. auch Frieß, Die Herren von Kuenring, S. 97 u. Reg. 344.)

Den gemeinsamen Ausgangspunkt dieser Besitzrechte zu erforschen, kann hier nicht Aufgabe sein.

Nun folgen auch andere bairische Klöster. Von Nieder-Altaich haben wir schon für das Gebiet nördlich der Donau (So S. 39 f.) und eben für Ried gehört. Gleich anschließend daran im Westen finden wir schon um die gleiche Zeit das bairische Nonnenkloster Geisenfeld (an der Ilm, BA. Pfaffenhofen) begütert. Bei seiner Gründung (angeblich 1037) oder bald nachher hat der Stifter, Eberhard, Graf von Ebersberg und Markgraf von Krain, bzw. seine Schwester Wilbirg, Mutter der ersten Äbtissin Gebirg, die Orte Elsbach, Asperhofen und Lengbach an dieses Kloster geben wollen.  35)
(Mon Boica XIV, S. 181 f., 215, 272 f.,
dazu O. Mitis, Studien z. österr. Urkundenwesen, S. 171 ff. und
K. Lechner, Mitt. d. Inst. f. österr. Geschichtsfg. 60, 1952, S. 93.
Im Passauer Urbar aus der Mitte des 13. Jahrhunderts wird, sicher zu Unrecht, behauptet, daß die Äbtissin von Geisenfeld das Dorf Elsbach zu Lehen vom Hochstift Passau habe (Maidhif, a.a.O. I, S. 221.)

Noch wollen wir hier eine bedeutende Schenkung an ein geistliches Institut anführen, an das von Kaiser Heinrich III. bzw. von seiner Frau gegründete Kanonikatstift St. Maria in Hainburg (Deutsch-Altenburg). Es erhält von Heinrich III. im Jahre 1051 das Gut Sieghartskirchen samt Zugehör. 36)
(Mon. Germaniae, Dipolmata: Urkunden K.Heinrichs III., Nr. 275.)

Die Pfarre Sieghartskirchen kam 1228 an das bayrische Augustiner Chorherrnstift Baumburg (BA. Traunstein), das bis zum Jahre 1803 das Patronatsrecht darüber besaß. 37)
(Mit Eingehen der Reichspropstei Hainburg kam Sieghartskirchen vermutlich an das Bistum Bamberg und an dessen Vögte, von diesen an die Grafen von Ortenburg, die als Eigenkirchenherren 1228 die Pfarre zu Sieghartskirchen samt Fundus, Patronatsrecht und Vogtei an Baumburg gaben.
(Mon. Boica II, S. 196;
Maidhof, Passauer Urbare I, S. 220 f., Anm. 1740 und 1741.)

Baumburg hatte übrigens bis ins 14. Jahrhundert in Tulln ein Haus.  38)
(Verkaufsurkunde v. J. 1369.
Orig. Perg. „Tullner Urkunden“ im n.-ö. Landesarchiv).)

Schwierigkeiten macht allerdings noch die Tatsache, daß das Dorf Sieghartskirchen samt Zugehör später zur regensburgischen Lehensherrschaft Orth gehörte, deren Lehensträger seit 1377 die Habsburger waren.  39)
(O. H. Stowasser, Land und Herzog in Bayern und Österreich, 1925, S. 111 u. 8 f.)

c) Die weltlichen Herrengeschlechter

Bevor wir auf die Frage nach den weltlichen Herren in unserem Gebiet eingehen, müssen wir noch eines Ereignisses gedenken, das für den Tullner Bezirk überliefert ist, ein Ereignis, das das blühende Leben in diesen Gebieten noch einmal schwerstem Schaden aussetzt, ein Ereignis endlich, das in weiterer Folge auch Beziehungen zu der eben genannten Propstei Hainburg mit sich bringt: Im Zusammenhang mit den politischen Thronwirren waren die Ungarn am 16. Feber des Jahres 1042 mit zwei großen Herrhaufen zu beiden Seiten der Donau in die Mark eingefallen und hatten besonders das Land südlich der Donau verwüstet, angefangen von der Traisen. Sie übernachteten, wie uns die Quelle ausdrücklich sagt, bei der Stadt Tulln („circa Tullinam civitatem pernoctantes“) und kehrten in Triumpf in ihr Land zurück. 40)
(Annales Altahenses maiones (Giesebrecht-Oefele, Scriptores rer. Germanicarum p. 28).)

Der nördliche Heerhaufen wurde durch Markgraf Adalbert („dem Siegreichen“) und seinen Sohn Leopold vernichtend geschlagen und über die March zurückgeworfen. Die weitere Folge war, wie bekannt, die endgültige Festlegung der Leitha- und March-Grenze und die Errichtung einer kleinen Mark, für die eben Hainburg der kirchliche Mittelpunkt war.

Wir wissen, welche Bedeutung die deutschen Könige und römischen Kaiser der Mark beimaßen und daß sie bis ins 12. Jahrhundert immer wieder hieher kamen. Vor allem Heinrich III. (1039 – 1056) spielt hier eine besondere Rolle. Er hat ja auch die ungarische und die böhmische Mark im Osten und Norden des Landes eingerichtet.  41)
(Lechner, Die territor. Entwicklung vonMark u. Herzogtum in Österreich („Unsere Heimat“ 1953, S. 46 ff.).)

Unter den großen Aufmarschstraßen des Landes spielt der „Plekete Weg“ und seiner Fortsetzung, die „Ungarischen Straße“, oben auf dem nördlichen Donauwagram und gegen das Marchfeld zu, eine besondere Rolle. Dieser Weg führt nach Trübensee, übersetzt hier auf dem alten „Urfahr“ die Donau und geht nach Tulln; von dort aus nach Süden (siehe die Fluren „Hohenwarth“ und „Hochstraße“) gegen Ried und Sieghartskirchen, übersetzt bei Atzenbrugg – Mitterndorf die Perschling und führt zur Traisen.  42)
(O. Mitis, Jahrb. f. Landesk. v. NÖ. 1938 S. 64 f.)

Diesen Weg zogen immer wieder die deutschen Könige.[…]

Und nun zu den Herrengeschlechtern, die wir in unserem Raum treffen. Sie sind uns urkundlich nicht so frühzeitig überliefert wie die geistlichen Grundherrschaften. Wir können sie sehr oft nur mittelbar erschließen.

Wie erinnerlich, hatten wir, direkten urkundlichen Nennungen, aber auch aus den Ortsnamen, für die Karolinger-Zeit schon eine Reihe von Grafen- und hochadeligen Geschlechtern feststellen können. Es waren vor allem die Gau- und Grenzgrafengeschlechter der Wilhelminer und Rapotonen sowie die sogenannten Sighardinger. Sind die zweitgenannten im Ort Rappoltenkirchen (richtig: Rapotenkirchen) verewigt, so die letzteren (vermutlich der um 906 gestorbene Graf Sighard) in der wehrhaften Kirchensiedlung Sieghartskirchen und wahrscheinlich auch in jenen von Siegersdorf und Sitzendorf, wobei hier auch noch an jüngere Glieder dieses Geschlechtes zu denken wäre. Und wir haben endlich noch gehört, daß die Sighardinger stammesgleich sind mit den Grafen von Ebersberg, die wir besonders auf Niederaltaicher Gut als Nachfolger bzw. Lehensträger finden. 45)
(Monum Germaniae, Diplomata Heinrichs IV., Nr. 37 (13. IX.) und 39 (25. IX.).)

Die Ebersberger waren es, die wir schon gehört haben, die die Orte Elsbach, Asperhofen und Lengbach an ihre Klostergründung Geisenfeld gegeben haben. […]

Ab Seite 53 bis 54:

Mit dieser Herrschaftsbildung steht auch die Anlage von Burgen im Zusammenhang. Im 12. und 13. Jahrhundert finden wir fast für jeden Ort unseres Bezirkes niedere adelige Leute, die sich danach nennen. Aus der großen Zahl dieser Burgen, bzw. „festen Häusern“, wehrhaften „Sitzen“ und (Turm-) Höfen (s. o. z. B. „Werde“!) entwickeln sich allmählich einige von ihnen, die im 15. und 16. Jahrhundert zu Mittelpunkten von Herrschaften werden, währen die alten zu Ruinenverfallen oder überhaupt verschwunden sind. So dürfen also aufgezählt werden: Greifenstein, auf altem Passauer-Boden und die eigentliche Schutzfeste für die Passauer Besitzungen des Tullnerfeldes. 1135 wird dort zwischen dem Bischof von Passau und Margraf Leopold III. der bedeutsame Vertrag über die Patronatsrechte der bisher markgräflichen Eigenpfarren abgeschlossen; Passauer Lehensleute sind seit 1136 genannt.  121)
(Monumenta Boica 28 b, S 93;
M. Fischer, Merkwürdigere Schicksale des Stiftes u. d. Stadt Klosterneuburg, 1815, II. Bd. S. 124.)

Kleinere Burgen, bzw. davon Genannte finden wir in Kierling, Kritzendorf, Kirchbach, Hadersfeld, Altenberg, Eisdorf, Werde (s. o. S. 49), Kirchberg-St. Andrä, Hintersdorf, Mauerbach, Lebarn und Aigen (also in beiden Orten von Langenlebarn).Bedeutsamer ist Tulbing, wahrscheinlich ursprünglich Sitz eines hochfreien Geschlechtes (s. o. S. 41 u. S. 49), ferner Katzelsdorf, Wilfersdorf, Baumgarten am Tullnerfeld, Weinzierl, Ollern, Chorherrn und Freundorf. Größere Bedeutung, schon als Wegeburg, hat Ried am Riederberg (Freisinger bzw. Altaicher Lehen), ebenso Sieghartskirchen und Rappoltenkirchen (Gründung aus der Karolingerzeit, später über die Formbacher und Traungauer zu den Domvögten von Lengenbach!); auch Kogl (zweifellos domvogtisch, später an die Babenberger gekommen!) gehört hieher (s. i. S. 45). Siegersdorf, Dietersdorf (Röhrenbach und Plankenberg), in Ebersberg-Formbachischer Einflußspähre, bilden eine Einheit. […] Auch Gollern hat ritterliche Genannte. […]

Wenn wir die späteren weltlichen Herrschaften im Tullner Bezirk überblicken […], so sind es im Süden: Würmla, Judenau, Rappoltenkirchen, Sitzenberg, Hasendorf, Pixendorf. […]

Nur ein kleinerTeil der genannten Burgen hat sich also zu Herrschaftssitzen im 15. und 16.Jahrhundert entwickelt. […]

Anmerkung Marktgemeinde, Andreas Bohnec, 29.8.2024:
Ich bin gerade dabei, die Querverweise zwischen den einzelnen Registern in den Abschriften zu erfassen. Im Register A 16 fiel mir bei der dortigen Anmerkung „Lechner, TK 1954, 45“ auf, dass ich die Originalquelle nur bis Seite 43 abgeschrieben habe. Somit folgt folgender Nachtrag von Seite 45:

[…] Tatsache aber ist, daß im westlichen Teil unseres Bezirkes die Herren von Lengenbach eine entscheidende Rolle spielten.   53)
(Lechner, a.a.O., S. 106 ff.;
A. Diry, Die Herren von Lengenbach (Neulengbach u. Umgebung, Heimatkundliche Schriftenreihe Nr. 1), 1950;
R. Büttner, Burg u. Herrschaft Neulengbach (Mitt. d. Kommission f.Burgenforschung Nr. 1, 1951.)

Dabei wird die Burg Sitzenberg ausdrücklich genannt.  54)

Der letzte Lengenbacher war Patronatsherr über die Kirche von Rappoltenkirchen, deren Fundus er angeblich ebenso wie jenen von Abstetten (und Ollersbach und Alt- und Neulengbach) vom Bischof von Passau zu Lehen trug. 55)
(Maidhof, Passauer Urbare I, S. 220 ff.)
[Zu Maidhof: Online-Link OÖ Landesarchiv gefunden am 29.8.2024.
Den Online-Link zu einer Dissertation zu den Besitzverhältnissen des Hochstiftes Passau aus dem Jahr 2005 finden Sie im Register D 23.]

Nach dem Tode des letzten Domvogtes von Lengenbach, Otto V. (gest. 1236), kam sein Besitz an den Landesfürsten Herzog Friedrich II.!  Aus den landesfürstlichen Urbaren erfahren wir, welche Orte zum Besitz der Lengenbacher gehörten. Es waren: Michelhausen (wir erinnern uns an eine Schenkung an St. Emmeram 834 durch Graf Wilhelm!), Atzenbrugg, Reidling, „Chelchdorf“, Ahrenberg („Erbenperg“),   56)

Spital, Thalern, Preuwitz, Waltendorf und Schloß Sitzenberg, wobei allein 12 Maierhöfe an dessen Fuße genannt werden; endlich Rappoltenkirchen, Elsbach und Reichersberg (nordöstlich davon). 57)

Vermutlich gehören auch Amt und Feste Kogl ursprünglich den Lengenbachern.   58)

Veröffentlicht am 15.8.2025

D 6   1957, Befestigungsanlagen im Wienerwald um die Jahrtausendwende, Rudolf Büttner

D 7   1969, 1970, Wehrkirchen Niederösterreichs (Wehrkirchen, Wehrkirchhöfe, Wehrkirchtürme), Karl Kafka, 1. und 2. Teil

Teil 2, Seite128:

Kirchen mit verschwundenen Befestigungen

Abstetten – Pfarrkirche St. Martin (Tulln)
Die Kirche mit dem ö. an den Kirchhof angeschlossenen Pfarrhof in Hochlage, am O-Ende der Kirchsiedlung, geht auf eine karolingische Urpfarre zurück. Gotischer Bau, innen barockisiert, mit W-Turm. 1590 ist durch ein Erdbeben „die khierche und der Pfarrhof ganz erbärmlich auf die Erde geleget und geworffen worden“. 1591 Wiederaufbau. 1683 der Ort durch die Türken abgebrannt

(Schweickhardt OWW, I 225; TopNÖ II 4; GB I 3; Wolf, Erl 114, 119; Halmer, Karte; Weigl I 3 A 12)

 

Anmerkung Marktgemeinde, Andreas Bohnec, 22.6.2024:
 Sieghartskirchen wird im Tullner Heimatkalender 1953 zwar als „Siedlung um Wehrkirche“ bezeichnet. Aus unserer Gemeinde scheint nur Abstetten im Werk von Kafka auf.

Teil 1, Seite 9, Einleitung:

Seit es christliche Gotteshäuser gibt, sind Kirchen und Kirchhöfe zu Schutz- und Wehranlagen ausgestaltet worden. Man kann annehmen, daß in Niederösterreich dier Wehrgedanke schon in frühen Kirchenbau berücksichtigt wurde, wenn auch anfänglich nur durch die Anwendung von Gräben, Wällen und Zäunen. Man baute wohl auch die Kirche in eine schon bestehende, ältere Fluchtburg, wie 979 in Wieselburg. Vor dem Jahre 1000 treten auch die nach der Vertreibung der Magyaren im Zuge der Ostkolonisation gegründeten, von Adalbert Klaar „Kirchensiedlungen“ genannten Dörfer auf, bei denen die Kirche zu Wehrzwecken erhöht über einer noch planlos angelegten Ortschaft lag. Aus der Zeit nach 1000 stammen die sogenannten Hausberge, von denen manche als Kirchenhausberge keine Holzburg, sondern von Anfang an eine Kirche getragen haben. Alle diese Kirchen besaßen jedoch nur Gräben, Wälle, Zäunde und Hecken als Befestigung, und erst später kommt es vor, daß auf die Wallkrone eine Mauer gesetzt wurde. Nach 1000 erscheinen auch die planmäßig angelegten Angerdörfer, deren Geschlossenheit noch durch Gräben, Wälle und Hecken erhöht wurde. […]

Die Pfarrkirchen des 11. und 12. Jahrhunderts kann man sich kaum ohne die Nachbarschaft einer Burg vorstellen. Sie stehen in unmittelbarer Nähe der Burg (Heidenreichstein), von ihr nur durch Kirchhof- oder Burgmauer oder den Graben getrennt (Pottschach), ja oft steht die Burg im Kirchhof, meist nur ein festes, turmähnliches Haus förmlich auf der Kirchhofmauer (urspr. Oberranna). […]

Die Einleitung geht bis Seite 16, Scann im Gemeindearchiv vorhanden.

Veröffentlicht am 15.8.2025

D 8   1967, Das Buch vom Wienerwald

Herausgegeben von Ilse Ellmerich

Auszugsweise Abschrift

Seiten 71 bis74:

Historische Landschaft Wienerwald
Ludwig Eldersch

Reich – Norikum ,der Teil, der den Wienerwald mit einschloß, hieß Ufernorikum. […]

Straßenzüge der Römer (Schachinger):
„Für den Wienerwald waren folgende Straßenzüge von Wichtigkeit: Ein Abschnitt der großen, von Osten nach Westen ziehenden Querstraße des Imperiums, die Teilstrecke des Donaulimes (Heerstraße) von Carnuntum über Vindobona – Cannabiaca – Comagena, mied die vom Strome gefährdete Greifensteiner Enge und führte durch das Kierlingtal (die Talsohle selbst wurde gemieden) über den Sattel von Gugging nach Comagena und Pixendorf, Pirotorto, Trigisamo – Namare – Arlape – Lauriacum (Lorch). Ein Teilzug dieser wichtigen Verbindungsstraße verlief, bevor das Tullnerfeld im 2. Jahrhundert besondere militärische Bedeutung gewonnen hatte und Tulln im dritten Jahrhundert ein wichtiger Übergangspunkt über die Donau, Handelszentrum und Flottenstützpunkt geworden war, aber am Gebirgsrand über St. Andrä-Königstetten nach Pixendorf. Von Königstetten führte durch das Wienerwaldgebiet eine Verbindung über Scheiblingstein, das urkundlich (zirka 1324) durch einen Meilenstein bezeugt ist, über den Exlberg längs des Alserbaches (mit einer Anschlußstraße entlang des Krotten-Erbsenbaches) nach Vindobona, wo der Anschluß an die über Scarbantia (Ödenburg) – Savaria (Steinamanger) – Poetovio (Pettau) – Emona (Laibach) – Aquileia führende Reichsstraße gegeben war. Diese Nordsüdstraße zog über Altmannsdorf, entlang des Ostflusses des Wienerwaldes über Mödling, Baden, Vöslau, weiter nach Fischau und dann quer durch das südliche Wiener Becken nach Ödenburg.“ […]
[Kosterneuburg – Asturis oder Cannabiaca?, Tulln – Comagena, Gugging – Citium, Perschling – Pirotorto, Traismauer – Augustianis oder Trasigema?, St. Pölten – Cetio.]

Makromanneneinfälle 161 n. Chr., später im 3. und 4. Jahrhundert.
 374/75 Invasion der Quaden, Zusammenbruch der römischen Verteidigungsstellen.
 Um 395 Carnuntum und Vindobona verheert. […]

Zurück blieben beachtliche Bevölkerungsgruppen, die dann zwangsläufig mit den in den Raum eindringenden Westgoten, Hunnen, Ostgoten, Rugiern, Langobarden und Herulern und schließlich mit den Awaren und Slawen, die um 568 ins Land kamen, zusammenlebten und sich vermischten.

Auf den von den Römern angelegten Straßen gelangten die mongoloiden, nomadisierenden Awaren in die fruchtbaren Gefilde des Tullnerfeldes und des Alpenvorlandes, wobei sie an strategisch wichtigen Punkten Erdwälle (Ringe) anlegten, die noch heute mancherorts (unter anderem bei St. Andrä – Königstetten) im Landschaftsbild erkennbar sind. Von diesen befestigten Plätzen aus unternahmen die Awaren Beutezüge in die weitere Umgebung, während die ihnen untertanen Slawen in den Siedlungen, die sie zum größten Teil bereits vorgefunden hatten, für die Sicherung der Nahrung, für Ackerbau und Viehzucht zu sorgen hatten. Erstaunlich viele Orts-, Fluß- und Bachnamen im Wienerwaldgebiet erinnern noch heute an die Zeit, da in unserem Lande die durchaus friedlichen, arbeitsamen Slawen lebten, Namen, die sich nicht nur in der von ihnen gleichfalls bevölkerten Steiermark und in Kärnten vorfinden, sondern auch in der nächsten Umgebung Wiens, so etwa Mödling, Liesing, Döbling, Währing, Rodaun, Gablitz.

Karl der Große bereitete dem weiteren Vordringen der Awaren ein Ende. Nachdem sie bis an die alte Bischofsstadt Lorch vorgestoßen waren, diese zerstört und ihr Reich bis an die Traun-Enns-Linie erweitert hatten, unternahm der Kaiser 791 eine Feldzug gegen die Angreifer, die schließlich in einer Vernichtungsschlacht am Cumeoberg oberhalb Königstetten unterlagen. Karl der Große errichtete nach seinem Sieg in dem eroberten Gebiet eine „Awarenmark“ mit drei (allerdings umstrittenen) Grafschaften. Der Westabhang des Wienerwaldes bildete von da an die Ostgrenze des Karolingerreiches. Bayrische Klöster (so das Passauer Hochstift, das damals bayrische Salzburg, Freising und Regensburg) erlangten in diesem Gebiet reichen Grundbesitz, bis dieses Grenzland um die Wende des neunten und zehnten Jahrhunderts eine Beude der aus dem Osten vordringenden Magyaren wurde. 907 wurde in einer Schlacht, deren Schauplatz nicht genau zu bestimmen ist, die jedoch unweit von Preßburg getobt haben muß, das Heer der Bayern aufgerieben. Lange Zeit blieb das Wienerwald-Gebiet eine Art Niemandsland im Kampf zwischen Ost und West. Erst 955 konnten die Bayern einen entscheidenden Schlag gegen die Ungarn führen, deren Reiterheere Süddeutschland, je selbst das Rheingebiet verheert hatten. Sie schlugen die Magyaren auf dem Lechfeld so entscheidend, daß alle Gefahr für die nächsten Jahrhunderte gebannt blieb.

976 wird der Babenberger Leopold mit der Mark im Osten belehnt, die er bis zum Wienerwald ausdehnt. […]

Trotz Abwehrkämpfen und Erbstreitigkeiten findet das Land endlich Ruhe. Unterstützt von den Klöstern, die zu jener Zeit nahezu die alleinigen Kulturträger sind, nimmt die Kolonisation ihren weiteren Fortgang. Nicht wenige als 55 Klöster werden in der Zeit vom 11. bis zum 15. Jahrhundert im Waldgebiet gegründet, […].

War es Aufgabe der Burgen, für den äußeren Frieden zu sorgen und in Kriegszeiten Schutz zu bieten, so blieb den Köstern die Sicherung und Verbreitung der geistigen und materiellen Kultur vorbehalten. Jedes Kloster bildet eine Wirtschaftseinheit, ist Selbsterzeuger aller Nahrungsmittel durch seine Land- und Forstwirtschaft, betreibt Gärtnerei und Handwerk. Die Mönche sind Ärzte, Landwirte, Lehrer und Priester zugleich. Neben dem Kirchenbau besorgen sie den von Straßen, Spitälern, Armenhäusern und Raststätten. […]

So entsteht die Burg Mödling nach 1002, Schloß Guntramsdorf 1140, Burg Liechtenstein 1165, Wildegg 1188 und Gaaden 1230. […]

1250 – Ungarn dringen in Österreich ein.
Wenige Jahre später wüten die Ungarn neuerlich im Lande. Heer dringt über Bruck a. d. Leitha gegen Wien und später auch im Tullnerfeld vor. […]

Seite 78:

Merkwürdiges aus der Geschichte des Kahlen- und Leopoldsberges
Sylvester Wagner

Der Wiener versteht unter „Kahlenberg“ den ausgedehntesten und der Stadt am nächsten gelegenen Hügel der ganzen, die Kaiserstadt umgebenden Gruppe, der rechts und rückwärts des Leopoldsberges aufsteigt, an den sich der Nußberg lehnt und der in den Kobenzel und Hermannskogel, die höchste Spitze des Zuges, übergeht. […]

Der Leopoldsberg erhebt sich steil vom rechten Donauufer, zwischen dem Kahlenbergerdörfchen und Klosterneuburg, zu einer nicht unbeträchtlichen Höhe. Auf seiner Spitze erbaute sich im Jahre 1101 Leopold der Heilige eine feste Burg mit einer dem heiligen Georg geweihte Kapelle und verlegte fünft Jahre später seinen Wohnsitz von Mölk hieher, den aber sein Sohn und Nachfolger Herzog Heinrich Jasomirgott wieder verließ und den neuen Hof zu Wien bezog. Bis 1230 wurde die Burg nur als Stromwache benützt. […]


Veröffentlicht am 15.8.2025

D 9   1970, Handbuch Historische Stätten Ö

Handbuch der historischen Stätten Österreich, Erster Band.
Donauländer und Burgenland.

Herausgegeben von Univ.-Professor Dr. Karl Lechner
Nachdruck der 1. Auflage von 1970 (1985)

Einleitung
[…] Zur Römerzeit nimmt unsere Ländergruppe an den beiden Provinzen (Ufer-) Noricum und Pannonia (I) teil; die Grenze läuft am Kamm der Kalkvoralpen und des Wiener Waldes an die Donau (bei Greifenstein, später am Leopoldsberg). […]

[…] Aber schon in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts sind in das nordöstliche Niederösterreich vom mährischen Raum her Slawen eingezogen und streben zur Donau. Erst später kommen vom Osten weitere slawische Stämme donauaufwährts. Sie sitzen im südlichen Burgenland und greifen auch über die Enns nach Westen. Fluß- und Ortsnamen künden davon, nicht zuletzt auch im engeren Umkreis von Wien. Aber schon vorher, am Ende des 6. Jahrhunderts, waren vom bayerischen Hochland her bairische Siedler in das österreichische Alpenvorland gekommen, über die Enns, und bald bis zum Wiener Wald und darüber hinaus. In Niederösterreich, an der Melk, ist durch längere Zeit hindurch die Grenze bairischen und slawischen Volkstums anzunehmen.

Im Reich Karl des Großen und seiner ostfränkischen Nachfolger war die Grafschaftsverfassung in unseren Raum übertragen worden, das Gebiet östlich der Enns bis zum Plattensee aber in die Markenorganisation einbezogen. Eine oberpannonische Grafschaft verbindet bereits im 9. Jahrhundert das östliche Niederösterreich mit dem westlichen Burgenland. Schon bedrängt durch das Großmährische Reich, dringen in diese karolingische Mark und das dahinterliegende bairische Mutterland nun auch die Magyaren von den ungarischen Steppen her. Wieder wird Niederösterreich durch 5 bis 6 Jahrzehnte Aufmarsch- und Durchzugsgebiet (der Ungarn) und wird hier ein untertäniges Hoheitsgebiet eingerichtet.

Aber neuerlich und nun endgültig wird dieser Raum in die (ottonische) Markenorganisation des Reiches einbezogen, eine bayerische Ostmark errichtet, angelehnt an das Grafschaftsgebiet des oö. Traungaues. Im 11. Jahrhundert werden die Grenzen dieser Mark kämpferisch nach dem Osten und Nordosten vorgeschoben, doch nach Nordwesten in das Waldland und nach Süden in das Voralpengebiet in friedlicher Rodungstätigkeit. Ein Großteil des heutigen Burgenlandes wird noch im 11. Jahrhundert enger mit dem Markgebiet verbunden und von bayerischen Hochstiften und Adeligen herrschaftlich organisiert. […]

Niederösterreich, geschichtlicher Überblick
Seite 146f:

[…] Niederösterreich hat von allen österreichischen Bundesländern die weitaus größte Zahl von Städten und Märkten (im Jahr 1961 61 Städte und 302 Märkte; im Spätmittelalter 37 Städte und rund 220 Märkte); das gleiche gilt für Burgen und Schlösser, von denen wir heute noch rund 500 aufrechtstehende, rund 150 Ruinen und dazu 100 Wehrkirchen zählen; rund 500 Burgen sind ganz oder bis auf kleine Reste verschwunden. […]

[…] In Niederösterreich muß zuerst auf den uralten Stromweg der Donau und den sie südlich begleitenden west-östlichen Fernweg, die spätere Limes-Straße, die „Hochstraße“, den „Königsweg“ des 9. bis 13. Jahrhunderts verwiesen werden. Sie schneiden die urgeschichtliche „Bernsteinstraße“, an deren Schnittpunkt mit der Donau unterhalb einer illyrisch-keltischen Höhensiedlung das römische Carnuntum und das mittelalterliche (Deutsch-)Altenburg-Hainburg entstanden. Nicht weniger bedeutend ist jene Straße, die, vom Südosten kommend (Ödenburg-Steinamanger), als „Hochstraße“ eine Kette von am Ostabfall des Wiener Waldes und der Thermenalpen gelegenen Römerorten (z.B. Aquae-Baden) verbindet und beim heutigen Wien die Donau übersetzt und über Korneuburg-Laa weiter nach Brünn führt. […]

Seite 148f:

Nach der Unterwerfung Herzog Tassilos 788 wurde das Gebiet dem Fränkischen Reiche Karls des Großen einverleibt. Hier wurde nun nach der Vernichtung der Awaren (971-805) eine Mark errichtet, die weit nach Ungarn hinein reicht. Sie zerfällt in mehrere Abschnitte (Gaue, Grafschaften); an deren Spitze steht ein Markgraf (auch Präfekt), dem mehrere Grenz- und Untergrafen unterstellt sind. Das eroberte Land, Reichs- und Königsland, wird an baierische und fränkische Hochstifte und Klöster sowie an vertrauenswürdige Adelsgeschlechter aus dem ganzen Reich übertragen. Das Königsland wird rechtlich, wirtschaftlich und militärisch organisiert; seine Haupt- und Kernpunkte sind meist Großfesten sowie Maut- und Zollstätten besonders an der Donau, die zum stark benützten Handelsweg wird. Burgen- und wirtschaftsrechtliche Bezirke decken sich. Die Siedlungs- und Kolonisationstätigkeit wird verstärkt. Siedlungsnamen auf –heim, -ing, -dorf, -bach und Siedlungsformen von Haufenweiler und Haufendorf über Zeilendorf und frühes Straßendorf zur Kirchen-Höhensiedlung geben Zeugnis davon. Vom Norden reicht das Großmährische Reich mit seinen Burgenanlangen und den nachgewiesenen Burgbezirken auch weit nach Niederösterreich herein bis zum Donauwagram und zum Kampfluß. Trotz vorübergehender Anerkennung der fränkischen Oberhoheit wurde es zur dauernden Gefahr für das Markengebiet, bis es am Ende des 9. Jahrhunderts eine Beute der seit Jahrzehnten vom Osten her einfallenden Ungarn wurde. 881 werden diese kämpfend bei „Wenia“ genannt, die erste Erwähnung Wiens. Sie vernichten bald darauf (907) auch den gesamten baierischen Heerbann bei Preßburg. Das Land bis zur Enns muß ihnen überlassen werden; sie setzen einen deutschen Lehensgrafen für das Gebiet zwischen Enns und Traisen ein, mit dem Sitz im regensburgischen Markt- und Burgort Pöchlarn. Er ist der Rudiger von Bechelaren des Nibelungenliedes.

Der Sieg des deutschen Königs Otto I. über die Ungarn in der Schlacht auf dem Lechfeld (955) war die Voraussetzung für die Errichtung einer ottonischen, aber vom Herzog von Bayern zu Lehen gehenden Mark an der Donau um 960-65, die sich zwischen der Enns bzw. der Erla und dem Hauptkamm des Wiener Waldes bzw. den beiden Tulln-Flüssen und von der Hügelkette der Voralpen bis zu einem schmalen Streifen nördlich der Donau ausdehnte. Im Jahre 976 ist diese baierische Mark in den Händen eines Markgrafen Luitpold aus dem Hause der altbaierischen Luitpoldinger nachgwiesen, des ersten Regenten aus dem später nicht ganz zutreffend „Babenberger“ genannten Geschlecht, das nun 270 Jahre diesem Gebiet und späterem Territorium vorstand. Es wird bereits 996 als „Ostarrichi“ genannt. Als Vertrauter des deutschen Königs sitzt der Markgraf hier an Reiches Statt, ausgestattet von ihm mit Besitz- und Hocheitsrechten; militärische Rechte, die sich auf die Funktion als Mark- und Grenzland beziehen, übt er auch über andere Grafen und Dynastien aus. […]

Historische Stätten des Landes Niederösterreich

Seite 182:

Abstetten
(BH Tulln). Die Kleinsiedlung Abstetten liegt als Kirchenweiler am Fuß des Kirchenhügels am Ost-Ufer der Großen Tulln. Das Martinspatrozinium spricht für eine karlolingische Urpfarre. Der Ort wird als „Abbatesteti“ in einem Weistum von 983 – 991 erstmals genannt. Um diese Zeit sind die Erzbischöfe von Salzburg und die Bischöfe von Regensburg und Passau als Grundherren in Abstetten anzunehmen. Dies spricht für die Bedeutung von Abstetten im frühen Mittelalter.

Als die Ungarn 991 über den Wienerwald zurückgedrängt wurden, erhielt das Hochstift Passau nach dem erwähnten Weistum Abstetten mit den beiden verschollenen Orten Egilinsteti und Zeizmannesstetin zurück. […]

Seite 324:

Hohenwarth
(BH Hollabrunn). Der Name des Gassengruppendorfes Hohenwarth deutet auf die geographische Lage des Ortes hin, von dem aus das ganze Kremser Becken zu überschauen ist. Schon im frühen Mittelalter wurde eine Wehranlage errichtet, um die eine Siedlung entstand. Ihre Funktion bestand in der Sicherung einer bedeutenden Fernverkehrsstraße des „Plekerten Weges“, der urkundlich erstmals um 1080-90 als „via, quae vocatur Plechuntirwech“ genannt ist. Der Name ist abgeleitet von ahd. „plaike“ und bezeichnet eine weithin sichtbare, freigelegte Stelle. Damit ist der Charakter dieser Straße als ein auf dem Wagramrand verlaufender Sichtweg gekennzeichnet. Auf der Wagram-Höhe legten schon die Römer ein Vorpostensicherungssystem an. Im Mittelalter nahm der „Plekerte Weg“ einen Großteil des Verkehrs donauabwärts über Krems nach Ungarn auf. Er führte am Donauwagram über Stockerau ins Marchfeld, wo er von der „Ungarischen Straße“ am Marchfeldwagram fortgesetzt wurde. Zur Zeit der karolingischen und der ottonischen Mark, als am Donauwagram die Grenze gegen Mähren verlief, kam dieser Verkehrsader zusätzlich Bedeutung als Grenzweg zu. […]

Die Bedeutung dieser Straßen für den Ausbau der ottonischen Mark zeigt sich darin, daß der deutsche König in diesem Raum Besitz an die hervorragendsten Geschlechter vergab. […]

Seite 325:

Hollabrunn
Hollabrunn, heute Hauptort des westlichen Weinviertels, lag Mitte 11. Jahrhunderts an der Grenze von Ostmark und „Böhmischen Mark“. […]

Seite 370:

Krumbach
(BH Wiener Neustadt). Krumbach, neben Kirchschlag Hauptort eines Gebietes („Buckelige Welt“), das bereits im 9. Jahrhundert erschlossen wurde, aber wieder verwaldete, läßt sich sicher bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgen. Die älteste sichere urkundliche Erwähnung eines Geschlechtes, das sich nach der strategisch wichtigen Burg Krumbach nannte, stammt von 1202 (jene von 1192 steht in einer Fälschung). […]

Seite 617f:

Wienerwald
Der in seiner höchsten Erhebung (Schöpfl) 890 m erreichende Wienerwald umfaßt die Ausläufer der Alpen vom Donauknie bei Greifenstein-Kritzendorf bis zum Gerichtssattel bei Kaumberg. Er bricht im Osten steil gegen das Wienerbecken ab und reicht im Westen bis zur Großen Tulln bzw. bis zur Traisen. Der Wienerwald war immer bewaldet. […]

[…] wurde der Wienerwald Mons Comagenus genannt. „Cumeoberg“, „Cummiberg“ und „Cumenberg“ waren Bezeichnungen für den Wienerwald im 9. Jahrhundert, aber auch noch in Königsurkunden des 11. Jahrhunderts. In römischer Zeit schied der Wienerwald die Provinzen Pannonien und Noricum. […]

Um 700 zerstörten die Awaren die Restsiedlung Lorch bei Enns. Anschließend legten sie Siedlungen im Wiener Becken an und befestigten den Hauptkamm des Wienerwaldes. Das westliche anschließende Gebiet bis zur Enns war Vorfeld des awarischen Reiches. Nach den Berichten der Reichsannalen und der Annalen Einhards durchbrach der Hauptteil des fränkischen Heeres 791 diese Awarensperre. Es handelte sich wohl um eine lebende Hecke mit einem Erdwerk von Wällen und Gräben, wie sie auch von den Ungarn gebaut wurden (Gyöpü-System). Am Ost-Hand des Tales der Großen Tulln zog sich eine großangelegte ungarische Verteidigngslinie hin, die durch den Ortsnamen Schoderlee bei Altlengbach gesichert ist. (ungarisch „Zelthügel“). Nördlich von Neulgenbach liegt in diesem Ungarnhaag die Laurentiuskirche von Markersdorf. Da St. Laurentius seit 955 als Schlachtenpartron gegen die Ungarn galt, könnte diese Kirche an der Stelle errichtet worden sein, an der 991 die Befestigung von den Deutschen durchbrochen wurde.

Nach jedem Kapitel ist die jeweils verwendete Literatur angegeben.

Veröffentlicht am 15.8.2025

D 10   1970, Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich

Neue Folge XXXVIII/1968-70
Festschrift zum 70. Geburtstag von Adalbert Klaar und Herbert Mitscha-Märheim

Online-LINK

Seite 145 (PDF Seite 187):

Awaren nach 800 in Niederösterreich?
Von Andreas Lippert, Innsbruck

Stichwortartige Abschrift:

Das Weiterleben der Awaren nach den Kriegen mit Karl dem Großen ist eine Streitfrage.
These – ein Fortleben des Awarentums unter veränderten Bedingungen auch im 9. Jahrhundert.
Östlicher Teil Niederösterreich als westlichstes Ausbreitungsgebiet der frühmittelalterlichen Awaren wird eine entscheidende Rolle spielen.
Erste Frage – Folgen des Krieges mit Karl dem Großen (791), 792 bis 795 innere Kämpfe im Awarenland, 796, Aufstände der Awaren 797, 799, 802.
822 scheint zum letztenmal eine awarische Gesandtschaft auf.
Inwieferne und wieweit läßt sich nun durch die Bodenfunde ein Fortbestehen des awarischen Volkstums in Niederösterreich nachweisen? Gürtelbeschläge – das späteste Stadium des awarischen Kunstgewerbes.
Awarische Bestattungen in Niederösterreich nach 800?
Wiener Becken frei von westlicher Kolonisation – Lebensraum für awarische Volksreste.
Awarische Friedhöfe im östlichen Niederösterreich und im Burgenland, nicht vor 800.
Fortbestehen mindestens zweier awarischer, vom fränkischen Kaiserhof geduldeter Herrschaftsbereiche zwischen Fische und Donau-Raab-Zwickel durch Bodenfunde bestätigt.
Ab dem zweiten Drittel des 9. Jahrhunderts allmähliches Aufgehen, meist in slavischen Volksstämmen.
Direkte Eingliederung in baierisch besiedeltes Gebiet, westlich des Wienerwaldes?

Auch in Niederösterreich, im Raum östlich und westlich des Wienerwaldes, können nach kritischer Beurteilung awarische Volksreste noch während der Mitte des 9. Jahrhunderts und später angenommen werden. Unweit von Sieghartskirchen, am westlichen Rande des Wienerwaldes, wurden 18 ärmliche Bestattungen in sehr geringer Grabtiefe (0,6—1,5 m) gefunden 50). Aus den Gräbern kamen schnitzverzierte beinerne Nadelbehälter, eine knöcherne Nadel, Bronzearmreifen, einfache Ohrringe mit Perlbesatz, doppelkonische Tonwirtel und kürbiskernförmige Perlen zum Vorschein; es sind dies alle charakteristische Fundtypen der spätesten Awarenzeit, die starke Abnützungsspuren aufweisen. Die Beigabe zweier Pferdezähne und zweier Backenknochen eines Wiederkäuers, die in den Gräbern lagen, bildet eine Parallelerscheinung zu der Beigabensitte später Awarengräber Ungarns   51). Gürtelbeschläge fanden sich in Sieghartskirchen keine. Charakteristisch für die karolingische Einflußsphäre, in der die späte Awarengruppe unseres Gräberfeldes gelebt haben muß, sind die kugelförmigen Gefäße aus Graphitton und die bunten, strahlenverzierten „Sonnenperlen“. Diese Funde ordnen das Gräberfeld dem späten 9. und beginnenden 10. Jahrhundert zu. Aber auch slavische Elemente, wie Stangenperlen, eine dunkelblaue eiförmige Perle mit weißumrandeten Augen und wellenbandverzierte, gut geformte Tonware, fehlen nicht.
Wenige Kilometer nördlich von Sieghartskirchen liegt am südlichen Donauufer Tulln, in dessem Bereich erst kürzlich sieben Bestattungen des späten 9. Jahrhunderts gehoben werden konnten 51a. […]

50) H. Mitscha-Märheim, Das karolingische Gräberfeld von Sieghartskirchen, NÖ, und seine Bedeutung für die mittelalterliche Siedlungsgeschichte. ArchA 13, 1953, 21 ff
[Abschrift siehe Gemeindehomepage, Frühgeschichte Nummer 38.]
51) J. Gy. Szabo, s. Anm. 4, 65 f.
51a) A. Meyers, Frühgeschichtliche Gräber aus Tulln, Nö. ArchA 45, 1969, 59 ff. (67) f.)

Weitere Funde in der Gemeinde Absdorf (Nähe Tulln), Katzelsdorf bei Wiener Neustadt, in allen Orten sichere Hinweise awarischer Siedlerschaft unter Karolingern und Slaven.
Erstarrende Volkskultur (unveränderte Beigabenobjekte) der Awaren im 9. Jahrhundert.

Veröffentlicht am 15.8.2025

D 11   1970, Das Ministerialengeschlecht der Eisenbeutel und das Besitztum der Grafen von Schaunberg im Viertel ober dem Wienerwald, Büttner Rudolf

Online Link

Veröffentlicht von ZOBODAT.

Original: Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich, Band 38, 1970, Autor Büttner Rudolf

Seite 255 – 256:

Ab 1281 tritt Konrad III. Eisenbeutel von Kogel auf. [Anmerkung Marktgemeinde, Andreas Bohnec, 29.6.2024: Erste Erwähnung von Kogel.] Wir wechseln daher den Schauplatz unserer Darstellung und besprechen die Besitzverhältnisse an der Kleinen Tulln. Vorerst sei allerdings noch eine Übersicht über die Beziehungen der Eisenbeutel zum Bistum Freising eingeschoben. […]

Abschrift Kapitel Sieghartskirchen (Seiten 257 bis 282, erste und letzte Erwähnung Sieghartskirchen, mit Erwähnungen von Kogel und anderen Orten unserer Gemeinde.)
Kopie des Textes aus dem PDF.

Die Hochfreien von Asparn und Lengenbach im Raume von Sieghartskirchen

Neben den Bischöfen von Freising (Hofmark Ollern) waren in der ersten Hälfte des 11. Jh. die Grafen von Ebersberg-Sempt begütert. Sie gaben Besitz in Elsbach bei Ried, in Asperhofen und Le(n)genbach an das bayrische Kloster Geisenfeld. Die Ortsnamen Sieghartskirchen und Oepping bei Rappoltenkirchen werden auf dieses Grafengeschlecht zurückgeführt. Von den Besitzungen, die die Ebersberger beim Aussterben des Mannesstammes hinterließen, nahm Rappoltenkirchen künftig einen besonderen Besitzgang, von dem hier nicht weiter gesprochen werden kann. Sieghartskirchen fiel an den deutschen König zurück und Kaiser Heinrich III. gab am 25. X. 1051 Sieghartskirchen an das neugegründete Marienstift in Hainburg 95), das als kirchlicher Mittelpunkt für die Ungarnmark ausersehen war. Wie ich einmal in einem Vortrage im Verein für Landeskunde 96) ausführte, war damals nach dem Tode des Markgrafen Siegfried Bischof Gebhard III. von Regensburg, der Onkel des Kaisers, Verwalter der Ungarnmark. Da wir Sieghartskirchen — und zwar Burg und Dorf — als Schaunberger Besitz und anschließend als Lehen der Herrschaft Orth nachweisen werden, dürfte diese Abhängigkeit von den Bischöfen von Regensburg, die sich daraus ergibt, bis 1051 zurückgehen. Als Vögte von Regensburg hatten die Grafen von Sulzbach Sieghartskirchen bis 1188 inne. Als damals der Mannesstamm der Sulzbacher mit Gebhard II. ausstarb, fiel ein Teil des Besitzes in und um Sieghartskirchen an den Gatten seiner Tochter Elisabeth, nämlich an den Grafen Rapoto I. von Ortenburg. Elisabeth lebte später als Laienschwester im Kloster Baumburg an der Alz. Rapoto II. Graf von Ortenburg und Pfalzgraf in Bayern übertrug daher am 2. XI. 1228 die Pfarre Sieghartskirchen mit Patronats- und Vogteirechten, aber ohne Zehent an dieses bayrische Kloster 97). Hiebei wurde 

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92 Fontes II/36 S. 103; II/31 S. 104.
93 R. Büttner, Burgen u. Schlösser zwischen Greifenstein u. St. Pölten, Wien1969 (= Burgen II/1) S. 85, 51 — UB Herzogbg. 34 Nr. 39.
94 NöUB I 631 Nr. 511.
95 MG DHIII 276.
96 21. I. 1955 „Das Ende der Ungarnmark“.
97 Mon. Boica 2 S. 196; 29 b S. 75 — Vgl. Maidhof, Pass. Urb. I 220.1740/41.

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Regensburg ausgeschaltet. Die Zehente beanspruchte — wie wir hören werden — Passau. Von den Sulzbachern war aber nur ein Teil ihres Erbes an die Ortenburger gefallen. Ein anderer Teil — Burg und Dorf Sieghartskirchen mit Ansprüchen auf den Zehent blieben Regensburger Lehen und kamen an das neue Geschlecht der Domvögte, nämlich an die Hochfreien von Lengenbach. Frühzeitig ergaben sich um Ried Streitigkeiten, wie weit der Freisinger und wie weit der Regensburger Besitz reichte.

Bei der Besprechung des Besitzes der Lengenbacher wird von der Herrschaft Rappoltenkirchen hier gänzlich abgesehen. Die Lengenbacher hatten aber auch Besitz in Reichersberg 98). Das zugehörige Dorf Weinzierl hatten, wie besprochen, um 1300 die Eisenbeutel inne, es wurde aber auch von Freising beansprucht. Freising erhob auch Anspruch auf die Burg Ried am Riederberg  99). Aber am 22. V. 1211 fanden Verhandlungen der Kuenringer mit Passau statt über die Exscindierung der Pfarre Ried aus der Pfarre Sieghartskirchen. Ort dieser Verhandlungen war die Wiener Stadtburg Otto V. von Lengenbach in der Domvogt- (Teinfalt-) Straße 100).

Auch das Passauer Urbar verzeichnet unter den vom Regensburger Domvogt erledigten Lehen eine Hofstatt „in Castro Rudiberch“  101). Es geht also hier nicht um das Dorf, sondern um den Burgbereich. Daß dies keine zufällige Erwähnung ist, zeigt die Formulierung im Verzeichnis der Passauer Kirchenlehen; „fundum, in quo situm est castrum in Riede“  102). Hier wird allerdings Passauer Obereigentum an angeblich Ortenburger Besitz postuliert  103). Hier sei das Verhältnis Ortenburger zu Lengenbachern durch eine Nachricht aus den Salzburger Kammerbüchern im HHStArchiv in Wien charakterisiert. 1220 übernahm Graf H. von Ortenburg die Bürgschaft für die Lengenbacher, als diese dem Erzbischof von Salzburg ihre Kärntner Burgen Eberstein und Lobekke verkauften  114). Das Ried benachbarte Elsbach war seit den Ebersbergern Besitz des Klosters Geisenfeld  105). Hier beanspruchten die Lengenbacher später das Vogtgeld  106).

Auch vom Geisenfelder Besitz in Asperhofen erhielten die

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98 Ldf. Urb. I 67.261; 73.301 — R. Büttner, Burgen II /1 S.51.
99 Fontes II/36 S. 103 — K. Lechner, TK 1954 S. 41.
100 Friess, Die Herren v. Kuenring Reg. Nr. 167 — Hippolytus 1864, S. 239 — H.Wolf, Erläuterungen zum hist. Atlas II/6.

101 Pass. Urb. I 301.186.
102 Ebda, I 221.1742.
Einschub Recherche 26.5.2026, Marktgemeinde, Andreas Bohnec zu den Anmerkungen 101 und 102.
Originaleintrag: Item in castro Rudiberch area una.
Anmerkung (Nr. 186) zu Rudiberch: Am Riederberg EH., G. Ried am Riederberge, B.Tulln. – Über die Reste der Burg auf dem Riederberg (ö. Ried am Riederberg) s.Binder, Burgen und Schlösser I, 107. Vgl. zu unserer Stelle auch P 2/3 Nr.1742.
Link: Die Urbare des Hochstifts im 13. und 14. Jahrhundert [1 bzw. 12] (I. Band / 1933) -Oö Landsbibliothek

Anmerkung (Nr. 1742): Am Riederberge EH., G. Ried am Riederberge, B. Tulln, wo noch Reste der früheren Burg festgestellt sind. – [Fälschlicherweise Tyroller Ried im Innviertel.] Über hochstiftischen Besitz am Riederberge vgl. P4 Nr. 186. (Einschub Ende)
Link: Die Urbare des Hochstifts im 13. und 14. Jahrhundert [1 bzw. 12] (I. Band / 1933) -Oö Landsbibliothek

Zweiter Einschub, Recherche 21.6.2025, Anmerkung Marktgemeinde, Andreas Bohnec: Zum Thema Lengenbacher Besitz wurde in Bezug auf die Burg Ried und anderen Orten folgendes gefunden:

Die Ministerialen von Lengbach
unter Ottokar und den ersten Habsburgern

Von Rudolf Büttner

Seite 405 (PDF Seite 1):

12. Jahrhundert Hochfreien von Lengenbach.

Ein Otto von Lengbach erscheint in nachgeordneter Stellung (als letzter Zeuge) 1211 in einer Urkunde, in der Bischof Manegold von Passau die Kirche von Ried aus der Pfarre Sieghartskirchen exscindiert. Die Urkunde ist in domo advocati Ottonis Wienne ausgestellt; unter den Zeugen findet sich außer dem schon erwähnten Otton och pincerna eius (sc. advocati) Syfridus  5)

5) MB 28/2 256;
Hippolitus. Theologische Quartalschrift der Diözese St. Pölten 7 (1864) 241 f;
vgl. dazu Erich Rabl Sieghartskirchen (Wr. Neustadt 1978) 33.

Seite 406 (PDF Seite 2):

Aussterben der Lengenbacher (1235)

Truchsessen von Lengenbach


Recherche 22.6.2025 (https://de.wikipedia.org/wiki/Truchsess_(Hofamt))
Truchsess war ein Hofamt in der mittelalterlichen Hofgesellschaft für den obersten Aufseher über die fürstliche Tafel.
Es war ursprünglich die Bezeichnung für den obersten Aufseher über die fürstliche Tafel, später für den Vorsteher der Hofhaltung. Im Laufe der Zeit erhielt das Amt weitere einflussreiche Funktionen. Zahlreiche Familien nahmen die Amtsbezeichnung als festen Bestandteil in den eigenen Familiennamen auf.

Seite 409 (PDF Seite 5):

Wasserburger, Babenberger. Nach dem Aussterben auch dieser beiden Geschlechter war die Benennung „Truchseß“ nur mehr ein Familientitel und seit 1255 nannten sich zwei Brüder, die beide den Namen Heinrich trugen, nach Neulengbach.

Seite 412 (PDF Seite 8):

Im 13. Jahrhundert die jüngeren Lengbacher.

Es ist erstaunlich, in welchem Umfange mehrere der ehemaligen Gefolgsleute der Hochfreien von Lengenbach in der Lage waren, die Besitznachfolge ihrer Herren anzutreten. Im Raume zwischen Wienerwald, Traisen und Donau blieb mit Ausnahme der Burg Sitzenberg im Nordwesten und den Burgen Ried und Rappoltenkirchen in Nordosten der Grundbesitz der ausgestorbenen Hochfreien in ihrer Hand.

Nachweis des ererbten Besitz der Lengbacher Truchsessen erst im frühen 14. Jahrhundert. Ununterbrochene Besitznachfolge des Erbes der Hochfreien von Lengenbach ist für das 13. Jahrhundert anzunehmen.

Seite 414 (PDF Seite 10):

Über den Lengbacher Besitz in Tulln und ihre Stellung als Stadtministerialen wird noch ausführlich gesprochen werden. Die Burg Ried war zwar nicht mehr in Lengbacher Besitz, aber Reste der ehemals beherrschenden Stellung der Hochfreien von Lengenbach um den Riederberg haben sich bei den jüngeren Lengbachern erhalten  59).

Durch Neuerwerbungen verstanden es die jüngeren Lengbacher, ihren Besitz ostwärts bis an die heutige Stadtgrenze von Wien auszudehnen. So dürfte ihnen schon vor 1270 der Ankauf der wichtigen Burg Purkersdorf gelungen sein  60).

59) So Waldbesitz in Katzelsdorf und bei Ollern (Anton Kerschbaumer Geschichte der Stadt Tuln [1874] 331, Nr. 63;
FRA 11/36, 103). Die Zugehörigkeit der Burgen Kogl und Chorherrn müßte noch untersucht werden, ebenso die ersten Erwerbungen in Kritzendorf. Es war hier natürlich nicht möglich, dem Verbleib aller Güter der Hochfreien von Lengenbach nachzugehen, […]

60) Der gewaltige Bogen der ehemals römischen Limesstraße wurde tangential abgeschnitten durch die Straße über den Riederberg, die wahrscheinlich vor 1060 durch die Bischöfe von Freising gemeinsam mit den Grafen von Ebersberg angelegt wurde (Rudolf Büttner Befestigungsanlagen im Wienerwald um die Jahrtausendwende in AnzWA 1956 337 = Mitteilungen der Kommission für Burgenforschung Nr. 7). […]

Seite 415 (PDF Seite 11):

Dadurch beherrschten sie nicht nur den wenig frequentierten Saumweg über den Sattel von Rekawinkel, sondern auch die wichtige Straße über den Riederberg.

Die Lengbacher als Stadtministerialen von Tulln […]

Seite 416 (PDF Seite 12):

Eine interessante Episode, die Rückschlüsse auf den Besitz der Lengbacher in Tulln zuläßt, ist die urkundlich nachweisbare Unterschlagung Heinrichs von Lengbach-Tulln. […]

66) FRA II/l 125, Nr. 109. Als Zeugen in dieser in Lengenpach ausgestellten Urkunde werden u. a. genannt: dominus Heinricus plebanus de s. Christofforo (Christophen, südl. Neulengbach), dominus Heunlo de Tulna, dominus Trousliebus, dominus Karulus de Chacharn (Chorherrn), dominus Ditricus de Calnperge (Kahlenbergerdorf in Wien) und ohne Bezeichnung dominus: Heinricus patruus noster (sc. Friderici dapiferi), Gotschalcus de Chogel (Kogl bei Rappoltenkirchen), Janso procurator noster (sc. Friderici dapiferi), Dietmarus dictus Strobel, Wulfingus et Ditmarus servi nostri (sc. Friderici dapiferi) und einige Tullner Bürger. An der Urkunde im HHStA hängt das zerbrochene Siegel des Lengbachers.

Seite 418 (PDF Seite 14):

1270: Verstimmung zwischen dem König und Friedrich von Lengbach  73) […]

73) 1269 ist Friedrich noch als einziger österreichischer Zeuge bei Kg. Ottokar in Podiebrad (Mailberger Urk. Nr. 40). 1270 wendet sich Ottokar dann gegen die Übergriffe Friedrichs von Lengbach und Friedrichs von Mauerbach gegen den Freisinger Besitz zu Ollern (FRA 11/31 314, Nr. 289 [1270] VII 14, Brünn) [...] quod Fridericus dapifer de Lengenpach et Fridericus de Maurpach et quidam alii ipsum in predio suo in Alarn videlicet in nemore, in pascuis et in viis publicis uti iure debito non permittunt. Der König befiehlt dem scriba Austrie Sidelin quatenus idem predium in Alarn prefato episcopo nostro nomine manuteneas et defendas [...]. Die Urkunde zeigt m. E. den Zwiespalt zwischen der Freisinger Immunität und den Rechten der Landgerichtsherren und ist gleichzeitig für eine Grenzziehung zwischen den Landgerichten des Lengbachers und dem des Landesfürsten zu Tulln von Bedeutung.

Zwei Google Übersetzungen Latein-Deutsch:

quidam alii ipsum in predio suo in Alarn videlicet in nemore
Einige andere fanden ihn auf seinem Anwesen in Alarn, nämlich im Wald.

quatenus idem predium in Alarn prefato episcopo nostro nomine manuteneas et defendas
dass Sie dasselbe Eigentum in Alarn im Namen unseres oben genannten Bischofs pflegen und verteidigen

 

Seite 419 (PDF Seite 15):

Friedrich Truchseß von Lengbach unter Rudolf und Albrecht von Habsburg […]

Vor seiner Abreise aus Österreich traf der König noch mehrere Entscheidungen von großer Tragweite für die österreichischen Landherren. Er verkündete die Anwartschaft auf sämtliche, seit dem Aussterben der Babenberger dem Landesfürsten gehörenden Güter, ließ sich von den Landherren seine Gefällsverpfändungen bestätigen, nahm die Abrechnung des Landschreibers Konrad von Tulln entgegen, wobei er anordnete, daß keiner der Landherren von Konrad Rechenschaft für dessen Amtsführung verlangen dürfe. Nebstbei erfährt man auch, daß Rudolf schon früher Besitz und Gülten bei Tulln, nämlich die Burg Ried, Einkünfte in Staasdorf und auf Inseln bei Tulln, verpfändet hat. […]

Seite 422 (PDF Seite 18):

Friedrich von Lengbach als camerarius Austrie […]

Nach Seite 426 (PDF Seite 23):

Stammtafel

Original-Link:
https://www.zobodat.at/pdf/Jb-Landeskde-Niederoesterreich_44-45_0405-0426.pdf
Einschub Ende.


103 Weitere Nachrichten über Ried: Wien 1280 VII 21, Die Kuenringer verzichten zugunsten Albrechts v. Habsburg tauschweise auf die Veste, Friess l. c. Nr. 344— 1281 VI 6, Hzg. Albrecht spricht von Verpfändung der Burgen Konrad v. Tulln, RH Alb. I S . 6 Nr. 24 — 1368 I 9, der Abt von Niederaltaich belehnt die Herzoge mit der Burg, Lichnowsky Reg. Habs. IV 838  *)  — K. Lechner wie Note 90.
104 A. Meiller, Reg. d. Salzburger Erzbischöfe 225 Nr. 244.
105 Mon. Boica 14 S. 272 — Pass. Urb I. 221.
106 Ldf. Urb. I 70.278.

*) Einschub, Anmerkung Marktgemeinde, Andreas Bohnec, 11.8.2024:
Eine Recherche für Waldamt, Waldbereitungsbezirk Kogl ergab am 4.8.2024 zu Lichnowsky folgende zwei Treffer für Ried:

Link zur Originalquelle.

Titel: Geschichte des Hauses Habsburg, von dem Fürsten E. M. Lichnowsky.
Vierter Theil. Vom Regierungsantritt Herzog Rudolfs bis zum Tode Herzog Albrecht des Dritten.
Wien, 1839.

Abschnitt: Verzeichniss der Urkunden zur Geschichte des Hauses Habsburg.
Von 1358 bis 1395.

Seite DCLV (PDF-Seite 422):

838.
1368. 9. Jan. Wien. Abt Altmann zu Nieder-Altaich belehnt die Hgc Albr. und Leup. mit der Feste Ried vor dem Wienerwald gelegen. k. k. g. A.

Seite DCCXXVI (PDF-Seite 493):

1605.
1381. 16. Juli. Wien. Lehenrevers von Hans dem Schänken von Ried auf Herz. Albr. wegen der Feste mit dem Waldamt zu Ried, und 100 Pfd. Pf. auf dem Gerichte zu Tuln, die s. Satz um 1900 Pf. W. Pfenn. waren. Er verpflichtet sich dass, stürbe er ohne Söhne, alles auf die Herzoge fallen solle.
k. k. g. A.

Einschub Ende.

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Lengenbacher als Vögte des Klosters das Vogtfutter 107). Von den Lengenbachern stammt auch der Besitz der Klöster Garsten und St. Pölten in Asperhofen 108). Auch die von mir quellenmäßig belegte und lokalisierte ehemalige Burg in Asperhofen geht auf die Lengenbacher zurück. Diese hatten auch Besitz in Weiding bei Raipoltenbach und gewannen auch den halben Zehent bzw. Anteil am Fundus der Pfarrkirche in Abstetten  110).

Besonders überraschend ist aber das Auftreten der mit den Lengenbachern verschwägerten Hochfreien von Asparn in der Nachbarschaft von Sieghartskirchen—Ried. Keck fand ein Grundbuch der Pfarre Asparn an der Zaya aus 1577; darnach hatte die Pfarre die Vogtei über ein großes Amt in Elsbach bei Sieghartskirchen. Dieses Amt umfaßte 1 Mühle, 26 Bauernlehen und 4 Hofstätten 111). Dieses Amt dürfte auf die Hochfreien von Asparn zurückgehen, die wir als Gründer der Pfarre Asparn ansehen müssen.

Andere Besitzungen der Hochfreien von Asparn waren Mechsendorf  112), heute eine Wüstung bei Poysdorf, Walterskirchen  113) und Wolfstal  114) bei Hainburg. Schon Klebel merkte an, „daß die Herren von Asparn, deren einer den Namen Poto führte, das an Hainburg und die Pottenburg angrenzende Wolfstal, wie das an Pottendorf angrenzende Wampersdorf besaßen“  115). Später besaßen die Walterskirchen Wolfsthal, die Schaunberger die Pottenburg. Es wird nun, da wir wissen, daß die Asparner um Hainburg und um Sieghartskirchen begütert waren, zu zeigen sein, daß auch die Walterskirchner und Schaunberger, gleich wie sie Besitz östlich Hainburg hatten, solchen auch in und um Sieghartskirchen hatten. Die Eisenbeutel, die wir in diesem Raume als Lehensleute der Schaunberger kennenlernen werden, hatten bis 1298 Besitz in Mechsendorf, u. a. das Dorfgericht.

Hier sei noch auf den Einfluß der Hochfreien von Anzbach im Quellgebiet der Kleinen Tulln verwiesen. Erst im Bereitungsbuch von 1591 [Abschrift unsere Gemeinde betreffend siehe unter Geschichte, Epoche 16. Jahrhundert, Register „1591 Abschrift Bereitungsbuch“] des niederösterreichischen Landesarchivs ist von dem

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107 Ebda, 69.277.
108 OöUB I 192 Nr. 220 — NöUB I Nr. 39.
109 R. Büttner, Burgen II/1 S. 124.
110 Ldf. Urb. I 73.299 — Pass. Urb. I 300, 179/80; 220.1739 — In Abstetten hatten vor 1260 die Plain-Hardegg Lehen von Passau , Mon. Boica 29 b S. 167.
111 Für diese Mitteilung schulde ich Hochw. Geistl. Rat Pf. K. Keck ergebenen Dank — Vgl. Notizenbl. 1854 S. 596.
112 Fontes II/4 Nr. 312, 392 — Vgl. Fischer, Klosterneuburg II 307 (1296), 312(1298).
113 Fontes II/4 Nr. 312 — MG DChr III/2 719 — Mon. Boica 29 b S. 335 — R.Büttner, Besiedlungsgeschichte des obersten Zayatales, phil. Diss. Wien 1933; im Abschnitt Asparn werden auch Mechsendorf, Wolfsthal und Walterskirchen behandelt.
114 Fontes II/4 N r. 392 vgl. Nr. 309, 402 — MG DChr III/2 719.
115 E. Klebel, Zur Rechts- u. Verfassungsgeschichte, Jb. f. Ldkde 1939/43 S.110 Note 183.

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Besitz des Klosters Aspach in Burgstall am Buchberg die Rede. In den Quellen dieses bayrischen Benediktinerstiftes treten um 1170 Graf de Ameiscesbach und Chunrad de Ameisnbach auf; diese sind wohl mit Craft und Conrad von Amicinesbach identisch  116). Kraft I. von Anzbach starb am 21. IX. 1170; seine Söhne Kraft II und Konrad II. starben am 15. X. 1203 bzw. 25. II. 1190  117). Nach dem Aussterben der Hochfreien von Anzbach hatten die Lengenbacher Weingartenbesitz in Burgstall 118). Die Besitzer der Burg Burgstall auf dem Buchberg hatten im Hochmittelalter immer enge Beziehungen zu ihren Nachbarn im Kleinen Tullntal, in Röhrenbach und Kogel  119).

Passau entzieht den Walterskirchen den Zehent in Sieghartskirchen

In der Urkunde 1), die Herzog Ottokar am 5. III. 1252 in Hainburg dem Bischofe von Regensburg ausstellt, verspricht er für Rückstellung der dem Bistum entzogenen Güter zu sorgen. Dazu gehören auch jene, deren sich seine Ministerialen Otto von Walterskirchen und Weigand Eisenbeutel bemächtigt hatten. Aus dem Konflikt der kaiserlichen und päpstlichen Partei entstanden mannigfache Übergriffe gegen geistliche Grundherren. Mit Otto von Leis hatte sich Otto von Walterskirchen ursprünglich dem „Herzog“ Hermann von Baden angeschlossen 120). Später stellte sich Ottokar von Böhmen gegen das Bistum Regensburg. Otto von Walterskirchen erlaubte sich um Traismauer bedeutende Übergriffe auf Besitzungen des Salzburger Erzbischofs 121). Wenn in der erwähnten Urkunde von 1252 von Übergriffen gegen Regensburg gesprochen wird, so ist nicht angegeben, um welche Orte und Güter es sich handelte. Ich nehme an, daß Otto von Walterskirchen und auch Weigand Eisenbeutel sich Regensburger Lehensgüter um Sieghartskirchen angeeignet hatten; beweisen läßt sich dies allerdings nur für den Walterskirchner.

Otto hatte vor 1252 die Zehente der Kirche Sieghartskirchen an sich gebracht. Die Zehente kamen 1259 an den Bischof von Passau 122) und wurden von diesem an Rapoto von Ortenburg verliehen. Da aber Otto von Walterskirchen seine Ansprüche aufrecht hielt, mußte ihm der Bischof am 3. IV. 1263 die Zehente auf Lebenszeit zugestehen 123). Allerdings gab sie der Bischof dann doch zu Lebzeiten Ottos 1264 an die Marienkapelle in der Krypta des Passauer Doms 124). Es war ein geschickter Schachzug des Bischofs,

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1 Ried, Codex Ratisb. I 431 Nr. 454 = Die Walterskirchen von Wolfsthal I 24 Nr. 96 — Ottokar gab die entzogenen Güter an Regensburg nicht zurück.
116 Mon. Boica 5 S. 127, 130, Nr. 32, 36.
117 A. Diry, Die Herren v. Lengenbach, Heft 1 (1949) der Schriftenreihe „Kennst du die Heimat? Neulengbach u. Umgebung“.
118 Ldf. Urb. I 71.287.
119 R. Büttner, Burgen II/1 S. 125, 86. 80.
120 BUB II 319 Nr. 452.
121 Friess l. c. S. 243 ff.
122 Mon. Boica 29 b 133 Nr. 130.
123 Ebda, S. 192.
124 Ebda, S. 457.

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die Zehente einer Marienkirche zuzuweisen, da sie rechtmäßig der Marienkirche in Hainburg zugestanden wären. Auf Grund älterer Weistümer  125) hatte Passau allerdings sein Zehentrecht im Gebiete westlich des Wienerwaldes durchgesetzt. Regensburg verblieb aber Burg und Dorf Sieghartskirchen und Besitz in allen Zehentorten der Altpfarre Sieghartskirchen. Diesen Regensburger Besitz hatte vor 1252 Otto von Walterskirchen, wohl gemeinsam mit Weigand Eisenbeutel, an sich gezogen.

Der Schaunberger Besitz um Sieghartskirchen

Im Verzeichnis der Passauer Kirchenlehen (c. 1252) heißt es  126) „Proprietates illius ecclesie (sc. in Prukke) habuit advocatus Ratis (ponensis) et nobiles de Scounberch, scilicet civitatem (sc. Prukke) et castrum in Haselow  127) et omnes villas sitas in eadem parrochia ab ecclesia Pataviensi“. Auch hier sehen wir den Besitz des Hochadels auf alle Zehentorte einer Altpfarre erstreckt, wie in Sieghartskirchen. Hier wird auch die Besitznachfolge der Schaunberger nach den Lengenbachern, die 1236 ausstarben, deutlich. Ich möchte nicht daran zweifeln, daß die Besitzabfolge im Raum Sieghartskirchen die gleiche war, wie im Raum von Hainburg—Bruck an der Leitha.

Der Besitz der Grafen von Schaunberg an der Kleinen und Großen Tulln ist noch ausgedehnter, als er in den bisherigen Darstellungen erscheint  128). Kern dieser Besitzgruppe ist die Altpfarre Sieghartskirchen. In neun Orten dieser Pfarre hatten die Schaunberger oder ihre Besitznachfolgerin, die habsburgische Herrschaft Orth, Streubesitz.

In Sieghartskirchen besaß die Herrschaft 1396 das (halbe) Haus dh. die Burg. 1470 das Dorf 129). Talein liegt Besitz in Gerersdorf (Halblehen) und der Rutzenmayrhof (wahrsch. bei Kogel), der schon 1335 als Schaunberger Lehen bezeichnet wird 130). Die Röhrenbacher aus dem benachbarten Röhrenbach, wo die Schaunberger Besitz hatten, erscheinen als Gefolgsleute der Schaunberger 131). In

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125 Heuwieser, Pass. Trad. N r. 92, 93.
126 Pass. Urb. I 204.
127 R. Büttner, Der Landrichter Otto II. v. Haslau , Jb. f. Ldkde 1967 S. 46.
128 J. Stülz, Gesch. d. Herren u. Grafen v. Schaumberg, Denkschriften d. Wiener Akad. d. Wiss. XII 1862 — Die Herrschaft Orth, Top. v. N. Ö . VII 514 b — O. H. Stowasser, Das Land u. der Herzog, Berlin 1925, S. 107 — F. Baumhackl, Die Grf. v. Schaunberg u. d. Herrsch. Orth, Festschrift d. ö. Nationalbibliothek 1926 —Junker wie Note 79 S. 34— 37.
129 Lehenb. Albrechts IV. im HHStA Wien Hs. 39 (B 20— 60) f. 11 — Urk. 4073 imn. ö. Landesarchiv.
130 Lichnowsky, l. c. III 1048, 1051 — Hier nicht belegter Besitz siehe Stowasser.
131 Wie 130; OöUB VII 524 Nr. 517.

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Wimmersdorf sind Zehente der Herrschaft Orth genannt, 1418 gehörte das ganze Dorf Paisling zu dieser Herrschaft   132). 1430 sind deren Zehente, Gülten und Wiesen in Grabensee nachweisbar  133). Mit Gut und Zehent greift die Herrschaft im benachbarten Markersdorf über den Pfarrbereich von Sieghartskirchen hinaus  134). 1430 ist Besitz in einem „Weichartstorff“  135), das zur Urpfarre Sieghartskirchen gehört, genannt; man kann diesen Ort mit Wagendorf nicht gleichsetzen, da dieser schon 1208 die moderne Namensform führt. Weichartstorff ist entweder nach Weichard von Toppel benannt, der vor 1335 die Burg Kogel besaß, oder nach Weikchart von Tiernstein, der 1397 die Burg Sieghartskirchen innehatte.

Deutlich ausgeschlossen aus dem Schaunberger Besitz ist sowohl der Bereich der Altpfarre Rappoltenkirchen wie der Freisinger Besitz um Ollern.

An der Großen Tulln liegt, abgesehen von einem Hof (später Burg) zu Judenau  135a), der ursprünglich zur Pfarre Abstetten gehörte, Schaunberger bzw. Orther Besitz in den zur Pfarre Sieghartskirchen zählenden Orten Dietersdorf und Siegersdorf. Aus dem 1312, 1313, 1341, 1342 und später erwähnten Hof der Schaunberger, zu dem der Wildbann gehörte, entwickelte sich die Burg Dietersdorf, nach der sich 1331 Ludwig von Zelking nannte  136). Der 991/1023 im Tauschweg an die Salzburger Erzbischöfe gediehenen Besitz zu Dietersdorf  137), ist in Spital zu suchen. Obwohl das Dorf wiederholt für Regensburg in Anspruch genommen wird  138), kann doch nicht übersehen werden, daß 1435 Erzbischof Johannes Reisperger von Salzburg dem Caspar Ynpruckher „verlihen das dorf zu Spuetal mit seiner zuegeherung“  139).

In Siegersdorf sind ab 1382 mehrere Höfe der Herrschaft Orth, später ein Hof, Zehent und Bergrechte nachzuweisen 140).Flußaufwärts reicht der Orther Besitz an der Großen Tulln mit Bergrechten in den alten Pfarrort Asperhofen.

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132 Jahrb. Adler III, 1873, S. 190.
133 Top. v. N. Ö . VII 518 a; Lichnowsky V 2844 (1430).
134 Top. v. N. Ö . VII 518 b; Stowasser 119 Nr. 51.
135 Lichn. V 2844.
135a Junker 37.
136 In der Frühzeit mehrere Höfe — OöUB V 76 Nr. 77; Zeitschr. Adler II, 1872,S. 181; OöUB VI 372 Nr. 368; Top. v. N. Ö . VIII 518 (zu 1431 u. 1455) —Wildbann bei Stowasser 107 Nr. 10 — Zelking bei Siebmacher, N. Ö., NeuausgabeII 622 a.
137 SaUB I 195.
138 Ried, Codex Ratisb. I S. 431 — Ldf. Urb. I 62.246 — Bl. f. Ldkde 35 S. 481Nr. 17 (1469) (nur Zehent) — Ausführlich Stowasser — Spital gehört zur OG. Michelhausen,Dietersdorf zur OG. Abstetten.
139 GB V 677.
140 Or. Urk. HHStA Wien: Wien 1382 VII 31; 1385 VII 19; Bl. f. Ldkd. 1868 S.127 Nr. 22; Chmel, Materialien I Nr. 68; Lichnowsky V 3060.

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Die geschlossene Hofmark der Regensburger Bischöfe zwischen den Unterläufen der Großen Tulln und der Perschling mit dem Kerngebiet der Dörfer Michelhausen, Mitterndorf und Michelndorf standen meist in Eigenverwaltung der Bischöfe. Hier hatte die Herrschaft Orth nur Zehentbesitz; die Eisenbeutel sind nicht nachzuweisen. Die Burgen Atzelsdorf und Pixendorf im südöstl. Randgebiet waren von den Regensburger Bischöfen anderweitig verlehnt 141).

Konrad III. Eisenbeutel von Kogel und Leutold der Wildonier von Diernstein

Weigand I., den wir 1252 in Sieghartskirchen angenommen haben, wurde in anderen Orten von uns für die Zeit von 1252—1256 nachgewiesen. Konrad II., sein Bruder, lebte bis c. 1281. Sein Wirken wurde bereits geschildert. Am 5. V. 1281 erscheint erstmals ein Konrad III. Eisenbeutel „von Chogel“. Er nennt sich nach der Veste Kogel an der Kleinen Tulln, die südlich Rappoltenkirchen gelegen ist. Da dieser Konrad III. einen Vatersbruder Konrad II. hatte 142),war er nicht ein Sohn Konrads II., sondern Weigands I.

Wie die Eisenbeutel in den Besitz der Burg Kogel kamen, ist quellenmäßig nicht erfaßbar. Vorbesitzer sind Wolfger von Chogel (1255—1276) und sein bisher übergangener Bruder Konrad (um 1255)  143). In der Urkunde, die Herzog Ottokar 1261 für die Schiffsleute von Tulln ausstellte  144), erscheint Wolfgherus de Chogel unter den Zeugen aus dem Ministerialenstande. Eine Ebenbürtigkeit mit den Eisenbeuteln ließe an eine Eheverbindung denken. Bevor Wolfger von Kogel auf die Stammburg verzichtete, mag er die Burg Judenau erworben haben und mit einem 1270 genannten Wolfker von Judenau identisch sein  145). Auffallend ist, daß noch 1287, als Konrad Eisenbeutel Besitzer der Burg Kogel war, ein Wolfger von Kogel als Zeuge für die Tannberger bzw. das Kloster Wilhering auftritt  146). Wilhering ist aber das Hauskloster der Schaunberger und vieles spricht dafür, daß sich der Besitzwechsel in Kogel zwischen Schaunberger Lehensleuten abgespielt hat. Als die Landesfürsten später Kogel erwarben, wird, bestimmt nicht ohne Absicht, die Frage offen gelassen, ob Kogel Eigengut oder landesfürstliches Lehen gewesen wäre.

Am 5. V. 1281 gibt Conrad Eysenpeutl von Chogel mit Einwilligung König Rudolfs das ius dominii seu proprietatis über den Ritter (miles) Ulrich von Hasendorf an das Bistum Salzburg 3). Der

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3 Wien 1281 V 5; Or. HHStA Wien; Böhmer-Redlich RI VI/1 Nr.1284.
141 R. Büttner, Burgen II/1 S. 73, 43 — Junker 27— 34.
142 Note 66 zum J. 1267.
143 R. Büttner l. c. S. 80 — Konrad v. Kogel: Notizenbl. f. öst. Gesch. u. Lit.1843 Nr. 3/4 S. 72.
144 Kerschbaumer, Tulln (immer 1. Aufl. zitiert) S. 314 Nr. 2.
145 Mon. Boica 29 b 192 — Kerschbaumer l. c. 315 Nr. 3 — R. Büttner l .c. 36.

146 OöUB IV 61 Nr. 67.
[Anmerkung Marktgemeinde, Andreas Bohnec, 6.7.2024:
Abschrift 02 Urkunde im Register Nummer 2.6.]

 

Eisenbeutel wird für die Aufgabe seiner Rechte von dem Hasendorfer entschädigt. Zeuge und Siegler ist auch Propst Hertnid von Friesach, der hier auch die Interessen des Erzbischofs vertritt. An der Originalurkunde im HHStA in Wien hängen noch sieben Siegel, darunter das des Ausstellers. Hasendorf liegt östl. Gutenbrunn und hat mit dem Großen und Kleinen Venusberg zwei Erdwerke.

Konrad III.Eisenbeutel von Kogel war mit einer Gutenbrunnerin verheiratet, die ihm nicht nur Besitz in Hasendorf, sondern auch in Reidling bei Sitzenberg  147) zubrachte. Häufig ergeben sich Beziehungen zwischen Gutenbrunnern und Eisenbeuteln  175). Da die Gutenbrunner mit den Ternbergern verschwägert waren, finden sich im Herzogenburger Urkundenbuch — vor allem bei den Urkunden, die sich auf Adletzberg bei Gutenbrunn beziehen — die Ternberger, Gutenbrunner und Eisenbeutel zusammen.

Die Heirat Konrad Eisenbeutels mit einer Gutenbrunnerin ergibt sich auch daraus, daß Weigand II. von Kogel, der Sohn Konrads III., Ulrich von Gutenbrunn 1303 als seinen Oheim anspricht  168). Die Enkel Konrads III., nämlich Konrad V. Eisenbeutel von Osterberg und Konrad von Tiernstein-Wildon, besitzen 1315 Anteile an der Burg Gutenbrunn 224).

Wir kommen auf die Urkunde von 1281 zurück; hier erkennen wir soziale Rangunterschiede innerhalb der Familie Eisenbeutel. 1268 steht Friedrich Eisenbeutel als miles ebenbürtig neben Ulrich von Hasendorf 148). 1281 ist der Ministeriale Konrad Eisenbeutel der Herr dieses Ulrich.

In einer in Wien am 21. X. 1284 ausgestellten Urkunde tritt Chunrat der Eysenpeutel von dem Chogel als einer der Schiedsrichter für die Herren von Karlstetten auf 73). Ein weiterer Schiedsrichter war Heinrich von Reicholtsperge. Sowohl Karlstetten, wie Reichersberg bei Ollern, wie das untere Traisengebiet, wohin die Reichersberger damals bereits übersiedelt waren 149), lagen im Einflußbereich der Schaunberger, bzw. ihrer Lehensleute der Eisenbeutel.

Am 15. III. 1290 bezeugt Konrad Eisenbeutel (ohne Benennung nach Kogel) eine Schenkung der Herren von Herrnbaumgarten an die Kommende Mailberg der Johanniter 150).

In einer Urkunde Wolfhards von Adletzberg für Herzogenburg ist 1291 die Zeugenschaft „Chunradi ferreeburse de Chogel“ vermerkt; auch sein Siegel ist erhalten. Wir lernen hier die lateinische Form des Namens kennen  151).
[Siehe unter Urkunde, Nummer 2.7.]

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175 UB Herzogbg. 33 Nr. 39 — Auch die Gülten zu Kuffern, die Wernhart v. Nußdorf 1316 u. 1335 an Herzogbg. gibt, mögen derselben Herkunft sein (Nußdorf u. Getzersdorf liegen benachbart), UB Herzogbg. 54 Nr. 58 u. 134Nr. 123.
168 UB Herzogbg. 25 Nr. 32.
224 A. Lilienf.; Top. v. Nö. V 868 b; Schützner l. c. 199.
73 Wien 1284 X 21; Or. HHStA Wien.
147 Urk. 71 im n. ö. Landesarchiv — Das Bergrecht, das Ulrich v. Thernberg verkauft, lag wohl bei Atzenbrugg; unter den Zeugen Wigant der Eisenbeutel; Kerschbaumer l. c. 346 Nr. 159.
148 NöUB 118 Nr. 88.
149 R. Büttner l. c. S. 51.
150 H. Mitscha-Märheim, Regesten zur Gesch. v. Mistelbach 1968 S. 36 Nr. 81 — Herrnbaumgarten liegt bei Walterskirchen.
151 UB Herzogbg. S. 16 Nr. 20.

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1287 war Leutold III. der Wildonier von Diernstein mit einer Elisabeth verheiratet und hatte bereits Kinder mit ihr 152). Am 19. IV. 1290 vergleicht sich Leutold in Lassnitz mit dem Stift St. Lambrecht. Es intervenieren seine „Freunde“ (Verwandten) Otto von Liechtenstein und Konrad Eisenpeutel de Chogel, sein geliebter Schwiegervater („soceri mei dilecti“) 153). Näheres erfahren wir aus einer in Wien am 28. I. 1301 ausgestellten Urkunde 154): Liutolt der Wildonier von Dirnstain verkauft mit seiner zweiten Ehefrau Margarete und mit den Kindern aus zweiter Ehe Turs und Hertneid dem Herzog Rudolf von Österreich das landesfürstliche Lehen Haus Dirnstain. Für einen Teil des Kaufpreises von 400 Mark Silber und 53 Pfund PF. im Urbar verpfändete ihnen der Herzog 142 Pfd. Pf. auf die Maut zu Ybbs und 15 Pfd. Pf. in Gülten in der Umgebung von Persenbeug. Nach Liutolds Tode sollten von diesen Erlösen 200 Mark Silber an die Kinder aus erster Ehe fallen, wenn sie dem Verkauf zustimmen. Es seien dies die Kinder Konrad, Liutold, Heinrich und Jeuta aus der Ehe mit Elsbet, der Tochter „Herrn Chunrades des Ysenpeutels“. Ob dieser damals noch lebte, ist aus der Urkunde nicht zu entnehmen.

Durch diese Eheverbindung wird der Einsatz des „Isenbiutels“ 1292 in Judenburg  4) verständlich. Mit der Familie des 1292 gleichfalls in Steiermark eingesetzten Laubenbergers stehen die Eisenbeutel noch 1309 in Verbindung  155).

Die Wildonier  156) waren 1220 Gefolgsleute der Grafen von Plain  34b). Nach deren Aussterben 1260 war Chunrat von Tyrenstein Pfandherr für Zehente in Sierning, Knetzersdorf und Haunoldstein  161). 1241 heiratete Gertrud von Wildon Albero V., den Begründer der Dürnsteiner Linie der Kuenringer. Albero starb am 8. I. 1260. Sein Sohn wurde nach dem Großvater Liutold von Wildon Leutold benannt.

Die vor dieser Zeit genannten Dürnsteiner Gotschalk, Walter und Heinrich  157) gehörten einer steirischen Familie an, die sich nach der Burg Dürnstein an der steirisch-kärntnerischen Grenze nannte  158).

Ab 1251 scheint ein Otto von Wildon-Tiernstein in Niederösterreich begütert gewesen zu sein 159).Otto führte 1270 und 1276, wie

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4 MG DChr V/2 S. 752 Z. 56402 ff.
34b Bl. f. Ldkde 1879, S. 430, Nr. 508; 333, Nr. 330.
152 AÖG 59 S. 291 Note 2 (Stmk. Landesarchiv C Nr. 1304).
153 AÖG 59 S. 302 Nr. 5 (Stmk. Landesarchiv C 1369 a aus St. Lambrecht).
154 AÖG 59 S. 293 Note 1 (Or. HHStA Wien; etwas abgeändert MS Nr. 8117 (hist. prof. 394), Beilage, in der Öst. Nat. Bibl. Wien).
155 Mon. Boica 30 b S. 41 Nr. 242 = Quellen-Wien I/1 26.
156 Beck-Widmannstetter, Mitt. d. Central-Comm. 1872 — K. F. Kummer, Das Ministerialengeschlecht von Wildonie AÖG 59/1 (1880) S. 177 ff.
157 Fontes II/69, S. 489 — Wichner, Admont II 99, 172, 322.
158 H. Ebner, Burgen u. Schlösser im Ennstal u. Murboden, Wien 1963 S. 26. SeitMitte 12. Jh.
159 Fontes II/3 S. 227 — Otto kommt im Stammbaum der Wildonier bei Siebmacher, N. Ö. nicht vor, ein Konrad nur als Vatersbruder jener Gertrud, die Albero V. von Kuenring heiratete.
161 Note 40.

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sein Sohn Konrad, das Seeblatt der Wildonier, das gestürzt und aufrecht verwendet wurde, im Siegel 160). 1294 bestätigt Hertnid von Wildon die Schenkung eines Wiener Bürgers an Lilienfeld 162). Bald finden wir die Wildonier in Wilhelmsburg und Umgebung zusammen mit den Eisenbeutel begütert, von denen sie später die Burgen Osterburg und Sieghartskirchen übernehmen.

Kehren wir zur Urkunde von 1301 und damit zum Verkauf der Burg Dürnstein zurück. Da die von Frieß gebotenen Regesten unzureichend sind, sei auf die Verhandlungen eingegangen. Am 10. X. 1298 schließt Leutold III. von Wildon mit König Albrecht I. einen Vertrag; er will dem König die Burg Diernstein tauschweise gegen die südsteirische Burg Arnfels abtreten  163). Der Tausch kommt aber nicht zustande. Vielmehr muß Leutold am 4. V. 1299 seinem Oheim Friedrich von Stubenberg versprechen, die Burg Dürnstein nicht oder nur an ihn zu verkaufen  164). Doch verpfändet Leutold die Burg, ein landesfürstliches Lehen, an Herzog Rudolf und bietet sie ihm am 24. X. 1299 zum Verkauf an  165). Am 28. I. 1301 wird endlich, wie berichtet, der Verkauf vollzogen  154). Frieß hat nur die Verpfändung der Burg verzeichnet  166).

Bischof Hertneid von Gurk und Weigand Eisenbeutel von Kogel

Konrad III. Eisenbeutel von Kogel hatte also von seiner Gattin, einer geb. Gutenbrunn, eine Tochter Elsbet. Als seine Söhne sind die Brüder Weigand II., der sich ab 1298 nach Kogel nennt, und Konrad IV., der ab 1295 als Konrad der Eisenbeutel von Osterburg auftritt, anzusehen.

Weigand besaß bis 1298 das später verödete Dorf Mechsendorf bei Poysdorf, das einst Besitz der Hochfreien von Asparn gewesen war 126). Weigand verkaufte am 24. II. 1298 in Hainburg mit Bewilligung des Herzogs das Dorfgericht zu Mechsendorf an das Stift Klosterneuburg; noch am selben Tage erwarb das Stift von ihm und seiner Gattin Tuta Eigengut in Mechsendorf in Höhe von 125 Pfennigen jährlicher Dienste 167).Diese Einkünfte stammen von

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126 Pass. Urb. I 204.
160 Abb. bei Hanthaler, Recensus II Tafel 46 Nr. 4, 5.
161 Note 40.
162 Quellen-Wien I/1 871.
163 AÖG 59 S. 310 Nr. 14 (Or. HHStA Wien). — 1341 tritt Wolfhart von Ernvelsmit den Tiernstein bei Kilb im Niederösterreich auf; GB XV 203.
164 AÖG 59 S. 311 Nr. 15.
165 Friess. Kuenringer Nr. 507 (Or. HHStA Wien); AÖG 59 S. 293 Note 1.
166 Friess l. c. Nr. 507.
167 Fontes II/10 S. 58 Nr. 65 u. Fischer II 312 Nr. 122, 123, vgl. Note 367 —Weitere Besitzer in Mechsendorf um 1298: Klosterneubg.: Jahrb. Kl. V 222 u.252; Fontes II/28 S. 194 u. 117 — Schönberger: Fischer II 307 — Friedrich v. Liechtenstein: Fontes II/1 278 Nr. 110; Fischer II 141/2.

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zwei Hofstätten, einer Wiese und vom Benutzungsrecht für den Weg zur Viehtrift. Im Siegelbild ist der dreieckige Schild durch zwei gekrümmte Binden geteilt. Der Mechsendorfer Besitz erklärt wohl auch das Auftreten Konrads III. für Herrnbaumgarten, das wir zu 1290 angeführt haben 150). Tuta, die Gattin Weigands II. begegnet auch in den späteren Urkunden ihres Ehemannes.

1300 bezeugen die Brüder Chunrat und Weigant die Eisenbeutel den Verkauf des Grathofes bei Bischofstetten durch Jakob von Pillichsdorf an die Totzenbacher  65).

Am 6. I. 1303 stellt Weigant in Herzogenburg eine Urkunde aus. Er verkauft mit seiner Gattin Tuta Gut zu Kuffern, das ihm von seinem Oheim „hern hertneit, dem Pischolf von Gurka“, anerstorben ist, an Wernhard von Getzersdorf zu Burgrecht, überläßt aber das Eigentum dem St. Nikolausaltar der Stiftskirche Herzogenburg. Es handelt sich um jährliche Dienste von zwei Muth Weizen, 11 Hühnern und 28 Pfennigen. Außer dem Aussteller siegeln auch Weigands Bruder Konrad, Weigands Eidam Philipp von Enzersdorf (an der Fischa) und Weigands Oheim Ulreich von Gutenbrunn. Die Siegel sind erhalten 168).

Das Auftreten des Bischofs Hertneid von Gurk ist bei näherer Untersuchung nicht mehr so überraschend. Hartnid war seit 1271 Pfarrer in Pöls und Archidiakon Kärntens. Daß er auch Propst von Friesach war, bestreitet Kummer zu Unrecht 169). Nach seinen Beziehungen zu den Eisenbeuteln ist er identisch mit dem Hertnid (von St. Vigilio) de Frisaco der Eisenbeutel-Urkunde von 1281 3); an der Urkunde hängt Hertnids Siegel.

Daß Hertneid schon damals an der Traisen begütert war, zeigt das Datum einer verschollenen Urkunde Hertnids, die er am 6. März 1281 in Inzersdorf an der Traisen ausstellte 170). Duellius, der nur das Protokoll der Urkunde überlieferte 171), verursachte eine Schwierigkeit: Hartnid war 1281 nicht Bischof, sondern erst 1283—1289 172). Entweder hat Duellius in Kenntnis der späteren Stellung Hartnids den Titel geändert, oder es liegt ein Zeitraum zwischen der Rechtshandlung, auf die sich das Datum bezieht und der Ausstellung des Diploms.

Hartneid war am 14. XI. 1284 in Wien. Am 14. XII. 1284 setzte er sich für Belange bei Hollenburg ein 173). Mit dem Erzbischof von Salzburg weilte Bischof Hertnid von Gurk am 12. III. 1290 in Tulln, am 14. III. in Wien 174). Somit können die Nachrichten, die den Bischof mit Kuffern und Inzersdorf in Verbindung

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3 Wien 1281 V 5; Or. HHStA Wien; Böhmer-Redlich RI VI/1 Nr.1284.
65 Hueber l. c. I 32 Nr. 9 — Fontes II/51 S. 238 — Vgl. Note 193 a.
150 H. Mitscha-Märheim, Regesten zur Gesch. v. Mistelbach 1968 S. 36 Nr. 81 —Herrnbaumgarten liegt bei Walterskirchen.
168 UB Herzogbg. 25 Nr. 32.

Zu 168 – Abschrift aus dem Gedenkbuch (Pfarrchronik) Rappoltenkirchen, Seite 174:
Zur Geschichte Kogel
1303, 6. Jänner (Herzogenburg), verkauft Weigant Eysnpeutel von Chogel die ihm vons einem Oheim Herrn Hartneit, dem Bischof von Gurk, anerstorbenen (?) 2 Mut Weizens, 28 Pfennige, 11 Hühner (!) zu Chueffarn dem Wernhart von Gatzinsdorf (Götzendorf) um 20 Pfund Pfennige der gewöhnlichen Wiener Münz und giebt die Eigenschaft dem Stifte Herzogenburg, also daß Wernhart und seine Erben dasselbe Gut zu rechtem Burgrecht vom Stifte haben und jährlich am St.Nicolaus-Tag 10 Pfennige auf den St.Nicolaus-Altar im Stifte dienen sollen.
(Faigl, Herzogenburger Urkunde 25-26.) [zu Faigl – siehe unter Urkunden Nummer 2.8]
(Ergänzung am 3.7.2024, Marktgemeinde, Andreas Bohnec. Genehmigung der Diözese St. Pölten zur Einsicht der Pfarrchronik und Veröffentlichung liegt vor.)

169 AÖG 59 S. 295 Note 2 — Die zutreffende Admonter Urk. 1279 III 27: Wichner, Gesch. Stift Admont II, 1876, S. 385 Nr. 248; auch Nr. 259.
170 NöUB I 144 Nr. 115.
171 Duellius, Excerpt. 180, 16.
172 MG SS IX 808 Annales S. Rudperti.
173 Fontes II/31 S. 422.
174 Kerschbaumer, Tulln 263 — Quellen-Wien I/3 2877.

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bringen, nicht bezweifelt werden. Durch die Wolfkere stand übrigens Kuffern schon im 12. Jahrhundert in besitzgeschichtlicher Verbindung mit dem benachbarten Inzersdorf.

Zu Hertneids Erbe darf man wohl auch die Güter rechnen, die die Eisenbeutel zwischen 1308 und 1316 an die Besitzer von Nußdorf veräußerten; sie lagen bei Hörfarth, Eggendorf und Hollenburg 88). Nußdorf liegt bei dem Getzersdorf der Urkunde von 1303. Weigand, der Erbe Bischof Hertnids besaß bis 1308 auch ein Lehen zu Unterwinden bei Herzogenburg 175).

Es handelt sich nun um die Herkunft der Güter des Bischofs. Entscheidend ist die Frage, welcher Familie der Bischof zugezählt wird. Die Salzburger Annalen 172) berichten zwar seine Herkunft aus der Familie der Wildonier; eine Handschrift berichtigt aber die Zugehörigkeit auf Offenberger. Offenburg ist eine Burg bei Pöls, etwa 2 1/4 Stunden von Murau, und Sitz eines Zweiges der steirischen Liechtensteine. Bischof Hartnid wird als Bruder Ulrich I. von Liechtenstein-Murau und Dietmars IV. von Offenberg angesehen 176). Dem Todesjahr Hartnids 1298 entspräche aber besser die Einreihung in die nächste Generation. Er wäre dann ein Bruder Ulrichs II. (bis 1285 nachweisbar), des Ottos II. (gest. 1311) und der Perchta, Gattin Herrands II. von Wildon. Diese Perchta ist m[eines]. E[rachtens]. eine geb. Eisenbeutel, eine Schwester Konrads III. von Kogel. Dann konnten Weigand II. und Konrad IV. Eisenbeutel den Gatten Berthas und dessen Bruder Bischof Hertneid Oheim nennen. Wir bekommen dann eine zweite Verbindung der Eisenbeutel mit den Wildoniern und sind in der Lage, den Besitzgang an der Traisen zu erklären 177).

Vorerst wollen wir die steirischen Liechtenstein an der unteren Traisen nachweisen. Als Siboto von Zagging 1268 starb, fiel sein Besitz z. T. an seine Schwester Gertrud, die mit Otto von Arnstein vermählt war, z. T. an Sibotos Witwe Alhaid geb. von Potendorf. Alhaid war die Enkelin eines Kuenringers. Die Arnsteiner erhielten 1268 u. a. die Burg Zagging. Alhaid nahm als zweiten Gatten Otto II. von Liechtenstein-Murau. Die Hochzeit fand vor dem 10. XII. 1278 statt. Alhaid brachte dem Liechtensteiner die Burg Inzersdorf an der Traisen zu. Daher konnte dort Bischof Hertneid 1281 die bereits besprochene verlorene Urkunde ausstellen 170). Otto übergab am 10. II. 1291 die Burg Inceystorf mit 80 Pfd. Pf. im Urbar seinem Sohne Rudolf, der Kunigunde, die Tochter Konrads I.

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88 Fontes II/36 S. 517, 516 — Vgl. Note 200.
175 UB Herzogbg. 33 Nr. 39 — Auch die Gülten zu Kuffern, die Wernhart v. Nußdorf 1316 u. 1335 an Herzogbg. gibt, mögen derselben Herkunft sein (Nußdorf u. Getzersdorf liegen benachbart), UB Herzogbg. 54 Nr. 58 u. 134 Nr. 123.
176 Kummer, l. c. AÖG 59, Stammtafel.
177 C. Plank vermutet (freundl. Mitteilung) als Gatten der Bertha Eisenbeutel Dietmar IV. v. Offenberg. Dies ergibt sich, wenn man die Einreihung des Bischofs in die jüngere Generation nicht annehmen will.

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von Sumerau zur Gattin genommen hatte 178). Am 10. V. 1291 verzichteten die Brüder Konrad und Sibot von Arnstein zu Gunsten Ottos von Liechtenstein auf jeden Anspruch auf die Burg Intzeisdorf 179). Ein Rapoto von Intzeinsdorf war noch am 2. VI. 1286 Zeuge einer Urkunde seines Schwiegervaters Hadmar v. Arnstein für Heiligenkreuz gewesen 180). Rudolf von Liechtenstein nahm am 17. I. 1334 seinen freieigenen Hof zu Anzenberg (westl. Kuffern) von Passau zu Lehen; dafür wurden auf Wunsch der Liechtensteiner, die Zehente zu Herzogenburg, die sie bisher teils von Passau, teils vom Stift Herzogenburg zu Lehen trugen, freies Eigen des Stiftes 181). Mit seinen Brüdern verkaufte Rudolf von Liechtenstein am 12. III. 1353 den freieigenen Markt St. Georgen an der Traisen mit Marktrecht, Gericht und Urfahr um 287 Pfd. Pf. an das Kloster Herzogenburg 182). Diese Hofmark erstreckte sich von der des Erzbischofs von Salzburg in Traismauer bis zu jener des Bischofs von Freising in Hollenburg-Wagram.

An dem hier nachgewiesenen ausgedehnten Besitztum der steirischen Liechtensteine war Bischof Hertnid durch seinen Bruder Otto II. beteiligt worden.

Nebenbei sei auf eine mögliche Eheverbindung Sumerauer-Eisenbeutel verwiesen. Am 10. V. 1288 verkaufte nämlich Konrad der Junge von Sumerau mit seiner Gattin Geysel Gülten zu Poysdorf an den Wiener Bürger Prechtlein unter den Lauben in Wien. Er gibt die Eigenschaft dem Deutschen Haus in Wien, von dem Prechtlein die Gülten zu Burgrecht nimmt 183). Da wir die Eisenbeutel als Besitzer von Mechsendorf nachgewiesen haben, das bei Poysdorf liegt, könnte eine Geysel Eisenbeutel von Mechsendorf die Poysdorfer Gülten ihrem Gatten Konrad d. J. von Sumerau zugebracht haben.

Wenn die Schaunberger nach Stowasser Besitz in Kuffern, Nußdorf und Wagram hatten 184), so ist dieser nicht unmittelbar mit den besprochenen Gütern in Verbindung zu bringen, da diese bis c. 1300 freieigener Besitz waren. Doch ist das Nebeneinander verschiedener Grundbesitzer — beim Schaunberger Besitz handelt es sich um ausgesprochenen Streubesitz — im Spätmittelalter eher die Regel als die Ausnahme. Wenn Wißgrill berichtet, daß 1382 Graf

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178 V. Handel-Mazetti, die Zakking-Sumerauer, Jb. f. Ldkde 1912S. 114 Nr. 3, vgl. S. 93.
179 Ebda, S. 94 Fußnote.
180 Fontes II/11, S. 250 N r. 277.
181 AÖG IX 279.
182 UB Herzogbg. S. 207 Nr. 183. Vgl. Note 236.
183 Jb. f. Ldkde 1912 S. 94.
184 Kuffern : Stowasser l. c. 109 Nr. 43; Junker l. c. S. 110; Quellen-Wien I/1018161; Hardegger Besitz: Quellen-Wien I/10 18112, Stowasser 103 Nr. 51 u. 117(Lehen v. Salzbg.) — Nußdorf u. Wagram a. d. T.: Stowasser 110 Nr. 57; 111 Nr.86; Junker 110, 111 — Reichersdorf: Junker 111 — Walpersdorf: das Folgende und Note 64; M. Kroißmayr, Gesch. d. Herrsch. Walpersdorf, Jb. f. Ldkde 1904,bringt wenig zum Thema.

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Hermann von Cilli durch Vergleich von den Schaunbergern die Herrschaft Walpersdorf erworben habe 64), so sei darauf verwiesen, daß Walpersdorf von den Kuenringern an die österreichischen, nicht die steirischen Liechtensteine gekommen war.

Albero V. von Kuenring (gest. 1260) war mit Gertrud von Wildon vermählt. Sein Bruder Heinrich II. von Kuenring-Weitra hatte eine Tochter Alheid (gest. 1281), die Wulfing von Kaya heiratete. Dessen Sohn Otto nahm Elisabeth, die Tochter Friedrich II. von Liechtenstein zum Gemahl. Aus dieser Ehe stammte Katharina, die Moriz von Haunfeld ehelichte. Dieser verkaufte vor 1348 das Dorf Walpersdorf an Hartneid von Liechtenstein. Denn am 25. III. 1348 bezeugen Görg und Stephan die Haunfelder, daß ihr Vetter Moriz von Haunfeld das Dorf Walpersdorf, welches ihm seine Frau Katharina (von Kaia) zugebracht hatte, an Hartneid von Liechtenstein verkauft und ihm selbes mit dem Dorf Potendorf widerlegt habe 185). Am 28. IX. 1258 bestätigt Herzog Rudolf IV., daß die Liechtensteine ihrer Schwester Elsbeth, die Dietmar von Losenstein zum Gatten nahm, das Dorf Walprechtsdorf als Heimsteuer versetzt hätten 186). Da die zitierten Urkunden über Walpersdorf von anderen Forschern auf Waltersdorf an der March bezogen werden, kann hier die Besitzgeschichte von Walpersdorf nicht weiter behandelt werden. Sie ist mit den Schaunbergern, nicht aber mit den Eisenbeuteln verbunden.

Der Verkauf der Burg Kogel

Kehren wir wieder zu Weigand II. von Kogel zurück. 1304 und 1305 tritt er mit einem Vetter Stephan Eisenbeutel als Zeuge in Urkunden der Herren von Wald auf 187). Die Eisenbeutel stehen in den Zeugenreihen neben den Atzenbruggern, mit denen sie um diese Zeit verschwägert sind. 1308 ist Weigand Sweher des Alber von Baden, für den er als Schiedsmann auf tritt 188). 1309 ist er in Wien am Erbe der Elspet, Mutter des Jans Laubenberger interessiert 189). 1310 bezeugt Weigand, daß Ortolf von Atzenbrugg Gülten in Döbling an den Forstmeister Ludwig von Döbling verkauft habe 10°. 1308 veräußert Weigand Eisenbeutel von dem Chogel ein Bauernlehen zu Unterwinden an Friedrich Fisslinger, wahrsch. zu Burgrecht, gibt aber das Eigentum an das Stift Herzogenburg 175). Friedrich war ein Schwager des späteren Stiftspropstes Herlib von der Mühl 191). In der Urkunde von 1308 sind Weigands Gattin Tuta

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64 Wißgrill, Schauplatz des n. ö. ständischen Adels II 84.
185 Or. Urk. HHStA Wien; Amtsblatt der BH. Mistelbach, Beilage „Heimat imWeinland“ 1968 S. 393. — Potendorf vgl. Note 233.
186 Liechtensteiner Regesten im n. ö. Landesarchiv 1, 114.
187 NöUB I 213 Nr. 175; 216 Nr. 178.
188 Fontes II/16 S. 24 Nr. 27.
189 Mon. Boica 30 b S. 41 Nr. 242 = Quellen — Wien I/1 26.
190 Quellen -Wien I/3  2923; I/2  1557.
191 UB Herzgbg. 491 Nr. 21.
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seine Kinder Niklas und Weigand d. J. genannt. Das erste Siegel stammt von Cunrad von Arnstein (auf Zagging). Von Weigands Verwandten siegeln Ulreich der Kerenberger von Guetenprunne und Ortolf von Atzenprukke. Zeugen aus der Sieghartskirchner Gegend sind Calhoch von Ollern und Herlieb von Purchstal. Auch Ruger von Adletzberg und Ebran von Ernstbrunn sind genannt.

1307 hatte Propst Berthold von Klosterneuburg von Leopold von Sachsengang einen Hof zu Krotendorf gekauft 192). Am 16. II. 1311 verkaufen Weigant Eisenbeutel und seine Gattin einen Hof zu Krotendorf, der aus fünf Bauernlehen besteht und auf Klosterneuburger Grundbesitz liegt, an den ehrsamen Mann, den Forstmeister Ludwig von Döbling 193). Im Klosterneuburger Urbar von 1303/06 ist von späterer Hand nachgetragen, daß die Witwe Albers von Baden, dessen Sweher — wie bereits berichtet — Weigand Eisenbeutel war, den halben Hof in Krottendorf besaß 193a). Obwohl Krottendorf mit Orten des Marchfeldes genannt ist, legt der Verkauf an Ludwig von Döbling die Lokalisierung Krottendorfs in Wien-Unterdöbling nahe.

Friedrich der Schöne bestätigt 1312, daß Weigant der Eisenpeutel und seine Gattin Tuta „das Haus zu dem Chogel und die aygenschaft, die darzue gehört, es sey Aygen oder Lehen, das sie von uns habent ze lehen gehabt“ um 1200 Pfd. Pf. durch seinen Forstmeister Ludwig von Döbling an ihn verkauft haben. Friedrich gibt Kogel seinem Forstmeister zu Lehen 194). Gefolgsleute der Eisenbeutel, die sich nach Kogel nannten, wurden nach Haunoldstein umgesiedelt 195). Die Eigentumsverhältnisse der Burg Kogel sind beim Verkauf der Burg so umschrieben, daß ein ehemaliges Obereigentum der Schaunberger nicht ausgeschlossen ist. Die Burg Kogel wurde am 15. VIII. 1335 von dem Hofmeister in Österreich Weichart von Toppel den Herzogen Albrecht und Otto verkauft. Im Kaufpreis sind eingeschlossen: das Dörfel zu dem Geraut (heute Kreuth), der Eisenpeutelhof, ein Pfund Gelts zu Rörnpach und der Ruetzenmayrhof  196). Wenige Tage später, am 24. VIII. 1335 übergibt Graf Konrad von Schaunberg den Herzogen den Ruetzenmayrhof mit Zubehör und alles Gut zu Röhrnbach, das Weichard von Toppel von ihm zu Lehen gehabt hat 197).

Über den Rutzenmayrhof ist nichts bekannt. Der Eisenpeutelhof, dessen Nennung bezeugt, daß alle verkauften Güter bis 1311 von den Eisenbeuteln besessen wurden, ist später noch mehrfach genannt. Der Eisenbeutelhof wurde lange von den Besitzern der

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192 AÖG II S. 111.
193 Fontes II/10 123 Nr. 134.
193a Fontes II/28 S. 139; die 2. Hälfte besaß der „Pilichdorfanus de Watenstein“.
194 AÖG II 533 Nr. 35.
195 1344 II 22, Hueber, Austria Mellic. I Tafel XV Nr. 7.
196 Or. HHStA Wien; Lichnowsky III 1048.
197 Ebda, Nr. 1051

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Herrschaft Osterburg zusammen mit der Herrschaft Sieghartskirchen verwaltet. Seit 1696 war der Eisenbeutelhof, ,,welchen vorhin die Geyer (sc. von Osterburg) im Markt Sieghardskirchen possediert haben“ strittig zwischen dem Kloster Baumburg (Patronatsherrn der Pfarre Sieghardskirchen) und dem Grafen Johann Adam von Questenberg (Besitzer der Herrschaften Rappoltenkirchen-Sieghardskirchen). Der 1723 geschlossene Vergleich über den Hof wurde 1724 von der Regierung bestätigt 198). Die Formulierung gibt zwar keine Sicherheit, läßt aber annehmen, daß der Eisenbeutelhof im Markt Sieghartskirchen selbst lag.

Am 3. VI. 1311 bezeugt Wigand Eisenbeutel vor Ortolf von Atzenbrugg eine Verkaufsurkunde Ulrichs von Thernberg  199).

Weigand II. hatte von seiner Gattin Tuta mindestens vier Kinder. Die Töchter waren mit Philipp von Enzersdorf (an der Fischa) und Alber von Baden verheiratet. Die 1308 genannten Söhne Weigand III. und Niklas dürften früh verstorben sein. Niklas der Eisenbeutel verkaufte 1314 die Lehenschaft, die die ehrbaren Männer Ott von Grafenwerde, Hörwardt und sein Sohn Dietrich von Eggendorf, ferner Wernhardt von Nußdorf von ihm zu Lehen gehabt hatten 200). Die folgenden Urkunden möchte ich Weigand III., nicht seinem Vater, zuschreiben.

Am 12. III. 1312 bezeugt Wigant Eysenpeutel einen Vergleich Konrads von Tiernstein mit Lilienfeld über die Befestigung des Marktes Wilhelmsburg 201). Diese Urkunde bildet die Brücke zu den Eisenbeuteln von Osterberg, die 1312 in Wilhelmsburg auftreten. Am 6. V. 1312 siegelt Weigant nämlich eine Urkunde seines Vetters Chunrat Eysenpeutel, des Sohnes des Chunrat Eysempeutels von Osterberch, der Dienste von seinem Eigengut zu Wilhelmsburg an Lilienfeld verkauft 202).

Am 24. IV. 1313 nimmt Ludwig von Zelking das Gut Dietrichsdorf (Dietersdorf an der Tulln), das er von Weigand dem Eisenbeutel gekauft hatte, von Wernhard von Schaunberg zu Lehen 203). Ludwig von Zelking nannte sich 1331 nach Dietersdorf 136). Niklas oder seinem Bruder Weigand III. sind die Beziehungen zum Bistum Freising in Hollenburg 88) und Weinzierl 92) zuzusprechen.

Konrad IV. Eisenbeutel von Osterberg

Weigand II. von Kogel hatte einen Bruder Konrad und vielleicht noch einen Bruder Ulrich, der allerdings niemals die Benennung Eisenbeutel führt. In Lilienfeld schrieb nämlich zur Zeit

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88 Fontes II/36 S. 517, 516 — Vgl. Note 200.
92 Fontes II/36 S. 103; 11/31 S. 104.
198 GB V II 51.
199 G. Winner, Das Diözesanarchiv St. Pölten 194. [Anmerkung Marktgemeinde, Andreas Bohnec, 30.6.2024: Jahr der Ausgabe 1962. Ein Exemplar in Privatbesitz ist bekannt. Auf den Seiten 191 bis 407 werden die Inhalte von Urkundenzusammenfassend angegeben.]
[Anmerkung Marktgemeinde, Andreas ohnec, 9.11.2025: Mit Genehmigung des Diözesanarchives wurden die Urkunden im Register E 62-Burg Kogl Teil 2 veröffentlicht.]
200 Wißgrill l. c. II 376 — Die Orte Hörfarth OG. Paudorf u. Eggendorf OG. Höbenbach liegen nw . Kuffern.
201 A. L ilienf.
202 Ebda = Hanthaler, Rec. II 373.
203 Zeitschr. Adler 1873 S. 181 a.

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des Abtes Ottokar Bruder Ulrich von Sieghartskirchen Bücher 204). Er ist 1315 Stiftskämmerer. Als solcher kauft er Güter für sein Stift an. Daß er aus Sieghartskirchen stammt, in dem die Eisenbeutel begütert waren und Güter von den Eisenbeuteln kauft, läßt vermuten, daß er ein Bruder Weigands II. und Konrads IV. war. Ulrich von Sieghardskirchen kauft am 24. IV. 1315 von Stephan Eisenbeutel die Mühle zu Ruprechtshofen für Lilienfeld 205).

Weigand II. hatte 1300 und 1303 einen Bruder Konrad, 1304 einen Vetter Stephan 206). Obwohl Konrad in beiden Fällen nicht mit einem Gut — weder mit Kogel noch mit Osterburg — verbunden ist, müssen wir ihn mit Konrad IV. von Osterberg gleichsetzen, dem wir uns nun zuwenden. Die Identität ergibt sich erst aus Quellen über die nächste Generation. Wigand (III.) hat nämlich 1312 einen Vetter Konrad (V.), der als Sohn Konrads IV. von Osterberg bezeichnet wird 207).

Am 1. II. 1295 verkauft der Schwiegersohn Heinrichs von Rassing Hermann von Hippersdorf den Dominikanerinnen von Tulln Einkünfte in Tiefenthal und an der Furtmühle zu Schmida. Konrad der Eisenbeutel bezeugte sowohl die Verkaufsurkunde Hermanns, wie die Bürgschaftsurkunde Heinrichs  208). 1300 bezeugen die Brüder Konrad und Weigand Eisenbeutel eine Verkaufsurkunde Jakobs von Pillichsdorf, durch die das Eigentum am Grathof bei Bischofstetten an Lilienfeld übertragen wird  65). 1301 bezeugt Konrad den Verzicht Rapotos von Wildegg auf einen Hof zu Hainfeld zugunsten Lilienfelds  209). Am 6. I. 1303 ist Konrad Zeuge, als sein Bruder über das Erbe nach Bischof Hertneid von Gurk verfügt  168). Am 16. V. 1303 ist Herr Konrad Zeuge, als der Rußbacher das Dorf Hacking bei Wien an den Herzog Rudolf veräußert  210).

Nach Wißgrill ist Konrad mit Gertrud von Mainberg vermählt gewesen und hat mit ihr schon 1304 die Kinder Konrad, Chiria, Kunigund und Adelheid gehabt. Nach Prevenhuber, auf den sich Wißgrill beruft, hatten sie alle damals nämlich einen Streit mit Hadmar von Sonnberg wegen einer Hofstatt in der Schenkenstraße zu Wien 211). Die angegebenen Kinder gingen tatsächlich aus der Ehe Konrads hervor.

Es wäre verlockend, die Hochzeitsfeier Konrads IV. Eisenbeutel mit der Mainburgerin mit jenem großen Fest in Verbindung zu setzen, das 1283 in Anwesenheit von sechs Pfarrherrn und zahlreichen Adeligen, unter ihnen Rabensteiner, Pillichsdorfer,

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65 Hueber l. c. I 32 Nr. 9 — Fontes II/51 S. 238 — Vgl. Note193 a.
168 UB Herzogbg. 25 Nr. 32.
204 Top. v. N. Ö . V 875 a.
205 A. Lilienf.; Ulrich tritt auch 1321 in St. Pölten auf.
206 Hueber l. c. I 32 Nr. 9; UB Herzogbg. 25 Nr. 32; NöUB I 213 Nr. 175.
207 1312 III 12 A. Lilienf.
208 Kerschbaumer, Tulln 338 Nr. 104, 105.
209 Hanthaler, Rec. I 302.
210 Quellen-Wien I/9 17253 a.
211 Wißgrill l. c. II 375.

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Hausegger und Scheuerpecken, auf Burg Mainburg stattfanden. Aber gerade der Eisenbeutel ist in der langen Zeugenreihe nicht vertreten.

Die Bestätigung der Eheverbindung Eisenbeutel-Mainburger finden wir in der nächsten Generation, in denen Konrad V. Eisenbeutel von Osterburg auftritt. Am 6. V. 1312 nennt Konrad V. den Bruder seiner Mutter Alber den Älteren von Mainburg seinen Oheim  222). Aus einer Urkunde Alber des Jüngeren von Mainberg, eines Enkels des älteren Albers, vom 1. V. 1321  212) erfahren wir, wer am Erbe der Gertrud von Mainberg beteiligt war. Es sind dies die oben genannten Kinder, Konrad V. Eisenbeutel mit seinen Schwestern Kunigund und Alheid; Chiria war damals bereits verstorben. Nach 1304 hatte Kunigund Otto von Eckartsau geheiratet, Alhaid aber Friedrich von Atzenbrugg  215). Nach der Urkunde vom 12. III. 1313  223) war damals Otto von Eckartsau gestorben; sein Bruder Kadolt muß als Miterben einer Peunt in Pfaffstetten Konrad Eisenbeutel und Alhaid geb. Eisenbeutel, vermählte Atzenbrugg, anerkennen. Die Peunt war also auch ein Erbe nach Gertrud v. Mainberg oder nach ihrem Gatten Konrad IV. Eisenbeutel, auf das die drei Kinder Konrad V., Kunigund und Alhaid Anspruch hatten.

In Zusammenhang mit der Heirat Konrad IV. haben wir bereits von seinen Kindern gesprochen. Wir müssen aber noch über seine Schwestern berichten, von denen bisher ausführlich nur jene Elsbet besprochen wurde, die Liutold von Wildon-Tiernstein zum Gatten nahm. Elsbet hatte aber noch zwei Schwestern.

Alber von Baden nennt 1308 Weigand Eisenbeutel seinen Sweher  188); er hatte eine Schwester Weigand II. und Konrad IV. zur Gattin, die ihm den halben Hof in Krottendorf zubrachte. Sie besaß ihn noch als Witwe. Da damals aber die zweite Hälfte  193a) an den „Pilichdorfanus de Watenstein“ ausgegeben war, dürfen wir auf eine weitere Eisenbeutel — Schwester der vorigen — schließen; Jakob Pillichsdorfer von Watenstein war mit einer Geysel vermählt. Daß sie eine Eisenbeutel gewesen ist, dafür spricht auch die Urkunde von 1300  65), in der die Brüder Weigand II. und Conrad IV. (nach dieser Annahme: Brüder der Geysel) den Verkauf des Grathofes bei Bischofstetten durch Jakob von Pillichsdorf bestätigen. Das Heiratsgut der Geysel bestand aus dem Hof bei Bischofstetten und aus dem halben Hof zu Krottendorf, der aber Klosterneuburger Eigen war. Die Pillichsdorfer von Watenstein nannten sich nach einer Burg südl. Kirchberg a. d. Pielach, von der nur das Erdwerk erhalten ist  214).

Nach dem Tode seiner ersten Gattin Gertrud heiratete Konrad IV. die verwitwete domina de Wesen, die ihrem zweiten Gatten

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65 Hueber l. c. I 32 Nr. 9 — Fontes II/51 S. 238 — Vgl. Note193 a.
188 Fontes II/16 S. 24 Nr. 27.
193a Fontes II/28 S. 139; die 2. Hälfte besaß der „Pilichdorfanus de Watenstein“.
212 Kopialbuch Lilienf.
213 Fontes II/8 331 Nr. 62.
214 H. P. Schad’n, Die Hausberge u. verwandte Wehranlagen in N. Ö., Prähistor. Forschungen Heft 3, Horn—Wien 1953 S. 76 = [160].

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außer Teilen der Passauer Lehensherrschaft Schönbühel auch einen Sohn aus erster Ehe, Konrad den Wesner, zubrachte. Konrad besaß daher von der ersten Gattin einen Sohn Konrad, von der zweiten Gattin einen Stiefsohn Konrad. Während unsichere Nachrichten berichten, daß Konrad IV. schon 1307 Besitz aus der Herrschaft Schönbühel an Melk gestiftet habe  216), finden sich Quellennachweise erst für Konrad V. um 1318. Gleichwohl seien diese Nachrichten hier vorweggenommen.

Am 21. IV. 1318 vergleicht sich Friedrich der Schweinbarther mit Gattin Gertrud mit dem Pfarrer von Gerolding wegen zweier Lehen zu Nölling in der Pfarre Gerolding. Die Urkunde wird von Erchenger von Wesen und Herrn Konrad dem Eisenbeutel gesiegelt; dieser wird als „Herr“ des Schweinbarthers bezeichnet  217). Als Erchenger von Wesen am 29. X. 1318 zugunsten Göttweigs auf Zehente in Mautern und Bergern verzichtet, hängte auch Erchengers Vetter Konrad der Eisenbeutel sein Siegel an die Urkunde 218). Nach Wißgrill erhielt Konrad Eisenbeutel von seinem Bruder Konrad (dem Wesner) 1318 das halbe Haus Schönbühel samt Gericht als mütterliches Erbe geledigt  219). Im Passauer Urbar von 1324 wird von dem Dorf Siernreit, an das heute nur mehr der Siernreiter Hof in Hub Nr. 8 erinnert, vermerkt, daß der ganze Zehent dem Bischof von Passau und der domina von Wesen gemeinsam zusteht, daß aber der Eisenbeutel die bischöfliche Zehenthälfte und ein Lehen in Gerolding an Heinrich den Schweinbarther verpfändet habe  220). 1324 besaß Konrad Eisenbeutel auch vier Passauer Bauernlehen in Gerolding als Pfand  221). Die Herren von Wesen sind 1322 mit Erchenger ausgestorben.

Weitere Nachrichten über Konrad V. Eisenbeutel von Osterberg

Konrads IV. Sohn aus erster Ehe, Konrad V., nannte sich ebenfalls nach der Osterburg. Er war m it Agnes von Atzenbrugg vermählt. Am 6. V. 1312 verkaufte er zusammen mit Agnes sein Eigen in Wilhelmsburg, nämlich 24 Metzen Weizen auf den Äckern im Meierhoffeld und Pfenniggülten auf einer Hofstatt im Markt und auf einer Peunt in Niederhofen an Lilienfeld und setzt als Sicherstellung dafür seinen Hof in Inning ein  222). Als Siegler treten Konrads Vetter Weigand der Eisenbeutel, Konrads Oheim Alber

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215 Wißgrill l. c. II 375, hat Wernhard von Ladendorf.
216 Schweickhardt VOWW VII 172; Keiblinger, Melk I 459.
217 Fontes II/59 S. 224 Nr. 256 (dort irrig unter 1418).
218 Fontes II/51 S. 283 Nr. 289.
219 Wißgrill II 375; Pass. Urb. I 523 — Vgl. A. Heller Gesch. bzw. Regesten d. Schl. Schönbühel, Bl. f. Ldkde 1875, 190; Note 221.
220 Pass. Urb. I 537.671; 526.604.
221 Ebda, I 523.587.
222 A. Lilienf. = Hanthaler, Rec. I 302.

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von Mainberg, und Chunrat von Durrenstein auf. Durch die Urkunde vom 12. III. 1313, die Konrad bezeugt, werden die gemeinsamen Beziehungen der Eisenbeutel und Atzenbrugger mit den Eckartsauern  223) bestätigt, die wir schon einer Urkunde aus 1321 entnommen haben.

Am 25. V. 1315 verkauft Konrad von Tiernstein mit Gattin Jeut 24 Metzen Weizen und 5 Schill. Pf. zu Wilhelmsburg an Lilienfeld. Dieses Eigengut gehörte ursprünglich ihm und seinem Vetter Chunrat Eysenpeutel von Osterberg. Dieser hat ihm aber seinen Anteil zur Ablöse des Anteils an der Burg Gutenbrunn überlassen  224). Am 19. II. 1317 bezeugen Chunrad, Stephan Eisenbeutel, auch Alber von Mainberg und die Atzenbrugger eine Urkunde Wulfings von Wald  225). Am 24. IV. 1315 und 24. IV. 1318 ist Konrad Zeuge in Urkunden Stephans Eisenbeutels  226) und am 13. X. 1316 und 16. IV. 1318 in Urkunden von Stephans Schwiegersohn Otto von Pebrarn  227).

Als Friedrich der Häusler von Wildenstein und seine Brüder von Purgstall Besitz zu Eidletzberg bei Haunoldstein verkaufen, siegelt Konrad am 12. II. 1326 in Melk die Verkaufsurkunde  228).

1328 stiften zwei Konrad Eisenbeutel — Konrad V. von Osterberg und Konrad, der Sohn Stephan Eisenbeutels, kommen in Frage — Gülten zur Kirche in Haunoldstein. Zur selben Kirche stiftet einer von beiden 1329 einen Acker zu Sieghartskirchen. Diesen Acker hatte Helwig von Sieghartskirchen von den Eisenbeuteln zu Lehen. Er hatte aber dieses Lehen verwirkt, als er den Acker ohne Zustimmung des Lehensherren verkaufte.  229).

1329 verkauft Ott der Häusler von Rassing (an der mittl. Perschling) mit seiner Gattin Pericht an Weichart von Toppel den Satz von 200 Pfd. Pf. auf den Hof zu Pulkendorf, den er von Chunrat den Eysenpeutl gehabt hat.  74).

Nach dem Nekrolog des Minoritenklosters in Wien starb Konrad Eisenbeutel am XI kal. Januarii 1332 und wurde im Kloster begraben; andererseits wird im selben Kloster sein Todestag am 22. Jänner gefeiert  230); daher ist das erste Datum auf XI kal Februarii zu verbessern. Um Vorfahren Konrads V. muß es sich handeln, wenn im Klosterneuburger Totenbuch die Todestage zweier Konrad Eisenbeutel mit 12. III. und 20. IX. angegeben sind  231).

Agnes, die Witwe Konrad V., geb. von Atzenbrugg, nennt Wißgrill noch zu 1337 und 1347  232). 1347 übergab Agnes ihre

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74 Wißgrill, 1. c. IV 318 nach J. Kaltenegger.
223 A. Lilienf.; in Top. v. N. Ö. II 458 a zu 1313 IV 24 gestellt.
224 A. Lilienf.; Top. v. NÖ. V 868 b; Schützner l. c. 199.
225 NöUB I 238 Nr. 198.
226 A. Lilienf.; GB XV 482 — Hueber I 56 Nr. 56.
227 Urk. Nr. 96. 97 im n. ö. Landesarchiv; GB XV 484.
228 Note 68.
229 Wißgrill II 376.
230 MG Necr. V 219.5; 169 zu 22/1.
231 Ebda, 19 zu 12/3; 58 zu 20/9; 97 zu 20/9.
232 Wißgrill II 375/76.

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Anmerkung Marktgemeinde, Andreas Bohnec, 26.7.2024:
Zum vorletzten Absatz (Nach dem Nekrolog des Minoritenklosters …) siehe Abschrift und Link im Register D 28.

 

Morgengabe an Osterberg tauschweise ihrem Schwiegersohn Konrad von Scheuernberg, Gatten ihrer Tochter Anna, und an den sozial höher stehenden Marchart von Tiernstein, wohl Gatten ihrer Tochter Agnes. Für die Aufgabe ihres Anteils an der Osterburg verlangt die verwitwete Agnes als Tauschobjekt die Dörfer Sieghartskirchen und Pottendorf 233). Diese beiden Dörfer hatte Konrad V. demnach seinen Töchtern zur Aussteuer gegeben.

Anna geb. Eisenbeutel nahm nach Konrad von Scheuernberg als zweiten Gatten Hans Schenk von Dobra  234). Marquart von Tiernstein vermählte seine Tochter Anna mit Friedrich von Kranichberg 235).

1397 pfändet Friedrich von Kranichberg dem Weikhart von Tiernstein die Feste Osterburg, das Haus ze dem Gehag, auch Sieghartskirchen; hiebei wird die Herrschaft Orth nicht erwähnt 236). Im Lehenbuch Albrecht IV. erhielt um dieselbe Zeit „des Kranichbergers Hausfrau das halbe Haus zu Sighartskirchen, das von des Schawnberg lehenschaft ist“ 237).
[Anmerkung Marktgemeinde, Andreas Bohnec: Den Link zum "Lehenbuch Albrecht IV. siehe am Ende dieses Registers.]

Nach allem ging der Besitz Konrad V. auf seine Töchter bzw. seine Witwe über. Demnach ist Konrad V. ohne männliche Erben verstorben.

Die Eisenbeutel von Purgstall

Wir müssen nochmals auf die Zeit um 1261 zurückgreifen. Damals treten die Brüder Konrad, Friedrich und Siegfried auf, die vorerst dem Ritterstand zugerechnet werden und damit in den Urkunden von 1261 und 1281 in den Zeugenlisten von Urkunden beträchtlich hinter ihrem sozial höher stehenden Vatersbruder Konrad II., einem Ministerialen, erscheinen. Da wir einen der drei Brüder als Konrad III. von Kogel bereits besprochen haben, gilt unser Augenmerk vor allem dessen Brüdern Siegfried und Friedrich, die sich nach Purgstall nennen.

Die Brüder Siegfried, Friedrich und Konrad (III.) kommen gemeinsam als Zeugen einer Urkunde vor, mit der die damals verwitwete domina de Reichenau einen Weingarten veräußert  238). Am 2. XII. 1261 erscheinen die Brüder Friedrich und Konrad in Klosterneuburger Urkunden  239). Am 8. VII. 1261 ist Sifridus der erste Zeuge einer in Burgstall ausgestellten Urkunde, mit der Albero

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233 Ebda II 376; GB XV 485. — Pottendorf wohl Pöttendorf OG Hürm ; vgl. Note 185.
234 Wißgrill II 376. — 1361 verkauft Jans der Schenk von Dobra einen Hof und zwei Hofstätten in Haunoldstein. GB XV 485.
235 Siebmacher, Wappenbuch NÖ. Adel Neuausgabe I S. 244.
236 Note 129 Lehenbuch. — Gehag: Burg in Haag im Haagholz OG Bischofstetten;die Burg wurde 1341 von Rudolf v. Liechtenstein an die Tiernstein verkauft; GBXV 203.
237 HHStA Wien Hs. W 18 S. 170 a.
238 OöUB IV 564 Nr. 16; Unsere Heimat 1961, 168. [Anmerkung Marktgemeinde, Andreas Bohnec, 30.6.2024: Die Ausgabe ist online. Dort aber richtig Seite 186.]
239 Fontes II/10 S. 14 Nr. 17; Fischer II 248 Nr. 80.

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von Leis drei Hörige zu Ochsenbach dem Bistum Freising übereignet  83). Siegfried ist sonst nicht mehr nachzuweisen, es sei denn, man identifiziert ihn mit dem 1267 genannten Sifrid von Lengbach 240). Da wir Siegfried als Besitzer von Purgstall an der Erlauf ansehen, das bis 1236 Besitz der Hochfreien von Lengenbach gewesen war, ist diese Annahme nicht abwegig; hat doch auch das jüngere Geschlecht der Ministerialen von Lengenbach Beziehungen zu Randegg und Reinsberg an der Kleinen Erlauf.

1267 kaufen Konrad und Friedrich mit ihrem Vatersbruder Konrad ein Gut zu Eidletzberg in der Pfarre Haunoldstein. Unter den Zeugen finden sich Bernhard und Konrad die Häusler 66).

Als 1268 Rudlo Alheiter in St. Pölten zugunsten des dortigen Stiftes auf eine Gülte verzichtet, wird die Urkunde von Friedrich Eisenbeutel und Ulrich von Hasendorf bezeugt  148); Friedrichs Stellung neben einem Ritter zeigt, daß er selbst auch nicht dem Ministerialenstand zugerechnet wurde. Am 21. Juni 1272 erscheint Friedrich mit seinem Bruder als Zeuge einer Klosterneuburger Urkunde  241). Als der Propst von Klosterneuburg den Verkauf eines Weingartens an den Propst von St. Pölten bezeugte, ist am 21. VI. 1272 auch Chunradus miles mit seinem Bruder Fridricus in der Zeugenliste angeführt  242).

Am 24. III. 1274 ist Fridricus in einer Klosterneuburger Urkunde der erste Zeuge ohne den Titel dominus  243). Weit hinter Konrad Eisenbeutel erscheinen Friedrich und Konrad Eisenbeutel in der Urkunde vom 18. II. 1281  82). 1282 bezeugen die Brüder Konrad und Friedrich eine Lilienfelder Urkunde, in der Hermann von Schönleiten, Dietrich von Weissenberg und Otto von Mainberg auftreten  244). Am 29. IX. 1284 stellte Chadolt von Altenberg einen Pfandbrief aus, in dem Konrad Eisenbeutel nach einem Mainberger und Weißenberger als Zeuge auftritt  245).

Nach dem Tode ihres Vatersbruder Konrad II. um 1281, scheinen die Brüder Konrad und Friedrich in den Ministerialenrang aufgerückt zu sein. Dies zeigt sich besonders bei Konrad, dem wir in der Folge als Konrad III. Eisenbeutel von Kogel begegneten.

1291 tritt Friedrich Eisenbeutel mit der Bezeichnung „von Purchstall“ auf. Für seine verstorbene Gattin Margarethe gibt er ein Gut zu Eidletzberg in der Pfarre Haunoldstein an Melk  67). Wir erinnern uns, daß schon 1261 Friedrichs Bruder Siegfried erster Zeuge einer in Purgstall („Burgstall“) ausgestellten Urkunde war  83). Wir dürfen also annehmen, daß die Eisenbeutel in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts die Besitzer der Burg Purgstall an der Erlauf waren, während die Häusler erst 1314 in diesem Orte nachweisbar sind und

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66 Hueber I 25 Nr. 7. — Hag = Haag OG Bischofstetten.
67 Keiblinger, Melk I 374.
82 Fontes II/51 Nr. 164
83 Fontes II/31 216 Nr. 209.
148 NöUB 118 Nr. 88.
240 Kerschbaumer, Tulln 313 Nr. 1.
241 Fischer II 259 Nr. 88.
242 NöUB I 128 Nr. 100.
243 Fontes II/10 S. 19 Nr. 24.
244 Hanthaler, Recensus I 302.
245 OöUB IV 28 Nr. 30.

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sich vorher nach Wildenstein nennen. Die Ruine Wildenstein liegt westlich des Mittellaufes des Melkflusses.

Am 12. XII. 1295 haben „die Eisenpantelen“ drei Fischhuben in Gresten inne  246). Raab, der Herausgeber des Urkundenbuches von Seitenstetten, bezeichnet sie im Register als die Brüder Conrad und Friedrich die Eisenbeutel.

Um diese Zeit ist Chunigund, die Eisenbeutlin, mit einem Häusler vermählt. Die Häusler waren den Eisenbeutel ebenbürtig; 1276 wird Bernhard Häusler als „ministerialis Austriae“ bezeichnet. Schon 1281 erscheinen in Wildenstein als Söhne eines Bernardus de Heuslein Otto und Marquard die Häusler  247). Doch sind dies nicht dieselben Brüder Häusler, die ab 1314 unter den gleichen Namen auftreten: Als Söhne der erwähnten Kunigunde kennen wir die Brüder Otto, Marquard, Wernhard und Friedrich. Diese treten ab 1314 gemeinsam als Häusler von Purgstall  214) auf; sie haben durch die mehrfachen Eheverbindungen mit den Eisenbeutel nicht nur die Burg Purgstall, sondern auch Anteile an der Burg Osterburg erworben. Sowohl die Eisenbeutel wie die Häusler nennen sich zeitweilig nach Purgstall oder Osterberg. Ein Marchart-Marquard von Osterberg erscheint 1294, 1296 und 1321 ohne Angabe der Familienzugehörigkeit  248); es dürfte ein Häusler gewesen sein. Umgekehrt ist der bei Enenkel zu 1299 verzeichnete Chunrad von Osterberg sicherlich ein Eisenbeutel  249). Im Klosterneuburger Totenbuch ist auch noch eine Jutta de Osterberg verzeichnet  250).

Die vier Brüder Häusler von Purgstall verkaufen 1325 ein Drittel der Herrschaft und Veste Osterberch um 230 Pfd. Pf. an ihren Vetter Konrad Eisenbeutel  251). Am 12. II. 1326 verkaufen die Häusler von Wildenstein-Purgstall zwei Lehen in Eidletzberg bei Haunoldstein an Melk. Außer Cunrad Eisenbeutel von Osterberg siegelte auch Stephan Eisenbeutel und sein Sohn Konrad  68). Otto der Häusler nennt sich nach Rassing und hatte vor 1329 von Konrad III. Eisenbeutel einen Satz in Höhe von 200 Pfd. Pf. auf den Hof in Pulkendorf übernommen  74).

Nach Osterberg nannten sich Konrad IV. und Konrad V. Eisenbeutel. Die Gattin Konrads V., Agnes geb. von Atzenbrugg, verfügt noch 1347 zu Gunsten ihrer Schwiegersöhne über ihre Morgengabe, die in einem Anteil an der Burg Osterburg bestand  233). Nach ihr sind die Tiernstein die Besitzer der Burg.
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68 Hueber I 66 Nr. 4.
74 Wißgrill, l. c. IV 318 nach J. Kaltenegger.
214 4 H. P. Schad’n, Die Hausberge u. verwandte Wehranlagen in N. Ö., Prähistor. Forschungen Heft 3, Horn—Wien 1953 S. 76 = [160].
233 Ebda II 376.
246 Fontes II/33 S. 119 Nr. 102.
247 Hueber l. c. V 28.
248 1268, 1278 tritt der miles Otto Osterberg in Steyr auf: OöUB III 358 u. Fontes II/33 S. 101; die Zugehörigkeit ist fraglich. — Marquart: Wichner, Admont II 448 (1294) u. OöUB IV 242 (1296); 1321 VIII 27 hat Marchart v. Osterberch die Kinder Ulrich u. Anna: Or. Urk. HHStA Wien.
249 Enenkel Misc. III 50 (MS im n. ö. Landesarchiv).
250 MG Neer. V.
251 Wißgrill, der sich auf Prevenhuber u. Enenkel beruft, hat sowohl das Jahr 1324 wie 1334: Wißgrill II 375/76, IV 318.

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Auf die enge Verbindung von Purgstall und Osterburg ist es zurückzuführen, daß um 1626 die Geißmühle zu Purgstall zur Herrschaft Osterburg gehörte  252). Die Häusler erbten von den Eisenbeuteln auch Besitz zu Wilhelmsburg; Heinrich der Häusler von Sassendorf verkauft mit Gattin Elisabeth und Bruder Wulfing 1345 freies Eigen zu Wilhelmsburg an Weichart von Toppel  253). Sassendorf, das östlich Hafnerbach liegt, könnte vielleicht durch Heirat einer Goldeggerin an die Häusler gekommen sein.

Die Aufhellung der älteren Geschichte von Purgstall ist eine Voraussetzung für die geplante Abfassung des Artikels Purgstall für die „Topographie von Niederösterreich“.

Stephan Eisenbeutel und die letzten Eisenbeutel

In den Urkunden der Brüder von Wald vom 10. VIII. 1304 und 3. X. 1305 erscheint neben Weigand Eisenbeutel auch sein Vetter Stephan als Zeuge  187). 1311 bezeugen Ortolf von Atzenbrugg, Ott von dem Heyslein (Häusler) und Stephan Eisenbeutel einen Versatzbrief Ulrichs von Ternberg und seines Schwiegersohnes Ludwig von Zelking  254).

1312 ist Stephan Eisenbeutel Zeuge der Urkunde, mit der Friedrich de Leidem (Leiben) mit Gattin Diemud zugunsten Melks auf Zehente in der Pfarre Ravelsbach verzichtet  255). Die Verbindung der Eisenbeutel mit Friedrich von Leiben geht über die Häusler. Friedrich tritt 1314 und 1315 zusammen mit den Häuslern auf  256); die Häusler sind am 2. II. 1315 in Dölla (Pfarre Weiten) begütert  257).

Am 15. VIII. 1314 verkauft Konrad Eisenbeutel, — wahrscheinlich ist es Konrad VI., der Sohn Stephan Eisenbeutels. — in Wien 2/3 des Burgstalls Echartstein in der Pfarre Raxendorf mit Gülten zu Sassing, Steinbach, Klebing und Dölla um 50 Pfd. Pf. an den Landesfürsten Herzog Friedrich  258). Das restliche Drittel des Burgstalls kauft der Landesfürst 1318 von Friedrich von Leiben  259). Hutter lokalisierte die Ruine in Neudorf  260). Lechner nennt als Vorbesitzer Eckartsteins, die Herren von Werde, die mit den Eisenbeuteln das gleiche Siegel führen  261).

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187 NöUB I 213 Nr. 175; 216 Nr. 178.
252 Bl. f. Ldkde 1875 S. 16 — Wie damals die Burg Purgstall zwischen Eisenbeuteln und Häuslern geteilt war, so später zwischen den Herrschaften Purgstall-Altschloß und Purgstall-Neuschloß.
253 Schützner l. c. 70 — In Sassendorf bei Hafnerbach sind die Häusler seit 1315 nachweisbar; Top. NÖ. VI 389 a.
254 Urk. Nr. 75 im n. ö. Landesarchiv.
255 Hueber I 44 Nr. 4; 172 Nr. 96.
256 GB XV 543.
257 GB XI 558.
258 Bl. f. Ldkde 1883 S. 377 = Lichnowsky III 263.
259 Lichnowsky III 453.
260 F. Hutter, Unsere Heimat 1961 S. 69
261 K. Lechner, Das Waldviertel VII 136.

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Am 24. IV. 1315 kauft Bruder Ulrich von Sieghartskirchen für Lilienfeld von Stephan Eisenbeutel, seiner Gattin Offmei, mit Zustimmung ihres Sohnes Konrad, die Mühle auf dem Grieß zu Ruprechtshofen. Die weiteren Kinder Stephans Stephan, Katharina und Elspet sind damals noch minderjährig. Bezeugt wird die Urkunde von den vier Brüdern Häusler und von Konrad Eisenbeutel von Osterberg  226). Stephan der Eisenbeutel von Purgstall verkauft 1315 einen Hof zu Ergesteten an Melk  262). Für das Begräbnis seiner Gattin Offmei gab Stephan Eisenbeutel am 20. V. 1316 mit seinen Kindern Konrad und Katharina — letztere Gattin Ottos von Pebrarn — Gülten auf einem Gut zu Greczenperch in der Pfarre Oberndorf an Melk  263). Am 13. X. 1316 verschreibt Otto von Pebrarn seiner Gattin Katharina, Tochter Stephans des Eisenbeutel, als Morgengabe 1000 Pfd. Pf. und versetzt ihr dafür seinen Anteil an der freieigenen Burg zu Pebrarn; dies bezeugen auch Konrad der Eisenbeutel und die Häusler  227). Das oben genannte Dölla liegt bei Pebrarn (heute Pöbring).

Am 9. II. 1317 ist Stephan Eisenbeutel nach Konrad Eisenbeutel Zeuge einer Jahrtagsstiftung Wulfings des Alten von Wald  225). Am 16. IV. 1318 verzichten Ott von Pebrarn und seine Gattin Katharina auf ihr Erbrecht an Gütern zu Sierning, die Katarinas Vater Stephan der Eisenbeutel von Purgstall an Melk verkauft hat  264). Wenige Tage später, am 24. IV. 1318 verkauft Stephan mit seinen Söhnen Konrad und Stephan, von denen der letztere noch kein eigenes Siegel hat, neuerlich ein Gut an Melk  265). Es handelt sich um ein Lehen in Pottschollach in der Pfarre Haunoldstein, das Stephan als Eigengut erkauft und als Burgrecht an Konrad Flemming von Haunoldstein verliehen hat. Siegler sind Friedrich der Häusler von Purgstall und Friedrich von Leiben, die dem Aussteller offenbar näher stehen als Konrad der Eisenbeutl von Osterberg, der nicht siegelt und ziemlich spät in der Zeugenreihe aufscheint.

Im Münchner Reichsarchiv liegen zwei Urkunden aus 1318 über die Stiftung eines Benefiziaten an der Pfarrkirche Purgstall. Über diese Stiftung des Pfarrers Gebhard übernehmen die Burgbesitzer in Purgstall, die Brüder Wernhart, Otto und Marquart die Häusler, und ihr Schwager Stephan Eisenbeutel — dieser mit seinen Söhnen Konrad und Stephan — die Vogtei  266).

Stephan Eisenbeutel und sein Sohn Konrad siegeln am 12. II. 1326 den Verkauf zweier Lehen zu Eidletzberg durch die Häusler von Wildenstein-Purgstall  68).

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68 Hueber I 66 Nr. 4.
225 NöUB I 238 Nr. 198.
226 A. Lilienf.; GB XV 482 — Hueber I 56 Nr. 56.
227 Urk. Nr. 96. 97 im n. ö. Landesarchiv; GB XV 484
262 Keiblinger I 64 Note, danach Ergestetten in der Pf. Ruprechtshofen. Ein Etzersstetten gibt es in der Pf. Steinakirchen.
263 GB XI 559.
264 Ebda 484.
265 Hueber I 56 Nr. 56.
266 C. Schachinger, Gesch. d. Marktes Purgstall a. d. E. 1913, S. 38, 39.

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Konrad VI., der Sohn Stephans, war 1328/29 mit Konrad V. von Osterberg an Stiftungen für die Kirche Haunoldstein beteiligt  229). Zu 1334 kennt Prevenhuber zwei Urkunden  267). In der einen bezeugen die Brüder Stephan und Conrad die Eysenbeutel zu Osterberch eine Urkunde Seyfrieds von Plankh, in der zweiten nennen Stephan Eisenbeutel und seine Gattin einen Chuonrat den Eisenbeutel „ihren lieben Freund“. Dieser Konrad kann also kaum der Bruder Stephans, Konrad VI., eher dessen Sohn, der sonst nirgends aufscheint, gewesen sein.

Stephan Eisenbeutel der Jüngere kommt noch 1357 vor. Der erber Herr Stephan der Eysenpeytel siegelt einen Vertrag der Holden von Nieder-Kreuzstetten mit dem Stift Herzogenburg am 24. IV. 1357  268). Auch in Melk soll Stephan um diese Zeit noch auftreten  269).

Der letzte Eisenbeutel, den wir nur vermutungsweise als Sohn Stephans des Jüngeren bezeichnen können, war wohl Hadmar Eisenpeutel. Bei Prevenhuber  270) ist er zu 1360 genannt. Er stand in Verbindung mit den Stuchsen von Trauttmansdorff, die 1351 Gut in Pertholz besaßen. 1375 verkaufte Hadmar Eisenpeutel den Zehent zu (Groß-)Pertholz an Wolf und Ulrich von Dachberg  271).

So beziehen sich die letzten Nennungen eines Geschlechtes, dem wir die Burgen Purgstall und Osterberg, Kogel und Sieghartskirchen im Viertel ober dem Wiener-Wald zuschreiben konnten, auf Orte im Norden Niederösterreichs.

Von angesehenen Ministerialen der Peilstein und Schalla, der Lengenbacher, Plain und Schaunberg, des Landesfürsten sind die Eisenbeutel im Wandel der Jahrzehnte zu ehrbaren Rittern herabgesunken, von deren Absterben kein Necrologium Kenntnis nimmt.

Die beigegebene Stammtafel enthält auch hypothetische Ansätze  272). Das Wappen ist bei Siebmacher folgendermaßen beschrieben: Im silbernen Schild, schrägrechts zwei krummgezogene rote Balken. Auf dem gekrönten Helm zwei silberne und schräg rot gestreifte Büffelhörner  273).

Hanthaler  274) stellt die Siegel Konrads und Weigands Eisenbeutel aus der Lilienfelder Urkunde vom 6. Mai 1312  222) gegenüber; die Belegung des Schildes mit den Balken ist gegengleich erfolgt: bei Weigand krümmen sich die beiden Balken von (heraldisch) rechts oben, bei Konrad von links oben nach unten.

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222 A. Lilienf. = Hanthaler, Rec. I 302.
229 Wißgrill II 376.
267 Wißgrill II 376.
268 UB Herzogbg. 221 Nr. 196.
[Anmerkung Marktgemeinde, Andreas Bohnec, 5.7.2024:
Abschrift siehe unter 02 Urkunden im Register Nummer 2.13]

269 „Mitte 14. Jh.
270 Wißgrill II 376.
271 GB XI 551 nach dem Wildberger Inventar.
272 z. B. die Einreihung der Kunigunde I., Stammutter der Häusler v.Purgstall-Osterberg.
273 J. Siebmacher’s Wappenbuch des n. ö. landständ. Adels, Neuausgabe.
274 Hanthaler, Recensus II Tab. 31 Nr. 2, 3.

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Familie Eisenbeutel:
(Oben erwähnte Stammtafel)

Siegfried I.
Siegfried II. (1177 – 1208)
Konrad I. (1200 – 1230)
Weigand I. (1252 – 1256)
Konrad III. v. Kogel (1261 – 1292)
Weigand II. v. Kogel (1298 – 1313)


Veröffentlicht am 15.8.2025

Zur Anmerkung 237 - Lehenbuch Albrecht IV. wurde am 6.9.2025 recherchiert und folgender Online-Link im Österreichischen Staatsarchiv gefunden:
AT-OeStA/HHStA HS B 20 LehenbuchAlbrechts IV. von Österreich, 1396 (Einzelstück (Aktenstück, Bild, Karte,Urkunde))

Wiederholung des obigen Textes:
Im Lehenbuch Albrecht IV. erhielt um dieselbe Zeit „des Kranichbergers Hausfrau das halbe Haus zu Sighartskirchen, das von des Schawnberg lehenschaft ist“ 237).
237 HHStA Wien Hs. W 18 S. 170 a.

Das Lehenbuch ist digitalisiert und die Einträge sind nummeriert. Die letzte Bildnummer 141 entspricht der Seite 127, bis zur laufenden Nummer 1270. Aus der Anmerkung 237 ergaben die Zahlen 18 und 170 keinen Treffer, weder als laufende Nummer, noch als Seitenzahl.

Veröffentlicht 6.9.2025.

D 12   1977, Burgen und Schlösser an der Donau, Rudolf Büttner, 2. erw. Auflage

Seiten 4 – 8:

1. 4. – 7.Jahrhundert
4. Jhd. Legionslager Vindobona (Wien) von der Zivilbevölkerung als Schutzort aufgesucht, Legionslager Laureacum (Lorch) wohl erst im 5. Jhd.
 Später Bedeutung der Legionslager stark zurück zugunsten der kleinen Truppenkastelle entlang der Donau.
 Damals gab es auch bereits germanische Burgen in Niederösterreich. […]

In die dunkle Zeit zwischen 600 und 791, als Baiern, Slawen und Awaren ö. der Enns zusammenlebten, mögen viele Örtlichkeiten zurückweisen, die Burgstall genannt werden. In Niederösterreich gibt es nach Weigl an siebzigmal diesen geographischen Namen. Aber nur in den seltensten Fällen ist an eine historisch nachweisbare mittelalterliche Burg anzuknüpfen. […]

2. Karolingerzeit
Die Jahrbücher (Annalen), die früher Einhard zugeschrieben wurden, berichten von zwei Landsperren (nicht Ringen) der Awaren, die die deutschen Heersäulen 791 nahe der Kampmündung beim Ort Kamp und auf dem Kamm des Wienerwaldes (und zwar auf dem Kumenberg ö. St. Andrä) durchbrechen mußten. Dabei werden die Verschanzungen lateinisch als firmitates, munitiones und machinationes, deutsch als Haag, bezeichnet. Neben Wällen und Gräben waren also lebende Hecken das Hauptbollwerk. Ich habe darüber im Anzeiger der Wiener Akademie 1956 ausführlicher geschrieben. 
[Anmerkung Marktgemeinde, Andreas Bohnec, Internet-Recherche 12.6.2024:
Rudolf Büttner, Befestigungsanlagen im Wienerwald um die Jahrtausendwende. Anzeiger der Österr. Akademie der Wiss. 93, 1956.  Eine Abschrift siehe im Register D 6]

Wie nannten nun die Baiern ihre eigenen Befestigungen? Die provisorischen Feldlager des Heeres werden, wie in klassisch-römischer Zeit, noch immer als castra bezeichnet. An der Enns hat 791 das Heer drei Tage Zeit, sich in einem solchen Lager auf den Zug gegen die Awaren vorzubereiten. Als König Pippin 796 die Bischöfe am Donauufer versammelt, läßt er zur Sicherung der Versammlung ein Lager ausmessen (Castra calcatius metatus). […]

Castrum und (seit ottonischer Zeit) auch Castellum bezeichnen befestigte Plätze, die für die Dauer gebaut wurden.
799 Martinskirche und Burg Linz.
832 ehemalige Herilungoburg an der Erlauf castrum.
Die lateinische Bezeichnung findet im Ortsnamen die deutsche Übersetzung durch das Grundwort –burg: 902 Piburg (ö. der Ennsmündung), 893 Eparesburg, 860 Hollenburg, 907 Preßburg.
Burg und Civitas bezeichnen damals in gleicher Weise ausgedehnte, befestigte Anlagen, die als Zufluchtsorte der ganzen Gegend gedacht, sich später zu größeren Sammelsiedlungen entwickelten.
Zwischen 1100 und 1400 wurden die Burgen nämlich mit dem Grundwort –berg benannt.
Daß die Gaugrafen Befestigungen anlegten, zeigt sich deutlich an der Traisen, wo sie Wilhelmsburg und Herzogenburg begründeten. […]

3. Die hundert Jahre nach der Lechfeldschlacht (955)
977 wir die Ennsburg genannt, um 985 erscheinen St. Pölten und Zeiselmauer als Civitates.
995 bezeichnet der König Krems als urbs, 1014 Tulln als civitas. […]

976 – 79 wird dem Bischof von Regensburg vom König die Errichtung eines Castellum bei dem heutigen Orte Wiesel-burg gestattet.
Die bauliche Anordnung der ehemaligen Ringburg in Ybbs, die Klaar nachgewiesen hat, weist auf das 10. Jh. zurück. […]

Im 11. Jh. erscheinen auch kleinräumige Burgen, wie sie als Ritterburgen fortan rasch in Übung kommen. 1042 und 1050 wird die Hainburg, 1045 die Burg Persenbeug genannt.
Andere Grundworte für Burgen: -stein, -egg.
Zwischen 1109 und 1477 vermeidet man allgemein die Benennung Burg; statt dessen wird von einer Feste, einem (festen) Haus gesprochen.
Mit dem Ausgang des Mittelalters wird die Bezeichnung –burg wieder üblich. […]

Seiten 201 – 202:

Die Aufgaben der Burgherren
Die Burg war der Sitz eines Grundherrn, der Mittelpunkt einer feudalen Grundherrschaft. Der Grundherr lieh den Großteil seines Bodens abhängigen Bauern. Es bestand eine enge Wechselbeziehung zwischen Herrn und Hintersassen. Der Grundherr schützte seine Bauern gegen Ansprüche fremder Herren, er gewährte ihnen Schutz bei Fehden und kriegerischen Einfällen. Der Hintersasse wiederum leistete seinem Herrn regelmäßige Dienste und Abgaben, er half ihm seine Burg zu erbauen und lieh ihm seinen Arm beim Kämpfen, die von den gepanzerten Rittern nicht allein ausgefochten werden konnten. Im Laufe der Jahrhunderte wandelte sich die Grundherrschaft vielfach zur Gutsherrschaft, bei der der Schloßherr einen größeren Teil seines Bodens in Eigenwirtschaft nahm und die Bauern zur vermehrten Robotleistung heranzog, sie auch gelegentlich zu Lohnarbeitern herabdrückte.

Die Grundherren, also die Burgbesitzer, hatten wichtige Verwaltungsaufgaben zu bewältigen. Sie hatten für den Landesfürsten einen großen Teil jener Arbeit zu leisten, die heute Bezirkshauptmannschaften, Finanz- und Wehrmeldeämter sowie Gerichtsbehörden besorgen. Die Einhebung der Steuern war den Grundherren genau so übertragen, wie der Hauptteil der Gerichtsbarkeit. Die niedere Gerichtsbarkeit übten die Grundherren innerhalb ihres Burgfriedens. Die hohe Gerichtsbarkeit mit der Entscheidungsgewalt über Leben und Tod hieß Landgericht. Sie war ursprünglich königliches, später landesfürstliches Vorrecht (Gerichtsbann). Die Grundherren erhielten diese Gerichtsgewalt meist nur als landesfürstl. Lehen, in einzelnen Fällen (Kuenringer in Dürnstein, ferner geistliche Grundherren) auch als freies Eigen. […]

Besitzkategorien bei den Burgen
Frei vererbliche Burgen waren freies Eigen (Allod).

War die Burg verlehnt, als Lehen ausgegeben, so spielte die soziale Stellung des Lehensträgers, eine bedeutende Rolle. Geistliche Fürsten gaben ihre Burgen nicht nur Ministerialen, sondern auch hochfreien Dynasten zu Lehen, weltliche Fürsten an Ministeriale (Dienstherren). Auch ritterliche Leute, die im Range unter den Ministerialen standen, konnten Burgen zu Lehen tragen. Lehen an ungeadelte Personen hießen Beutellehen. Aus den Hochfreien und Ministerialen des Hochmittelalters erwuchs später der Herrenstand, der ursprünglich allein befähigt war, die großen Güter, die Herrschaften als Eigen- oder Lehenbesitz innezuhaben. Das Lehensrecht wurde erst 1862 aufgehoben.

Bei einer Verlehnung drohte dem Lehensherrn in unsicheren Zeiten die Entfremdung seines Eigentums. Man gab deshalb oft Burgen nur zur Burghut oder zur Pflege aus, ließ sie durch Beamte oder Pächter verwalten. Vielfach zwangen die Geldnöte den Burgherrn dazu, seine Burg zu verpfänden, als Pfand auszugeben für geliehenes Geld oder für geleistete und noch nicht abgegoltene Dienste. Schon Herzog Rudolf IV. muß 1358 zugeben, daß niemand verpflichtet ist, Ritterdienst mit sin selbs sold zu tun.

Veröffentlicht am 15.8.2025

D 13   1982, Burgen und Schlösser in Niederösterreich, zwischen Greifenstein und Sankt Pölten, Rudolf Büttner, 2. erweiterte Auflage

Auszugsweise Abschrift aus einem Exemplar in Privatbesitz:

Seiten 5 bis 7:

Wie im Viertel ober dem Wienerwald gibt es auch hier (z. B. bei Pyra) Bauernhöfe mit der Bezeichnung „Burgstall“, bei denen sich keine Befestigungsreste nach weisen lassen. Die Benennung dieser älteren Burgställe weist wohl auf vorgeschichtliche Anlagen zurück. Funde aus der Bronzezeit wurden auf dem Gipfel des Buchberges (n. Maria Anzbach) gemacht. Die beherrschende Bergkuppe ist von einem vierfachen Wall- und Grabensystem umringt, das auf die Vor- oder Frühgeschichte zurückgeht. Zugeordnet erscheint die südlich am Hang gelegene Ortschaft Burgstall. […]

Das Arbeitsgebiet war schon in karolingischen Zeiten von Bayern her besiedelt. Meist war der Wienerwald die Ostgrenze. Hier ist ein Haag der Awaren nachgewiesen, der 791 bei St. Andrä durchbrochen wurde. Aus Fluchtburgen dieser Zeit entstanden die Siedlungen an der Traisen mit Ortsnamen auf –burg. Dazu gehören Herzogenburg und Wilhelmsburg am Westufer des Flusses, vielleicht auch Traisenburg und Altenburg (Ortsname!) am Ostufer. Auch das erst 1180 genannte Ochsenburg lautete immer auf –burg, während Wasserburg, dem Sprachgebrauch des Hochmittelalters folgend, ursprünglich Wasserberg hieß.

Den Hauptkamm des Wienerwaldes zwischen dem Kumenberg bei St. Andrä vor dem Hagenthale und Kaumberg an der Triesting begleitete ein von mir nachgewiesener Ungarnhaag. Neben den Befestigungen bei Ried (Schanze Rauchbuchberg) und zahlreichen Örtlichkeiten mit dem Grundwort –Haag im Namen, erinnert vor allem die teilweise magyarische Bezeichnung Schoderlee bei Altlengbach an diese Verhagung. Schoderlee bedeutet soviel wie „Zelthügel“ und weist auf das ungarische Befestigungssystem („gyöpü“) des Wienerwaldkammes zurück.

Nach der Vertreibung der Ungarn um 991 kam es noch zu kurzzeitigen Einfällen dieses Reitervolkes. Im 11. Jahrhundert entstanden statt der älteren Wallburgen vorwiegend „Hausberge“. Von diesen Turmhügeln (Holztürme?), die Erdaufschüttungen mit umgürtenden Ringgräben hinterließen, sind jene Erdwerke zu trennen, die aus dem Gelände herausgeschnitten sind. […]

Weiteres kann das Erdwerk nahe der Au n. Ponsee zur Datierung herangezogen werden, das 1115 bereits wieder als verlassen ist, während die Hausberganlage von Atzenbrugg noch 1379 in Verwendung steht.

Auf solchen Erdwerken wurden nachträglich im 12. Jh. die steinernen Ritterburgen (castrum), die in einer Ringmauer ursprünglich ein „festes Haus“, später die Dreiheit Berchfrit, Palas und Burgkapelle aufweisen, errichtet.

Viele der ältesten Kirchenorte (vgl. Ortsnamen Rappoltenkirchen, Sieghartskirchen, Böheimkirchen) standen in räumlichen Verband mit einem Adelssitz, einer Burg. Solche „Burgkirchenanlagen“ gab es in Altlengbach, Asperhofen und anderwärts.

Daß die Burgen und Schlösser bis um 1700 Wehraufgaben zu erfüllen hatten, ergibt sich u. a. daraus, daß sie als Zufluchtsorte für die umwohnenden Bauern benützt wurden. Im Bereitungsbuch [Abschrift unsere Gemeinde betreffend siehe unter Geschichte, Epoche 16. Jahrhundert, Register „1591 Abschrift Bereitungsbuch] 1593 ist die Zahl der Häuser angegeben, deren Bewohner einem bestimmten Schloß zugewiesen waren:
Schloß Greifenstein 141
Stadt Tulln 1288
Schloß Judenau ca. 200
Neulengbach ca. 280
Raipoltenbach 63
Totzenbach 160
Murstetten 78
Würmla 126
Sitzenberg ca. 400
Kloster St. Andrä an der Traisen 80
Schloß und Markt Traismauer ca. 350
Schloß Pottenbrunn 120
Wasserburg 59
Rassing 54 Häuser.

„Kreydenfeuer“ d.h. Warnfeuer, die beim Herannahen des Feindes ein optisches Signal weitergeben sollten, waren 1593 auf Höhen bei den Schlössern Greifenstein und Neulgenbach, beim Kloster Göttweig usf. vorgesehen. Vischer, dem wir ein Bilderbuch frühbarocker Schloßbauten verdanken, zeichnete die Anlage eines Kreidfeuers auf dem Blatt Hadersfeld. […]

ATZENBRUGG (Marktgemeinde)

Atzenbrugg, Hausberg mit Schubertgedenkstätte

In Atzenbrugg quert die Straße Wien-Traismauer-Mautern den Perschlingfluß. Östlich des Schlosses ein aufgeschütteter Erdhügel in Form eines Kegelstumpfes. Das Erdwerk wird von Schad’n beschrieben: Grundriß oval, Höhe 10 – 12 m, Plattformgröße 24 x 20 m. Um den Rand des Plateaus scheint ein Wall gelaufen zu sein. Oben ist ein barockes Lusthaus. An der N-Seite des Hügels führt ein Keller ins Innere. Im SO springt 4 m unter der Plattform eine etwa 1 1/2 m breite Stufe vor, die gegen O in ein schmales Band übergeht und sich an der N-Seite verliert… Der Ringgraben ist etwa 3 m tief und hat eine Sohlenbreite von 4 1/2 m und eine obere Weite von mehr als 12 m. Er ist an der W-Seite seit langem ausgefüllt und wurde 1942 weiter verschüttet.

Auf dem Hochwerk lag die Burg der Atzenbrugger. 1379 wird das freie Eigen der Wasen dacz Purchstal, gelegen zu Atzenbrukh verkauft (FRAU II/10 Nr. 486, 487). […]

Seite 53:

Rappoltenkirchen, Hohenwartberg

Der Hohenwart dürfte seinen Namen nach bei der Sicherung vor Feindgefahren eine bedeutende Rolle gespielt haben. […]

Seite 55:

Ried am Riederberg, Landwehr auf dem Kamm des Wienerwaldes

Der Sattel des Riederberges (380 m) an der Bundesstraße 1 trägt die Wasserscheide zwischen Wienfluß und Kleiner Tulln. Von den Befestigungen des Wienerwaldkammes finden sich Grabenreste hinter dem Gasthof auf dem Riederbergsattel. Wie benachbart gefundene Gräber dürften die Gräben aus der Franzosenzeit stammen.

Geht man den Kammweg nach NO in Richtung auf den Passauerhof, trifft man nö. Der Höhe 440 das Schanzwerk Rauchbuchberg. Den Hauptkamm zieht sich hier ein 2 m hoher Wall mit 3 m breiter Krone und vorgelegtem Graben entlang. Angeschlossen ist eine umwallte Fluchtburg.

Geht man aber vom Riederbergsattel den Hauptkamm nach S nach, so zeigt sich beim Weißen Kreuz ein 300 m langer Erdwall. Der Kamm des Wienerwaldes war schon von Awaren und Magyaren durch lebende Hecken, Verhaue und Schanzwerke gegen W verhagt, wurde auch um 1000 von den Deutschen gegen O befestigt. […]

Seiten 100 bis 103:

KIENBERG

Die Rotte liegt auf einer gerodeten, gegen W sanft absinkenden Terasse; diese wird beiderseits von Gräben begrenzt, die in Innerfurth s. Neustift-Innermanzing in die Große Tulln münden. Schweickhardt kennt hier um 1835 nur 2 Häuser. Doch gab es Jahrhunderte her ein Amt Kienberg.

1453 tritt ein Jacob Kienberger im Waldviertel als Lehensmann der Gf. v. Hardegg auf, die spätestens 1506 Altlengbach in Besitz hatten. […]

Seit Burchart Kienberger 1455 die Veste Kogl erhalten hatte, sind die 4 Ämter Starzing, Meilberg, Stollberg und Kienberg zu einer Besitzeinheit verbunden. […]

Anmerkung Marktgemeinde, Andreas Bohnec, 16.7.2024:
Ein Treffer im NÖ Landesarchiv ergab, dass Burchart Kienberger noch 1467 in Besitz der „öden Burg Kogl“ war. Siehe Abschrift unter Urkunden im Register 2.14 und Urkunden Großformat.

MANZING, Burgtrümmer

Beim Kriegerdenkmal in Innermanzing (Innermanzing liegt ca. 14 km s. Neulengbach) führt eine Brücke ostwärts über die Große Tulln, hier Laabenbach genannt; dahinter eine Gabelung des Fahrweges. Gerade ostwärts führt der Straßenast gegen den baumbestandenen Burgstall der Burg.

Erhalten sind Teile des Grabens im NW und SW, hier auch ein Rest eines 2 m hohen Außenwalles. Der Hochkörper wurde aus dem talseitigen Rand einer höheren Einheit durch Untergrabung herausgearbeitet; er hatte eine Hauptstreckung in der Richtung NOSW von rund 32 m. Eine Begrenzungsmauer an der NW-Flanke ist mit einer Mauerstärke von 60 cm auf eine Ausdehnung von 6 m noch zu verfolgen; an dieser Stelle liegt das Mauerfundament etwa 4 m über der heutigen Grabensohle. Weiter sw. ein Mauereck; hier ist eine 1 m starke Mauer erhalten, die von NW nach SO verläuft. In Fortsetzung dieser Richtung ein kreisrundes Loch von 3 1/2 m Tiefe im Erdboden, wahrscheinlich eine Zisterne. Der zuletzt genannten Mauer ist nach einem Abfall von 8 m Höhe eine Ebenheit vorgelagert, die in den trockenen Ringgraben übergeht und von dem erwähnten Rest des Außenwalles gegen das tiefere Feld abgegrenzt Wird. Die Mauern sind aus Bruchsteinen mit reichlicher Verwendung von Mörtel verfertigt, das Baumaterial stammt aus der Nachbarschaft. Der Burgstall war bisher nicht bekannt. […]

Große Tulln war eine Zehentgrenze.
Spätere Burg – 14 Jhd. Ritterliche Leute. […]

Das Gebiet sö. des Burgstalls gehört talaufwärts zur Katastralgemeinde Schoderle. Dieser Ortsname ist aus einem madjar. Wort sator = Zelt und dem dt. Wort le = Hügel zusammengesetzt. Hier weist die Benennung auf einen ung. Vorposten aus der Zeit vor 980. Die Ungarn hatten damals ein gutausgebautes Grenzschutzsystem, gyöpü genannt. Nach Büttner lag Schoderle in einer Verhagungslinie, die am O-Hang des Tullntales verlief. Solche Verhaue wurden noch 1532 gegen die Türken in der Nachbarschaft, am Forsthof an der Wasserscheide zwischen Tulln und Schwechat, angelegt.
(Schweickhardt I
Top NÖ VI 91, auch 92 unter Marbach
Büttner, Befestigungsanlagen 331
HONB M 72, S 154) 
[…]

UNTERTHURN, Schloß VESTENTHRUN (THURN)

Die Burg hieß Thurn oder Vestenthurn; Die Benennung Unterthurm, unter dem Turme liegend, paßt nur auf den zugehörigen Meierhof und kommt in den älteren Quellen nicht vor. Die Ruine liegt am O-Ufer der Großen Tulln, dem Dorfe St. Christophen gegenüber, gehört gleichwohl zum Gebiet der abgelegenen Gde. Altlengbach. Der vom Hocheichberg absinkende Waldrücken bildet mit einem niedrigen etwa 9 m hohen, felsigen Ausläufer den ovalen Burghügel. Der hier ausmündende Bach wurde mit einem Arm durch einen Halsgraben geführt, so daß er den Hügel umschloß. Zwischen diesem und dem Tullnfluß war ein Teich aufgestaut, von dem nur mehr die begrenzenden Erddämme in Resten erhalten sind. Visher hat 1672 die Burg gezeichnet. Von der Ringmauer, die bei Vischer als Zinnenmauer erscheint, sind größere Teile, besonders im W, mit den Schießscharten erhalten. Aus dieser Mauer traten 2 Türme nach außen vor. An der NW-Ecke der Umfassung steht 1 Wehrturm mit 2 m starken Mauern. […]

Seite 106:

JOHANNESBERG (WATZMANNSKIRCHEN)

Nach Weigl wurde Johannesberg bis 1541 auch Watzmannskirchen genannt (Alte Einl. z. Gültbuch VOWW, W 412). Ein Haus (= Burg) in Watzmannskirchen findet sich im Fronbuch des Staatsarch. (F. 71).

Auf dem vom Buchberg gegen NO ziehende Kamm liegt die Kirche St. Johann, […].

Die Kirche erhebt sich auf einem Erdwerk, das Schad’n folgendermaßen beschreibt: 
„Die Kirche mit viereckigem, bergfriedartigem Turm steht auf einer weit gegen NW vorspringenden, steil abfallenden Hügelnase, deren oberer Teil zu einem ovalen Kegelsturz zugeformt und mit einem talwärts herumlaufenden Wallgraben versehen ist. Die Plattform, deren Rand einst von der Friedhofmauer umsäumt war, ist 33 m lang und 15 m breit. Wall und Graben sind an den Längsseiten zu einer Stufe eingeebnet. Diese läuft im NO gleichmäßig etwa 10 m unter dem Plattenrande fort, während sie im SW mit dem Gelände stark ansteigt, bis sie an einem plateauartigen Vorsprung endet, der fast aussieht wie eine dem Kegel im S vorgelagerte Pyramide. An der rückwärtigen, dem Dorfe zugekehrten Schmalseite ist die Formation durch den Einbau eines Hauses gänzlich verwischt worden. Man erkennt aber deutlich an dem abfallenden Gelände, dass der Kegel über seine Umgebung emporgeragt hat. Vielleicht war hier ein Graben gezogen … Es bestand hier vermutlich ein Vorwerk (zu der auf dem nahen Buchberg gelegenen Burg), das später in eine Kapelle umgewandelt wurde.“ […]

Durch die Kriegsereignisse war die Kirche 1945 weitgehend beschädigt worden; bei der Erneuerung wurde auch das Erdwerk tw. umgestaltet. […]

Seiten 124 –125:

INPRUGG

Inprugg liegt n. Neulengbach am w. Rand der Talsohle der Großen Tulln. […]

Nach dem Ausstreben der jüngeren Lengbacher wurden die Inprucker im Stammsitz Gefolgsleute der Wallseer; diese müssen aber um 1335 die Burg Inprugg an ihre Hausstiftung, die Zisterze Säusenstein, geschenkt haben. […]

Das Rittergeschlecht der Inprucker starb erst um 1640 aus. Die Zisterzienser ließen nach Erwerbung Inpruggs die dortige Burg schleifen. […]

MARKERSDORF, HAAG

Am O-Hang des Tales der Großen Tulln, am Fuße eines Waldkammes, der sich vom Buchberg absenkt, liegt das Kirchlein St. Laurenz in der Einschicht Haag bei Markersdorf. Nach Büttner erinnert das Kirchlein, das dem Patron der Ungarnschlacht geweiht ist, daran, daß hier 991 von einem bayr.-österr. Heer eine Wehrlinie der Ungarn (Ungarnhag) siegreich durchbrochen wurde. Daraufhin wurde 998 das Gebiet um Altlengbach durch Königsschenkung vergabt. 1002 war der Hauptkamm des Wienerwaldes überschritten. […]

Südlich an die Kirche anschließend ist eine Burg anzunehmen. […]

Wie in den Nachbarorten Inprugg, Seebach und Asperhofen wurde die Burg um 1400 abgetragen.[…]

Seiten 130:

Stammtafel der männlichen Hochfreien von Lengenbach (nach A. Diry)
Otto I. (1050-1108) bis Otto V. (1185-16.I.1236, Domvogt von Regensburg)

Auszug aus der Stammtafel der Ministerialen von Lengbach
Ulrich, Truchseß Ottos II. v. Lengenbach um 1200 bis Elsbet, + vor 1351.

Seiten 224 –225:

Abkürzungen zu den Quellen
Symbole zur Karte Bezirk Tulln und Neulengbach
(Burg, Schloß, Erdwerke, Ruinen, Wehrkirchen, …)

Seiten 226 –227:

Karte Bezirk Tulln und Bezirk Neulengbach und Liste der Orte.

Siehe im Register 01 Karten, Nummer 21_Büttner.

Veröffentlicht am 15.8.2025

D 14   1983, Ollern – Orts und Häuserchronik, Josef Koller

Die Genehmigung zur Abschrift und Veröffentlichung liegt vom 12.9.2023 vor.

Ab Seite 20 bis 22:

Die Besiedelung unserer Heimat

Weil es in Niederösterreich in der Zeit vom Abzug der Langobarden (589 n. Chr.) bis Karl dem Großen wenig Funde gibt, meinen einige neuere Archäologen (Friesinger, Daim, Lippert) das Land sei, wenn überhaupt, nur dünn von Slawen und Awaren besiedelt gewesen; vor allem bestreiten sie, daß die Baiern um 660 n. Chr. wieder bis zum Wienerwald vorgestoßen seien. Gegen diese Meinung sprechen viele und bedeutende Archäologen, Historiker, Ortsnamen- und Kulturforscher; ja Friesinger selbst muß zugeben, daß, trotzdem man noch wenige Funde aus diesem Jahrhundert hier gemacht hat, die Baiern dennoch vor 700 am Wienerwald gesiedelt haben können, weil ja einige „echte Ing-Namen“, wie Henzing, Nitzing, Wipfing, die später nicht mehr so gebildet wurden, sogar die Existenz deutscher Dorfgemeinschaften beweisen.

Es gab im 7. Jahrhundert in unserem Raume bairische Siedler, die friedlich mit Slawen zusammenlebten. Die Awaren machten immer wieder Beutezüge, zerstörten so um 700 Lorch und kamen oft, so 788 bis 791, über die Befestigungen im Wienerwald, die sie ausgebaut hatten, nach Westen.

Kaiser Karl der Große trat ihnen in verschiedenen Feldzügen von 791 bis 796 (so einmal durch das Hagental) entgegen und vernichtete sie völlig. Die Folgen waren besonders für unsere Gegend ganz bedeutend, weil sich nun die angelegten Siedlungen entfalten konnten. Der Kaiser wollte das Grenzgebiet schnell und dicht bevölkern und siedelte deshalb hier auch Slawen an. Damit man sich leichter verteidigen konnte, begünstigte er Dörfer: Je weiter östlich, desto größer sollten die Dörfer sein. Land hatte er genug zur Verfügung, da alles eroberte Gebiet gesetzlich dem Kaiser gehörte. Hie und da schuf er Musterhöfe (war Alarn ein solcher?); ein Dorfschema wurde nicht beachtet. Jeder baute, wo es ging und womöglich noch ein Stück seines Besitzes bis zum Hause reichte. (Haufendorf!).

Die Grundstücke bildeten einen geschlossenen Block (Blockflur). Derartige Siedlungen lassen dann auf die Entstehungszeit in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts (oder früher) schließen, ein solches Dorf war Alarn. Man konnte soviel herrenloses Land in Besitz nehmen, das zu bearbeiten man imstande war und sich erst nachher die Genehmigung und Zuteilung der Behörde einholen. Ein Dorf gehörte zu einer politisch-sozialen Einheit: der Hundertschaft, die auch Arme versorgen mußte (betteln war streng verboten). Jeder hatte Militärdienst zu leisten; die Krieger mußten Lebensmittel für der und Kleidung für sechs Monate selbst aufbringen. Wer vier Huben oder mehr hatte, mußte zu Pferde dienen und sich und das Pferd vier Wochen erhalten. Die Hundertschaft sollte für ihren Bereich die Verteidigung gewährleisten. In jeder Hundertschaft waren zwei Mann als Wolfsjäger vom Wehrdienst befreit.

Der Kaiser förderte eine möglichst rasche Christianisierung. Es sollten so viele Seelsorgestellen geschaffen werden, daß jeder Untertan irgendwie religiös betreut werden konnte. So war auch die Gründung der karolingischen Großpfarre Abbatestetin sehr erwünscht (eigenes Kapitel).

Die Nachfolger Karls degenerierten aber zusehends. So mußte im Jahre 874 Karl der Dicke alles Land östlich des Wienerwaldkammes an das Großmährische Reich abtreten. Das Gebiet Alarn wurde wieder Grenzgebiet und Kriegsschauplatz.

Ab etwa 880 belästigte ein neuer Feind, das wilde Reitervolk der Magyaren, das bairische Herzogtum mit so zahlreichen Überfällen, daß die bairischen Großen samt hiesigem Markgraf Luitpold beschlossen, ihn endgültig zu vernichten. Am 4. Juli 907 wurden bei Preßburg aber die Baiern völlig aufgerieben, die obersten Heerführer fielen, unser Land war schutzlos dem Feinde ausgeliefert. In dieser Zeit gingen wahrscheinlich die Pfarre Abbatestetin (Abstetten) und wohl auch der Hof Alarun ein. Da nach Meinung des Kaisers der bairische Herzog Arnulf mit den Magyaren konspirierte, mußte er fliehen und wohnte 914 bis 916 in Annatsberg (Arnulfsberg) bei Petzenkirchen. Von dort aus organisierte er den Widerstand gegen den Kaiser, sammelte Freunde, denen er hier liegenden Grundbesitz bairischer Klöster gab, den er enteignete. Wahrscheinlich verlor damals Niederaltaich hier allen, Regensburg den meisten Besitz. Gerade im Bereiche der beiden Tullnflüsse findet man nach 950 (um 1000) dann ganz neue Grundherren.

Am 10. August 955 standen sich bei Augsburg, auf dem Lechfelde, die zwei Heere gegenüber. Weil Laurentiustag war, soll der Kaiser versprochen haben, wenn er siege, sollen alle neu gegründeten heiligen Stätten diesem Heiligen geweiht werden. Die Magyaren wurden aufgerieben; der deutsche Vormarsch kam aber jetzt nur langsam voran, da nun alles die Baiern allein leisten mußten. 976 wurde St. Pölten als „kürzlich wieder hergestellt“ bezeichnet, 985 war St. Andrä, das Zentrum der Passauer Bischöfe, „an der Grenze liegend“. Passau mußte jetzt die zögernden Neusiedler durch große Vergünstigungen hierherbringen. Zwischen 985 und 995 dürfte der Durchbruch durch die Wienerwaldfestungen gelungen sein; vor allem bei Neulengbach (Laurentiuskirche bei Markersdorf) und am Riederberg (die Laurentiuskapelle hier wird entweder erneuert oder erst neu gebaut).

Markgraf Leopold I. (976 bis 994) verlegte seine Hauptstadt nach Tulln. Unter Vorsitz des Herzogs von Bayern und dem Passauer Bischof wurde bei einem Landtag in Tulln beschlossen, allen den Besitz zu lassen, den sie gerade hatten. So sehen wir jetzt im Gebiete der beiden Tullnbäche einen neuen Großbesitzer: die Ebersberger. Neusiedler aus Bayern wurden steuermäßig sehr begünstigt. Der Krieg gegen die Ungarn ging weiter (1030 wurde sogar der deutsche Kaiser in Wien eingeschlossen). Die Wehranlagen mußten rigoros genau erhalten werden. Trotzdem schlichen sich die Ungarn immer wieder durch und kamen einmal bis Traismauer.

So war die Lage, als Freising den Hof Alarn 1033 formell übernahm. Der Kaiser mußte eigentlich froh sein, daß Siedler hierherzogen und die Wallanlagen überwachten.

Der Wienerwald als Grenzfestung des deutschen Reiches

Die Höhenlinie des Wienerwaldes zwischen Greifenstein und Hainfeld war schon eine keltische und römische Grenze, entweder war diese schon damals befestigt, oder sie wurde es, nachdem sich hier im 7. Jahrhundert plötzlich Deutsche und Awaren (als Herren der Slawen) gegenüberstanden. Spätestens damals wurden die Schanzen gebaut und (jeweils) von der Macht, die auf dem Vormarsch begriffen war, immer wieder erneuert.

Die Magyaren haben später diese Festungslinie an einigen Orten noch durch Anlage von Sümpfen und Seen erweitert (Grabensee, Umsee, Seebach). Sicherlich war nicht die ganze Linie gleich befestigt, aber besonders an Straßenübergängen durch starke Wälle gesichert. Der „Mönch von St. Gallen“ berichtet im „Metzer-Bischofskatalog“, wie eine solche Schanze aussah: „Eichen-, Buchen- und Tannenstämme wurden in die Erde eingerammt oder oben quergelegt und alles mit zähem Lehm und großen Steinen ausgefüllt.“ Sowohl der Wall als auch die vorgelagerten Stellen wurden so dicht mit Dorngebüsch bepflanzt, daß weder Mensch noch Pferd passieren konnten, ohne das Gebüsch zu verbrennen oder zu schlägern. Das brauchte Zeit und machte Lärm und Feuer. Flur- und heutige Ortsnamen beweisen, daß es außer den Verhaagungen auch Signalstationen (wie die Germanen sie zur Römerzeit besonders nördlich der Donau benützten) gab. Hohenwart bei Sieghartskirchen und St. Andrä, Rauchengern, Rauchbuchberg, Frauenwarte, Bischofswarte (= Troppberg), Peilstein.

Gemäß schriftlicher Berichte sind diese Festungen so gewaltig gewesen, daß, wie auch die Grabungskommission am Rauchbuchberg feststellte, solche Festungen nur dann erstehen konnten, wenn ein ganzes Volk dahinterstand.

Dennoch sind sie um das Jahr 1040 öfters, wie der Chronist sagt, „durchschlichen“ und von beiden Seiten erobert (und wieder aufgebaut) worden.

Die deutschen Kaiser verlangten mit größtem Nachdruck die Erhaltung der Grenzbefestigungen und kontrollierten sie. So zog Kaiser Heinrich III. (gest. 1056) eine Zeit lang Sieghartskirchen als Reichslehen ein, weil der Inhaber im Grenzschutz zu wenig geleistet hatte.

Die Schanze auf dem Rauchbuchberg
(siehe Skizzen)

Etwas nördlich der kaum wahrnehmbaren abgeflachten Kuppe des Rauchbuchberges befinden sich, heute noch gut erkennbar, ein etwa 2 Kilometer langer, 2 Meter breiter und 1 Meter hoher Wall mit beiderseitigem Graben. Die im Norden angebaute Fluchtburg kann nur mehr ein geübtes Auge erkennen. Diese und die Schanze beim Weißen Kreuz wurden sozusagen gerade vor Torschluß, bevor sie eingeebnet wurden, am 30. Mai 1934 und bald darauf (im selben Jahre) von einer wissenschaftlichen Kommission unter Leitung der Professoren Kyrle, Christian und Weninger, untersucht (Kartenskizze! Siehe H. Fuchs, Unsere Heimat 1937, 1948).

Hier gelangen Sie zur Online-Ausgabe 1937. Erwähnung Rauchbuchberg Seite 416 (= PDF Seite 435).
Hier gelangen Sie zur Online-Ausgabe 1948. Erwähnung Rauchbuchberg Seite 164 (= PDF Seite 195).
 
Ergebnis der Untersuchung:
1. Die Schanze ist gegen ein Reitervolk gerichtet, hat aber keine Beziehung zu den Türken.
2. Es gibt mindestens zwei Bauzeiten: auf gewachsenen Boden folgt eine Kohlenschicht, darüber eine starke Schicht rotgebrannten Lehms, durchzogen von Kohlen und Schlacken. Die Feuereinwirkung muß enorm gewesen sein.
3. Gefunden wurden Tonscherben des 10. und 11. Jahrhunderts und solche aus späterer Zeit.

Schlußfolgerung: Die Verhaagung enthielt viel Holz, das durch Erdauflagen verstärkt wurde. Die Schanze scheint als Abwehr gegen den Süden ausgerichtet gewesen zu sein. Von einer ursprünglichen Anlage in der Türken- oder Franzosenzeit kann keine Rede gewesen sein. Die gewaltigen Ausmaße setzen den Befehl eines Machthabers und die Mitwirkung eines Volkes voraus.  1
(Der Geschichtsschreiber Einhard bezeichnet den Wall als „vallum firmissium“ (sehr festen Wall) und als „machinatio“.)

Die Schanze wurde auch zur Türken- und Franzosenzeit benützt. Nahe de Rauchbuchberg-Kuppe soll einmal eine Kapelle gestanden sein.

Die Schanzen beim „Weißen Kreuz“
(Skizze!)

Das Ergebnis der Querschnittsgrabungen war dasselbe wie am Rauchbuchberg. H. Fuchs konnte noch eine zirka 200 Meter langen Wall nachweisen. Heute ist alles eingeebnet, und es steht nur mehr das Kreuz („Weißes Kreuz“) etwas erhöht neben dem Wege (wahrscheinlich in der Höhe, die die Schanze 1708 hatte, als das Kreuz zum letzten Male errichtet wurde). Fuchs stellte fest, daß sich hier eine Doppelschanze befand, die einerseits die Nord-Süd-, andererseits die West-Ost-Richtung schützte. Wahrscheinlich war an der Stelle dieses „Weißen Kreuzes“ einmal die Richtstätte des Freisinger-Alarner-Landgerichtes (Hinrichtungsstätten waren immer abgelegen, aber doch nicht allzuweit entfernt von einer Kirche). Man erzählte sich bezüglich der Stelle Gruselgeschichten.

[Es folgt die Skizze „Lage der Schanzen: Rauchbuchberg und Weißes Kreuz“. Eingezeichnet sind die Orte Ollern, Mauerbach, Gablitz, Hadersdorf, Purkersdorf ; der Troppberg, Römerwege.
Weiters ist bezeichnet:
1 Weg Ollern-Schanze
2 Hauersteig
3 Römerweg
4 Fluchtburg
5 Rauchbuchberg-Schanze
6 Weißes Kreuz-Schanze
7 Weißes Kreuz
8 Riederberg-Sattel
9 Erdwall an der SO-Ecke des freising. Besitzes    [Eintrag der Pfarrchronik siehe weiter unten]
Entwurf: Dr. F. Zarl
Graphik: Josef Koller

Das Alter des Ortes Ollern

Ollern war ein Haufendorf und ist in karolingischer Zeit oder früher entstanden.

Obige These kann bewiesen werden:
a) wenn aus dem heutigem Dorfbild ein Haufendorf erkennbar ist,
b) wenn man die Pfarrchronik zu Rate zieht und
c) wenn man bedenkt, daß Alarun ein Königshof war.

Auszugsweise Abschrift Seite 22 unten bis 24:

Dreiecksangerdorf– Ollern zwischen 1050 und 1150 entstanden, oder
Haufendorf – Gründung geht zurück ins 9. oder 8. Jahrhundert. […]

Anmerkung Marktgemeinde, Andreas Bohnec, 26.7.2024:
Im Heimatkalender 1954 sind ab Seite 139 im Artikel „Siedlungs-, Gehöfte- und Flurformen im Bezirk Tulln“ beschrieben. Skizzen von den Ortschaften Sieghartskirchen und Ollern. 

Ein wichtiger Grund, warum Freising den Hof Alarun bekam, war die Erhaltung und Überwachung der Festungsanlagen auf der Wienerwaldhöhe. Diese Pflicht lastete ungeschrieben auf dem Gutshofe Alarn, der 1033 ja schon (mit zugehörigen Lehenshäusern) bestand und diese Aufgabe in der Zeit der gefährlichen Grenzüberfälle der Ungarn zwischen 950 bis 1033 auch erfüllt hat. In späteren Jahren (Türkenzeit) wurde Ollern öfters aufgefordert, diese Schanzen zu reorganisieren. Diese Pflicht war und blieb also ein ungeschriebenes Gesetz. […]

Anmerkung Marktgemeinde, Andreas Bohnec, 22.6.2025 (zu Cholhoch von Alaren):
Für das Verzeichnis der Orte und Namen wurde am 21.6.2025 nach Querverweisen zu anderen Stellen im Alphabet gesucht. Aus Interesse wurde auch nach Calhoch von Ollern (Zeuge, Register D 11, Ministerialgeschlecht der Eisenbeutel) im Internet gesucht.

Der Name fand sich zwar nicht im Internet, dafür ein genaueres Datum zu 1033. In dieser Abschrift wird das Jahr 1033 in Verbindung mit Ollern siebenmal genannt, aber immer ohne Tag und Monat. Das genaue Datum lautet: 1033 Juli 19.

Universität Wien

Diplomarbeit

Titel der Diplomarbeit:
 Die Herren von Sonnberg und deren Umfeld.
 Ein Ministerialengeschlecht im Weinviertel.

Verfasser Josef Sziderits

Wien, 2013

Seite 21 (im PDF Seite 23):

Das örtliche Umfeld der Sonnberger.

Am Beginn muss die Frage stehen, wie adeliger Grundbesitz und die daraus entstehenden Herrschaftsmittelpunkte sich entwickelten. Die Vergabe von Grundbesitz als Königsschenkung spielt in dem Raum, der betrachtet werden soll, eine entscheidende Rolle. Diese Königsschenkungen waren zumeist bebautes Land oder Land mit einer wenn auch nur in den Ansätzen vorhandenen Infrastruktur. Diese Struktur des über das ganze Gebiet des Landes unter der Enns verstreuten Besitzes belegt eine Reihe von Schenkungen.  91)

Kaiser Konrad überlässt Freising den Wirtschaftshof Ollern mit dem dazugehörigen teilkultivierten Fiskalgut. Memleben, 1033 Juli 19.

Der dieses Diplom mitunterzeichnende König Heinrich III. hat es 1040 für Bischof Egilberts Nachfolger Nitker erneut mit vorgenommenen besitzrechtlich unerheblichen Textänderungen ausstellen lassen.  92)

Egilbert soll das Ende seiner 1029 angetretenen Vormundschaft über den Kaisersohn Heinrich mit der Übertragung des Wirtschaftshofes Ollern erträglich gemacht worden sein. Wie schon bei Ulmerfeld und Neuhofen war die Ortswahl keine zufällige, da Freising entlang der Riederbergstraße über Besitzsplitter verfügte, die durch das neuerworbene teilkultivierte Fiskalgut eine Abrundung erfuhr.  93)

91) Weltin, Maximilian, Probleme der mittelalterlichen Geschichte Niederösterreichs. 69.
92) Niederösterreichisches Urkundenbuch, Erster Band, Nr. 14g 169.
93) Niederösterreichisches Urkundenbuch, Erster Band, 179f.

Original-Link:
https://services.phaidra.univie.ac.at/api/object/o:1297772/get


Anmerkung Marktgemeinde, Andreas Bohnec, 9.11.2025:
Cholhoch von Alaren in der Urkunde vom 25.3.1308. Abschrift im Register 02 Urkunden, Nummer 2.9. 


Das Alter des Königshofes Alarn

In der Schenkungsurkunde von 1033 wird betont, daß die Curtis Alarn Königs- und Reichsgut war, in dem der Kaiser volles Gericht- und Besitzrecht hatte. Zufolge der Wichtigkeit des Gutes und des Empfängers wurde die Urkunde feierlich in der Kaiserpfalz Memlingen ausgestellt. […]

Keinen Grenzen angegeben – Zwistigkeiten mit den Herren von Purkersdorf und der Burg Mauerbach.

Weil die Curtis Königs- und Reichsbesitz war, konnte sie nur auf Karl den Großen zurückgehen. Karl hat die Awaren besiegt, das eroberte Land gehörte gesetzlich ihm. Damals kam also noch Reichsgut zustande. 907 wurde das bairische Heer Bei Preßburg aufgerieben, ab etwa 955 standen bairische Herzoge an der Spitze der Wiedereroberung: das neue Land konnte damals also nicht mehr Reichsgut werden.

Wie kam Karl der Große zu diesem Reichsbesitz?
1. Wie eben dargetan, durch Eroberung.
2. Als Erbe des römischen Kaisertums. […]

Mitis  2 meint, daß die Rauchbuchberg-Schanze zwischen 660 bis 700 von wieder zurückgekehrten Baiern angelegt worden sei, gewitzigt durch den unter Samos erfolgten Rückschlag. Die Fluchtburg dort, die ja in dieser Zeit eventuell separat dazugebaut wurde, zeigt jedenfalls eine Abwehrstellung gegen Südost. […]
(O. Mitis: Jb. NÖ, 1936/35. Ebenso: Klebel, Fuchs.)

Die Schanzen, die nachweislich um 790 schon bestanden, sind alle zur Sicherung von oft benützen Verkehrswegen gebaut worden. […]

Die Befestigung: R. Büttner  3 stellt fest, daß Königshöfe gewöhnlich befestigt waren. Der Gutshof Alarn hatte Wall und Graben, die teilweise noch bis in unsere Zeit feststellbar sind. Teile davon wurden im Laufe der Zeit eingeebnet. Vor der 1966 in Ollern erfolgten Grundzusammenlegung  4 bestanden an der Rückseite der Häuser Hauptstraße 16, 18 und 20 Wall und Graben, Hauptstraße Nr. 24 (der Gutshof) hatte auch einen mit lebender Hecke umgebenen riesigen Garten (4 Joch), wie es bei Herrenhäusern üblich war. Pfarrer Dr. Zarl konnte erreichen, daß der hinter dem Pfarrhofe (Nr. 26) bestehende Teil des Walles größtenteils erhalten blieb. Noch heute ist dieser Teil mit Strauchwerk bepflanzt. […]
(3: R. Büttner: Burgen u. Schlösser zwischen Greifenstein u. St. Pölten.) 
(4: Eigene Erfahrung.)

Anmerkung Marktgemeinde, Andreas Bohnec, 26.7.2024:
Zum Wall und Graben beim Pfarrhof Ollern steht folgendes in der Pfarrchronik:

(Genehmigung zur Einsicht und zur Veröffentlichung seitens der Diözese St. Pölten liegt vor.)

Seite 9:
Grund-Zusammenlegung

Am 17.2.1964,Bescheid Zl. 212/6-1964, Agrarbezirksbehörde Wien: Die Grundzusammenlegung wird gemacht.

Mehrheit der Bauern u.d. Gemeinde dafür.

Die Maschinen verlangen große Felder. Jeder verliert etwas Grund (neue Wege und Straßen); alle müssen empfindlich zahlen. Die Gegend wird verändert: Einige tiefe Gräben (hinter Pfarrhof Hohlweg) zugeschüttet; Erhebungen nach Möglichkeit eingeebnet. Völlig neue Feldwege, größere Straßen. Manche bekommen günstige Baugründe […] Die Kirche verliert ungünstigen Grund und bekommt gut gelegenen Acker (1965). Neue „Haage“ (hier „Kache“) werden angelegt (Windschutz). Dabei werden Sträucher ausgewählt, die für Vögel (Beeren) und Bienen günstig waren: Weiden, viele wilde Rosen, Ölweide, etc. Hinter den Gärten der südlichen Häuserreihe werden Haage ausgerissen (Nachbarn des Pfarrhofes. Der Pfarrer wollte sein Haag behalten als Windschutz) und ein völlig neues Bachbett gegraben. Wald, Gärten und überhaupt zum verbauten Dorf Gehöriges war ausgenommen. […] 2-3 Jahre, Dünger gespart, Übergangszeit und Zahlungen war für die Bauern hart.

 

Seite 55:
An meinen Nachfolger habe ich eine Bitte: [..] 

2. Erhalten Sie den barocken Pfarrhof wenigsten außen stilgerecht.

3. Der kleine Wall und Graben an der Südseite des Gartens ist ein Stück einer alten Umwallung des Hauptsitzes der Freisinger-Herrschaft. Es ist das letzte Stück davon. Der Pfarrhof war das Zentrum Freisings in Ollern. Nach außen hin bezeigt das die Marienstatue über der Haustür.

Anmerkung Marktgemeinde, Andreas Bohnec, 26.7.2024:
Laut GIS-Orthofoto gibt es an der hinteren Grundstückgrenze (also dem Pfarrhof gegenüber) Bäume.

 

Fortsetzung Ortschronik:

Seite 27:

Die Kirche (und Klosterruine) Kirchbach = St. Laurentius am Riederberg
Das Patrozinium

Laurentiuskirchen gehen fast ausschließlich auf drei Gründungsperioden zurück: […]
c) Nach der Schlacht am Lechfelde (955), und zwar als man 981 den magyarischen Festungsgürtel auf der Wienerwaldhöhe an zwei Stellen durchbrechen konnte, hat man dort Laurentiusheiligtümer  3 errichtet: in Markersdorf bei Neulengbach steht heute noch die Kirche; […]
(R. Büttner: Die Befestigungslinien h. Ww. zur Jahrtausendwende (Mitt. d. Ak. d. Wissenschaften Wien, phil. Reihe „Anzeiger“ 1956/332.)
 
Wodka: Ki. i. Öst./67.
Zarl: Diss. §103.)

Die angegebenen Skizzen siehe im Register 01 Karten, Nummer 19_Ortschronik_Ollern.

Veröffentlicht am 15.8.2025

D 15   1983, Kirchliche Kunst in Niederösterreich, 1. Auflage

Wilhelm Zotti
Diözese St. Pölten
Band 1, Pfarr- und Filialkirchen südlich der Donau

Übersichtskarte der Pfarrorte in der Diözese St. Pölten, gekennzeichnet nach Pfarrgründungen bis 1100, bis 1580 und seit 1580.
[Siehe unter 01 Karten, 23_Kirchliche_Kunst_NÖ]

Ab Seite 16 Beitrag Friedrich Schragl

Anmerkung Marktgemeinde, Andreas Bohnec, 9.11.2025:
Dr. Friedrich Schragl verstarb am 15.2.2025, im 87. Lebensjahr und im 63. Priesterjahr.
Parte, Homepage Diözese St. Pölten.
Als Pfarrer von Gerersdorf bei St. Pölten durfte ich in einmal treffen. Die Pfarre Abstetten war ihm persönlich bekannt.

Zur Geschichte der Diözese St. Pölten
28.1.1785 Errichtet
Frühes Christentum zur Römerzeit […]

Karolingerzeit
Ab 791 vernichtete Karl der Große das Awarenreich. Das Viertel ober dem Wienerwald dürfte schon beim ersten Feldzug voll erobert worden sein. Der König betrachtete das erworbene Land als Königsgut und vergab es weitgehend an weltliche und geistliche Große seines Reiches. Das geschah zunächst nur mündlich; erst unter seinen Nachfolgern ließen sich die Inhaber der Ländereien Besitzurkunden ausstellen. Neben den zuströmenden bayerischen Siedlern gab es sicherlich schon eine dünne Besiedlung. Über das Gebirge dürften Alpenslawen (Karantanen) schon früher eingeströmt sein. Da gab es noch eine Restbevölkerung, wie sie für das obere Ybbstal angenommen wird. Nach der Eroberung strömten verstärkt befreite Slawen ins Land, die geschlossene Ortschaften bildeten. Zeugen davon sind noch die Ortsnamen (Behamberg, Weistrach, Böheimkirchen usw.) und die freigelegten slawische Friedhöfe (Wieselburg, Pottenbrunn, Zwentendorf u. a.). Wie aus den Grabbeigaben hervorgeht, waren die Slawen noch Heiden; doch verlieren sich bald die Beigaben und auch die Friedhöfe werden aufgebeben, da nur mehr um die Kirche die Bestattung erlaubt war. Die Slawen haben also rasch das Christentum übernommen, da ja auch ein Konservatismus im Bestattungsritual einkalkuliert werden muß.

Etwas anders war die Situation nördlich der Donau. Hier hat zunächst sicherlich das slawische Element, wahrscheinlich verbunden mit älteren germanischen Resten, vorgeherrscht. In Thunau/Gars fand sich ein kleines Bleikreuz, wie es auch im Großmährischen Reich den Täuflingen geschenkt wurde. Um 902/903 schenkte der Slawenfürst Joseph, der auf der Höhenburg Thunau geboten hat, dem Bistum Freising Grund und Boden zu Stiefern, so wie es schon vor einigen Generationen seine Vorfahren getan hatten. Um die Mitte des 9. Jahrhunderts hat also dort die Mission eingesetzt, ohne daß dabei die politischen Strukturen zerstört wurden.

Im Jahre 803 wurden die Diözesangrenzen zwischen Salzburg und Passau geregelt. Dem Passauer Bischof fiel das Donautal bis zur Raabmündung zu. Als Südgrenze bildete sich im Laufe der nächsten Jahrhunderte die Landesgrenze zur Steiermark als Bistumsgrenze heraus (ausgenommen der Wiener Neustädter Distrikt), die Grenze nach Norden war offen. Der Passauer Bischof wurde dabei durch Chorbischöfe unterstützt, die keinen festen Sitz hatten. Doch war der Einfluß der Bischöfe nicht sehr groß, da damals das Eigenkirchenwesen vorherrschte. Jeder Grundherr hatte auf seinem Besitz eine Kirche zu errichten, die sein Eigentum war, wo er auch den Priester anstellte und deren Gewinn er einzog. Man kann daher auch nicht von einer Pfarrstruktur sprechen. Namentlich genannt sind nur wenige Kirchen, wie etwa die um 803 erbaute zu Traismauer, in der um 833 der Mährer fürst Priwina getauft wurde.

Mit großer Wahrscheinlichkeit reichen in das 9. Jahrhundert die Kirchen von Wolfsbach, Aschbach, Ardagger, Winklarn, St. Martin am Ybbsfeld, Steinakirchen, Pöchlarn, Melk, St. Pölten, Abstetten, St. Andrä v. d. Hagenthale, Marbach an der Donau, Arnsdorf, St. Michael in der Wachau, Mautern, Hollenburg und Stiefern sowie eine Kirche an der Perschling (Rust?) und im Grunzwitigau (Neidling?) zurück. Auch für das bedeutende Tulln muß eine postuliert werden. Bald nach 791 (nach anderen allerdings schon um 764) dürfte auch das Benediktinerkolster in St. Pölten entstandnen sein. Nach der Tegernseer Überlieferung, von wo aus St. Pölten besiedelt worden ist, kamen Reliquien des 235 gestorbenen römischen Martyrers Hippolyt 751 in das Frankenreich; einen Teil bekamen die beiden Brüder und Großen Karls des Großen, Autkar und Adalbert, die Tegernsee und St. Pölten gründeten. Das Kloster zum hl. Hippolyt in Traisma, wie St. Pölten damals hieß, dürfte auch einige Bedeutung in der Mission des Großmährischen Reiches gehabt haben, worauf das Hippolytpatrozinium in Znaim/Pöltenberg und auf dem Zaborkloster bei Neutra hinweist.

907 machten die Magyaren durch die Schlacht bei Preßburg der bayerischen Herrschaft ein Ende und besetzten bis 955 das Land bis zur Enns. Dabei erlitt das Land zwar erheblichen Schaden, doch wurde es keineswegs verwüstet. Die Besitzrechte blieben weitgehend aufrecht.

Pfarrorganisation
Nach der Besiegung der Ungarn 955 wurde Niederösterreich nach und nach erobert; bis 970 dürfte die Traisen, bald darauf die Große Tulln erreicht und 991 der Wienerwald überschritten worden sein. Nördlich der Donau war zunächst nur ein schmaler Streifen der Mark eingegliedert. Nördlich des Wagram begann bereits Mähren.

Nunmehr übernahmen die Passauer Bischöfe energisch die kirchliche Organisation, wobei ihnen zu Hilfe kam, daß damals das Kirchenrecht die Position der Bischöfe verstärkte. Bischof Pilgrim (971-991) stellte auf drei Synoden, von denen eine in Mautern tagte, die Besitzrechte der Passauer Kirche sicher und auch seinen Anspruch auf das Kloster St. Pölten, das irgendwie den Ungarnstrum überstanden hatte.

Zwischen 1000 und 1100 erfolgte eine grundlegende Pfarrorganisation. Der Bischof erhob anfangs grundsätzlich nur Kirchen, die ihm gehörten, zu Pfarrkirchen, oder ließ sich vom König entsprechende Plätze zur Pfarrerrichtung schenken. Ältere schon bestehende Kirchen wurden den neuen Pfarren untergeordnet, wodurch der Bischof seine Autorität zunächst über alle Kirchen ausüben konnte. In den Jahren nach 1000 dürften die Pfarren St. Valentin, Weistrach, Wolfsbach, Aschbach, Amstetten, Petzenkirchen, Melk, Hürm, St. Pölten, Abstetten, St. Andrä vor dem Hagenthale, Weiten, St. Michael in der Wachau und Mautern entstanden sein. Für die Errichtung der Pfarren Herzogenburg, Tulln und Krems ließ sich Bischof Berengar (1013-1045) im Jahre 1014 die entsprechende Ausstattung zuweisen. Etwas jünger dürften die passauischen Pfarren Stefanshart, Wilhelmsburg, Traisenburg (später nach Pfarrkirchen und schließlich nach Stollhofen verlegt) und Zwentendorf sein. Bis etwa 1100 erlangten noch folgende Kirchen Pfarrechte, die aber z. T. nicht mehr Eigenkirchen des Bischofs waren: Haidershofen (später Stift Gleink), Haag (Bamberg), Strengberg (Tegernsee), Sindelburg (herrschaftlich), Stift Ardagger, Steinakirchen (Stift Mondsee), Mauer, Kilb (Stift Göttweig), Pyhra (Stift Göttweig), Kapelln, Böheimkirchen, Christophen (alle St. Pölten), Altlengbach (Lengenbacher) und nördlich der Donau Meisling, Gars-Eggenburg, Altpölla, Weitersfeld, Horn mit Neukirchen und Raabs, vielleicht auch schon Zwettl. Hier treten bereits der Markgraf bzw. die Grafen von Pernegg und Raabs als Pfarrstifter auf. Die weitere Pfarrentwicklung besteht in der Teilung der alten Mutterpfarren, die ja oft einen riesigen Bezirk hatten, und in der Erschließung von neuen Rodungsgebieten in den Voralpen und im Waldviertel; diese Rodungspfarren lassen sich oft von keiner alten Mutterpfarre ableiten.

Diese Mutterpfarren hatten eine große Bedeutung. Der Pfarrer hatte eine gewisse Oberaufsicht über die anderen Kirchen, die nicht dem Bischof gehörten. Zu den Gottesdiensten kamen von weither Menschen, an ihr hatten sie die Sakramente empfangen, vor allem aber hatten sie das Begräbnisrecht. Auch wirtschaftlich bildeten sie Zentren; sie waren durchwegs Marktorte, auch wurde der Zehent an die Hauptkirche gebracht. Aus bestimmten Gründen konnte die Entwicklung zu einem Schwerpunktort unterblieben, etwa in Petzenkirchen, wo sich der Schwerpunkt der Pfarre nach Purgstall verlagerte, oder Meisling, das vorübergehend abgekommen war. Bei der Errichtung von Tochterpfarren blieb zumeist der Besitz, vor allem der Zehent, der Mutterpfarre ungeschmälert. Es waren vor allem Ministerialen und Ritter, die die neuen Pfarren ausstatteten, daß sich ein Pfarrer halten konnte.

Auch die oft älteren Kirchen, die durch das passauische Pfarrnetz an Bedeutung verloren hatten, strebten nach dem Pfarrecht, wie etwa Pöchlarn und Traismauer. Doch blieben neben dem Zehentrecht noch verschiedene Rechte bei der Mutterpfarre; üblich war es auch, daß die Bevölkerung der Tochterpfarren zum Kirchweihfest und zu anderen Festtagen in der Mutterkirche erscheinen mußten. Blieb auch das Präsentations- oder Vorschlagsrecht bei der Mutterpfarre, spricht man von Vikariaten. Solche Abhängigkeiten-Vorrechte bewahrten sich die Pfarrer von St. Valentin, Neuhofen, Amstetten, Ybbs und Tulln bis 1938. Bis 1520 hatte der Pfarrer von Altpölla auf diese Art fünf Vikariate unter sich und dazu einen Vikar in Neupölla, der allerdings in der Art eines Hilfspriesters angestellt war. Die eingentlichen Vikariate aber wurden von der Bevölkerung als Pfarren betrachtet. Die Abtrennung einer Pfarre erfolgte manchmal recht eigentümlich. So wurde um 1200 die Pfarre Ruprechtshofen von St. Leonhard am Forst getrennt. Es wurde aber keineswegs der Melkfluß als Grenze genommen, vielmehr wurden die Häuser an allen Ortschaften je zur Hälfte zu einer der beiden Pfarren geschlagen.

Bis zum Ende des Mittelalters hatte sich ein sehr enges Netz von Seelsorgestationen über das Land gezogen, die allerdings eine recht differenzierte rechtliche und soziale Stellung hatten. Denn die reichen Pfründen, wie Krems und Gars-Eggenburg, wurden häufig an prominente Mitarbeiter des Landesfürsten vergeben, die ihrerseits dort einen Vikar einsetzten.

Klostergründungen
[…]

Die Gründung dieser Klöster lag weitgehend im Interesse der Bischöfe, die sich dadurch eine Hebung des religiösen Lebens erwarteten und sie daher auch mit zahlreichen Pfarren ausstatteten. Doch bald erlangten gerade die bedeutensten Stifte gewisse Exemtionen und entzogen sich so dem Einfluß der Bischöfe. Es ist staunenswert, daß diese Klöster bei strengstem asketischem Leben oft nach wenigen Jahrzehnten über 100 Mitlglieder zählten. Zugleich waren sie mangels einer Domschule die ersten wissenschaftlichen Zentren des Landes. Mit ihren Spitälern sorgten sie für das Wohl der Bevölkerung der Umgebung. Mit ihren Gebäuden förderten sie die Kunst. Durch die vielen Pfarren, die ihnen unterstellt waren, waren sie von Anfang an mit der Seelsorge verbunden. Teilweise betreuten Mönche unmittelbar die Pfarren, indem dort Zellen errichtet wurden. Anderer Pfarren wurden durch Weltpriester betreut, die eine gewisse Antrittstaxe zu erlegen hatten.

Spätmittelalterliche Frömmigkeit
Mit der Reformbewegung des 11. und 12. Jahrhunderts, die sich vor allem in den zahlreichen Klostergründungen äußerte, war erst eine tiefere Christianisierung erreicht worden. Die gleichzeitige Kreuzzugbewegung brachte neue Elemente in das religiöse Leben, vor allem eine verstärkte Reliquienverehrung. Die Zeit der letzten Babenberger führte das Land in eine wirtschaftliche Blüte. Die bäuerliche Kolonisation war um 1200 abgeschlossen, nun setzte ein sprunghaftes Wachstum der Märkte und Städte ein. Im ganzen Lande entstanden neben den Altsiedlungen neue Märkte mit ihren typischen Rechtecksplätzen (Aschbach, St. Leonhard, Gresten, Prugstall, Neulengbach, besonders aber die Waldviertler planmäßigen Anlagen, wie etwa Neupölla), die wichtigsten Städte vervielfältigten ihren Häuserbestand, wie Waidhofen a. d. Ybbs, Krems und Stein, St. Pölten, Tulln. […]

Eine andere Erneuerungsbewegung kam über den Franziskanerorden; diese Franziskanerobservanten brachte der hl. Johannes Capistran ab 1451 nach Österreich. Auf ihn gehen, wenn auch meist mittelbar, die Franziskanerklöster in Langenlois, das Paradies am Riederberge, St. Pölten und Eggenburg zurück, die alle zwischen 1455 und 1460 entstanden. Diese jüngere Franziskanerbewegung hatte ungleich mehr Bedeutung als die des 13. Jahrhunderts. Sie sprach durch ihre Predigten vor allem die bürgerliche Bevölkerung an, die nun bei ihren Vermächtnissen die Franziskaner den alten Stiften vorzog. […]

Der Einfluß des Passauer Bischofs war nicht allzu groß. Er hatte nur mehr etwa zehn Pfarren zur freien Verleihung, darunter allerdings die gewichtigen Pfarren Weistrach-Behamberg, Amstetten, Melk, Tulln, Abstetten und St. Andrä v. d. H. sowie nördlich der Donau Krems und Stein; dazu kamen ein paar kleinere Pfründen. […]

Einführung (ab Seite 37)

Seite 39:
[…] jenen vielen Holzkirchen, von denen in der zwischen 1125-41 aufgezeichneten Lebensgeschichte des hl. Altmann, Bischof von Passau (+ 1091), der „Vita Altmanni“, berichtet wird: „Ante eius adventum omnes paene ecclesiae in illo episcopatu erant ligneae…“. […]

Romanik
Ausgehend von den im 9. und 10. Jahrhundert gegründeten „Urpfarren“ wird das Pfarrnetz in zwei Phasen, im 11. Jahrhundert und ab der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts, bis zum Ende der Babenbergerzeit – 1246 – so ausgebaut, daß es, von unwesentlich Änderungen abgesehen, bis in die Zeit Kaiser Josephs II. seine Struktur beibehalten konnte. Mit dem Neuaufbau der kirchlichen Organisation innerhalb der zum Bistum Passau gehörigen babenbergischen Mark ab 976 geht unter maßgeblicher Mitwirkung bayrischer Bistümer und Klöster auch die Gründung neuer Stifte und Klöster wie Melk, Göttweig, Altenburg und Seitenstetten durch Benediktiner, Zwettl und Lilienfeld durch Zisterzienser und Geras durch Prämonstatenser einher. […]

Seite 112:
Abstetten

Geschichte: Die Martinskirche ist wohl eine königliche Gründung des 9. Jh. und dürfte als Besitz des Klosters Kremsmünster an Passau gekommen sein. Sie war zunächst kirchliches Zentrum für den Raum der Großen Tulln. Im 11. Jahrhundert wurden Tulln und Zwentendorf selbständige Pfarren, Neulenbach wurde um 1200, Judenau um 1400 und Aspherhofen um 1680 ausgeschieden. Nach einem schweren Erdbeben und Zerstörung an Kirche und Pfarrhof wurde Abstetten von Tulln administriert und 1647 Vikariat von Tulln; seit 1937 *) wieder selbständige Pfarre.

*) Richtig 1901 (Dobersberger, Heimatbuch Abstetten Seite 82, 165).

PFK „Hl. Martin“
Das Bauwerk: Wuchtiger spätgotischer ehemaliger Wehrkirchenbau mit barockisierter Fassade, erhöht inmitten des Friedhofes gelegen. […]

Seite 269:
Rappoltenkirchen

Geschichte: Der Ort hat seinen Namen vermutlich vom Grenzgrafen und Präfekten Rapoto (836-854).Die Pfarre wurde im 12. Jahrhundert errichtet, kam aber nach dem Türkenkrieg 1529 wieder ab und wurde 1614 mit Sieghartskirchen vereinigt. 1733 wurde die Pfarre wiedererrichtet. […]

Seite 324:
Sieghartskirchen

Geschichte: Die erste Kirche dürfte um 1000 errichtet worden sein; Pfarre wurde es um 1100.1228 übergab sie Graf Rapoto von Ortenburg dem Chorherrenstift Baumburg in Bayern, das Sieghartskirchen bis 1803 mit seinen Chorherren betreute. […]

Die FK in Röhrenbach (hl. Valentin) wird 1228 erstmals genannt. […]

Veröffentlicht am 15.8.2025

D 16   1986, Geschichte der Abtei Niederaltaich, 731 – 1986

Geschichte der Abtei Niederaltaich, 731 – 1986,
Georg Stadtmüller, Bonifaz Pfister OSB, 1986, 2. Auflage.
Morsak Verlag Grafenau


Die Genehmigung zur Veröffentlichung der Abschrift und von zwei Karten liegt vor (4.9.2024).

Seiten 37 bis 40:

488 Abzug der römischen Stadtbevölkerung.
Bis Ende des 5. Jahrhunderts wanderten Heruler aus Böhmen in den Donaustreifen zwischen Regensburg und Lorch ein.
539 Herrschaftsbildung der „Bajuwaren“ im Gebiete zwischen Donau und Voralpen scheint abgeschlossen zu sein.

Karte „Die altbayerischen Gaue im 8. Jahrhundert“
Eingezeichnet Regensburg, Freising, Passau -
Salzburg, Linz, Loch.

Die größte Westausbreitung erlebten die Slawen im 7. Jahrhundert. Zwischen Slawen und Bayern gab es keine scharfe Volks- und Sprachgrenze, sondern eine Zone des Übergangs.

Seiten 67:

Das große Jahrhundert kolonisatorischen und missionarischen Ausgreifens (788 – 876)

Altach erlebte seit dem Ende des 8. Jahrhunderts einen gewaltigen Aufschwung. Eine neue Hauptaufgabe wuchs ihm zu: die Kolonisation des Nordwaldes und der bayerischen Ostmark. […]

Die Hube hatte etwa 60 Tagwerk = 20 ha. […]

Seite 73:

791 Schenkung und 26.11.811 erneute Bestätigung einer Schenkung – 40 Huben in der Wachau – ein Ort an der Mündung der Pielach in die Donau.
Dieser älteste Besitz des Klosters in der Ostmark lag an der Mündung des Flusses Pielach, die sich eine Viertelstunde unterhalb Melk am rechten Ufer der Donau befindet. […]

Die Awaren- und Slawengefahr jener Zeit hat auch die Geschichte der Donaulandschaften überschattet. Erst die Beseitigung der Awarengefahr durch die beiden Feldzüge Karls des Großen und seines Sohnes Pippin (791, 796) machte die großzüge Missionierung des Südostens möglich. Im Jahre 796 berief Pippin eine bischöfliche Versammlung in sein Feldlager an der Donau, um die Awaren-Mission zu erörtern. […]

Seite 76:

Die Bewachung der Slawengrenze war auch weiterhin notwendig. In dem Diedenhofener Capitulare von 803 wird verfügt, daß der Handel mit den Slawenländern nur über folgende Kontrollstationen erlaubt ist: […], Lorch (an der Enns). […]

Seiten 85 – 88:

Notzeit und Verfall
Zusammenbruch der bayerischen Stellung im Südosten

Der Tod Ludwigs des Deutschen (876) bedeutete für Bayern einen tiefen Einschnitt. Seine kraftvolle Politik gegenüber dem Osten hatte die bayerische Herrschaft in den östlichen Marken gefestigt. Bayern war in dieser Zeit schlechthin das Königsland des ostfränkischen Reiches. Damit war auch die kirchliche und kulturelle Vormachtstellung Bayerns im Südosten gesichert worden. […]

Während dieser Zeit breitete sich das Herrschaftsgebiet von Großmähren unter Swatopluk (Zwentibold) (870 – 894) noch mächtiger aus, auch die böhmischen Stämme erkannten Swatopluks Oberherrschaft an. Erst als König Arnulf von Kärnten (887 – 899) nach Beendigung der anfänglichen Wirren das gesamte ostfränkische Gebiet wieder unter seine Herrschaft gebracht hatte, versuchte er, auch Swatopluks Herrschaft einzuschränken. Dabei bediente er sich auch ungarischer Reiterscharen als Hilfstruppen (892), wodurch der Einfall dieser Reiterhirten in den Donauraum eingeleitet wurde.

Nach dem Tode Swatopluks (894) zerfiel das Großmährische Reich. Schon im folgenden Jahre setzten sich die Ungarn endgültig an der mittleren Donau fest. Das bayerische Missions- und Siedlungswerk in Pannonien brach nun völlig zusammen. […]

Ungarnkämpfe
Zur Abwehr der neuen von den Ungarn drohenden Gefahren setzte Kaiser Arnulf die Grafen Liutpold und Ratold als Grenzgrafen ein. Aber die Katastrophe war nicht abzuwenden. Im Jahre 899 folgte auf die Herrschaft Arnulfs sein Sohn Ludwig das Kind als Siebenjähriger. Im Jahre 900 erschienen zum erstenmal ungarische Reiterscharen in den bayerischen Ostmarken und stießen raubend bis an die Enns vor  62).

(62 Die Größeren Altacher Jahrbücher vermerken zum Jahr 889: die Ungarn kamen von Skythien her. Aventinus ergänzt bei seinem Auszug aus den Altacher Annalen die vorgenfundenen Berichte über die Kämpfe gegen die Ungarn durch weitere Berichte aus den Hersfelder und alamannischen Annalen.
Siehe SPITZLBERGER Georg, Die Ungarnstürme des zehnten Jahrhunderts: BHN 1 (1967) S. 132 – 176. Dort auch die einschlägige Literatur.)

Im Gegenstoß drangen bayerische Abteilungen in Pannonien vor und versuchten gemeinsam mit mährischen Hilfstruppen vergeblich, die Ungarn wieder über die Karparten zurückzudrängen.

Der Abwehrkampf gegen die heidnischen Ungarn wurde nun für den bayerischen Stamm und die bayerische Kultur auf ein halbes Jahrhundert hinaus die große Schicksalsaufgabe.

Die Gefahr wurde noch größer, als in einer Schlacht bei Preßburg (907) der bayerische Heerbann von dem ungarischen Reiterheer vernichtend geschlagen wurde. Die Besten des bayerischen Stammes blieben tot auf dem Schlachtfeld: Markgraf Luitpold, Erzbischof Dietmar von Salzburg, Bischof Utto von Freising, Bischof Zacharias von Säben. Die Enns war nun wiederum die Ostgrenze des bayerischen Herzogtums und des deutschen Reiches. Seitdem lagen*) auf ein halbes Jahrhundert hinaus Bayern und Schwaben den Einfällen der ungarischen Scharen offen. […]

*) An dieser Stelle fehlt ein Stück Papier im Buch. Daher die ersten beiden Buchstaben ergänzt.

Der bayerische Herzog Arnulf (907 – 937), der Sohn des bei Preßburg gefallenen Luitpold, führte mit Tatkraft den Abwehrkampf. Über zahlreiche Kämpfe mit den ungarischen Reiterscharen wird uns berichtet. Im Jahre 909 brachte er den bis nach Schwaben vorgedrungenen Ungarn auf ihrem Rückwege bei Freising einen empfindliche Niederlage bei. 913 konnte er die von ihrem Beutezug heimkehrenden Ungarn besiegen. Dieser Erfolg muß so nachhaltig gewesen sein, daß wir auf ein Jahrzent nichts mehr von den Einfällen der Ungarn in Bayern hören. Im Jahre 926 brachen dann die Ungarn erneut nach Bayern ein, doch konnte sie Arnulf zu einem Waffenstillstand bewegen. […]

Weitere große Siege über die Ungarn 942 (oder 943) und 945. […]

Heinrich I., + 955 – Dieser nahm die Abwehr der ungarischen Angriffe wieder mit Tatkraft auf. Aus den Jahren 948 und 949 wird uns von Kämpfen mit den Ungarn in der Oberpfalz berichtet. Im Jahre darauf ging Herzog Heinrich selbst zum Angriff über. Er stieß mit einem bayerischen Heere bis in die Theiß-Ebene vor und kehrte mit Gefangenen und reicher Beute nach Bayern zurück.

Im Jahre 955 unternahmen die Ungarn wieder einen großen Einfall nach Bayern. Auf dem Lechfelde vor Augsburg kam es zur Entscheidungsschlacht. Die Ungarn, die das von Bischof Ulrich verteidigte Augsburg einzunehmen versuchten, wurden geschlagen. Nur wenige Abteilungen entkamen in die Heimat. Bulcsu und Lehel, die vornehmsten Führer, die in Gefangenschaft geraten waren, wurden zusammen mit zahlreichen anderen gefangenen Ungarn in Regensburg gehenkt. Die Sieger haben die Reste der ungarischen Scharen, die in ihre Hand fielen, auch sonst einen schimpflichen Tod durch Henkershand sterben lassen. Graf Eberhard von Ebersberg ließ seine zahlreichen Gefangenen erdrosseln und in ein ungeheures Grab werfen. […]

Klosterverfall

Die Folgen der Ungarnwirren waren furchtbar. In den slawischsprechenden Grenzlandschaften hatte der bayerische Herzog zunächst jeden Einfluß verloren. In Bayern selbst waren viele Dörfer verödet, manche Klöster zerstört. […]

Seite 93:

Als Herzog Heinrich I. 955 starb, folgte ihm sein vierjähriger Sohn Heinrich II. (erst seit dem 15. Jahrhundert mit dem Beinamen „der Zänker“, erzogen unter der Vormundschaft seiner Mutter Judith. Unter diesem Herzog erreichte Bayern die größte Ausdehnung in seiner Geschichte. […]

973
Herzog Heinrich – Aufstand gegen Kaiser Otto II.

Kaiser Otto II. (973 – 983) nutzte nach seinem Siege die günstige Gelegenheit, durch die Zerschlagung des mächtigen bayerischen Stammesherzogtums der Sonderpolitik der bayerischen Herzöge ein Ende zu machen und den eigenwilligsten und mächtigsten innenpolitischen Gegner für immer auszuschalten. Herzog Heinrich II. wurde abgesetzt, die bayerische Herzogsgewalt durch die Erhebung der Ostmark und des Nordgaues zu Markgrafschaften geschwächt und durch die Loslösung Kärntens, wozu damals auch die Steiermark sowie Krain und Friaul gehörten, als eines selbstständigen Herzogtums der bayerische Machtbereich wesentlich verkleinert (976). […]

Seite 104:

Karte „Besitz Niederaltaichs in Österreich“ – Ried eingezeichnet.

Seiten 176, 178:

Streubesitz in Österreich

Die Abtei Niederaltaich, besaß seit dem ausgehenden Mittelalter einen Streubesitz, der im Westen bis Ingolstadt und im Osten bis zum Wienerwald reichte. […]

In Österreich kam es unter dem Herzogsgeschlechte der Babenberger im 13. Jahrhundert zur Straffung der Territorialherrschaft. Davon waren vor allem die geistlichen Herrschaften betroffen. […]

Die vorgeschobenen Besitzungen Niederaltaichs im Wienerwald gingen schon zu Ende des 14. Jahrhunderts verloren. Herzog Albrecht III. von Österreich (1365 – 1395), der für einige Jahre nochmals die späteren Teilgebiete der Leopoldiner und Albertiner zusammenfassen konnte, betrieb in zielstrebiger Abrundungspolitik die Erwerbung der noch innerhalb seines Herzogtums selbständig gebliebenen Ländereien. Wohl nicht ohne Druck übertrug ihm der Niederaltaicher Abt Altmann (1367 – 1402) im Jahre 1368 „die veste Ried gelegen vor dem Wienner Waldt“ zu Lehen. 170a).

(170a Urkunde des Herzogs Albrecht III. von Österreich vom Sonntag nach Epiphanie 1368 zu Wien. MB Bd 15. Nr. 48, S. 66.)

Veröffentlicht am 15.8.2025

D 17   1987, Heimatbuch Abstetten, Roland Dobersberger

Seite 14f:
Die Zeit der Römer

Im Jahre 15 v. Chr. annektierten die Römer das keltische Königreich Norikum, das große Teile des heutigen Österreichs umfaßte. Die Donau wurde zum Grenzstrom. Norikum wurde seit Claudius (41-54 n. Chr.) den Erfordernissen militärischen Verteidigung unterworfen. Die neue Herrschaft bedeutete für die illyrisch-keltische Bevölkerung keinen abrupten Bruch mit der eigenen Tradition und Kultur. Abstetten lag nicht weit entfernt der bedeutendsten Römerstraße, die von Klosterneuburg her kommend über den Gugginger Sattel nach St. Andrä, von dort durch das Tullnerfeld zum Nitzinger Meilenstein (südöstlich von Tulln, bekannt als „steinerner Erdäpfelsack“) und weiter, etwas südlich der heutigen Bundesstraße 1, in ziemlich gerader Linie nach St. Pölten führte.

Ein weniger bekanntes, doch wohl interessantes römisches Denkmal in der Nähe der Gemeinde Abstetten sind die eingemauerten Römersteine in der auf dem Weg nach Neulengbach gelegenen Wallfahrtskirche St. Laurenz in Markersdorf. Beim Stiegenaufgang ist ein Architravbalken mit Rankendekor, weiters ein Medusenhaupt und an der Stirnseite ein Tierprotom eingemauert. Im romanischen Rundteil an der Rückseite der Kirche findet sich das ansprechende Relief eines Genius mit überkreuzten Beinen und gesenkter Fackel. Die Einmauerung von Römersteinen in die Kirchenmauern (z.B. auch in Zwentendorf und Altlengbach) entstand im Mittelalter, wohl aus dem Glauben, dadurch die Macht der „heidnischen“ Steine brechen zu können.

Die Anfänge Abstettens

Die Zeit der Völkerwanderung brachte durch Jahrhunderte die verschiedensten Stämme vorübergehend in unser Gebiet.

Aus germanischen Volkssplittern unterschiedlichster Herkunft waren um die Mitte des 6. Jahrhunderts die Bayern zu einem Stammesverband zusammengewachsen. Zwischen ihnen und den Slawen sollte sich das Siedlungsgeschehen der folgenden Jahrhunderte entfalten.

Zwei Jahreszahlen von seltener Eindeutigkeit beherrschen die Folgezeit Niederösterreichs, 788 und 907.

Im Jahre 788 besiegt ein fränkisches-bayrerisches Herr die Awaren auf dem Ybbsfeld und an einem anderen Ort an der niederösterreichischen Donau. Im Jahr 907 wird in der Ungarnschlacht bei Preßburg der bayerische Stamm beinahe vernichtet und das Land geht politisch bis zur Enns wieder verloren. Die beiden Jahreszahlen begrenzen die Karolingerzeit Niederösterreichs. In dieser Zeit ist Abstetten entstanden.

788 begann der erste Awarenfeldzug, der mit drei Siegen endete. Die Möglichkeit für eine Expansion donauabwärts war gesichert. Die Awaren reagierten mit dem Ausbau der Befestigungen und Sperren an der Kampmündung und an den Nordausläufern des Wienerwaldes. 791 begann Karl der Große den awarischen Krieg, wobei die Awaren einen erstaunlich geringen Wiederstand leisteten. 796 übernahm der Karl-Sohn und italische König Pippin sein erstes selbstständiges Kommando und vollzog die endgültige Eroberung des Awarenreiches. Als Macht waren die Awaren ausgelöscht, als Volk lebten sie noch weiter.

Awarische Volksreste können noch während der Mitte des 9. Jahrhunderts und später angenommen werden. Zeugnis dafür ist das Gräberfeld von Sieghartskirchen [Siehe Frühgeschichte Register Nummer 38, Archaeologia Austriaca, Beiträge zur Paläanthropologie…, 1953], wo in sehr geringer Grabtiefe (0,6-1,5 m) 18 ärmliche Bestattungen gefunden wurden. Die Grabbeigaben – Tonwaren, Armringe, Ohrgehänge – sind charakteristisch für die späte Awarenzeit.

Als die Frankenheere 791 die Enns überschritten trafen sie keineswegs auf menschenleeres Gebiet, obwohl die Archäologie des achten Jahrhunderts für das Viertel ober dem Wienerwald eine auffallende Fundleere feststellt. Neben der awarischen Herrenschicht lebten hier vor allem slawische Siedler. Daneben hatte der niederösterreichische Raum in der zweiten Hälfte des fünften und am Beginn des sechsten Jahrhunderts Sueven, Skiren, Heruler, Goten und Langobarden gesehen. Wandernde Völkerschaften verlassen aber niemals als Ganzes ein von ihnen, wenn auch noch so kurz besiedeltes Gebiet. Inwieweit die bayerische Kolonisation bereits in der vorkarolingischen Zeit begonnen hat, ist umstritten. Mit der Eroberung des Awarenreiches setzte nun überall die bayerische, aber auch eine zweite Welle der slawischen Zuwanderung ein. Im eroberten Land galt „Königsrecht“, die Königsschenkungen setzten dann erst so richtig ein, als die Besiedlung des Donauraumes durch Slawen und Bayern bereits einige Zeit gedauert hatte.

Vom weltlichen Hochadel wurden in erster Linie die Gau- und Grenzgrafengeschlechter mit Land bedacht, vor allem die Wilhelminer-Engelschalkte, dann die Sighardinger, die Vorfahren der Grafen von Ebersberg, die Rapotonen und die Meginharde. Daneben erhielten reichen Besitz das Erzbistum Salzburg und seine Suffraganbistümer Passau, Regensburg und Freising. Ferner wurde eine Reihe von Klöstern mit Land bedacht, die meisten waren oder wurden bischöfliche Eigenklöster. Dazu gehörten die Klöster St. Emmeram bei Regensburg, Niederaltaich, Kremsmünster, Tegernsee, Metten, Herieden in Franken, Moosburg, Mondsee und Mattsee.

Karl Lechner spricht in seiner Abhandlung „Siedlungsnahmen und Siedlungsformen im Tullner Bezirk als Zeugen geschichtlichen Lebens“ von Abstetten als der „Stätte eines Abtes“ und nennt als Entstehungszeit die erste Hälfte des 9. Jahrhunderts.

Anmerkung Marktgemeinde, Andreas Bohnec, 31.5.2024:
 Im Heimatbuch Abstetten werden keine Quellenangaben gemacht. Eine Internetrecherche ergab: Lechner, Siedlungsnamen und Siedlungsformen im Tullner Bezirk als Zeugen geschichtlichen Lebens, Heimatkalender des Tullner Bezirkes, 1953, Seite 67 ff.

Sieben Originalausgaben aus verschiedenen Jahren, erhalten im Mai 2024, enthielten auch das Jahr 1953. Der Artikel umfasst die Seiten 67 bis 80. Die Abschrift ist im Register D4.

 

Der Name weist auf geistlichen Besitz. Da keine Urkunde aus dieser Zeit für Abstetten vorliegt gibt es auch verschiedene Theorien. […]

Seiten 20 - 25:
Abstetten – eine karolingische Großpfarre

Nach dem Zusammenbruch des römischen Reiches Norikum kam es zum Zusammenbruch der kirchlichen Organisation. Ob das Christentum überlebte, ist nicht leicht zu beantworten. Trotz der Umschichtung der Bevölkerung dürfte ein primitives Christentum, das die verschiedenen Völkerschaften mitbrachten, erhalten geblieben sein.

Das bayrische Herzogshaus der Agilolfinger war schon vor 600 katholisch. Nachdem Karl der Große das bayrische Stammesherzogtumm unter seine Oberhoheit gebracht hatte, rückte er gegen die Awaren vor. Diese Kriegszüge und Eroberungen galten auch dem Zweck der Ausbreitung des Christentums. Während die Sachsen noch mit dem „Schwert“ missioniert wurden, wollte man im neueroberten Awarenland die Seelen friedlich gewinnen. Die Christianisierung machte den Ausbau des Kirchenwesens erforderlich. Allerdings entwickelte sich die kirchliche Organisation anders als im übrigen deutschen Raum. Hier kam es zu keiner Gründung von Bischofssitzen, ein Zustand, der abgesehen von einigen Kleinbistümern, bis zur Reform Kaiser Josephs II. aufrecht blieb. Den Südosten teilten sich Salzburg und Passau, wobei Passau unser Gebiet zugewiesen erhielt. Diese Bischofssitze bedienten sich in ihren ausgedehnten Sprengeln der Institution der Chorbischöfe. Hinsichtlich der Pfarrorganisation des 9. Jahrhunderts ist man auf Vermutungen angewiesen.

Es entstanden eine Reihe von Großpfarren, auch Urpfarren genannt, die zugleich auch politische Zentren wurden. An einer solchen Pfarre wirkten jeweils mehrere Priester, die vornehmlich als Missionare von ihren Klöstern ausgesandt waren. Eine solche Großpfarre war auch Abbatestetin. Südlich reichte sie bis Lengbach (Neulengbach) und hatte wahrscheinlich Kapellen in Anzbach, Lengbach, Johannesberg und Asperhofen. Wodka und Wolf vermuten eine östliche Ausdehnung bis zur späteren Großpfarre Wien. Josef Koller / Franz Zarl versuchen dies für die Pfarren Ollern, Ried, Gablitz und Tulbing nachzuweisen.

Anmerkung Marktgemeinde, Andreas Bohnec, 31.5.2024:
 Eine Internet-Recherche zu Wodka/Wolf ergab keinen Treffer.
 Zu Koller / Zarl: Ollern, Orts- und Häuserchronik, 1983, Josef Koller. Seiten 25-26: Die karolingische Großpfarre Abbatestetin;
 Im Quellennachweis (Josef Pilsinger) wird als Quelle erwähnt: Dr. Zarl, Urpfarre Abstetten. Es dürfte sich ebenfalls um ein privates Manuskript des ehemaligen Pfarrers von Ollern handeln, welches heute nicht mehr zur Verfügung steht.

 

Daß diese Großpfarren eine intensive Seelsorge nicht förderten, liegt auf der Hand. Sie wurden später in Kleinpfarren aufgespalten, die von Grundherren errichteten Kapellen und Gotteshäuser wurden zu Pfarrkirchen erhoben.

Die Unterbrechung der Kolonisation 907 – 955

Solange Karls Reich einig und mächtig war, herrschte Ruhe und Ordnung. Lokale Aufstände wurden rasch niedergeschlagen. Anders wurde die Situation als sich Karls Enkel gegen den Vater, Ludwig den Frommen, empörten. Die benachbarten Mährer erhoben sich. Die Kämpfe fanden auch unter Ludwig dem Deutschen, der seinen Sohn Karlmann mit der Verwaltung der Ostgebiete betraute, kein Ende. Beteiligt waren die Grenzgrafen. So beeinflußte die Wilhelm-Engelschalk-Sippe im guten, aber auch im bösen Sinn diesen Grenzabschnitt. 893 wurde der letzte der Sippe gestürzt.

Als im Jahre 881 die Franken und Bayern in der Nähe von Wien zum ersten Mal Reiterscharen abzuwehren hatten, die den Awaren von einst in Sitten und Aussehen so ähnlich waren, ahnte niemand, daß sich der Gang der Geschichte wiederholen würde, dabei die karolingische Ostmark wieder verloren gehen würde. Die Bayern unterschätzten die Gefahr, die von diesen ungarischen Reiterscharen drohte. Als ernste Bedrohung erkannte man die Ungarn als diese 906 die Mährer besiegten und deren Staat wie ein Kartenhaus zusammenbrach. Im Frühjahr des Jahres 906 zog ein bayrischer Herrbann gegen die Ungarn, um die Ostgrenze endgültig zu sichern. Im Juli 907 erlitt dieser bei Preßburg eine vernichtende Niederlage. Ein Großteil des bayrischen Adels fiel.

Das Schicksal Niederösterreichs war für das nächste halbe Jahrhundert entschieden. Die Reichsgrenze wurde an die Enns zurückgenommen, das Vorland kampflos preisgegeben.

Welche Folgen hatte dieser Ungarnvorstoß für die Bevölkerung? Keinesfalls kann von einer Unterbrechung der Besiedlung die Rede sein. Vielleicht mag der eine oder andere sogar mit Schadenfreude den Untergang der Mächtigen begrüßt haben. Auch unter den Ungarn ließ es sich leben, wenn auch die Magyaren die Bevölkerung bei den Zügen nach dem Westen zur Ernährung der Kriegerscharen ausnützten.

Solche Züge haben die Ungarn nach der siegreichen Schlacht bei Preßburg fast alljährlich unternommen. In ihren Raubzügen drangen sie bis nach Bayern und Schwaben vor, überfielen Thüringen und Sachsen, selbst nach Italien und Frankreich erstreckten sich ihre Züge. Lange Zeit waren die deutschen Stämme den schnellen, mit ihren Pferden verwachsenen, Pfeil und Bogen meisterhaft handhabenden Ungarn nicht gewachsen gewesen.

915 schloß Herzog Arnulf von Bayern mit den Ungarn ein Abkommen, worin sich die Ungarn gegen Zahlung eines Tributs verpflichteten, sein Land zu verschonen. Für die in Niederösterreich lebenden Bayern war dieses Bündnis sicher von Vorteil. Derselbe Arnulf bekam aber auch von manchen Geschichtsschreibern den Beinamen „der Böse“, nicht zuletzt deshalb, weil er einen großen Teil der bayrischen Klöster säkularisierte oder den Bischöfen als Eigenkloster übergab. Hierin liegt auch die für Abstetten bedeutsamste Veränderung! 975 findet eine scheinbar schon früher vollzogene Tatsache ihre Beurkundung: Kaiser Otto II. bestätigt dem Passauer Bischof Pilgrim den Besitz von Kremsmünster als bischöfliches Eigenkloster.

Anmerkung Marktgemeinde, Andreas Bohnec, 22.6.2025:
Für das Verzeichnis der Orte und Namen wurde am 22.6.2025 nach Querverweisen zu anderen Stellen im Alphabet gesucht. Aus Interesse wurde nach Sieghardinger im Internet gesucht. Ein Wikipedia Eintrag ergab zwei Erkenntisse: Pilgrim, Bischof von Passau (971-991) wird als wichtiger Sieghardinger in geistlichen Ämtern genannt.
Ratold I. (+ 919) wird als Graf von Ebersberg, seine Nachfahren als Grafen von Ebersberg angegeben.

 

Während der Ungarnzeit dürfte auch die ehemalige karolingische Grafschaft weiterhin als Verwaltungseinheit bestanden haben, allerdings losgelöst vom Zusammenhang mit Bayern und unter der Herrschaft eines Grafen, der ungarischer Vasall war.

Auch Pfarren und Klöster dürften ihren Besitz weiter behalten haben. Wenn Bischof Drakulf von Freising im Jahre 928 auf einer Fahrt im Donaustrudel von Grein ertrunken ist, könnte dies anläßlich eines Besuches der Freisinger Besitzungen gewesen sein. Die Magyaren waren zu dieser Zeit auch nicht mehr durchwegs Heiden. Bis in die höchsten Schichten hatte das Christentum, allerdings von Byzanz her, bei den Ungarn Verbreitung gefunden. Auch die Bewohner Abstettens dürften unter der Schirmherrschaft der Pfarre ein zwar ständig bedrohtes Leben geführt haben.

[…]

Die Schlacht auf dem Lechfeld – am Laurentiustag (10. August) 955

Im Sommer des Jahres 955 fielen die Ungarn mit einem gewaltigen Heer, weit größer als die bisherigen, unter Führung von Bulcsu und Lel in Süddeutschland ein. Sie hatten den Zeitpunkt günstig gewählt. Herzog Heinrich lag todkrank zu Regensburg darnieder. Sie trafen auch vorerst auf wenig Widerstand. Erst vor den Mauern des festen Augsburg, das Bischof Ulrich mit seinen Getreuen verteidigte, fanden die Ungarn das erste Hindernis. König Otto hatte das Reichsherr aufgeboten und bei Ulm gesammelt. Als die Magyaren vom Herannahen der Deutschen erfuhren, brachen sie die Belagerung von Augsburg ab und zogen ihnen entgegen. Am 10. August, dem Laurentiustag, trafen die Heere auf dem Lechfeld aufeinander. Ottos Heer errang einen glänzenden Sieg. Der Sage nach sollen nur sieben Ungarn die Heimat wiedergesehen haben. Die beiden Feldherren Bulcsu und Lel wurden gefangen und in Regensburg zum Tod verurteilt.

Der Sieg über die Ungarn auf dem Lechfeld hatte für die Mark im Osten die größte Bedeutung. Die Ungarn räumten die ehemalige karolingische Grafschaft kampflos bis zu den Hängen des Wienerwaldes.

Das Land wird aufgeteilt – die Grundherrschaften

An eben diesen Hängen errichtete man in Dankbarer Erinnerung der Befreiung im 13. Jahrhundert die Filialkirche von Markersdorf. Neben Scheiblingkirchen und Petronell zählt sie zu den drei noch gut erhaltenen Rundkirchen in Niederösterreich. Diese Kirche ist dem heiligen Laurentius geweiht. An seinem Feiertag wurde die siegreiche Schlacht auf dem Lechfeld geschlagen.

962 wurde der deutsche König in Rom zum Kaiser gekrönt. Es folgte eine großzügige Ostpolitik. Im Südosten wurden zwei Marken eingerichtet, die „bairische Mark“, auch „Ostmark“ genannt und die Kärntner Mark „Steiermark“. Über die bairische Mark gebietet um 970 ein Markgraf Burkhard, seit 976, nach der Niederwerfung eines Aufstandes des bayrischen und böhmischen Herzogs gegen Otto II., ein Markgraf Luitpold, der Ahnherr der österreichischen Babenberger.

Diese ottonische Mark ist etwas grundsätzlich anderes als die von Karl dem Großen eingerichtete karolingische Mark. Diese war ohne geschlossene Grenzen als ein Vorfeld des Reiches eingerichtet gewesen. Die ottonischen Marken wurden von vornherein auf Verteidigung eingestellt. Feste Grenzen legten das Gebiet fest. Nur in kleineren Vorstößen konnten die Grenzen allmählich vorgeschoben werden.

Anders als Karl der Große mit den Awaren verfahren war, zielte die neue Politik nicht auf die Vernichtung der Magyaren, obwohl es in den nächsten Jahrzenten nicht an kriegerischen Auseinandersetzungen mit ihnen gefehlt hat. Die Magyaren blieben die östlichen Nachbarn, der bayrische Charakter der niederösterreichischen Bevölkerung wurde immer mehr festgelegt.

Während der ungarischen Oberhoheit der Jahre 907 – 955 konnten die alten Rechte gewahrt werden. Die Besitztitel der Karolingerzeit wurden sofort wieder aufgenommen.

So finden sich ganz am Anfang die Besitzbestätigungen für die Hochstifte Passau aus den Jahren 972 und 976, für Salzburg aus dem Jahre 977. Gegenüber der Karolingerzeit ging Salzburgs Einfluß in diesem Lande jedoch zurück.

In der Urkunde aus 977 wurden Salzburg die Besitzungen zu Melk, Traismauer, Hollenburg an der Ybbs, in der Wachau und im Dunkelsteinerwald bestätigt. Daß sich Salzburg um eine Gebietsausweitung bemühte, zeigt eine Urkunde die für unser Gebiet von größter Wichtigkeit ist:

Aus der Zeit zwischen 991 – 1023 tauscht Salzburg mit einem Hochadeligen namens „P.“ (der Name ist in der Urkunde nicht ausgeschrieben) Güter in den Orten Reidling und Preuwitz, dabei auch eine Furt und eine Fischweide und erhält dafür ein Gut zu Dietersdorf. Mitscha – Märheim macht glaubwürdig, daß in jenem „P.“ Perthold, ein Angehöriger des später so genannten Geschlechtes der Grafen von Formbach vorliegt.

Anmerkung Marktgemeinde, Andreas Bohnec, 31.5.2024:
An dieser Stelle ist doch eine Quellenangabe vorhanden: Karl Lechner, Der Tullner Bezirk in der Babenbergerzeit, Heimatkalender des Bezirkes Tulln, 1954, 37 + Anm.

Laut eine Originalausgabe in Privatbesitz bezieht sich diese Quellenangabe auf den obigen Absatz (Salzburg – Dietersdorf). Die Anmerkung im Heimatkalender lautet:  „5. Salzburger Urk.-Buch I, S. 195 f, Nr. 13; der hier als Zeuge genannte Sizo deutet wohl auf Sitzenberg! Für die Deutung des P(erthold) vgl. auch H. Mitscha-Märheim, Jahrb. f. Landesk. v. NÖ. 1944/48, S. 437 f.

Hier gelangen Sie zur Online-Ausgabe Jahrbuch für Landeskunde von NÖ (Homepage Land NÖ), Ausgabe N.F. 29.1944/48.
Die Seite 437 finden Sie im PDF auf Seite 489.

 

Nach der Gründungsurkunde aus 985 – 991 mit der erstmaligen Erwähnung Abstettens haben wir es also hier mit der nur wenige Jahre später abgefaßten zweitältesten Urkunde des Abstettner Gemeindegebietes zu tun.

Das Passau in besonderer Weise gefördert wurde, geht aus der Urkunde von 985 bis 991 hervor. Diese ist nicht nur bedeutsam durch die Aufzählung und Umschreibung des passauischen Gebietes. Ihr Hauptinhalt bestimmt, daß die Leute auf den passauischen Besitzungen von jeder Zwangsgewalt (districtio) des Markgrafen in Bezug auf bestimmte Leistungen frei sein sollten. Im Jahre 985 gewährte der fünfjährige König Otto III. unter der Regentschaft seiner Mutter Theophanu den von Passau in die Ostmark geschickten Ansiedlern die Befreiung von Leistungen an den königlichen Fiskus. Sie sollten nun einzig vom Vogt der Passauer Kirche eingehoben werden. […]

Seite 29:
Unruhige Zeiten

Gemeiniglich bezeichnet man das Jahr 1000 als Abschluß der Epoche der schnellen Eroberungen im Anschluß an die Lechfeldschlacht. Doch noch lange nicht war eine Zeit des Friedens für die Bewohner herangekommen. Ein Blick auf die Landkarte verdeutlicht dies. Noch 1014 lag die Grenze gegen Mähren an der Wagramstufe bei Stockerau. Wie sehr man diese Nachbarschaft als Bedrohung empfand, zeigt die Ermordung des irischen Pilgers Koloman im Jahre 1012 in Stockerau. Die Mörder hatten ihn für einen Spion gehalten. Als sich an seinem Grab Wunder ereigneten, wurde der Leichnam vom Markgraf Heinrich in Melk bestattet. Doch nicht nur von den Mähren drohte Unruhe und Krieg. Immer wieder Angriffe aus Ungarn. Am schlimmsten traf die Bevölkerung der Einfall des ungarischen Königs Aba im Februar 1042. Die Ungarn drangen in zwei großen Heerhaufen zu beiden Seiten der Donau gegen Westen vor. Während der Heerzug nördlich der Donau im Marchfeld vernichtend geschlagen wurde, verwüstete der südliche das Land. Sie übernachteten bei der Stadt Tulln und kehrten in Triumpf in ihre Heimat zurück. Erst ein Jahr später konnte Frieden geschlossen werden. Der Ostmark wurde gegen Ungarn eine kleine Mark, die „ungarische“ vorgelagert, ebenso wurde gegen Norden die „böhmische Mark“ eingerichtet. Abstetten und seine Bewohner waren bei kriegerischen Auseinandersetzungen unmittelbar betroffen. Lag doch der Ort an einer der großen Aufmarschstraßen des Landes, dem sogenannten „Pleketenweg“ und seiner Fortsetzung der „ungarischen Straße“. Dieser Heerweg führte von der Traisen kommend über Atzenbrugg – Mitterndorf, wo die Perschling übersetzt wurde, weiters über Abstetten und Sieghartskirchen nach Ried, von dort über die Fluren „Hochstraße“ und „Hohenwart“ nach Tulln, über die alte „Urfahr“ nach Trübensee und schließlich auf dem nördlichen Donauwagram gegen das Marchfeld zu. Diesen Weg zogen immer die deutschen Könige. 1095 passierte auf diesem Weg die erste Welle der Kreuzfahrer Österreich. Für die Bevölkerung war ein solcher Heerzug aber nicht eine willkommene Unterbrechung ihrer Arbeit, ein „Schauspiel“, dem man seine Bewunderung zollte. Denn der Troß mußte versorgt werden. Oft wurde die Verpflegung nicht mit barer Münze bezahlt. Raub und Plünderung ließen die Menschen viel erdulden.

Veröffentlicht am 15.8.2025

D 18   1994, Beiträge zu einer Ortskunde von Kogl und Penzing, Verschönerungsverein Kogl

Genehmigung zur Veröffentlichung vom 27.9.2023.

Seite 6:

2. Das Dorf Kogl
Kogl hat seinen Namen von dem langgestreckten Bergrücken, an dessen Westabhang der mittlere, das ist der ältere Teil des Dorfes, liegt. Dieser Bergrücken hat die Form eines Kogels, also eines kegelförmigen Berges mit abgerundetem Gipfel. […]

Seite 11:

2. Melker Sand
[…] Es ist dies ein fast reiner Quarzsand, weiß gelblich oder braun, der durch Druck vielfach zu mäßig hartem Gestein gepreßt wurde. Melker sand findet sich zwischen dem Schloßberg und dem Nordwestabhang des Frauenberges vom rechten Ufer des Baches gegen die Baumstatt zu und bei Hagenau. […]

3.Buchbergkonglomerat
[…] Er ist sehr fest und nur mit Mühe mit der Spitzhacke abzubauen. Aus Buchbergkonglomerat ist der Schloßberg aufgebaut. […]

Seiten 21 bis 22:

Unser Bauer in der Zeit von 1700 bis heute
[…] Nach einem Situationsplan des Geometers Hainz aus Neulengbach – ohne Datum, sicherlich aber nach 1848 erstellt – zählen zu den Urhäusern in Kogl die Häuser Nr. 1, 2, 3, 4, 6, 7, 9, 10, 13, 16, 19, 21, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 30, 31, 32, also im ganzen 23 [= Urhäuser]. Die aus der Reihe fehlenden Nummern waren keine reinen landwirtschaftlichen Betriebe und daher nicht nutzungsberechtigt. […]
 [Siehe Online-Landkarte Haus- und Hofkarte hier im Register A 1.]

[…] Ende der Vierziger – anfangs der Fünfzigerjahre des vorigen Jahrhunderts erfolgen die Aufteilung und Urbarmachung der Flur „Schloßberg“. Das ganze Gelände diente damals als Viehweide, vorwiegend als Schafweide. Auf Antrag des damaligen Besitzers der Ertlmühle, Johann Gutscher, und mit seiner Unterstützung wurden 40 Joch davon auf die einzelnen anteilberechigten Bauern, auf die Urhäuser, durch den damaligen Bürgermeister Georg Hochrieder aufgeteilt und weitere 40 Joch aufgeforstet. Der Wald und das restliche nicht aufgeteilte Land sind in Gemeindebesitz übergegangen und bestehen als Allgemeingut im alten Sinne nicht mehr. (Quelle: Gutscher, Überlieferung) […]
 [Abschrift siehe im Register C 15.]

Seiten 34 bis35:

Von der Völkerwanderung bis zur Gründung der karolingischen Mark 375 – 803
Die Völkerwanderung brachte die Westgoten, die durch die Hunnen in Bewegung gesetzt worden waren, und nach den Hunnen Ostgoten, Rugier, Langobaren und Heruler in unser Heimatland. Nach diesen Volksstämmen stießen, wieder aus dem Osten kommend, Schwärme der Awaren durch den Wiener Wald ins Tullner Feld und ins Alpenvorland vor (568). Der Donau und den Römerstraßen folgend, drängen sie weiter nach Westen bis an die Enns. Fast gleichzeitig waren Südslawen (Slowenen, Wenden oder Winden) in langsamem Vordringen über den Semmering ins Wiener Becken, in den Wiener Wald und in die Ebene an der Donau eingewandert. Der Vormarsch ins westliche Niederösterreich und nach Oberösterreich ging über den Pyhrnpaß. In Niederösterreich besiedelten sie vorwiegend altes Kulturland an den Ufern der rechten Donauzuflüsse. Die ackerbautreibenden Slawen wurden den fast nur von Raub lebenden Awaren untertan und sorgten für deren Lebensunterhalt. Die Awaren trafen bei ihrem Einbruch noch Reste der durchgezogenen germanischen Stämme, die sich seßhaft gemacht hatten, und Reste der romanischen Bevölkerung an. Durch Eingliederung Bayerns in den Machtbereich des Frankenkönigs Karls des Großen werden sie seine gefährlichen Nachbarn. Im Jahr 791 zieht er mit zwei Heeren entlang den beiden Donauufern ihnen entgegen. Er nimmt ihre Befestigungen und drängt sie im ersten Ansturm bis an die Raab zurück. Die Slawen unterwerfen sich willig den Siegern und gehen nach und nach im deutschen Volke auf. Das erkämpfte Gebiet wird Grenzland des Frankenreiches, eine „Mark“ (803). Die spätere Geschichtsschreibung bezeichnet diese als karolingische Ost-Mark.

Besiedelt und urbar gemacht wird vor allem das Gebiet südlich der Donau von der Enns bis zum Wiener Wald, also das heute V.O.W.W. [Anmerkung Marktgemeinde, Andreas Bohnec, 21.6.2024 Viertel ober dem Wienerwald.] Gegen Osten wird die Besiedlung immer dünner. Die Kolonisation geht von Bayern aus. Karl der Große teilt das gewonnene Land an bayrische Hochstifte (Bistümer), Abteien (Klöster) und Grundherrschaften auf, und diese geben von ihrem neuerworbenen Besitz Teile weiter an Vollfreie und Hintersassen. Die kirchliche Betreuung übernimmt Passau. (Quelle: Schachinger – Der Wienerwald)

(Das Stift Baumburg bei Trostberg in Oberbayern übte bis 1803 das Patronatsrecht über die Pfarre Sieghartskirchen aus. Damit erklärt sich, daß 1753 Baumburg auf seine Kosten den Pfarrhof in Kogl erbauen ließ und das Versprechen gab, für diesen Ort einen eigenen Priester zu bestellen.

Kogl war damals der Pfarre Sieghartskirchen einverleibt). (Quelle: Heimatkalender des Bezirkes Tulln 1954)

In der karolingischen Kolonisationsperiode verlegt die neueste Sprach- und Geschichtsforschung die Enstehung der sogenannten echten deutschen „ing“-Orte, das sind Orte, deren Namen auf die Silbe „ing“ enden. In unserer Gegend sind sie besonders häufig. Es seien nur Penzing, Starzing, Oepping, Paisling, Kracking und Henzing genannt. Die meisten von ihnen leiten ihren Namen von Personennamen ab, bezeichnen also den Ort, wo die Leute des Namensträgers hausen. Der Name Penzing ist im Abschnitt „Ortsbeschreibung“ gedeutet. Nicht zu verwechseln mit den Siedlungen, die echte deutsche „ing“-Namen führen, sind die Orte slawischer Gründung, deren „ing“-Endung eine Verdeutschung der ursprünglichen slawischen Endung ist, wie z. B. Perschling, Döbling, Mödling.

Unsere Heimat ist altes Siedlungsgebiet.

(Quellen: Schachinger – Der Wienerwald / Heimatkalender des Bezirkes Tulln 1954 / Dr. K. Lechner – Der Tullner Bezirk zur Babenbergerzeit)

Einbruch der Ungarn
Kaum hundert Jahre konnten die Kolonisten in unserer Heimat ihrer erfolgreichen Kulturarbeit nachgehen, da brach aus dem Osten um die Wende des 9. zum 10. Jahrhunderts wieder ein Feind herein, die Ungarn (Magyaren). Von Pannonien aus, wo sie sich niedergelassen hatten, unternahmen sie ihre verheerenden Streifzüge. Um die Gefahr auszuschalten, zog der bayrische Heerbann zu einem Offensivstoß dem Feind entgegen. Bei Preßburg kam es zum Kampf. Der Bayrische Heerbann erlitt eine totale Niederlage und wurde fast aufgerieben. Nun war den Ungarn der Weg in die karolingische Mark und damit in den Wiener Wald und ins Tullner Feld offen. Viele Bewohner – Deutsche und Slawen – flüchteten, viele kamen ums Leben, und die anderen blieben und unterwarfen sich den Eroberern. Sie leisteten ihren Tribut und setzten ihre Kulturarbeit fort. Fast ein halbes Jahrhundert lastete die Herrschaft der Ungarn auf der Bevölkerung. Die Schlacht auf dem Lechfeld – 955 – brachte die Wende. Die Ungarn wurden vernichtend geschlagen und im Laufe der nächsten Jahre weiter nach Osten gedrängt.

976 wurde Leopold aus dem Geschlechte der Babenberger mit der Ostmark – so wurde die zurückeroberte karolingische Mark genannt – belehnt. Ihm gelang es, den Feind bis zum Wiener Wald zurückzudrängen. Um diese Zeit war also unsere engere Heimat Grenzgebiet.

(Aus der Babenbergerzeit findet sich nur eine einzige Nennung des Ortes Kogl. Siehe weiter den Aufsatz „Die ehemalige Burg Kogl“.)

Quellen: Heimatkalender des Bezirkes Tulln.

Veröffentlicht am 15.8.2025

D 19   1994, Landeschronik NÖ, 2. aktualisierte Auflage

Landeschronik Niederösterreich
Herausgegeben von Univ.-Prof. Dr. Karl Gutkas
2. Aktualisierte Auflage 1994
Verlag: Christian Brandstätter Verlag GmbH & Co KG, Wickenburgergasse 26, 1080 Wien

Ein teilweiser Scann aus Privatbesitz ist im Gemeindearchiv vorhanden.

* Scann einer Karte der Viertel von NÖ in Farbe. 400 dpi, siehe im Register 01 Karten, Nummer 24_Landeschronik, Abbildungen 1 und 2.

* Die Goten – Attilas Tod 453, Goten und Gepiden empörten sich, besiegten 455 die Hunnen, weströmisches Reich nimmt Pannonien in Besitz, Bündnis mit den Goten. Sie waren die Herren in Pannonien 455 – 471. Der Stamm löste sich auf.

* Die Heruler – um das Jahr 500 in Niederösterreich, 508 von den Langobarden besiegt.

* Die Langobarden – 505 überqueren sie die Donau, nehmen das heutige Tullnerfeld in Besitz, um 530 Höhepunkt der Macht, den Gepiden nicht gewachsen – daher Bündnis mit den Awaren 567, Awaren besiegen für die Langobarden die Gepiden – da erkenne die Langobarden, dass die Awaren ihnen in der Kampftechnik überlegen sind und ziehen nach Italien.

* Die Awaren – Stamm mongolischer Herkunft, erste Hälfte des 6. Jahrhunderts aus Turkestan in den Westen, bis zum byzantinischen und Frankenreich, 250 Jahre Herrschaft über Pannonien und zweitweise über große Teile Niederösterreichs;
 Noch bevor die Awaren im Jahre 626 vor Konstantinopel eine schwere Niederlage erlitten, erhoben sich slawische Stämme und errichteten ein Reich, über das der Franke Samo herrschte. Nach dessen Tod wurde zwar die Herrschaft der Awaren erneuert, sie erreichten aber ihre frühere Macht nicht mehr. Um 700 machten die Awaren wieder einen Vorstoß bis zur Enns und zerstörten Lorch. Im Laufe des 8. Jahrhunderts gehörten das Viertel unter dem Wienerwald und das Weinviertel zum awarischen Herrschaftsbereich, das Viertel ober dem Wienerwald scheint von den Bayern besetzt gewesen zu sein. Mit den Bayern bestanden zu dieser Zeit gute Kontakte. Als Herzog Tassilo III. von den Franken bedrängt wurde, kamen ihm die Awaren zu Hilfe und machten die Enns wieder zur Grenze ihres Reiches. Dies war für Karl den Großen der Anlaß, gegen dieses Volk vorzugehen. In mehreren Feldzügen wurde das Reich der Awaren vernichtet, der Rest des Volkes wurde im nördlichen Burgenland angesiedelt, wo es in den ersten Jahren des 9. Jahrhunderts einer Seuche zum Opfer fiel.

* Die Slawen: Als die Langobarden aus Niederösterreich abzogen, machten sie den Slawen Platz, die sich unter awarischer Oberherrschaft ausbreiteten und viele Siedlungen errichteten. Vom Süden und Osten kamen südslawische Stämme in die Alpentäler und ins Alpenvorland, aus Böhmen und Mähren nordslawische Stämme ins Waldviertel. An der Donau trafen beide Gruppen einander. Viele Fluß- und Ortsnamen erinnern an ihre Siedlungstätigkeit im 8. und 9. Jahrhundert. Die Slawen unternahmen 626 einen Aufstand gegen die Awaren, der zur Gründung eines Reiches führte, zu dem auch Teile Niederösterreichs gehörten. Es stand unter der Führung des fränkischen Adeligen Samo. Die westliche Grenze dürfte der Melkfluß gewesen sein. Nach dem Tode Samos im Jahre 658 zerfiel das Reich. Teile Niederösterreichs wurden wieder von den Awaren beherrscht, im Westen waren aber die Bayern mächtig geworden und entfalteten auch in der Karolingerzeit einen erheblichen Anteil an der Bevölkerung des Landes, nahmen das Christentum an und gingen in der frühen Babenbergerzeit während der verstärkten bayerischen Siedlungstätigkeit in dem neuen Volk auf. Regionale Herrschaftsbereiche lassen sich bis ins 10. Jahrhundert nachweisen, in vereinzelten Alpentälern noch länger.

* Die Bajuwaren: Während um 530 im östlichen Niederösterreich die Langobarden herrschten, bildete sich im oberen Donaugebiet der Stamm der „Männer aus Baja“, die Bajuwarii oder Bayern. Reste von Rugiern, Skiren, Sueben und Markomannen, aber auch provinzilrömischer Bevölkerung waren mit Westgermanen zu einem neuen großen Stramm verschmolzen. Um die Mitte des 6. Jahrhunderts standen sie unter langobardischem Einfluß, dann gerieten sie in Abhängigkeit von den Franken. 

Bayerische Siedlungen gab es in größerer Dichte im Gebiet der Traun, östlich der Enns können aus der Frühzeit nur wenige Siedlungen archäologisch nachgewiesen werden. Ortsnamen bezeugen aber auch hier größere Siedlungstätigkeit in Kleinweilern und lockeren Haufendörfern. Die Bayern übernahmen aber auch städtische Lebensformen von der Vorbevölkerung, auch den römischen Bischofsitz Lorch.

Die Führung des Stammes hatten die Agilolfinger inne, die vermutlich von den Franken eingesetzt waren. Um 760 scheine sie das Viertel ob dem Wienerwald beherrscht zu haben und erhielten 763 in einem Abkommen für die Kirche auch Missionsmöglichkeiten in Pannonien zugestanden. Zu dieser Zeit entstand in St. Pölten das erste Kloster auf niederösterreichischem Boden, das von den Adeligen Autkar (Ottokar) und Adalbert begründet und mit Benediktinern aus Tegernsee besiedelt wurde. Die Bayern waren bereits im 6. Jahrhundert christianisiert worden. Als Bonifatius die bayerische Kirchenorganisation aufbaute, erhielt das Bistum Passau das Donautal zugesprochen. Als sich der bayerische Herzog Tassilo III. aus der fränkischen Oberhoheit lösen wollte, wurde er 788 von Karl dem Großen abgesetzt und in ein Kloster verbannt. Das von ihm 777 gegründete Kloster Kremsmünster, das auch mit Gütern im zentralen Niederösterreich bestiftet worden war, hielt die Erinnerung an ihn aufrecht. Auch unter fränkischer Herrschaft war der Bayernstamm für die spätere Geschichte Niederösterreichs maßgebend.

Kalender
791
Die Enns gilt als „Limes certus“ zum Awarenland. Der Feldzug der Franken und Bayern gegen die Awaren endet ergebnislos bei Raab. In diesem Jahr wird „Omuntesdorf“, wahrscheinlich die Martinskirche von Klosterneuburg, genannt.
795 Die Awarenringe im Zentrum Pannoniens (Ungarns) werden von den Franken erobert, das Awarenreich wird zerstört.
799 Bischof Waltrich von Passau übergibt Graf Gerold die Martinskirche in Linz. Ausgestellt ist die Urkunde in Traisma (St. Pölten).
25.12.800 Kaiserkrönung Karl des Großen in Rom.
803 Errichtung der „Awarischen“ oder „Karolingischen“ Mark.
805 Die im östlichen Niederösterreich angesiedelten Awaren werden durch eine Seuche dezimiert.
823 und 830 Die Wachau und der Grunzwitigau (östlich des Dunkelsteiner Waldes) werden erstmals genannt.
22.3.828 Ludwig der Fromme übergibt dem Kloster Kremsmünster den Grunzwitigau und einen Grund bei Flinsbach.
5.1.831 Medilica (Melk) wird urkundlich genannt.
832 Die Herilungsoburg (Pöchlarn) im ehemaligen Awarenland wird urkundlich genannt.
833 Der Slawenfürst Priwina wird in Traismauer getauft.
843 Im Vertrag von Verdun wird das Donaugebiet ein Teil des Ostfränkischen Reiches.
840-866 Unter Bischof Hartwig von Passau kommt das Kloster Traisma (St. Pölten) an das Bistum Passau.
846 Der Slawenfürst Moimir, der über Mähren herrschte, wird von Ludwig dem Deutschen abgesetzt.
854 Graf Ratbod, Präfekt der Grenzmark, verrät die Franken an die Mährer.
856 Markgraf Ratbod wird wegen Verrates abgesetzt. Vielleicht ist nach ihm der Ort Radlberg benannt.
20.11.860 König Ludwig der Deutsche bestätigt dem Erzbischof Adalwin von Passau den Besitz der Orte Loiben, Arnsdorf, Hollenburg und Traismauer.
um 864 Von St. Pölten aus wird eine Hippolytzelle bei Znaim (Pöltenberg = „Hradiste Svateho Hypolita“) gegründet.
864/65 Erzbischof Adalwin von Salzburg weilt zu Weihnachten bei Fürst Kozel in der Moosburg am Plattensee. Bei der Rückreise weiht er am 1. Jänner die Michaelskirche in Orth, am 13. Jänner die Kirche in Hadersdorf und am 14. Jänner die Margarethenkirche zu Spitz.
864 Der Mährenfürst Rastislav ruft die Slawenapostel Konstantin (später Kyrill genannt) und Method in sein Reich. Sie schaffen eine slawische Nationalkirche.
865/70 Die Grafen Wilhelm und Engelschalk werden als „Duces Karlmani“ des Karolingers Karlmann, Sohn Ludwigs des Deutschen, genannt.
869 In Baden (Padun) wird eine karolingische Pfalz genannt.
870 Die fränkisch-bayerischen Archipresbyter werden aus dem Großmährischen Reich ausgewiesen. Sie wirkten dort seit 863.
871 Die beiden Grenzgrafen Wilhelm und Engelschalk fallen im Kampf gegen den Mährerfürsten Swatopluk, den Nachfolger Rastislaws, der sich gegen die fränkische Oberhoheit erhebt.
876 Nach dem Tode König Ludwigs des Deutschen wird Karlmann sein Nachfolger in Bayern, dann dessen Sohn Arnulf. Markgraf im Grenzbereich wird Aribo.
881 In der Gegend von Wien treten erstmals Ungarn auf. Es kommt dort zum Kampf gegen die Ungarn „ad Weniam“ (bei Wien).
882 Konflikt zwischen Markgraf Aribo und den Nachfolgern der 871 gefallenen Grenzgrafen Wilhelm und Engelschalks. Swatopluk von Mähren greift auf Seite Aribos ein. Die Franken verlieren das Land östlich des Wienerwaldes an Fürst Swatopluk.
884 König Karl III. trifft bei Tulln mit dem Mährerfürsten Swatopluk zusammen.
887 Arnulf von Kärnten wird nach der Abdankung seines Onkels Karl III. des Dicken König des Ostfränkischen Reiches und regiert bis 899.
888 Die Adeligen Witigovo und sein Sohn Heimo errichten eine Burg im unteren Traisental.
889 Die Ungarn ziehen in verstärktem Maße nach Pannonien und beginnen das Awarenland zu besetzen.
892 König Arnulf sendet auf der Donau Boten an den Bulgarenkhan.
894 Nach dem Tod Swatopluks rascher Niedergang des Großmährischen Reiches.
897 Der Sage nach Einwanderung der Ungarn in die ungarische Tiefebene.
899 König Arnulf (seit 896 Kaiser) fährt auf dem Schiff nach Mautern, um den unbotmäßigen Isangrin zu belagern. Er stirbt in Regensburg.
903-906 Zu Raffelstetten an der Donau wird eine Zollordnung erlassen. Sie nennt Märkte an der Donau bis an das Gebiet von Mautern.
904-906 Zerstörung des Großmährischen Reiches durch die Ungarn.
904 Der Ungarnfürst Chussal und seine Gefolgsleute werden bei einem Gastmahl von den Bayern ermordet.
um 907 Der Slawengraf Josef regiert im Kamptal bei Gars.
5.7.907 Die Bayern unter Markgraf Luitpold werden von den Ungarn bei Brezalauspurc (Preßburg) geschlagen. Markgraf Liutpold fällt, ebenso der Erzbischof von Salzburg. Das bedeutet das Ende der Karolingischen Mark, das Gebiet bis zur Enns fällt unter ungarische Herrschaft
nach 907 Im niederösterreichischen Donaugebiet wird eine Mark der Ungarn unter Rüdiger von Bechelarn errichtet.
913 Liutpolds Sohn, der Bayernherzog Arnulf, siegt bei Passau über die Ungarn – dies ist deren erste schwere Niederlage.
15.3.933 An der Unstrut werden die Ungarn von König Heinrich I. besiegt.
935 Der Bayernherzog Arnulf nennt sich „Herzog der Bayern und Karantanen“.
943 Herzog Berthold von Bayern siegt bei Wels im Traungau über die Ungarn.
948 Heinrich, Bruder des Königs Otto I., wird Herzog von Bayern.
10.8.955 Auf dem Lechfeld bei Augsburg werden die Ungarn von König Otto I. vernichtend geschlagen und setzen sich entdültig in der ungarischen Tiefebene fest.

* Karolingische Mark
Nach der Niederwerfung der Awaren wurde das bis dahin von ihnen beherrschte Gebiet einem Präfekten unterstellt, der das Land zwischen Enns und Wienerwald als „Bayerischen Grenzabschnitt im Osten“ einrichtete. Östlich des Wienerwaldes herrschten vorläufig awarische Teilfürsten, die von Königsboten überwacht wurden, später slawische Fürsten. Einige Präfekten fielen nach kurzer Zeit, bis es gelang, Stützpunkte zu schaffen. Bayerische Bistümer wie Salzburg, Regensburg oder Passau, aber auch Klöster und weltliche Adelige, erhielten Land zugesprochen und sollten es erschließen und besiedeln. Sie errichteten Dörfer, Kirchen und Burgen, holten Siedler ins Land und versuchten, die einheimische Bevölkerung zu integrieren. Die kirchliche Aufsicht erhielt das Bistum Passau. Der Siedlungsaufbau machte rasche Fortschritte, doch begannen ab der Mitte des 9. Jahrhunderts die Grenzkämpfe mit den benachbarten Mährern, die schließlich zu großer Unsicherheit führten. Am Beginn des 10. Jahrhunderts, als eine Zusammenkunft zu Rafelstetten bei Enns stattfand, war die Donau nur mehr bis Mautern in der Hand der Franken; kurz darauf brach ihre Herrschaft völlig zusammen.

Das Großmährische Reich
Die Slawenstämme nördlich der Thaya konnten sich seit dem frühen 8. Jahrhundert durch die Anlage weiträumiger Burgwälle vor den Awaren schützen und unabhängig werden. Gegen Ende des 8. Jahrhunderts entwickelten sie eine eigenständige Kultur. Ihr Zentralgebiet lag zur Zeit des Zusammenbruches des Awarenreiches im Bereich der Thayamündung. Ein anderer Fürstensitz bestand in Nitra in der Slowakei. Als im Jahre 833 der Mährerfürst Moimir den Fürsten Priwina aus Nitra vertrieb, suchte dieser Schutz bei den Franken und ließ sich in Traismauer taufen. Die Franken übten künftig größeren Druck auf die Mährer aus, zwangen Moimir zum Rücktritt und setzten dessen Neffen Rastislaw zum Fürsten ein. Dieser erhob sich aber bald gegen die Franken und erbat sich Missionare aus Byzanz, um die fränkisch-bayerische Kirche auszuschalten. So kamen die Slawenapostel Kyrill und Method nach Mähren. Method wurde Bischof der Mährer und erhielt in Rom die Erlaubnis, den Gottesdienst in slawischer Sprache zu halten.
Die Franken verhalfen dem Fürsten Swatopluk zur Herrschaft, doch vertrieb dieser sie aus seinem Land und dehnte sein Reich über Teile Niederösterreichs aus.
Daher mußte der bayerische Grenzabschnitt im Osten stärker befestigt werden. Dies geschah durch die Anlage von Burgen im Traisental (Herzogenburg, Wilhelmsburg). Die Kriege mit Mährern hielten an, bis mit den Ungarn eine neue Macht im Donauraum entstand, die sowohl die Frankenherrschaft in Österreich als auch das Großmährische Reich zerstörte. Ab dem Jahre 907 gehörte Niederösterreich zum Herrschaftsbereich der Magyaren.

Die Ungarn
Im Jahre 881 mußten Franken und Bayern im Wiener Becken Reiterscharen abwehren, die wie die vor hundert Jahren besiegten Awaren aussahen. Es waren dies die Ungarn oder Magyaren, die damals von der südlichen Ukraine aus Vorstöße bis nach Mitteleuropa unternahmen. Am Ende des 9. Jahrhunderts, der Sage nach 896, besetzten sie Pannonien und besiegten am 5. Juli 907 die Bayern bei Preßburg.
 Künftig gehörte Niederösterreich zu ihrem Machtbereich. Die Grafschaft zwischen Enns und Wienerwald dürfte aber unter einem von den Ungarn eingesetzten Markgrafen geblieben sein. Dies scheint der Kern des Nibelungenliedes auszusagen, in dem Rüdiger von Bechelaren eine Rolle spielt. Die Ungarn überfielen in den nächsten Jahren laufend die Nachbarländer, besiegten mehrmals bayerische Heere, wurden aber auch mehrmals geschlagen.
 Im Jahre 955 unternahmen sie einen großen Feldzug gegen Bayern und Schwaben. König Otto I. trat ihnen mit einem Reichsheer entgegen und konnte sie am 10. August 955 auf dem Lechfeld bei Augsburg so schwer schlagen, daß sie zu keinem weiteren Feldzug mehr fähig waren. In den folgenden Jahren mußten sie die Positionen in Österreich aufgeben, nahmen das Christentum an, wurden in der pannonischen Tiefebene seßhaft und gliederten sich in die Reiche der mitteleuropäischen Völker ein.

Kalender
2.2.962
Ott I. wird in Rom zum Kaiser gekrönt.
vor 971 Markgraf Burchard wird in der Mark genannt.
vor 972 In der bayerischen Grenzmark wird neuerlich Markgraf Burchard genannt, St. Michael in der Wachau liegt in seiner Marchia.
975 Der Bayernherzog Heinrich II., der Zänker, unternimmt einen Aufstand gegen Kaiser Otto II.
Vor 21.7.976 Graf Liutpold (Leopold) vom Donaugau wird mit der Mark an der Donau belehnt, nachdem Burchard abgesetzt wurde. Erstmals wird Liutpold in einer Urkunde für das Kloster Metten vom 21. Juli 976 erwähnt.
22.7.976 In einer Urkunde Ottos II. für Passau wird neben Kremsmünster und St. Florian auch „Traisma civitas monasterii sancti Ypoliti“ als Eigenkloster des Bischofs von Passau genannt.
Nach Juli 976 Markgraf Leopold I. nimmt einem Grafen Sizo die Burg Melk ab, zerstört sie und gründet an dieser Stelle ein Kanonikerstift.
14.10.979 Kaiser Otto II. schenkt dem Bischof Wolfgang von Regensburg 6 Königshufen in dem Gebiet an der großen Erlauf im Raum Wieselburg. Dort entsteht eine Burg mit oktogonalem Kirchenbau.
30.9.985 bis April 991 Auf einem Gerichtstag in Österreich wird durch den Bayernherzog Heinrich II., den Zänker, ein Weistum ausgestellt. Die Besitzrechte und Leistungen der Untertanen des Bistums Passau und von Klöstern in der Mark Leopolds I. werden festgelegt. Auch eine Reihe von Orten zwischen der Traisen und dem Wienerwald werden genannt, etwa Böheimkirchen.
um 985 Mels ist Residenz der Babenberger.
991 Die Unarn unter Fürst Geiza fallen in die Mark ein, werden aber besiegt; das Markgebiet wird auf den Wiener Raum ausgedehnt.
14.8.995 Die „orientalis urbs quae dicitur Chremisa“ (die Stadt Krems) wurde urkundlich genannt.
1.11.996 In einer Urkune Ottos III. für das Bistum Freising wird der Ort Neuhofen a. d. Ybbs als in der Mark Ostarriche gelegen bezeichnet.
um 997 Die Kirche von Wieselburg wird als Rundkirche errichtet.
29.4.998 Ostarrichi wird im Zusammenhang mit dem Ort Nöchling neuerlich urkundlich genannt.
1.11.1002 Kaiser Heinrich II. schenkt dem Babenberger Heinrich I. 20 Hufen Land zwischen Kamp und March sowie das Königsgut zwischen Dürrer Liesing und Triesting.
13.10.1014 Der Leichnam des 1012 in Stockerau ermordeten Pilgers Koloman, Sohn eines keltischen (schottischen?) Fürsten, wird durch Markgraf Heinrich I. in das Kanonikerstift Melk überführt und feierlich beigesetzt.
1014 Kaiser Heinrich II. schenkt dem Bischof Berengar von Passau Grund und Boden zur Errichtung von fünf Mutterpfarren (Herzogenburg, Krems, Tulln, Altenwörth und Jedlsee).

* Die territoriale Entwicklung
Im Laufe der Babenbergerzeit erhielt Niederösterreich seinen heutigen Umfang. In der ersten Phase, die etwa bis 991 reichte, erstreckte sich die Mark im Alpenvorland bis zum Wienerwald. Auch die Randgebiete am nördlichen Donauufer waren schon erschlossen. Eine markante Festlegung der Ostgrenze gibt eine Urkunde aus ca. 985, in der Herzog Heinrich II. von Bayern einen Rechtsanspruch zugunsten des Bistums Passau fällt. Dabei werden viele Orte zwischen Traisen und Wienerwald genannt. Der östlichste Ort der Mark dürfte damals Greifenstein gewesen sein. Im Jahre 991 konnte auch die Gegend um Wien, vielleicht sogar schon das Viertel unter dem Wienerwald in die Mark einbezogen werden. Nördlich der Donau verlief die Grenze um 1012 bei Stockerau. In der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts wurde das heutige Weinviertel ein Teil der Mark Österreich, wobei es eine Zeitlang im Pulkautal eine sogenannte Böhmische Mark und im östlichen Bereich eine Ungarische Mark gegeben hat. Diese wurden um die Mitte des 11. Jahrhunderts mit der Mark Österreich vereinigt. In der Folge begann die Erschließung des Waldviertels vom Süden und Osten her sowie die Kolonisierung der südlichen Alpentäler.

* Erstmalige Nennung Österreichs
[…] Das Bistum Freising hatte schon im 9. Jahrhundert Besitzungen in Österreich. Selbst während der Ungarnzeit wollte Bischof Drakulf 928 diese Güter besichtigen. Er ertrank während seiner Reise in der Donau. Von den sächsischen Kaisern erhielt das Bistum Freising seit 973 verschiedene Schenkungen. 995 waren es Ländereien im Gebiet von Euratsfeld, im Jahre 996 30 Hufen, d. s. etwa 1.000 Hektar, in Neuhofen an der Ybbs.

 

Die Kirche St. Ulrich in Wieselburg, ein Bauwerk der frühen Babenberger

* 976 in Regensburg Verhandlungen über die Neubesetzung der österreichischen Mark.

* Über Schenkung Ort Wieselburg an das Koster St. Emmeram gesprochen.

* 14. Oktober 979, Kaiser Otto II. schenkt den Ort Wieselburg und Gebiet – Bischof Wolfgang, wollte zum Schutz seiner Kolonisten eine Burg gegen die Ungarn errichten – Am Zusammenfluß der Großen und Kleinen Erlauf wurde dieses Kastell auf einem hohen Geländesporn mit einem Durchmesser von etwa 120 Metern errichtet. – Geschützt an zwei Seiten durch steile Uferböschung und an einer Seite durch eine Wallanlage. […]

Adelsburgen der frühen Babenbergerzeit

Holz-Erde-Bauten mit Ringwällen sind typisch für den frühmittelalterlichen Burgenbau. Im 11. Jahrhundert erscheint auch die Kunsthügelburg, die nur ein geringes Ausmaß an Wohnfläche bot, als Feudalburg eines einzelnen Adeligen. Auf einem künstlich angelegten Erdhügel lag die Hauptburg, ein kleines, meist hölzernes Haus oder ein Wohnturm. Daran gliederten sich die tiefer liegende Vorbug, der Bereich für das Gesinde, für das Gefolgte und manchmal ein Wirtschaftshof. In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts wurden in vermehrten Maße Höhenburgen gebaut, was sich auch in der Namengebung ausdrückte. Endungen auf –stein, -berg, -fels, -eck u. a. zeigen die topographische Lage der Burg an (Dürnstein, Schönberg, Lichtenfels, Scharfeneck). Im 12. Jahrhundert wurden die hölzernen Baukörper durch Steinbauten ersetzt. Ein Ersatz für Holzaufbauten ist am niederösterreichischen Beispiel der zweiteiligen Kunsthügelburg Sachsengang ersichtlilch, welche vermutlich gegen Ende des 12. Jahrhunderts anstelle ihrer Holzaufbauten eine Mauerburg erhielt.

Bis in das 13. Jahrhundert kommen in Niederösterreich noch Mischformen von Kunsthügelburg und Mauerburg vor.

[Bild: Modell des Ortes Sachsengang mit einer Burg auf einem künstlich angelegten Hügel. Jetzt steht dort die Johanneskirche von Oberhausen.] Siehe im Register 01 Karten, Nummer 24_Landeschronik, Abbildung 3.

Burgen

Burgen waren im Mittelalter die wehrhaften Häuser der adeligen Grundherren. Nach dem österreichischem Landrecht aus dem späten 13. Jahrhundert mußte zur Erbauung einer Burg „mit Umgang und Wehr“ (Ringmauer und Verteidigungswerk) die Bewilligung des Landesfürsten eingeholt werden. Es kam nicht selten vor, daß der Landesfürst Burgen, die ihm bedrohlich erschienen, brechen ließ. Die Burgen waren Wohnungen und Festungen zugleich. Daher sind ihre Bauten auf auf diese Bedürfnisse abgestimmt.

Im 14. und 15. Jahrhundert wurden die großen Burgen in mehrere Abschnitte geteilt. Zwinger und Burghöfe lagen hintereinander und waren jeweils mit eigenen Torbauten bewehrt. Wenn ein Abschnitt erobert war konnten die Verteidiger sich immer weiter und zuletzt auch in den Bergfried zurückziehen. Im Spätmittelalter trat die strategische Bedeutung der Burgen zurück. Ihre Rolle als Mittelpunkt von Grundherrschaften und als Wohnsitz der Besitzerfamilie nahm hingegen zu. Manche Burgen wurden auch unter den Söhnen eines Besitzers geteilt und beherbergten dann mehrere Familien.

Einige Burgen waren freies Eigentum des Burgherrn und konnten von diesem vererbt oder veräußert werden. Vielfach war die Burg aber Eigentum des Landesfürsten oder eines weltlichen oder geistlichen Grundherrn, der selbst nicht auf der Burg wohnte. Dann war sie als Lehen vergeben. Diese Verleihung konnte als Leibgeding bis zum Tode des Belehnten oder als Mannslehen mit dem Recht der Vererbung an den männlichen Nachkommen erfolgen. Gelegentlich war auch die weibliche Erbfolge zugelassen. Manche Burgen waren nicht verlehnt, sondern wurden von einem Pfleger oder Burggrafen als einem Beamten des Burgherrn verwaltet. Die Inhaber der Burg waren in der Regel Mitglieder des Herrenstandes und Verpflichtungen innerhalb der Landstände. Sie waren als Ministeriale dem Landesfürsten zur Leistung von Kriegsdiensten verpflichtet. Vielfach hatten sie auch die hohe Gerichtsbarkeit auszuüben. Die niedere Gerichtsbarkeit war Angelegenheit aller Grundherren. […]

Karten von Vischer siehe unter 01 Karten, 15_Vischer.

Veröffentlicht am 15.8.2025

D 20   1998, Vom Limes zum Ostwall

Manfred Rauchensteiner, Militärhistorische Schriftenreihe Heft 21

Seite 1:

Einleitung

Es wird in Europa wohl wenige Gebiete geben, in denen man eine zweitausendjährige Kontinuität von Befestigungsbauten wird nachweisen können, wie gerade im Osten Österreichs. Es spannt sich ein weiter Borgen vom Limes der Römerzeit über die Schanzen der Awaren, die karolingische Kastelle, die geypü-Linie der Ungarn, den hochmittelalterlichen Burgengürtel, die befestigten Fluchtorte der Türkenzeit und den Kuruzzenwall bis zur Reichsschutzstellung, dem sogenannten Ostwall. Meistens gaben die Bauten nur ein trügerisches Gefühl der Sicherheit und verfielen in dem Moment, da sie nicht mehr unmittelbar gebraucht wurden. Aus diesem Grund war und ist der reale Wert solcher Verteidigungsanlagen oft in Frage gestellt worden. Ihr Bau erforderte immer große Mittel und einen gewaltigen Einsatz von Menschen. Waren sie einmal fertiggestellt, dann mußten sie ausreichend besetzt werden, und das erforderte abermals den Einsatz einer unverhältnismäßig großen Zahl von Verteidigern. Und wie oft schien der ganze Aufwand sinnlos, wenn es gelang, die mit so viel Akribie errichteten Linien in kürzester Zeit zu durchbrechen. […]

Seiten 5 – 7:

Awarenhag und karolingische Mark

Anders, als lange vermutet worden ist, kam es in Ostösterreich im Zuge der Völkerwanderung nicht zu einer Verödung. Das Vakuum war eher politischer und militärischer Art. Nur der Osten der Steiermark dürfte nachhaltiger in Mitleidenschaft gezogen worden sein, dauerte es doch in den nach Osten hin offenen Tälern bis zum 12. Jahrhundert, ehe es zu einer kontinuierlichen Besiedlung kam. In das Vakuum stießen vom Westen her Baiern und aus der entgegengesetzten Richtung nord- und südslawische Stämme vor. Sie trafen im südlichen Niederösterreich und im Donautal aufeinander. Die sich beiderseits des Wienerwalds ansiedelnden Slawen waren ihrerseits Vasallen des awarischen Reichs, dessen militärische Organisation sie durchsetzen halfen. Die Awaren dürften um ihr Kernland, den „Ring“ zwischen Donau und Theiß, eine Reihe von Verteidigungszonen eingerichtet haben, deren westlichste den Raum zwischen Wienerwald und Enns erfaßte, ohne daß freilich die Ennslinie befestigt worden wäre. Hier war nur eine Pufferzone. Die erste vorbereiteten Sperren befanden sich am Hauptkamm des Wienerwaldes und ostwärts der Kampmündung.

Durch ihre Einfälle in fränkisches Gebiet kamen die Awaren schließlich in Konflikt mit dem karolingischen Reich. Und 791 unternahm Karl der Große mit einem beträchtlichen Heer einen ersten Feldzug in das Awarenland. Am 8. September brachen die Truppen von der Enns auf und zogen in zwei Herrsäulen die Donau abwärts. Das südliche Korps traf im Wienerwald auf die äußerste awarische Verteidigungslinie, die mit dem „Purgstall“ bei St. Andrä vor dem Hagentale gleichgesetzt wird. Wie eine solche awarische Stellung ausgesehen haben soll, beschrieb der Mönch von St. Gallen in seinem „Gesta Karoli“ folgendermaßen: „Der Schanzverbau wurde aus Eichen-, Buchen- und Tannenstämmen in einer Höhe und Breite von je 20 Fuß aufgebaut. Der gesamte Innenraum des Verhaues war mit den härtesten Steinen und dem zähesten Lehm ausgefüllt. Dazu war die Oberfläche der Wälle mit einer zusammenhängenden Rasenschichte bedeckt. An der Oberfläche wurden kleine Bäumchen eingepflanzt. Abgehauene Ruten gaben in den Boden gesteckt neue Zweige und Blätter.“ Was so entstanden war, das bezeichneten die Baiern als „hac“, als lebende Hecke. Zu diesem Wall kam noch ein Graben.

All das konnte natürlich nicht von heute auf morgen entstehen   4.

(H. Mitsch-Märheim (vgl. die Literatur zu diesem Kapitel) meint, daß die Awarensperre ad hoc errichtet worden sei. Das würde allerdings bedeuten, daß die Schilderung des Mönchs von St. Gallen von A bis Z erdichtet war.)

Anmerkung Marktgemeinde Andreas Bohnec, 17.6.2024:
Den Lateinischen Text finden Sie im Register D 6 (Büttner „Befestigungsanlagen im Wienerwald um die Jahrtausendwende).

Und wenn wir davon ausgehen, daß die Awaren den Hauptkamm des Wienerwaldes schon um 700 armierten  5,

(Das vermerkt R. Büttner in seinem Aufsatz im Anzeiger der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (vgl. die Literatur zu diesem Kapitel).)

dann können wir daraus schließen, daß ihnen zur Befestigung ihres äußersten Verteidigungsringes rund hundert Jahre zur Verfügung gestanden sind. Der Sperre im Bereich der alten Limesstraße südlich der Donau entsprach nördlich des Stromes eine zwischen den heutigen Ortschaften Kamp und Etsdorf am Kamp gelegene Befestigung, die dem Schutz der Donautalstraße diente. Zieht man das weitere awarische Fundmaterial in Österreich heran, so erhält man Kenntnis von „stützpunktartigen Besatzungsposten“ im Bereich von Horn, Hevlin und Dolni Dunajovice. „Diese Grenzwächtersiedlungen versperrten somit Kamptal- und Klippenzugstraße als wichtigste Einfallstore nach Norden“ (P. Csendes).

Die awarische Befestigungstechnik unterschied sich mit ihren Erd-Holz-Bauten natürlich sehr deutlich von den technisch ausgereiften römischen Steinbauten. Der Ausbau erfolgte auch nicht so großzügig, was schon dadurch bedingt war, daß die Machtmittel und das Können merklich kleiner waren. So kam es also keinesfalls zu einem lückenlosen System von Sperrbauten. Nichtsdestoweniger haben wir es mit von langer Hand vorbereiteten und verhältnismäßig ausgedehnten Anlagen zu tun, denen jedoch ebenso wie dem großen römischen Vorläufer eine systematische Organisation des Hinterlandes fehlte. Das Heer Karl des Großen traf, nachdem es einmal die Sperre bei St. Andrä vor dem Hagentale erstürmt hatte, bis zu Raab auf keinen weiteren Widerstand. Da der Vormarsch hier eingestellt wurde, waren in diesem Feldzug wohl große Teile des awarischen Reichs verwüstet, die Awaren selbst aber nicht zum Kampf gestellt worden. Fast Jahr für Jahr erneuerten fränkische Heere den Krieg und drangen schließlich auch in das Kernland der Awaren, den „Ring“, vor. 803 brach die awarische Führungsschicht auseinander, und kurz darauf löste sich das ganze Staatswesen auf. Von den aus dem Osten nachstoßenden Slawen noch zusätzlich bedrängt, mußten die Reste der Awaren froh sein, als ihnen von Karl dem Großen zwischen Carnuntum und Steinamanger Siedlungsgebiete zugewiesen wurden. Abermals hatte sich eine in Jahrzehnten und mit viel Mühe ausgebaute Befestigungslinie als unwirksam erwiesen, da sie nicht mit genügender Hartnäckigkeit verteidigt werden konnte.

Auf dem eroberten Gebiet wurden die karolingischen Marken im Südosten eingerichtet, denen im Verband mit den übrigen Marken an der Ostgrenze des Karolingerreiches erhöhte Bedeutung zukam. Bei der Grenzorganisation war aber nichts davon zu bemerken, daß man sich um eine durchgehende Verteidigungslinie bemühte. Als Grenze der Marken kann man angeben: vom Kamp bis höchstens an die Raab entlang der Donau, dann zum Bakonywald und vom südlichen Ende des Plattensees an die Donau bei Mohacs. Das war eine eher willkürlich gezogene Grenze. Doch aus der politisch-strategischen Situation heraus waren mächtige Vorstöße in feindliches Gebiet unternommen worden, und die Grenzziehung erfolgte dort sozusagen vorausschauend. Dann erst erfolgte die intensive Erschließung und Kolonisierung.

Die karolingische Mark im ehemals awarischen Gebiet war weit ausgreifend und großräumig. Sie bildete nicht mit den anderen Marken eine geschlossene Reichsgrenze, lag im Vorfeld des Reiches, nach Osten hin offen, und basierte geradezu darauf, daß die Kolonisierung weiter vorangetrieben würde. Die Grenzbezirke waren lang und schmal, „Aufmarschgebiete von Armeen, keine Festungsgürtel“ (E. Klebel).

Was dann als „Limes Pannonicus“ bezeichnet wurde (A. A. Barb), hatte mit dem römischen Limes nichts mehr gemein. Es wurden wahrscheinlich nur an taktisch günstigen Stellen „Königshöfe“ erbaut, die eine Synthese aus wehrhafter Burg oder Fliehburg, Wirtschaftshof und Taufkirche darstellten. Der einzige Königshof dieser Art, der zum „Limes Pannonicus“ gehört haben soll, ließ sich in der Nähe von Kaisersteinbruch am Abhang des Leithagebirges nachweisen, das sogenannte Öde Kloster. Auf karolingische Anlagen dürften ferner Ödenburg, Güns und Wieselburg zurückgehen. Was sonst noch, allerdings mit einiger Vorsicht, als karolingische befestigte Anlagen im Bereich der Hainburger und der Brucker Pforte angesprochen werden kann, sind die Burgen von Theben und Preßburg, vor allem aber die Ringwallanlagen, wie die von Deutsch Altenburg („Am Stein“), die auf dem Königsberg westlich von Trautmannsdorf an der Leitha oder die Viereckschanze auf dem Rainberg bei Enzersdorf an der Fischa. Über ihre Entstehung und ihre Funktion wissen wir aber so gut wie gar nicht Bescheid. Waren sie im Hinblick auf eine ganz bestimmte Gefahr, etwa gegen die Ungarn, angelegt worden, hielt man sie stets besetzt, oder waren sie für den Fall der Fälle gedacht? – Dem offensiven Denken der Zeit Karls des Großen entsprachen sie wohl nicht. Viel eher dürften sie mit jenem Ereignis in Verbindung stehen, das 907 zur Vernichtung des bairischen Heerbannes bei Preßburg führte: dem Einfall der Ungarn. Die karolingische Mark verschwand. Wenig später gebot zwar bis zur Enns noch ein bairischer Grenzgraf. Aber bis zur Traisen findet sich noch ein deutscher Graf, doch schon unter ungarischer Oberhoheit.

Seiten 7 – 9:

Die gyepü
(Vgl. dazu die Skizze im Anhang II.)

Die angegebene Skizze siehe im Register 01 Karten, Nummer 11_Vom_Limes.

Solange bei den Ungarn der Offensivgedanke vorherrschte und ihnen bei ihren Streifzügen nach dem Westen nicht energisch Halt geboten wurde, verschwendeten sie nicht allzu viele Gedanken auf die Konsolidierung und Sicherung des von ihnen eroberten Gebietes. Nach ihrer schweren Niederlage in der Schlacht auf dem Lechfeld 955 änderte sich das fast schlagartig. So wie die Ottonen die alte Markenorganisation wieder aufnahmen, richteten sich die Ungarn auf Bewahrung und Sicherung des von ihnen bis dahin eroberten Gebietes ein. Was vorher nur ein sehr breiter Grenzsaum zwischen zwei Machtbereichen war, begann sich zu einer Linie abzuklären (E. Klebel). Dabei machten sich die Ungarn Erkenntnisse zunutze, die sie im Zuge ihrer Frühgeschichte und der langen Wanderung von Dnjepr bis in die pannonische Tiefebene gewonnen hatten, bereicherten diese aber womöglich durch Überlieferungen von den awarischen Schutzzonen, sodaß bei den Ungarn manches aus der Verteidigungsorganisation der Awaren anklingt.

Innerste Zone des pannonischen Siedlungs- und Weidegebietes war jener Raum, der vom Stamm des Fürsten besiedelt wurde. Rundherum ließen sich die übrigen Stämme nieder, und schließlich wurde dieses ganze System von einem breiten und unwegsam gemachten Ring umschlossen. Vor allem nach dem Westen hin wurden alle Zugänge mit künstlichen Sperren versehen, wenn nicht schon natürliche Hindernisse – Wälder, Flüsse und Sümpfe – das Gebiet unpassierbar machten. Diese Zone wurde „gyepü“, die Grenze oder der Hag, genannt. Als Grenzbesatzung wurden nördlich der Donau der Stamm Bulcsu und südlich des Stromes der Stamm Lehel (Lel) angesiedelt. Damit aber nicht genug, wurde das Land vor der gyepü bis zum Wienerwald, ja zweitweise bis zur Enns als Grenzöde (ungarisch gyepüelve) eingerichtet, die von der ungarischen Besiedlung nicht erfaßt wurde. Die Ausdehnung der gyepüelve betrug minimal vier und maximal zehn Tagesritte. Lediglich Grenzwächter in weit vorgeschobenen Posten und Verhagungen am Osthang des Tullntales  6,

(Am Buchberg bei Neulengbach sind die Reste der aus Erdwällen angelegten ungarischen Befestigungen noch heute sehr deutlich zu sehen. Sie stellen wohl das eindrucksvollste Zeugnis der gyepü-Bauweise im österreichischen Raum dar.)

an der Westgrenze des Wienerwaldes und im nördlichen Weinviertel, ähnlich denen, die die Awaren errichtet hatten, deuten an, daß die gyepüelve fester Bestandteil des ungarischen Schutzgebietes geworden war. Gyepü und gyepüelve boten die Voraussetzung dafür, daß sich die ungarischen Streifscharen unbemerkt sammeln und ihre Nachbarn unerwartet angreifen konnten. Zum anderen stellte die gyepüelve die Gewähr dafür dar, daß jede Annäherung eines feindlichen Heeres frühzeitig bemerkt wurde und der Kampf noch außerhalb der eigenen Siedlungsgebiete aufgenommen werden konnte.

Für die Ausgestaltung der eigentlichen Grenzzone machten sich die Ungarn, wie gesagt, Erkenntnisse zunutze, die sie im Verlauf ihrer Wanderung vor allem im südrussischen Raum gewonnen hatten. Dort waren ihnen „kreml“, also Erdfestungen begegnet, von deren Zweckmäßigkeit und unkomplizierter Bauweise sie sich überzeugten. Diese Erdwerke bestanden aus einem stärkeren Zentralraum, der auch gelegentlich mit Steinen verstärkt wurde, und einem Ringwall. Viel nachhaltiger als diese Erdburgen wirkte sich aber etwas anderes aus, nämlich die Anlage von Dämmen. Für den Fall, daß eine größere feindliche Truppe die äußere gyepü-Zone durchbrach, wurde der Aufstau von Flüssen vorbereitet, um das Land, womöglich aber auch die feindlichen Soldaten unter Wasser zu setzen. Genau in derselben Weise wurde auch die Tulln aufgestaut.

Die Niederlage auf dem Lechfeld brachte zwar nicht einen sofortigen Umschwung mit sich, doch zu Ende der sechziger Jahre des 10. Jahrhunderts setzte eine deutliche Gegenbewegung ein, die mit der Rückgewinnung der ehemals karolingischen Mark bis in den Raum Wien 1002 einen ersten Höhepunkt erfuhr. Von Kärnten aus wurden Marken in Krain und in der späteren Steiermark erobert. Die ungarische gyepü-Organisation hatte ihre Bewährungsprobe abzulegen.

Zunächst ging die Konzeption auf. 1030 unternahm Kaiser Konrad II. entlang der Donau einen Vorstoß, dem die Ungarn jedoch im Gebiet der gyepüelve begegnen konnten. Die Magyaren nahmen den Kampf an der Fischa auf und gingen dann auf die Linie Ödenburg – Wieselburg zurück, wo die gyepü besonders geschickt ausgebaut war. Das Heer Konrads wurde gewaltig dezimiert und konnte sich nur mit wenigen Resten auf österreichischen Boden retten. In der Folge eroberten die Ungarn nicht nur Wien zurück, sondern erhielten 1031 von Kaiser Heinrich III. einen Gebietsstreifen zwischen Donau, Fischa und Leitha abgetreten. Im Kampf um das von den Ungarn als gyepüelve bezeichnete Gebiet trat nochmals das Reich als Träger des Vorstoßes in Erscheinung. Nachher waren es nur noch die Territoralherren. In mehreren Feldzügen 1042 bis 1044 nach Heinrich III. den Ungarn das ihnen ein Dezennium vorher abgetretene Land wieder ab. Die gyepü aber hielt im wesentlichen. Dabei waren jedoch nicht die künstlich errichteten Sperren ausschlaggebend, sondern die Sümpfe und die durch Dämme hervorgerufenen Überschwemmungen, für die vor allem die Rabniz herangezogen wurde. 1042 mußte Heinrich III. das unwegsam gemachte Gebiet dadurch umgehen, daß er unterhalb von Hainburg über die Donau setzte, Preßburg stürmte und dann nördlich der Donau bis Gran vorrückte. Im Jahr darauf ließ der ungarische König Samuel Aba die Rabnitz bei Babot aufstauen und verhinderte mit dieser Überschwemmung ein weiteres Vordingen des deutschen Heeres. Auch 1044 und 1051 griffen die Ungarn zum Mittel der künstlichen Überschwemmung, und schließlich wurde die ungarische Verteidigungslinie an die Sumpffestung Wieselburg vorverlegt. – Die gyepü hatte im wesentlichen die in sie gesetzten Hoffnungen erfüllt. Von Anfang des 12. Jahrhunderts an trachteten die Ungarn danach, mit einer stärkeren Besiedlung des Grenzlandes auch ihre Grenze westwärts vorzuschieben. Gegenüber Preßburg, zwischen Donau und Leitha, siedelten sie russische Grenzwächter an; die Ödenburger Pforte wurde durch ungarische Grenzmilizen geschützt, und in vorgeschobenen Stellungen, wie zum Beispiel in Pöttschnig an der Wulka, saßen petschenegische Grenzer.

Der Verlust der gyepüelve war allerdings eine Einbuße von strategischer Bedeutung gewesen, und schließlich sollten die an Donau, Leitha und Lafnitz aus Stein erbauten Burgen der deutschen Herrschaften das Ende der alten gyepü-Organisation herbeiführen, da die Erdburgen russischen Stils ihren steinernen Pendants klar unterlegen waren  7. Eine neue Form der Grenzsicherung, diesmal nach deutschem Vorbild, mußte gefunden werden.

(Die gyepü war natürlich nicht nur gegen Westen eingerichtet worden, sondern gestaltete sich zu einer „Rundumverteidigung“. Im Osten Ungarns erfüllte sie auch viel länger ihren Zweck als gegen den Westen, wo man sich beizeiten auf neue taktische Erfordernisse einstellen mußte.)

Seiten 10 –14:

Der Burgengürtel

Wie ganz anders als unter Karl dem Großen ging doch die Ausdehnung des Reiches nach dem Osten und dem Südosten unter den Ottonen und den Saliern vor sich! Es wurden nicht mehr raumgreifende Feldzüge unternommen, die dann mit einer fast hypothetisch zu nennenden Grenzziehung ihren Abschluß fanden. Vielmehr wurde die Grenze im 10. und im 11. Jahrhundert ganz allmählich vorgeschoben und immer Bedacht darauf genommen, die erreichten Linien zu sichern. Unter Markgraf Burkhard war die Traisen erreicht worden. Die Absicherung nach allen Seiten bedurfte einige Zeit. Nach 976 schoben dann die Babenberger die Grenze weiter nach Osten vor und errichteten ihre Stützpunkte an der Perschling, aber wahrscheinlich auch an der Großen Tulln und an der Wien. Nördlich der Donau wurde die Schmidalinie befestigt. – Dass alles geschah aber so, daß der Großteil der Erdwerke westlich der Flußläufe angelegt wurde und damit nicht nur der Schutz der Flußübergänge gesichert, sondern auch das natürliche Hindernis optimal ausgenützt war.

Nachdem Heinrich III. das Gebiet zwischen Fischa und Leitha zurückgewonnen hatte, vereinigte er diesen Landstrich aber nicht mit der Babenberger Mark, sondern schuf eine eigene Mark, die außer dem genannten Raum noch einen Landstrich zwischen March, Sulza und Zaya sowie einen weiteren zwischen Kaumberg und Liesing umfaßte: die Neumark. Dieser Mark, die mit der ebenfalls auf österreichisches Gebiet reichenden Böhmischen Mark, ferner den Marken Cham und Nabburg eine Art Militärgrenze bildete, fehlte aber zur Gänze der offensive Charakter. […]

Frühere Marken – militärisch-politische Aufgabe – Aufmarschraum für das königliche Herr
Bewahren des Erreichten
Neuer Wehrgedanke in der Böhmischen Mark und Neumark – Angerdörfer – besonders im Viertel unter dem Manhartsberg – Angerdörfer zur Verteidigung errichtet, ohne Fliehburg – ein Netz von Wehr- (Anger-) Dörfern sollte entstehen.
Doch nach kaum acht Jahren ging die Einrichtung der Neumark wieder verloren. 1046 zerstörten die Ungarn die Hainburg.
Mit der Neumark war der Versuch sie festungsmäßig auszubauen verbunden, später realisiert.
1050 Wiederaufbau der Hainburg – Eckpfeiler einer ganzen Burgenkette – entstand in der Regierungszeit der salischen Kaiser. – Burgen von Mödling, Gumpoldskirchen, Perchtolsdorf und Kahlenberg. – Zweite Linie dürfte sich die Donau entlangezogen haben. – Vermutung Sichtverbindung zwischen den einzelnen Anlagen. […]

Ein bescheidenerer Typ von Wehbauten wuchs sich dann zur gängigen Form der Ritterburg aus. Es handelte sich dabei vorerst um kleine Anlagen auf Erdwerken. Diese hatten die Form von Pyramiden- oder Kegelstümpfen, waren mit Gräben, Wällen und Auffahrten versehen und wurden schon frühzeitig durch Steineinbauten verstärkt. Solche Erd-Holz-Stein-Werke, meist unter dem Sammelbegriff „Hausberge“ zusammengefaßt, traten sehr zahlreich auf. Ihre Entstehung wird auf die Zeit Karls des Großen zurückgeführt. Zu uns aber kamen sie bereits in voll ausgeprägter Form im Zuge der Erschließung des Landes durch die Babenberger. Am interessantesten ist dabei wie bei den Angerdörfern das Viertel unter dem Manhartsberg. Da die Grundherren trachten mußten, in diesem gefährdeten Grenzstrich möglichst rasch feste Plätze zum Schutz gegen feindliche Überfälle zu schaffen, kommen in dieser Gegend das Gepräge des Notbaues, das den Hausberg-Konstruktionen anhaftet, und die Verwandtschaft mit den Feldbefestigungen am deutlichsten zum Ausdruck (H. P. Schad’n).

Was wir unter Burgengürtel verstehen, ist aber nicht die Ansammlung von zahlreichen Hausbergen, sondern die Summe der an der Ostgrenze der Babenbergermark und der Steiermark an wichtigen Punkten errichteten Burgen von der Rabensburg an der Grenze Mährens bis zur Radkersburg. […]

Seite 36:

Anhang II: Die westliche gyepü-Zone.
(Südlich von Wien, Bruck a.d. L., Hainburg, Preßburg.)

Sie im Register 01 Karten, Bilder die Nummer 11_Vom_Limes.

Veröffentlicht am 15.8.2025

D 21   2001, Roland Dobersberger, "Sieghartskirchen, Ein Heimatbuch"

Seite 14:

Die zunehmende Schwächung des Römerreiches brachte den Zuzug immer neuer germanischer Völkerstämme, die durch den Donauraum zogen. Manche Volkssplitter hinterließen kaum Spuren. Als 576 die Langobarden nach Italien zogen, kamen in den pannonischen Raum Slawen, die sich jedoch dem harten Joch der Awaren beugen mußten. Unter dem fränkischen Kaufmann Samo entstand mit dem Zentrum im Wiener Becken ein slawisches Großreich, welches jedoch 670 wieder zusammenbrach. Seit 530 drangen vom Westen der germanische Stamm der Bayern ein, der nunmehr auf Awaren und Slawen stieß. Wandernde Völkerschaften verlassen niemals als ein Ganzes ein von ihnen, wenn auch noch so kurz, besiedeltes Gebiet. Dies beweist ein Gräberfeld, welches der Lehre Adalbert Heimel im Mai des Jahres 1905 aufdeckte. Heimel fand auf Parzelle 987 der Katastralgemeinde Sieghartskirchen links auf der nach Kogl führenden Straße beim Abgraben eines Hügels ein Gräberfeld mit 18 Skelettgräbern. Der Urgeschichtsforscher Mitscha-Märheim untersuchte 1953 die Grabbeigaben, wie Tonwaren, eiserne Messer, aber auch Schmuck die Armeringe, Ohrgehänge und Glasperlen. Er ordnete die Fundgegenstände in die Zeit zwischen Ende des 8. oder Anfang des 9. Jahrhunderts ein. Unterschiedlich zu Mitscha-Märheim beurteilten andere Fachleute die Herkunft der Gegenstände. Während Mitscha-Märheim diese als "deutsch" bezeichnete, erkannten jene awarische und slawische Einflüsse. Am ehesten dürfte um diese Zeit eine Mischbevölkerung aus all diesen Völkern hier friedlich miteinander gelebt haben. […]

Seiten 17 –19:

Drei Jahreszahlen von seltener Eindeutigkeit beherrschen die Folgezeit Niederösterreichs. Es ist dies einmal das Jahr 788, in dem ein fränkisch-bayrisches Herr die Awaren auf dem Ybbsfeld besiegt und in der Folge in zwei weiteren Feldzügen das Awarenreich vernichtet.

Es ist dies 907 als ein bayrischer Herrbann gegen die Ungarn, einem Reitervolk, welches an die Awaren erinnert, zog und bei Preßburg vernichtend geschlagen wurde. Nunmehr dehnten die Ungarn das Reich nach dem Westen aus, die Reichsgrenze wurde an die Enns zurückgenommen.

Und es ist drittens das Jahr 955, wo am Laurentiustag (10. August) die Ungarn, welche wieder einen Vorstoß tief in das Innere des deutschen Reiches gewagt hatten, auf dem Lechfeld bei Augsburg vernichtend geschlagen wurden. Sie räumten die ehemaligen karolingischen Grafschaft kampflos bis zu den Hängen des Wienerwaldes.

Schutzbauten an der Grenze

An der Grenze unseres Gemeindegebietes befinden sich am Rauchbuchberg bei Wilfersdorf und beim Weissen Kreuz bei Schmeissbach nahezu ungekannte Schanz- und Sperranlagen, welche in deutscher Umschreibung „hagen“, für den ungarischen Sprachgebrauch als „Gyöpüzone“ genannt werden können. Entlang der Grenze wurden allen Bäumen in verschiedenen Höhen die Äste abgeschnitten. Nachdem die Triebe wieder ausschlugen, wurden diese zur Erde niedergebogen, wobei sie neuerlich antrieben. Schanzen und Sperranlagen verstärkten diesen natürlichen Wall. Beide nunmehr fast 1000 Jahre alten Anlagen sind von der Riederberghöhe zu erwandern.

Große Bedeutung hatten auch die Rauchzeichen, die bei Annäherung eines Feindes gezündet wurden und die Bevölkerung warnten. Eine ganze Reiche solcher Berge sind in und in der Nähe des Sieghartskirchner Gemeindegebietes zu finden, der Buchberg bei der Ortschaft Johannesberg, der Hohenwart bei Rappoltenkirchen und der oben erwähnte Rauchbuchberg.

Etwas jünger sind die Anlagen von Hausbergen (10. Jahrhundert). Darunter sind Erdwälle zu verstehen, die zuerst mit Holzbohlen, später mit Mauerwerk verstärkt waren. Neben dem Außenwall gab es im inneren Wall Erdställe und unterirdische Gänge, die der Besatzung im Falle der höchsten Gefahr noch die Flucht ins Freie ermöglichten.

Solche Hausberge sind in unserem Gemeindegebiet für Kogl und Ried am Riederberg nachgewiesen. Wahrscheinlich war der Hausberg in Kogl ein Vorwerk der Burg Kogl, mit diesem nach mündlicher Überlieferung wohl auch durch einen Gang verbunden. Der Hausberg von Ried liegt 1 1/2 km südlich vom Ort. Seine Plattform von 40 – 45 m weist eine ungewöhnliche Ausdehnung auf.  9)

(9: Eine nähere Beschreibung s. u. Kogl und Ried.)

Ebenfalls an einem solchen Grenzhang errichtete man im 13. Jahrhundert in Dankbarkeit über den Sieg am Lechfeld am Laurentiustag die Laurentiuskirche in Markersdorf. Diese ist eine der noch wenigen gut erhaltenen Rundkirchen Niederösterreichs. Und weiters: Würde das Patrozinium der Laurentiuskirche am Riederberg, Ursprung des durch die Türken zerstörten Franziskanersklosters, nicht auch darin seine Erklärung finden?  10)

(10: Siehe dazu Beschreibung von Ollern.)

 

Königsgut wird verteilt

Das von den Ungarn wieder eroberte Gebiet war Königsgut, und der König verteilte nun große Landstriche an diejenigen, die fähig waren, das dünnbesiedelte Land zu kultivieren. Dies waren bayrische Grundherren, geistliche und weltliche. Zuvor galt es jedoch das bereits vor 907 verteilte Land, die vorkarolingischen und karolingischen Besitzverhältnisse rechtlich abzusichern. Aus dieser Zeit stammen nun die ersten Urkunden, die sich auf das Gemeindegebiet von Sieghartskirchen beziehen. Neben dem König sind hier die weltlichen Großen, die bayrischen Adelsgeschlechter der Ebersberger und Sighardinger für Sieghartskirchen zu nennen, dann die Reichspropstei Hainburg (1051) und nach mehreren Besitzwechseln schließlich 1228 das Kloster Baumburg. Auf einem öffentlichen Gerichtstag im Jahre 987? („Placitum“) bestätigt Herzog Heinrich II. von Bayern die Besitzrechte von Passau, dabei ist auch „abbatesteti cum omnibus iure ad se respicientibus“ (Abstetten mit allem was von Rechts wegen dazugehört). Passau war Rechtsnachfolger des Klosters Kremsmünster, welches Ende des 9. Jahrhunderts als Eigenkloster an Passau gekommen war. Zwischen 991 und 1023 übergibt ein Adeliger P. – so die Unterschrift auf dem Dokument – sein Gut in Dietersdorf an den Erzbischof Hartwich von Salzburg und erhält tauschweise Besitz in Reidling und Preuwitz.

Auch Elsbach gehörte den Ebersberger, die 1037 diesen Ort an das von ihnen gegründete Kloster Geisenfeld schenkten.

Dietrich von Baumgarten (im bayrischen Landkreis Eggenfelden gelegen) übergibt 1284 sein Erbeigen in Henzing an das Kloster Aldersbach, welches hier Grangien (Gutshöfe) gründete.

Das Waldamt Kogl kommt von den Hochfreien von Lengenbach, 1236 an die Babenberger.
 [Recherchen zum Waldamt Kogl siehe unter 03 landesfürstliche Urbare – Die ältesten Nennungen von Kogl, Waldamt Kogl]

Veröffentlicht am 15.8.2025

D 22   2003, Bundesdenkmalamt, Dehio – Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Niederösterreich südlich der Donau, Teil 1, A bis L

Die Genehmigung zur Veröffentlichung der Texte liegt vom 29.8.2024 vor.

Seite XXXVI:

Römische Kaiserzeit (15. V. Chr. – 5. Jh. n. Chr.)

[…] Niederösterreich südlich der Donau gehörte bis etwa zum Wienerwald zur Provinz Noricum, der Osteil mit dem Wiener Becken zur Provinz Pannonien. […][…] Niederösterreich südlich der Donau gehörte bis etwa zum Wienerwald zur Provinz Noricum, der Ostteil mit dem Wiener Becken zur Provinz Pannonien. […]

Seite XXXIX:

Hunnen; Attila starb 453; Untergang seines Reiches; […] Für die Entwicklung in Niederösterreich wurden die ostgermanischen Rugier, deren Herrschaftszentrum im Großraum um Krems anzunehmen ist, von Bedeutung. Ihnen hatten die süddanubischen Romanen Tributleistungen zu entrichten. […]

487 werden die Rugier vernichtend geschlagen, zogen nach Nordbulgarien ab.
488 Abzug der noch im Limesgebiet verbliebenen Romanen nach Italien.
489 Niederlassung der elbgermanischen Langobarden nördlich der Donau.
508 Sieg der Langobarden gegen die Heruler im Süden.
Langobarden nun in Pannonien von 536 bis 568 archäologisch fassbar. […]

Seite XL f.:

Awaren
Um die Mitte des 6. Jahrhunderts n. Chr. kam is in Zentralasien zu einschneidenden Veränderungen in den Macht- und Kräfteverhältnissen. Durch einen rasanten Aufstieg der Türken wurden die Steppengebiete zwischen dem Altai und der Chinesischen Mauer, wo bislang die „Juan Juan“ bezeichneten Awaren geherrscht hatte, betroffen. Die Expansion der Türken brachte Abwanderungen und Fluchtbewegungen mit sich. Der Westzug der Awaren löste Angs und Schrecken in den betroffenen europäischen Gebieten aus. Die durchschlagsfähigen Steppenkrieger, die sich aus verschiedenen ethnischen Gruppen zusammensetzten, standen unter der Oberhoheit eines Khagans.

In die europäische Geschichte traten die Awaren im Winter 558/59 ein, als eine Gesandtschaft in Konstantinopel vorsprach, worauf sich Ostrom die ungebetenen Gäste bis auf Weiteres mittels Tributzahlungen vom Leibe hielt. Nach der Waffenhilfe der Awaren für die Langobarden in ihrem Kampf gegen die Gepiden konnten sie sich nach dem Abzug ihrer Bündnispartner 569 in Pannonien niederlassen. 626 versuchten die Awaren mit Hilfe persischer, bulgarischer, slawischer und gepidischer Bundesgenossen Byzanz anzugreifen. Mit der gescheiterten Belagerung erlahmte auf einige Zeit die Offensivkraft der Awaren.

Der folgende Wandel, der das Awarenreich im 7. Jahrhundert erfasste, war gravierend. Der Großteil der ehemals (reiter-)nomadischen Bevölkerung wurde sesshaft und lebte von nun an in Dörfern. Mit dem Jahr 626 erfolgte auch eine Expansionsbewegung des awarischen Siedlungsraumes in die östlichen Teile Niederösterreichs. Die Folge war die Belegung einer Reihe von Friedhöfen, wobei Reitergräber (Reiter und Pferd) vielleicht auf awarische Garnisonen zurückgeführt werden können (zum Beispiel Wien-Unter St. Veit und Wien-Liesing). Bemerkenswert ist, dass im Zuge der Westerweiterung des awarischen Siedlungsgebietes eine Art „Niemandsland“ zwischen Wienerwald und Enns zwischen den Awaren und ihren baierischen Nachbarn im Westen respektiert wurde. Die Bereiche westlich des Wienerwaldes und auch nördlich der Donau waren zwar Zonen mit awarischen Einflüssen, sie gehörten jedoch nicht zum eigentlichen awarischen Machtbereich.

Östlich des Wienerwaldes und entlang des Alpenostrandes bis in die Region der Buckligen Welt ist eine Vielzahl von zum Teil relativ ausgedehnten Gräberfeldern festgestellt worden, deren Entdeckung einerseits größeren Baumaßnahmen und der Luftbildarchäologie zu verdanken sind. Wien-Simmering, Csokorgasse, Mödling-Goldene Stiege, Leobersdorf, Sommerein und Zwölfaxing sind klare Belege der awarischen Westexpansion nach 626.

Die wieder erstarkten Awaren konnten von ihrem Siedlungsgebiet bis zum Wienerwald aus nun auch Raubzüge gegen den Westen unternehmen. Um 700 verwüsteten sie das Gebiet an der Enns. Die in Bayern und dem oberösterreichischen Raum siedelnden Baiern konnten in der Folge das Niemandsland zwischen Wienerwald und Enns zu ihrem Einflussgebiet machen. 788 wurde ihr letzter Stammesherzog, Tassilo III, aus dem Hause der Agilolfinger, wegen seines angeblichen Zusammenwirkens mit den Awaren gegen das fränkische Königshaus abgesetzt.

Ergebnislose Verhandlungen der Awaren mit Karl dem Großen wegen der strittigen Grenzfragen boten dem Kaiser Anlass, 791 mit drei Heersäulen über die Enns in das Awarenland vorzudringen. Im Verlauf dreier Feldzüge (791, 795/96 und 803) gelang ihm die vollständige Unterwerfung der Awaren. Damit war der Grundstein der fränkischen Reichsorganisation gelegt, die erst durch die Ungarneinfälle 899 ihr Ende fand. Karl der Große gewährte den Restawaren ein „Reservat“ zwischen Carnuntum und Raab. Das nun auf engsten Raum mit festen Wohnsitzen lebende Steppenvolk konnte aber die neue Lebensweise nicht verkraften. Sagen berichten vom völligen Untergang der awarischen Restbevölkerung durch Seuchen. – Nominell wurde der awarische Klientelstaat 822 von Ludwig dem Deutschen liquidiert.

Seite XLI:

Slawen

Als letzte größere Ethnie der Völkerwanderungszeit lassen sich die Slawen in Teilen Österreichs nieder.
Schriftliche und archäologische Quellen stehen kaum zur Verfügung.
Vermutlich im 5. Jahrhundert in der Südwesturkraine, Ausbreitung über Osteuropa.
Nach Mitteleuropa im Zuge der awarischen Landnahme, von ihnen abhängig. […]

Ein erstes slawisches Staatsgefüge bestand unter einem fränkischen Agitator namens Samo. Die Lage dieses „Samoreiches“, das vom Begin bis in die Mitte des 7. Jahrhunderts bestand, ist nicht eindeutig lokalisiert, wird aber an der oberen March, im mährisch-niederösterreichischen Grenzgebiet vermutet. […]

Seite XLII:

Mittelalter (10.– 15. Jh.)

Das von Grenzgrafen verwaltete Ostland erlebt mit der Niederlage des baierischen Heerbannes gegen die Ungarn bei Pressburg 907 einen entscheidenden Rückschlag. Ganz Oberpannonien bis zur Enns ging an die Magyaren verloren. Erst nach der siegreichen Schlacht auf dem Lechfeld 955 gelang schrittweise die Rückgewinnung der Grafschaft bis zur Leitha.

996 wurde erstmals die Bezeichnung „Ostarichi“ für die Gebiete des karolingischen Ostlandes verwendet. Die neuen Landesherren richteten in der Folge im 11. und besonders im 12. Jahrhundert systematisch Burgbezirke ein, die als Verwaltungsmittelpunkte dienten.

Während Burgen und Burgruinen zu den eindrucksvollsten Baudenkmälern zählen, haben sich von der Mehrzahl der kleineren Adelssitze nur die Lagestellen (Burgställe) erhalten, für die zudem häufig keinerlei urkundliche Belege beizubringen sind. Sie sind mit dem ab dem 11. Jahrhundert nachweisbaren Stand der Ministerialen in Zusammenhang zu bringen, der gemeinsam mit dem niederen Adel ritterliche Dienste leistete, aber nicht frei war und zusammen mit Land verschenkt werden konnte. Ihre Burgen diensten der Sicherung der Herrschaft über Land und Leute sowie der Repräsentation und stellen damit wesentliche Quellen zur Besiedlungs- und Herrschaftsgeschichte einer Region dar.

Vom Typ her handelt es sich um kleine Turmburgen, bei denen das „Feste Haus“ entweder auf einer felsigen Kuppe oder auf einem künstlichen Hügel (Hausberg) errichtet wurde.

[Diverse Literaturangaben aus den 1970iger und 1980iger Jahren.]

Seite XCI:

Wachau

Die Wachau liegt in der Mitte Niederösterreichs, etwa 65 km westlich von Wien. Nach heutiger Auffassung wird der 33 – 36 km (je nach Abgrenzung) lange Talabschnitt der Donau zwischen Melk und Krems als Wachau bezeichnet. […]

Die Wachau ist ein relativ enger, mehrfach gewundener, bewaldeter Talabschnitt mit einzelnen Ausweitungen und gleichzeitig einer der wenigen Bereiche der Donau, in denen der Strom noch frei fließt. Es ist dies einer der engsten und wahrscheinlich tiefsten Talabschnitte der Donau in ihrem gesamten, 2888 km langen Verlauf. Auch die klimatische Übergangssituation und die unterschiedlichen kleinklimatischen Faktoren bereichern die Wachau wie keine andere Region im Osten von Österreich.

Seit der Römerzeit bzw. seit der Zurückdrängung der Awaren durch Karl den Großen gegen Ende des 8. Jahrhunderts bis weit in die Neuzeit war das Gebiet von großer strategischer und wirtschaftlicher Bedeutung – geprägt vor allem von der bis in das frühe 19. Jahrhundert bestehenden geistlichen Grundherrschaft. Die teilweise noch auf die karolingische Besiedlung zurückzuführenden Herrschafts- und Besitzgrenzen sind auch heute oft noch nachvollziehbar bzw. stimmten mancherorts sogar noch mit Gemeinde- bzw. Katastralgemeindegrenzen bis in das 20. Jahrhundert überein. […]

Seite XCIII: Orientierungsplan Wachau

Seite XCIV:

Nachdem die Römer das Donautal aufgegeben hatten, strömten in der Folge in das dadurch entstandene Vakuum die Heruler, die sich bald den Langobarden unterwerfen mussten. Die Wachau war in diesem Zeitabschnitt gekennzeichnet durch Splitter unterschiedlichster Stämme, die zum Volksstamm der Baiern zusammenwuchsen. Von Osten rückten die Awaren und in deren Gefolge slawische Siedler ein. Für die Zeit des 6. bis 8. Jahrhunderts war die Wachau geprägt von der Dualität dieser beiden Volksgruppen.

Nach der Absetzung des Baiernherzogs Tassilo III. (788) und der endgültigen Unterwerfung der Awaren durch Karl den Großen wurde die Wachau der karolingischen Grenzmark eingegliedert. Das Siedlungsland der Wachau wurde durch Schenkungen Karls verschiedenen Klöstern, vor allem aus dem bayrischen Raum, zugeeignet. Die Klöster und Stifte trugen im 9. Jahrhundert in diesem Gebiet die Hauptleistung der Kolonisation, das von Grenzgrafen verwaltete Königsgut (um Dürnstein) nahm hingegen nur einen sehr bescheidenen Anteil ein.

907 drangen die Magyaren von Osten her in die karolingische Mark ein und konnten ihr Einflussgebiet bis an die Enns erweitern. Ihre Vorherrschaft währe allerdings nur kurze Zeit. Bereits 955 wurden sie von Otto I. in der Schlacht auf dem Lechfeld endgültig besiegt. 995 taucht auch Krems als „Urbs Chremisa“ in einer Tauschurkunde in Magdeburg auf und ist somit die älteste urkundlich erwähnte Stadt Österreichs. Das Nibelungenlied, das die Herrschaftsverhältnisse dieser Zeit nachzeichnet, hatte auch die Wachau zum Schauplatz. In der nun ottonischen Mark wurde das Kolonisationswerk wieder in Angriff genommen und ausgebaut. Die Besitztitel aus karolingischer Zeit lebten wieder auf, wobei die Hochstifte Besitzungen an die ihnen unterstehenden geistlichen Institutionen weitergaben. […]

Seite XCV:

Das große Rittergeschlecht der Wachau, die Kuenringer, kam im 11. Jahrhundert in die babenbergische Mark, wo es in der Folge zu großer Macht gelangte. Die Kuenringer waren Erbvögte geistlicher Grundherrschaften im „Tal Wachau“ mit Mautrecht und Hochgerichtsbarkeit, besaßen Dürnstein zu Eigen und waren auf Niederaltaicher Gebiet bei Spitz und Aggstein Lehensträger der bairischen Herzöge. […]

Veröffentlicht am 15.8.2025

D 23   2005, Ausbildung und Struktur der Herrschafts- und Besitzverhältnisse des Hochstiftes Passau

Im 13. und 14. Jahrhundert
(in geographischer, wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht),
Band 2, Statistisch-topographische Zusammenstellung
Dissertation Martin Hofbauer, Passau

Ab PDF-Seite367:

II. GB Tulln

1. Abstetten
24. Rappoltenkirchen
26. Ried am Riederberg
30. Sieghartskirchen, Elsbach

Kogl scheint nicht auf.

Für die weiteren Orte im Gerichtsbezirk Tulln gelangen Sie hier zum Download
Band 1.

Band 2.

Veröffentlicht am 15.8.2025

D 24   2021, Tulln, Geschichte der Stadtgemeinde, 2. Auflage

Ein Original war in der Gemeindebücherei bis zum Hochwasser am 15.9.2024.
Dr. Richard Hübl, Juli 2021


Genehmigung zur Veröffentlichung 02.08.2023 durch den Beitritt der Marktgemeinde Sieghartskirchen zum Heimatkundlichen Arbeitskreis---Gemeinderatsbeschluss vom 7.9.2023.

Seite 59:

Römerzeit
Ca. 45 n. Chr.: Entstehung der Provinzen Raetia, Noricum und Pannonia
Ca. 45 – 100 n. Chr.: Errichtung von Militärlagern (Holz-Erde-Lagern) an der Donau (4 Legionslager in Pannonien zwischen Wien und Budapest, Carnuntum wird Provinzhauptstadt; in Noricum zunächst nur Hilfstruppenlager) 
Karte Römisches Österreich ca. 45 – 300 n. Chr.

Seite 92:

Awaren
In der ungarischen Tiefebene konnten sie mit Hilfe der Awaren die ostgermanischen Gepiden besiegen und 568 unter König Alboin nach Italien abwandern, wo sie für über 200 Jahre ein mächtiges Reich inne hatten, das erst 774 von den Franken unter Karl dem Großen erobert wurde. Neben den Funden in der Stadtgemeinde Tulln belegen zahlreiche andere archäologischen Quellen die Besiedelung des Tullner Feldes durch die Langobarden.

Am bekanntesten ist das Gräberfeld von Maria Ponsee (eigentlich südlich von Oberbierbaum) mit 95 Bestattungen und 2 gleichzeitigen Pferdebestattungen (siehe auch Bügelfiebel der Kapitelseite). Außerdem sind Funde bei Freundorf, wo auf dem Areal einer spätantiken römischen Landvilla das Grab eines langobardischen Kriegers mit reichen Waffenbeigaben und ein Frauengrab mit 428 Perlen als Grabbeigabe entdeckt werden konnten, von besonderem Interesse.

(Abb. 118: Grab eines langobardischen Kriegers in voller Bewaffnung aus der röm. Landvilla bei Freundorf südlich von Tulln. Bild: Das Frühmittelalter im Tullnerfeld 2005, 146.)

Awaren 568-791/96, Awaria 713/14 – 791/96
Das zentralasiatische Reitervolk der Awaren (von Awar – die den Türken Ungehorsamen) wurde um 550 n. Chr. von Turkvölkern aus ihrem Stammsitzen verdrängt und erschienen 562 in Europa, wo sie an der unteren Donau (im heutigen Bulgarien) Wohnsitze fanden.

Sie waren ursprünglich kriegerische Reiter mit Reflexbogen, die auch optisch durch ihre langen schwarzen Zöpfe mit Spangen hervorragten. Die Awaren wurden von der byzantinischen Großmacht nicht nur geduldet und durch reiche Goldgeschenke beruhigt, sondern auch im Kampf gegen die Gepiden eingesetzt, gegen die sie 568 in einer Waffenbrüderschaft mit den Langobarden siegten.

Nach Abzug der Langobarden nach Italien wurde ihnen vertragsgemäß im Jahre 568 die Ungarische Tiefebene als Lebensraum zugewiesen.

(Abb. 119:Awarischer Fürst, Goldschatz von Nagyszentmiklos. Bild: Wikipedia.)

Ihre zahlreichen Raubzüge bis etwa 626 brachten ihnen zwar reiche Beute und immensen Goldtribut, aber auch zahlreiche Feindschaften.

Ihr Herrschaftszentrum unter einem Khagan hatten sie im Hring,  44)

(44: „Hring“: Bezeichnung für die awarische Hauptbefestigung zwischen Donau und Theiss; 796 durch einen Angriff aus Italien von den Franken erobert und zerstört; sogenannte „Awaren-Ringe“ sind eine fälschliche Bezeichnung für awarische Verhaue (Straßensperren), auch im Raum Tulln.)

einer groß angelegten Befestigungsanlage zwischen Donau und Theiss. Nach 626 – ihrem erfolglosen Angriff auf Byzanz – schränkten sie ihre Raubzüge ein und wurden zu sesshaften viehzüchtenden Bauern, die auch in Niederösterreich östlich des Wienerwaldes siedelten. Im Jahre 713/14 stießen sie aber bis zur Enns vor, zerstörten das antike Lauriacum und errichteten zwischen Enns und Wienerwald ein tributpflichtiges von Slawen (Slovenen) besiedeltes Gebiet, das Awaria genannt wurde, gleichzeitig eine militärische Pufferzone zum mächtigen Frankreich.

791/96 wurden die zeitgenössisch auch als Hunni bezeichneten Awaren vom Karl dem Großen entscheidend besiegt, unternahmen 799/803 eine erfolglosen Aufstand, erhielten 805 eine Schutzzone zwischen Donau und Theiss, verschwanden dann aber aus den historischen Quellen (letzte Erwähnung einer awarischen Delegation im Jahre 822).

Seite 98:

Die Slawen (623 – 906 n. Chr.)
Im Zuge der Völkerwanderung verlegten auch slawische Völkerschaften ihre Wohnsitze, wobei sie vielfach Räume besiedelten, die von germanischen Völkern verlassen wurden.

Nur wenige slawische Völkern- wie den Mährern und den Bulgaren – gelang es damals, stabile Reiche zu bilden, die meisten verblieben auf dem Status von Volksstämmen, die zumindest tributär unter der Vormacht von Großmächten (Byzanz, Frankreich, Awarenreich) standen und für eine römische oder griechische Christianisierung offen waren.

In Österreich bildeten seit 592 östlich der Linie Lienz-Linz slawische Völker (v. a. Slowenen und Mährer) vom 8. bis zum 10. Jahrhundert das Bevölkerungssubstrat.

In der Stadtgemeinde Tulln wurden ausschließlich slawische Funde gemacht, die vermutlich slowenischer Provenienz sind. Auffällig dabei ist das völlige Fehlen von Funden fränkischer bzw. bayerischer Herkunft.

Slawische Reichs- und Herrschaftsbildungen
Schon im 7. Jahrhundert konnte der mährische Kaufmann Samo ein kurzlebiges Reich (von ca. 623 – 658) bilden und im 8. Jahrhundert übernahmen die Bulgaren die Herrschaft an der unteren Donau, die ihr Einflußgebiet bis in die Ungarische Tiefebene ausdehnten.

Für das Bayerische Ostland mit dem Präfektensitz in Tulln wurde das Mährische Reich (822 – 906) als unmittelbarer Nachbar von größter Bedeutung, das unter Swatopluk (Zwentibald) um 880 seine größte Ausdehnung hatte.

Dabei wechselten ihre politischen Beziehungen ständig, ebenso wie die kirchliche Ausrichtung der Christianisierung, die kurzfristig auf die Ostkirche (Missionare Cyrill und Method) gerichtet war.

Innerhalb des Bayerischen Ostlandes konnten sich kleinere slawische Herrschaften bilden, wie jene des Fürsten Joseph im Kamptal, dessen Burg in Gars-Thunau archäologisch rekonstruiert wurde.

(Abb. 123: Denkmal für Swatopluk in Bratislava. Bild: Wikimedia gemeinfrei.)

(Abb. 124: Rekonstruierte Burg in Gars-Thunau. Bild: Friesinger-Vacha, 182.)

Seite 99:

Ereignisgeschichte
Ereignisse 791 – 907: Awarenkriege Karls des Großen und Bayerisches Ostland

Im 8. und 9. Jahrhundert entfaltete sich das Frankenreich insbesondere unter König/Kaiser Karl dem Großen zur führenden Macht in Europa. 791/96 wurde auch das geschwächte Awarenreich ein Opfer der fränkischen Expansionspolitik. Für die Geschichte Österreichs und Tullns ist die Errichtung einer ausgedehnten fränkischen Schutzzone/Mark von Bedeutung, die „Bayerisches Ostland“ (früher „karolingische Ostmark“) genannt wird. Dieses bestand zwischen 799 und 907 und hatte ihr Verwaltungszentrum (ihre Präfektur) von 832/33 bis 907 (eingeschränkt seit 871) in Tulln.

768 – 814: Kaiser Karl der Große
Der Aufstieg zur führenden europäischen Großmacht gelang dem kriegerischen germanischen Volk der Franken unter Karl dem Großen (768 – 814) durch Eroberung des Reiches der Langobarden (774), grausame Unterwerfung der Sachsen und die Ausschaltung des letzten verbliebenen Stammesherzogs (Tassilo III. von Bayern).

Die Stammesherzöge wurden durch Grafschaften (Gaue) mit übergeordneten Präfekturen neu verwaltet und die Grenzgebiete durch „Marken“ (militärische Grenzzonen) geschützt, u. a. durch das „Bayerische Ostland“.

Höhepunkt seines Aufstieges war die Kaiserkrönung durch Papst Leo III. zu Weihnachten des Jahres 800, die symbolische Wiederherstellung des römischen Kaisertums (Revovatio Imperii) mit noch engerer Bindung an das Papsttum. Karl führte eine umfassende Reichsreform durch: Grafschaftsverfassung, Währungsreform (Einheit: Silberdenar), Vorschriften für die Landwirtschaft und die deutliche Hebung von Bildung und Kultur („Karolingische Renaissance“).

Die führenden Mächte im 9. Jahrhundert
In nachrömischer Zeit bildeten sich das Frankenreich und das arabische Kalifat als neue Großmächte. Es bestand auch noch das Oströmische Reich (Byzantinische Reich), bedrängt von den Arabern und im Rückzug auf der Balkanhalbinsel. Zu den führenden Mächten sind auch die christlichen Kirchenorganisationen zu zählen, die römische Westkirche mit dem Papst und die griechische Ostkirche mit dem Patriarchen von Konstantinopel an der Spitze. Die Kirchen waren mit dem Frankenreich bzw. dem Byzantinischen Reich politisch verbunden und zielten auf die Missionierung der heidnischen Slawen.

(Karte 24: Die führenden Mächte im 9. Jahrhundert. Entwurf und Graphik: R. Hübl.
Zu sehen unter anderem das Frankenreich – Frankreich, Deutschland, Teile Italiens, Teile Österreichs (bis Salzburg).)

Seite 100:

791 – 796: Der Awarenkrieg und die Nennung Tullns 791 als Civitas Comagenis
Im Jahre 791 unternahm König Karl der Große einen ersten Feldzug gegen die Awaren um ihnen ihre Untaten heimzuzahlen und sammelte dafür im Herbst einige tausend Bewaffnete (Reiter) in Lorch an der Enns, die als feste Grenze (Limes certus) gegen die Awaria galt.

Nach dreitägigem Gebet stieß die Streitmach der Franken – gegliedert in zwei Armeen und eine Versorgungsflott auf der Donau – in die Awaria vor, wobei der König selbst die Südarmee führte, die wohl der alten römischen Reichsstraße folgte und sich vermutlich schon bei Tulln (Errichtung einer Schiffsbrücke?) mit der Nordarmee vereinigte.

Die Franken konnten wohl (schon verlassene) Verhaue der Awaren am Kamp und am Kumenberg 45)

(45: „Kumenberg“: Ebenso wie Mons Comagenus (Komagenerberg, Tullner Berg) mittelalterlicher Name des Wienerwaldes, der den römischen „Mons Cetius“ ersetzte; hier lokale Bezeichnung für einen Bergrücken des Wienerwaldes unmittelbar bei St. Andrä vor dem Hagenthale.)

nahe der „Stadt Comagenis (iuxta Comagenos civitatem) zerstören, der Feldzug misslang aber, weil an der Raab in Ungarn eine Pferdeseuche ausbrach und das Heer zur Rückkehr zwang.
 Erst 796 wurden die Awaren von Italien aus und mit Hilfe der Bulgaren entscheidend besiegt, ihr Hring zerstört und ihr Edelmetall (auch zur Münzprägung) ins Frankenland gebracht.

(Abb. 128: Bericht über die Zerstörung awarischer Verhaue im Raum Tulln durch die Franken in den Reichsannalen aus dem Jahre 791:
„Nachdem nun die Besatzungen der Hunnen   46) verjagt und ihre Verschanzungen zerstört waren, deren eine am Fluss Kamp und die andere bei der Stadt Comagenis   47) auf dem Kumenberg ungemein fest aufgeführt war, wurde alles mit Feuer und Schwert verheert“.

(46: „Hunni“: zeitgenössische Bezeichnung der Awaren, später auch der Ungarn.)

(47: „Stadt Comagenis“: In den Reichsannalen für 791 war ursprünglich nur der awarische Verhau am Kumenberg angegeben. Bei einer späteren Ergänzung wurde die Bezeichnung iusta (ad) Comagenos civitatem eingefügt, also „bei der Stadt bei den Comagenern“, gleichbedeutend mit dem antiken Namen Comagenis, wobei hier mit „Stadt“ nur eine optisch stadtähnliche Siedlung (bewohnte Großburg) gemeint sein kann.
H. Wolfram führt die alte römische Bezeichnung Tullns 791 auf das historische Wissen des Schreibers der Reichschronik zurück, P. Csendes hingegen auf die allgemeine historische Kenntnis von Tulln als Locus memorabilis (als erinnerungswerten Ort).)

(Karte 25: Der Erste Awarenfeldzug Karls des Großen im Jahre 791. Entwurf: R. Hübl.
 Zu sehen: Frankenreich, Awaria, Awarisches Khaganat; Lage der beiden Verhaue „super Cambum fluvium“ und „in monte Cumeoberg“; Strecke der fränkischen Armeen.)

799: Entstehung des Bayerischen Ostlandes
Nach dem entscheidenden Sieg über die Awaren im Jahre 796, an dem auch Bulgaren beteiligt waren, richtete Karl der Große im Jahre 799 (nach anderen Angaben 798/802) eine Mark (Schutzzone) gegen die Awaren unter dem Befehl eines Präfekten (Obergrafen, Grenzgrafen, Markgrafen) ein, die in der Folge „Bayerisches Ostland“ (urkundlich erst um 870 als Plaga orientalis) genannt wurde. Präfektensitz des Ostlandes wurde zunächst Lorch/Enns.

805 gewährte er den verbliebenden Awaren ein vom Frankenreich abhängiges Fürstentum (Khaganat) zwischen Raab und Donau, das bis 822 bestand.

Seite 101:

832/33 – 854: Präfekt Ratpot
Der aus altbayerischem Adel stammende Ratpot war Präfekt des Ostlandes 832/33 – 854 und Graf der Grafschaft des Präfekten, beide mit Sitz in Tulln. Ratpot unternahm bedeutsame Anstrengungen für die Machtergreifung und Kolonisierung des von Slawen besiedelten Ostlandes, an der einerseits bayerische Adelige (allen voran die Wihelminer, dann auch die Rapotone, Geroldonen, Sighardinger, Otakare), und andererseits Bistümer und Klöster (Regensburg, Salzburg, Passau, Kremsmünster) beteiligt waren, die vor allem Königsgut als Schenkungen oder Lehen kultivierten.

Die Präfektur Ratpots endete mit seiner Absetzung (854) wegen „Treuebruchs“ und seiner späteren Enteignung (859) durch den ostfränkischen König Ludwig den Deutschen (843 – 876). Vorgeworfen wurden ihm die Aufgabe von Königsland im Osten und sein angeblicher Pakt mit König Rastislaw von Mähren. Die wahren Gründe für seine Absetzung und Enteignung lagen sicher im Bestreben König Ludwigs, die wichtige Ostland-Präfektur mit seinem Sohn Karlmann zu besetzen.

832/33: Tulln wird Präfektensitz des Bayerischen Ostlandes
Die Präfektur „Bayerisches Ostland“ war bis 826 dem fränkischen König direkt unterstellt, dann bis 843 dem Königreich Bayern und ab der Reichsteilung von 843 dem Ostfränkischen Reich (Personalunion mit Königreich Bayern).

Namen für das Ostland waren Plage orientalis („Ostland“), dann auch umgangssprachlich bereits Ostarrihhi („Ostarrichi“). Die Bezeichnungen für den Präfekten Arbo als Comes terminales („Grenzgraf“) ist erst aus 888 und Marchio („Markgraf“) erst im 10. Jahrhundert (Raffelstettner Zollordnung 902/03 – 907) bekannt.

Die Präfektur Bayerisches Ostland war mit etwa 60 000 qkm etwa gleich groß wie das Königreich Bayern, aber durchschnittlich wesentlich dünner besiedelt. Dichter besiedelte Gebiete waren die Grafschaft des Präfekten von der Enns bis an die Raab, die möglicherweise aus drei Untergrafschaften bestand, sowie der angrenzende Traungau und die Grafschaft Savaria (Szombathely/Steinamanger).

Aus der alpinen Grafschaft Karantanien erwuchs später Kärnten und aus der Grafschaft Krain Slowenien. Dem Ostland gehörten auch die slawischen Fürstentümer von Moosburg und Siscia an.

Tulln war offenbar dank seiner geographischen Zentrallage von 828/33 bis 871 alleiniger Präfektsitz des Ostlandes und nach dessen Teilung (871) bis 907 Sitz der Präfektur Oberpannonien, des donaunahen Teiles des Ostlandes.

Tulln zählt zu den ältest genannten Siedlungen des Ostlandes. 791 noch mit seinem römischen Namen als Civitas Comagenis genannt, übernahm es 859 vom Fluss „Große Tulln“ den Namen Tullina. Dieser bereits vorrömische Flussname leitet sich von Toullon ab, eine auf den antiken Geographen Strabo  48) zurückgehende Bezeichnung für den „Schöpfl“, den höchsten Berg des Wienerwaldes, wo die Große Tulln entspringt. Solche (hydronymen) Namensübertragungen vom Fluss auf eine Siedlung sind auch von Traismauer und Wien (im Jahre 881) bekannt.

(48: „Strabo“: Strabo (griechisch: Strabon, ca. 63 v. bis 23. n. Chr.): Griechisch-römischer Historiker und Geograph (17 Bände Geographika, Schaffung einer Weltkarte).)

(Karte 26: Das Bayerische Ostland. Entwurf und Graphik: R. Hübl.)

Seite 102:

Comagenis lebte aber auch noch in der mittelalterlichen Bezeichnung für den Wienerwald als Mons Comagenus und als „Kaumberg“ (Cumeoberg, auch „Kumenberg“) fort, heute noch erhalten im Ortsnamen Kaumberg.

Vom frühen Siedlungswerk des Ostlandes lassen sich im näheren Umland Tullns drei lokalisierbare und zwei örtlich ungewisse Siedlungen nennen.

Im Jahre 836 schenkte König Ludwig der Deutsche dem Bischof von Passau Land und Weingärten (älteste Nennung des Weinbaues im Bezirk Tulln) zur Errichtung einer Kirche in St. Andrä vor dem Hagenthale (damals als Kirichbach genannt), wobei als Zeuge dieser Urkunde der Präfekt Ratpot auftrat. Als gesichert dürften heute die Nennungen von Absdorf (als Smihdaha) im Jahre 864 als Gründung des bayerischen Klosters Niederaltaich und von Schmida (ebenfalls als Smidaha) im Jahre 877 als Bestätigung einer Schenkung König Ludwigs des Deutschen an das Stift Kremsmünster angenommen werden.

Örtlich ungewiss sind die Siedlungen an der Perschling, wobei Bersnicha (843) in Perschling, Michelhausen und Rust vermutet wird.

Die Nennung von Tullina im Jahre 837 wird heute eher als „beim Tulln-Fluss“ (bei Judenau) als „in Tulln“ interpretiert.

(Karte 27: Siedlungen im zentralen Bayerischen Ostland 777 – 907. Karte: R. Hübl.)

Die Präfekten des Ostlandes waren als Vertreter der fränkischen Könige mit deren Hoheitsrechten ausgestattet und hatten als primäre Aufgabe die Aufstellung eines eigenen Heeres zur Verteidigung des Ostlandes. Als „Obergrafen“ und Königsboten überwachten sie auch die Amtstätigkeit der ihnen unterstellten Grafen (Gerichtsbarkeit, Finanzen und Verwaltung). […]

Seite 103:

856 – 871: Präfekt König Karlmann
Der Sohn Ludwig des Deutschen und Unterkönig von Bayern herrschte noch über das gesamte Ostland und hatte seine Präfektur in Tulln. In seiner Zeit, die von einer Schaukelpolitik gegenüber dem Mährischen Reich und seinem Vater geprägt war, spielte die Grafenfamilie der „Wilhelminer“ als Kolonisatoren eine wichtige Rolle. […]

863: König Ludwig der Deutsche und der Bulgarenkhan Bogoris schliessen in Tulln ein Bündnis
König Ludwig der Deutsche schloss 863 in Tulln mit dem Bulgarenkhan Bogoris (Boris, Michael) ein Bündnis gegen die Mährer, die Gebiete zwischen Raab und Donau beanspruchten (Quelle; Nicholai I Papae Epistulae, Nr. 26), und zog mit Bogoris, der sich in Tulln taufen lassen wollte, erfolgreich gegen den Mährerkönig Moimir und dessen Neffen Rastislaw.

871: Teilung des Bayerischen Ostlandes
Präfekt König Karlmann nahm nicht zuletzt wegen seiner immensen Größe eine Teilung des Bayerischen Ostlandes in zwei Präfekturen vor: Oberpannonien (Traungau, Grafschaft des Präfekten, Grafschaft Savaria) mit dem Sitz des neuen Präfekten Graf Arbo in Tulln und Unterpannonien (Grafschaften Karantanien und Krain, slawische Fürstentümer) mit wahrscheinlichem Sitz der Präfekten in Karnburg (König Karlmann, König Arnolf, Graf Luitpold). […]

Seite 104:

884: Kaiser/König Karl III. verständigt sich mit slawischen Fürsten bei Tulln
In einem Treffen bei Tulln im Jahre 884 verständigte sich der fränkische Kaiser und ostfränkische König Karl III. (der „Dicke“, 881 – 887), wohl angesichts der Gefahr durch die Ungarn, mit dem mährischen Fürsten Swatopluk und dem pannonisch-slawischen Fürsten Braslaw (Fürstentümer Moosburg und Sicia) über einen Friedensschluss, der mit Lehenseiden der slawischen Fürsten gegenüber König und Reich verbunden war. (Quelle: Annales Fuldenses).

890: König Arnolf von Kärnten und Swatopluk bestätigen die Verständigung
890 wurde die Übereinkunft von 884 zwischen dem inzwischen neuen ostfränkischen König Arnolf von Kärnten und Swatopluk am Omuntesberch östlich von Tulln erneuert. Die schon 791 genannte Lokalität Omuntesberch könnte etwa beim heutigen Maria Gugging gelegen haben.

907: Die Schlacht bei Pressburg und die Aufgabe des Bayerischen Ostlandes
Im Jahre 907 fühlten sich die Bayern stark genug, um gegen die expandierenen Ungarn vorzugehen. Ein großer bayerischer Heerbann drang unter Führung von Markgraf Luitpold in den ungarischen Herrschaftsbereich vor, erlitt aber in der Nähe von Pressburg (nach anderen Deutungen bei Moosburg am Plattensee) gegen die Ungarn unter Großfürst Arpad eine vernichtende Niederlage, bei der 3 Bischöfe (als Lehensmänner), 19 Grafen und fast das gesamte bayerische Aufgebot zugrunde gingen.

Durch diese schwere Niederlage musste der Raum bis zur Enns geräumt und damit das Bayerische Ostland aufgegeben werden.

Ereignisse 907 – 976: Ungarnherrschaft und „Römisch-deutsches Reich“
Mit der Schlacht bei Pressburg und mit dem Untergang des Bayerischen Ostlandes begann für Ostösterreich und damit auch für den Tullner Raum eine historische Periode, die einerseits durch die tributäre Ungarnherrschaft und andererseits durch den Einfluss und die schließliche Machtübernahme durch das aufstrebende Römisch-deutsche Reich gekennzeichnet war. Die Ungarnherrschaft (westlich der Traisen) endete de facto im Jahre 955 durch die schwere Niederlage der Ungarn bei Augsburg und mit der Errichtung einer „Mark an der Donau“. Sie war ab etwa 960 die erste Keimzelle römisch-deutscher Herrschaft im späteren Österreich, die 976 von den Babenbergern übernommen wurde. [… „Die Ungarn/Magyaren“]

Seite 105:

907 – 955/976: Die Ungarnherrschaft über das nachmalige Österreich
Nach der Schlacht bei Pressburg errichteten die Ungarn im ehemaligen Ostland zwischen Enns und Wienerwald eine tributäre Herrschaft, die auf die Leistung von Abgaben gerichtet war, aber die Wirtschafts-, Sozial- und Kirchenstruktur der karolingischen Zeit nicht änderte.

Das „Römisch-deutsche Reich“
Mit der Wahl Konrads I. von Franken im Jahre 911 kann erstmal von einem „Deutschen Königreich“ in Nachfolge des Ostfränkischen Reiches gesprochen werden, das 962 durch die Erneuerung der römischen Kaiserwürde durch König Otto I. in der Tradition Karls des Großen ein „Römisch-deutsches Reich“ wurde. In diesem Reich wurden vom Reichsadel „Römische Könige“ gewählt, die vom Papst in Rom zu „Römischen Kaisern“ gekrönt oder seit dem 16. Jahrhundert nach ihrer Wahl im Reichstag zu „Erwählten Römischen Kaisern“ erhoben werden konnten.

Seit dem 12. Jahrhundert wurde auch die Bezeichnung „Heiliges Römisches Reich“ üblich, das seit 1486 mit dem Beisatz „Deutscher Nation“ versehen wurde. Das „Römisch-deutsche Reich“ bestand bis 1806 und wurde auch als das „Erste Reich“ bezeichnet, dem 1871 – 1918 das „Zweite Reich“ (Deutsches Kaiserreich) und 1933 – 1945 das sogenannte „Dritte Reich“ der Nationalsozialisten folgten.

911 – 918: König Konrad I.
König Konrad I. bemühte sich um die Durchsetzung königlicher Macht gegen die nach den Karolingern wieder eingesetzten Stammesherzöge (Jüngeres Stammesherzogtum mit den Herzogtümern Bayern, Franken, Schwaben, Thüringen, Sachsen, Nieder- und Oberlothringen).

918 – 936: König Heinrich I. und die sächsischen Kaiser bzw. Könige (918 – 1024)
Auch König Heinrich I. befand sich im Kampf mit den Stammesherzögen, dazu mit slawischen Stämmen an der Elbe und mit den Ungarn, die er 933 an der Unstrut (bei Riade) erstmals besiegen konnte. Mit ihm begann die Herrschaft der „Sächsischen Kaiser/Könige“, die über Otto I. (936 – 973), Otto II. (973 – 983) und Otto III. (983 – 1002) bis zu Heinrich II. (1002 – 1024) reichte. Unter Otto II. wurden 976 die Babenberger mit der „Mark an der Donau“ belehnt und Heinrich II. schenkte im Jahre 1014 dem Bischof von Passau, Berengar, eine Königshufe zur Errichtung einer Kirche und eines Priesterhauses (Pfarrhofes) in Tulln (siehe auch S. 111).

936 – 973: Kaiser Otto I.
Otto I. gelangt der entscheidende Sieg über die Ungarn auf dem Lechfeld bei Augsburg im Jahre 955 wie auch die Erneuerung der römischen Königs- bzw. Kaiserwürde 962.

Von weitreichender Bedeutung wurde seine Kirchenpolitik: Als Gegengewicht zur Macht der Stammesherzöge stattete er Bischöfe und Äbte mit ausgedehnten Ländereien aus (1/3 des Reichsgebietes), wobei er diese sowohl in ihre geistlichen Ämter einsetzte als auch als seine Lehensmänner vereidigte (Eigenkirchenwesen).

Ca. 960 – 976: Die „Mark an der Donau“
Kaiser Otto I. der Große erneuerte nicht nur das Kaisertum Karls des Großen, sondern auch die Einrichtung von Grenzmarken im Osten des Reiches.

Dabei wurde gegen die Ungarn zunächst um 960 die „Mark an der Donau“ geschaffen, ein kleiner Landstreifen im Alpenvorland zwischen Enns und Traisen (noch ohne Tulln), die Keimzelle des späteren Österreichs, die vermutlich vom Markgrafen Burkhard (der Rüdiger von Bechelaren des Nibelungenliedes) verwaltet wurde.

Die erwähnten Karten finden Sie im Register 01 Karten, Nummern 17_Hübl, 17.1_Hübl und 17.2_Hübl.

Veröffentlicht am 15.8.2025

D 25   Internet-Recherchen März 2024

A     Geschichte.wiki-Wien zu Awaren und Wienerwald

Ein PDF-Druck ist im Gemeindearchiv vorhanden.

Links:

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Awaren

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Wienerwald

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B      Awarenmark Wikipedia

Ein PDF-Druck ist im Gemeindearchiv vorhanden.

Link: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Awarenmark

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C      Gab es Awarenringe (1938) und Kumenberg

Gab es „Awarenringe“ in Niederösterreich?
Von Herbert von Mitscha-Märheim, 1938

Download dieses Artikels aus „Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich“ von ZOBODAT – www.zobodat.at

Online-Link:

https://www.zobodat.at/pdf/Jb-Landeskde-Niederoesterreich_27_0025-0029.pdf

Stichwörter:

* Ein anonymer Mönch von St. Gallen beschreibt und spricht von neun „Ringen“; 75 km vom anderen entfernt, immer enger und enger werdend; Befestigungen aus Stämmen, Steinen und Erde; 6 m hoch und ebenso breit.

* Quelle für den Mönch – ein alter Kriegsmann Adalbert, Teilnehmer Awarenfeldzüge mit König Karl des Großen; zog den Mönch als Knaben auf; oft und oft von seinen Kriegstaten erzählt.

* Ein Körnchen Wahrheit, Viel Übertreibung und noch mehr Phantasie – so die Wertung.

* Awarenring vom Kamp gegen Stockerau ist im niederösterreichischen heimatkundlichen Schrifttume zu finden; ein Nachweis würde schwer fallen.

* Wirklichkeit: Größte Befestigung wohl bei Alföld; Angabe der Bauart der großen Burgen, Wälle aus Holz, Stein und Erde, mit Palissaden auf der Krone.

* Kein Hinweis, dass Niederösterreich alter, awarischer Siedlungsboden gewesen sei.

* 791 beschriebene Befestigungen – „Awarenringe“ im geschilderten gewaltigen Ausmaße?

* Befestigungen, Sperren sonach am Kamp und am Wienerwald.

* Kamp scheidet aus, es gab keine Straße zum Sperren.

* Vielleicht die Ortschaft Kammern (Chambarn im 12. Jahrhundert)?

* Wienerwald „Ad Cumeoberg, in monte Cumeoberg“ – WO?

* Chumiberg = Kumenberg, bei St. Andrä.

* Weitausgedehnte Landwehr im Wienerwalde (aufgefunden bis 1936) sind keine Awarenringe, sondern nach Osten ausgerichtet. Aus Zeit des ersten babenbergischen Markgrafen Luitpold?

* Schlußfolgerung – die Awarenringe hat es in Niederösterreich nie gegeben.

Weitere Links zu Kumenberg:

https://de.wikipedia.org/wiki/Kumenberg

https://www.meinbezirk.at/tulln/c-lokales/spaziergang-am-kumenberg_a3940032

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D      Awarische Grenzorganisation nach 1954

Eine awarische Grenzorganisation des 8. Jahrhunderts in Niederösterreich?
Herbert Mitscha-Märheim, 1957

Stichwörter:

* 1939, J. Höbarth, Horn, im niederösterreichischen Waldviertel zwei Skelettgräber gehoben, als awarenzeitlich (8. Jahrhundert) angesehen.

* Beschreibung der Funde und Vergleich mit anderen Funden.

Abschrift: […] Und dennoch dürfte die awarische Deutung die wahrscheinlichste sein, wenn wir uns kurz die in unseren Gegenden im 8. Jahrhundert gegebene Situation vor Augen führen:

Durch die vernichtenden Niederlagen, die die Chagane im Laufe des dritten Jahrhunderts des 7. Jahrhunderts vor Byzanz einerseits, seitens der unter Samo geeinten Slawenvölker des Westens andererseits erlitten hatten, ist die erste offensive Phase der awarischen Geschichte in Europa abgeschlossen worden. Es folgte ein Zeitraum außenpolitischer Ohnmacht des Nomadenreiches, der kulturell und handelspolitisch durch überwiegend byzantinischen Einfluß gekennzeichnet erscheint. Innere Konsolidierung, Ausgleich der Gegensätze der verschiedenen ethnischen Komponenten, einheitliche Ausrichtung des nomadischen Kunsthandwerkes (Preßbleche aus Edelmetall und Bronze), gefördert durch die weitergewährten byzantinischen Jahrgelder, kennzeichnen die Entwicklung im Donau-Theißgebiet zwischen 630 und 680. Die Abwanderung der Bulgaren aus ihren bisherigen Sitzen in Bessarabien und der Moldau über die Donau nach Süden in ihr heutiges Siedlungsgebiet im Jahre 679 schnitt das Awarenreich mit einem Schlag von seinen byzantinischen Kraftfeldern ab. Der bisherige Zustrom aus oströmischem Münzgold versiegte, die Nachrichten der byzantinischen Quellen über das Awarenreich rissen ab. Die im Inneren gefestigte awarische Macht fand jedoch durch die inzwischen eingetretene Änderung der politischen Verhältnisse im westlichen Nachbargebiet binnen kurzem einen Ausgleich für diesen Schlag. Das Slawenreich Samos war nach dem Tode des großen Königs aus fränkischem Stamme infolge der Streitigkeiten seiner zahlreichen Söhne zerfallen und bot einem Angriff der Awaren keinen Widerstand mehr. Schon um 690 waren die slawischen Stämme Pannoniens zwischen dem Plattensee und dem Alpenostrand unterworfen und den Zielen der awarischen Reichspolitik unmittelbar dienstbar gemacht. Zum Unterschied zur Zeit vor 620 wurde das neu gewonnene Land nunmehr aber auch siedlungsmäßig - anscheinend unter bedachter Schonung der slawischen Volkskraft - besetzt, nicht bloß machtmäßig beherrscht. Die Gräberfelder der Zeit um 700 zeigen diese Tatsache in deutlichster Weise. Hand in Hand mit dieser Besiedlung des westpannonischen Raumes ging die klientelmäßige Organisierung der alpenslawischen Stämme Karantaniens und Niederösterreichs, sowie der südslowakischen Gebiete. Während aber innerhalb dieser im Raume südlich der Donau awarische Siedlung nirgends feststellbar ist, sind im norddanubischen Raum einzelne awarische Sicherungsposten auch siedlungsmäßig zu fassen. So Theben an der March, Mistelbach und Untertannowitz. Schon in der Zeit um 700 berichten uns westliche Nachrichten wieder von awarischen Raubzügen bis ins bayrische Land über die Enns. In der Zeit zwischen etwa 720 und 730 erfolgte - als sichtbares Zeichen der neugefestigten inneren und äußeren machtpolitischen Entwicklung- die Ausbildung des neuen awarischen Kunststiles der Bronzegüsse mit Tier- und Pflanzenmotiven, die wir seit langem als den „awarischen Stil" zu bezeichnen gewohnt sind.

Das Gebiet zwischen dem Kamme des Wienerwaldes und der Enns hat - von Awaren niemals besiedelt - im Laufe des 8. Jahrhunderts wiederholt politisch seine Oberherrn gewechselt. Zeitweise gehörte es zum awarischen, zeitweise zum bayrischen Einflußbereich. Ab 772 sind die Alpengebiete (Karantanien und das westliche Niederösterreich) in der Obhut des Bayernherzogs Tassilo, ab 778 zwischen dem Awaren- und dem Frankenreich strittig. Der Feldzug Karls des Großen im Jahre 791 traf im Zuge der alten Römerstraße südlich der Donau am Wienerwald (Kumenberg bei St. Andrä), somit an der alten Grenze zwischen Pannonien und Norikum, auf die erste awarische Grenzsperre, im Norden des Stromes am Flusse Kamp, wo der große alte Verkehrsweg von Böhmen her sich der Donau nähert  11).

11) H. Mitscha-Märheim, Gab es „Awarenringe” in Niederösterreich? Jahrbuch für Landeskunde von N.-Ö. 27, 1938, 25-29.   

Es fällt nun auf, daß unsere oben beschriebenen Funde gerade in den Räumen liegen, in denen den chronikalen Nachrichten zufolge diese awarischen Grenzsperren angelegt worden waren: An den Eintrittstellen der Hauptstraßen aus dem Westen ins awarische Reichsgebiet. Bedenken wir nun ferner, daß die awarischen Chagane die Erfahrung, die sie im ersten Drittel des 7. Jahrhunderts mit der Unzuverlässigkeit ihrer slawischen Klienten im Westen gemacht hatten, wohl nicht vergessen haben werden. Der Gedanke, daß sie eben hier, an ihrer gefährdetsten Grenze gegen das immer mächtiger werdende Reich der Franken im Laufe des 8. Jahrhunderts eine eigene Grenzorganisation nach Art der ungarischen „Gyepü" des 10. Jahrhunderts errichtet haben, hat somit einige Wahrscheinlichkeit für sich. Auch die Madjaren haben ja entlang der Grenze ihres eigentlichen Siedlungsgebietes (damals im Burgenländischen und im slowakischen Raum) fremde, als besonders kriegerisch bekannte asiatische Stämme (Chazaren, Petschenegen etc.) als eigene Grenzwächter angesiedelt. Ähnliches von den Awaren zu vermuten, liegt nahe. Dazu kommt, daß die Ortsnamengebung gerade im Horner Raum Elemente zu enthalten scheint, die aus germanisch-deutschen und slawischen Wortstämmen nicht erklärt werden können (z. B. Fuglau, im 12. Jahrhundert: Vukla, Fuklah). Strögen aber - der einzige slawische Name im Raume der Horner Bucht - läßt sich vom Stamme streg = hüten, bewahren, ableiten (W. Steinhauser) und könnte ebenso wie das benachbarte Großburgstall (dessen Burgstall sich bisher nicht auffinden ließ, dessen Name aber etwa auf einen kurganartigen Grabbau zurückgehen mag) auf eine solche Grenzwächtersiedlung - wie wir vermuten - asiatischer Stämme unter eigenen Chanen zur Awarenzeit im 8. Jahrhundert hinweisen. Wir hoffen, daß uns für die nächste Zeit geplante Grabungen insbesondere im Horner Gebiet noch weiteres Material zur Untermauerung unserer Meinung liefern werden.
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E      Buchberg Ungarn NÖN 2012

Link: https://m.noen.at/neulengbach/sensationsfund-ist-jetzt-zu-sehen-4427241

Siehe zur Befestigungsanlage auch unter 01 Karten, Bilder - Nummer 10_Buchberg-Buch.

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F      Buchbergkonglomerat  1954

Im März 2024 wurde mit der Internet-Recherche begonnen. Im Vortrag am 3.2.2024 wurde die Frage aufgeworfen, wie eine Linie der Verhagungen und Hausberge/Burgen verlaufen haben könnte.

Zum Zeitpunkt dieses Treffers am 8.3.2024 war der Gedanke, dass vielleicht die Geologie einen Hinweis darauf geben könnte.

Nachdem die späteren Recherchen die „Befestigungsanlagen im Wienerwald um die Jahrtausendwende“ mit einer Skizze und Ortsregister ergab, war eine Auswertung dieser Quelle nicht mehr notwendig.

Da verschiedene Orte unserer Gemeinde oft vorkommen, wird die Quelle trotzdem hier erwähnt.
Erläuterungen zur geologischen Karte der Umgebung von Wien (Ausgabe 1952)
Wien, 1954

Skizzen siehe im Register 01 Karten, Bilder -  Nummer27_Buchbergkonglomerat.

Aufgrund dieser Quelle wurde ebenfalls nach „Steinbruch Riederberg im Internet gesucht und ergab als Treffer einige Auszugsansichten. Aus diesen ist zu entnehmen:

* […] Riederberg  (die auch als „Sancta Maria in Paradyso“ oder „Sankt Laurentius im Paradies“ bezeichnet wird). Kurz davor … Steinbruch genutzt. Erst im 19. Jahrhundert wurde die Ruine von einem Pfarrer aus Sieghartskirchen „wiederentdeckt“ und erforscht. Laurentius-Kapelle. Quelle: Wandern im Wienerwald
 [Anmerkung Marktgemeinde, Andreas Bohnec, 26.8.2024:
 Pfarrer Johann Adam Mihm, gemeint ist die Klosterruine.]

* Riederberg - Wien: Steinbruch am Waldrand (Buche): SE-Hang. Seichtgründige, skelettreiche Rest-Braunerde auf Kalkmergel. pH des von Mergeltrümmern durchsetzten rötlichbraunen lehmigen Tones 6.5. Quelle: Bericht über die Tagung der V. Kommission in Wien 1937
[Foto vom Buchberg aus gesehen am 16.5.2025 im Gemeindearchiv. Siehe unter 01 Karten, Bilder   43_Wanderung_Buchberg]

* In das 10. Jahrhundert sind auch die Befestigungsanlagen der Hausberge zu setzen. Hausberge gibt es im Wienerwald, was bisher ganz unbeachtet geblieben ist: bei Tulbing, Ried am Riederberg (Hinweis Joh. Fuchs, ausgedehnte Verwallungen), ferner den Hausberg (559 m) sö. vom Sulz- […]

* Den Detailformen der Bodengestaltung gelten dann die Bezeichnungen Kogel, Bühel, Leiten (Abhang), Hügel, die sich auch als Siedlungsnamen finden, aber keine große Verbreitung erfuhren. Auch die Hohlformen dienten mit den Endungen –thal, -graben (grub) zur Benennung. […]
[Anmerkung Marktgemeinde, Andreas Bohnec, 24.8.2024:
Vergleiche zu „Kogel“ dazu im Register A 3 zum unteren Hausberg die Frage: „Vielleicht hat Kogl oder Kogel davon seinen Namen?“ und zu „Leithen“ die Ried- und Straßenbezeichnung am Riederberg.]

* Das regelmäßige Straßendorf Rappoltenkirchen 
* Das Grabendorf Kogel, Ried
Quelle: Forschungen zur Landeskunde von Niederösterreich, 1934.

* […] (Hausberge) südlich der Donau. Im Viertel unter dem Wienerwald finden wir Hausberge und hausbergartig angelegte Steinburgen nur in den gebirgigen Gegenden, im Gebiete der Buckligen Welt und im angrenzenden Teil des Burgenlandes. […]

* Im Viertel unter dem Wienerwald treten Hausberge und verwandte Anlagen in folgenden Funktionen auf:
1. Herrensitz und Verwaltungsmittelpunkt:
Meist als reiner Hausberg mit Hochwerk und 2 – 3 Wällen und Gräben, oft etwas höher gelegen (Pankraziberg, Pottenstein) und auch in Seitentäler zurückgezogen […]
Quelle: Archaeologia austriaca – Bände 38-40, 1965

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G       Entehung und Ausbau der Mark Österreich, 1977

Link:
http://steyr.dahoam.net/wp-content/uploads/2018/09/Karl-Gutkas-Die-Babenberger-in-Oesterreich-Entstehung-und-Ausbau-der-Mark-Oesterreich.pdf

Quelle: Von Karl Gutkas
Aus der Wissenschaftlichen Schriftenreihe Niederösterreih, Heft 13/14, St.Pölten – Wien 1977
Die Babenberger in Österreich

Siehe Seite 6 letzter Absatz zu Wehrkirchen und gleich im Anschluss Seite 7 oben zu Hausberge (sehr interessant im Bezug auf den unteren Hausberg!)

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H       Die Große Tulln

Große Tulln interessant, weil in verschiedenen Abschriften erwähnt in Bezug auf Awarische Grenze, Umleitungen durch die Ungarn, Zehentgrenze, Reichsgrenze, zum Grenzschutz verwendet.

Bitte beachten Sie, dass die Große Tulln (zumindest im Gebiet der heutigen Marktgemeinde Sieghartskirchen) in den Jahren 1925 – 31 (Seite 123 f Sieghartskirchen, Ein Heimatbuch, 2001, Roland Dobersberger) reguliert wurde. Den früheren Verlauf sehen Sie unter den historischen Landkarten (Register A 1).

LINKS (Wikipedia Eintrag und Beschreibung des Flussverlaufes):

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fe_Tulln

https://www.alpenpaesse-wasserscheiden.at/oesterreich/donau-flussverlauf-und-verkehrsuebergaenge/grosse-tulln-gebiet-flussverlauf

Siehe auch unter 01 Karten, Bilder – Nummer 26_Große_Tulln.

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I       Enns und Wien in der Karolingerzeit, 1964

Quelle: Von Heinrich Koller
Artikel Auszug ZOBODAT 
Aus: Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich, Band 36

Online-Link: Jb-Landeskde-Niederoesterreich_36_1_0074-0086.pdf

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J        Suchworte Awaren und Hausberge

Drei interessante Treffer:

1) Landkarte Reich Awaren und Karl der Große – siehe im Register 01 Karten, Bilder:      25_Awaren

 

2) Interessanteszu Hausberge in:
Quelle: Beiträge zur Geschichte der frühmittelalterlichen Besiedelung der Steiermark.
Von Walter Schmid.

In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark Jahrgang 18 (1922)

Kapitel 4.Herrensitze und Hausberge. PDF-Seite 8 – 9.

Online-LINK  Z_Jg18_Walter-SCHMID-Beiträge-zur-Geschichte-der-frühmittelalterlichen-Besiedelung-der-Steiermark.pdf

 

3) Quelle: Wegkreuzungen am Beispiel der Breiten Föhre
Masterarbeit Angelika Mangold, Dezember 2013

Hausberge werden dreimal auf PDF-Seite 42 erwähnt und auf PDF-Seite 51.
Zeitleiste: 1050 Hausberge (später Burgen) entstehen.

Online-Link     layout_1.10.indd

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K      Der römische Limes in Österreich

Da in einer historischen Landkarte (Links siehe im Register A 1) der Verlauf des Limes im Bereich unserer Gemeinde / Wienerwald vermutet wurde, wurde recherchiert und folgende Seite der Uni Wien gefunden:

https://limes.univie.ac.at//php/glossary_term.php?ID=61

Der Limes steht zwar nicht im Zusammenhang mit den Awaren und Hausbergen, dient aber zur Ergänzung der Abschriften. Das Wort Limes kommt in den Texten bzw. in Quellenangaben ca. 21 mal vor.

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Veröffentlicht am 15.8.2025

D 26   1991, Abschrift Unsere Heimat  (Internet-Recherche am 7.7.2024)

Mit den Suchworten „chogel Fontes rerum“ ergab sich eine Auszugsansicht:

Unsere Heimat, 1991, Seite 252:

[…] Weigl schreibt: „Die drei sprachlich sich nicht deckenden Belege weisen alle in die Gegend südlich Sieghartskirchens“  83)  In dem aus dem Jahr 1337 wird der Hof in der Reihenfolge Chogel – Geraut – Eisenpeutelhof – Rörnbach  84) genannt. Auch [Ende der Auszugsansicht]

Dieser Text kam mir [Marktgemeinde, Andreas Bohnec] bekannt vor – Abschrift Bors, Ortswüstungen, für die Frühgeschichte. Im Word der Abschrift wurde nach „Chogel“ gesucht und folgende drei Treffer gefunden:

„2.7.3. Schriftliche und mündliche Quellen
 
 Nennungen Lichnowsky (1836 - 44, III, 428. Nr. 1048): "Weichart v. Toppel ... verkauft ... das Haus zum Chogel, das Dörfel zu dem Geraut, den Eisenpeutelhof, ein Pfund Gelts zu Rörnbach und ..." 15. August 1335.

[Abschrift aus dem Original: 1048. 1335. 15. Aug: Wien. Weichart v. Toppel, Hofrichter in Oester., verkauft den Herz. Albr. und Otto das Haus zum Chogel, das Dörfel zu dem Geraut, den Eisenpeutelhof, ein Pfund Gelts zu Rörnbach und den Ruetzenmayrhof für 1150 Pfund Wiener Pf. k. k. g. A.]

2.17.3. Schriftliche und mündliche Quellen

Mögliche Nennungen: Purchstal apud Rapotenkirchen. Österr. Urbare 1/1, 71 (AMA Nr. 1391, HONB Nr. 8589). Zwischen 1220 und 1240.
 Ruetzenmayrhof. LICHNOWSKIY (1836 – 44, III, 428, Nr. 1048) „… verkaufte das Haus zum Chogel, das Dörfel zu dem Gerant (Gerersdorf), den Eisenpeutelhof, ein Pfund Gelts zu Röhrenbach und den Ruetzenmayrerhof für …“ 15. Aug. 1335.“

 

Interssant ist dieser Treffer einerseits weil die Originalquelle Lichnowskiy im Gegensatz zu den bisherigen Abschriften genauer ist und weil für die Frühgeschichte die Originalstelle schon abgeschrieben wurde. Somit sind die Abschriften im Register Frühgeschichte Nummer 69 ergänzt. Siehe auch unter 02 Urkunden im Register 2.17.5.

Weiters sind die „Publikationendes Vereines für Landeskunde von Niederösterreich (bis 1999)“ online. In dem Originalartikel (in Unsere Heimat 3/91) handelt es sich um Kurt Bors, Systematische , gebietsbezogene Ortswüstungsforschung. Seiten 230 bis 258 (im PDF Seiten 238 bis 266). Es handelt sich um den Abschnitt zur Ortswüstung Eisenpeutelhof.

Link zur Ausgabe „Unsere Heimat, 1991“.

Veröffentlicht am 15.8.2025

D 27   1909, Geschichte Salzburgs  (Internet-Recherche am 7.7.2024)

Mit den Suchworten „Anlage Chogel“ wurde eine Auszugsansicht betreffend Ulrich von Hasendorf gefunden, welcher in der Abschrift für die Homepage fünfmal vorkommt.

Geschichte Salzburgs: bd. Von 1270 bis 1519
Hans Widmann, 1909

Seite 32:

Auch durch Kauf, das ist für die unfreie Stellung der Ritter (milites) bezeichnend, wurden die kriegerischen Kräfte vermehrt; Erzbischof Friedrich kaufte mit Erlaubnis des Königs Rudolf den Ritter (miles) Ulrich von Hasendorf von Konrad dem Eysenpeutel von Chogel [Hier endet die Auszugsansicht. Mögliche Fortsetzung: um 50 Pfund Wiener Denare.]

Veröffentlicht am 15.8.2025

D 28   www.dmgh.de (Internet-Recherche am 7.7.2024)

Hier gelangen Sie zur Suche auf der Seite „dMGH Beta“.


Suche nach Chogel– 1 Treffer:

Im Inhaltsverzeichnis – Seite 526:

Chogel – de Ch.: Chunradus l. s. XIII. 326 25 / 8.

Wie oben angegeben auf Seite 326:

Zeile oder Tag25.
8. kal.
Chunradus l. de Chogel
Seitenüberschrift: Necrologium S. Lamberti.
Vor der Zeile 1. steht der Monat MAIUS.

Die Einleitung ist in Latein geschrieben, verschiedene Jahreszahlen werden genannt: 1103, 1170, 1329, 1358, 1579. Die Bedeutung bleibt somit unklar – Eine Liste von Geburtstagen, Todestagen, Urkunden???

 

Ein weiterer Treffer in der Internet-Recherche am 7.7.2024 ergab folgenden Treffer (auch hier ist die Bedeutung unklar):

Fontes Rerum Austriacarum.
Oesterreichische Geschichts-Quellen.
Historische Commission der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien.
Zweite Abtheilung.
Diplomataria et acta.
XXIX. Band.

Die beiden ältesten Todtenbücher des Benedictinerstiftes St. Lambrecht in Obersteier.
Wien, 1869.

Link zur Quelle. 

Grundlage der römische Kalender. Je Blattseite vier oder sechs Tage bestimmt.
Kloster 1103 gegründet. Auch Notizen in den Nekrologien aus der Zeit davor.
Sterbejahre wurden nur selten angegeben?

PDF-Seite 133:

[25]
E VIII. Kal. Junii.
Saec. XIII.: - Chunradus laic. de Chogel   82) –

(82: Am Chogel ist wohl eine Gegend in der Nähe des Stiftes).

PDF-Seite 309:

II. Weltliche Personen mit Familiennamen oder Ortszuweisung.

Chogel, Chunradus I. de – 25. Mai. XIII.

Anmerkung 1 Marktgemeinde, Andreas Bohnec 24.7.2024:
Auf der PDF Seite 133 steht zwar Junii, die Überschrift am Beginn des Monats ist aber tatsächlich Majus. 

Anmerkung 2 zur Anmerkung 82 oben: Laut Recherche in „Das Ministerialengeschlecht der Eisenbeutel“ von Büttner, Seite 265 (PDF Seite 23) oben, ist zu lesen: Am 19. IV. 1290 vergleicht sich Leutold in Lassnitz mit dem Stift St. Lambrecht. Es intervenieren seine „Freunde“ (Verwandte) Otto von Liechtenstein und Konrad Eisenpeutel de Chogel, sein geliebter Schwiegervater („soceri mei dilecti“).
[Link und Abschrift siehe im Register D 11.]

Es kann daher unser Kogl sein und nicht ein Kogl in der nähe des Stiftes. Die Fahrtzeit nach St. Lambrecht wären heute (24.7.2024) 3:45 Stunden.

Anmerkung 3:Beide Quellen ergänzen sich. Es ist nun klar, dass der 25. Mai das Sterbedatum ist.

Aus welcher Quelle stammt diese Abschrift? Laut der Menüleiste am linken Rand:
Necrologia Germaniae (Necr.)
2: Dioecesis Salisburgensis
Necrologium s. Lamberti

Weitere Suchtreffer mit dem Wort Kogel:

MGH SS rer. Germ. N. S. 13 S. 340:
1) Die Burg Kogel gehörte dem Sebeck

MGH SS rer. Germ. NS. 13 s. CVII:
2) Die Veste Kogel bei Rappoltenkirchen

Auswertung der Suchtreffer:
ad 2) Seite CVII = Verzeichnis der Literatur
Kerschbaumer, Anton, Die Veste Kogel bei Rappoltenkirchen, Blätter des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich, N.F. 14 (1880) 117 ff.

[…] fixam veniunt. Qua frustra decursa pro tunc indicta est alia ad Sanctum Yppolitum ad festum dominice in ramis palmarum celebranda   1), ad quam similiter suv salvo conductu ducis Leopoldi sibi ad gerendum morem atque pro tocius patrie tranquillitate simplicitate columbina se contulerunt, ibique   a) dum tota dies in placitis sine fructu sperato fuisset absumpta et Wiennenses ad sua propria remearent   b), die altera virus quod in eis   c) diucius latuit, prodiit in lucem. Nam dumm ville Purgkharsdorff 2) propinquarent, licet se passuros insidias fuissent premuniti, in suo tamen salvo conducto sperantes hoc pro fabula deputantes quidam Drusetz   d), Janel   e) Jud, Iohannes Lawn et Stephanus Sebeckh cum suis complicibus ex insidiis in quadam rifula   3) in medio fluente in via per Ried f) irrumpentes ipos hostiliter invaserunt   4), unde quidam fuga lapsi   g) sunt, alii graviter vulnerati, Fluschart   h) – unus de pocioribus civibus, vir pulcher et iuvenis – ense transfixus, alii vero detencioni   i) suorum invasorum sunt subacti. Qui tamen eosdemm neque verbo vel scripto super hoc, ut ominum nobilium mos habet, cautos effecerunt in perpetuam   k) ipsorumm ignominiam, qua et de causa dum plures ali militares ad id faciendum fuissent persuasi, ut fertur, hoc ut sibi opus indignum facere detrectabant. Capti sunt in hoc conflictu N.   l) Vorlauf *5) magister civium vir promptus in armis et expertus, quocum si alii   m) viriliter perstitissent, prout ipsorum detentores expost confessi sunt, ipsos potenter aut devicissent aut eorum manus evasissent cum salute; captus est ibidem Iohannes Rogk, Nicolaus Sub celo **) et alii ductique

*) Cuspinianus am Rande: Vorlauff nur A.
**) Cuspinianus am Rande: Io(annes) Rock, Niclas unter dem himel nur A.

a) danach pro toclus patrie ABCP.
b) remearunt BC.
c) eos ABC.
d) geändert Druckses A; Druckses BSP.
e) Javel B, Jovel C.
f) danach fluentes durchgestrichen A, fehlt BCP.
g) elapsi P.
h) Flußhart BCP.
i) verbessert aus unleserlicher Endung A.
k) imperpetuam A.
l) .n. A, N. BCP.
m) alii si P.

1) 8. April 1408 in St. Pölten (NÖ.) vgl. dazu Vancsa in: Geschichte der Stadt Wien 2, 519.
2) Purkersdorf (Bez. Hietzing-Umgebung, NÖ.)
3) Über diese Schreibung ist zu bemerken, daß sie sehr wohl auf Ebendorfers Autograph zurückgehen könne, wie ähnlich auch investare für infestare (S. 326 bzw. 160) oder umgekehrt profecte etatis anstatt provecte (S. 126). Allerdings ist im Falle rifula nicht klar, ob f nicht etwa über v (?) gesetzt wurde.
4) Siehe Vancsa a.a.O., Anm. 2; Ried (Bez. Tulln, NÖ.)
5) Über Konrad Vorlauf s. Vancsa in: Gesch. d. Stadt Wien, 2, 520 f.

ad castrum Chogl 1) prope silvam, deinde ad Greitznnstain   2) et ultimate   a) ad Thurenberg   b 3) ab antiquis diebus incolatum   c) predonum ab anno tercio   d) per patriam demolitum quodam   e) Kiennberger   f) predas ab eodem agente sine causa propria in patria   g) et nidum suum defedante   h). In quo et ad XVIII. Iunii   4) tenti sunt captivi et promisso redempcionis precio circa duorum florenorum milium   i) in die Corporis Christi    5) cum duce Ernesto ad Wiennam sunt reversi. […]

Anmerkung Marktgemeinde, Andreas Bohnec, 26.7.2024:
Der lateinische Text geht weiter. Aufgrund der Namen könnte die Seite 341 zur Geschichte Vorlaufs noch dazugehören.

a) ultimat C, ultimatim P.
b) Türrenberg C, Turrenberg P.
c) incolatus ABCP.
d) ter 3o A, tertio BCP.
e) quidam ABC.
f) Khirnberger CP.
g) propria in patriam AB, propriam in patriam CP.
h) defendente P.
i) duo florenorum milia ABCP.

1) Die Burg Kogel gehörte dem Sebeck; heute Dorf gleichen Namens bei Rappoltenkirchen (NÖ.), s. Anton Kerschbaumer, Bll. d. Ver. f. Landeskunde v. NÖ., N.F. 14 (1880) 117 ff., die Sage S. 121.
2) Kreuzenstein bei Korneuburg (NÖ.). Die Burg gehörte damals dem Wolfgang von Rohrbach.
3) Nicht Ternberg, sondern nach Vancsas richtiger Vermutung, Dürnberg.
4) Widerspruch in der Zeitangabe, wenn es wahr ist, daß die Gefangenen am 14. Juni entlassen wurden: s. Vancsa in: Gesch. d. Stadt Wien 2, 520 Anm. 4.
5) 14. Juni 1408.

Aus welcher Quelle stammt diese Abschrift? Laut der Menüleiste am linken Rand:
Sciptores rerum Germanicarum, Nova series (SS rer. Germ. NS.)
13: Thomas Ebendorfer, Chronica Austriae
Liber tercius (Seite 145 bis 410).
Die Neuauflage Berlin/Zürich 1967
Ebendorfer geboren am 10. August 1388

Weitere Suchtreffer mit dem Wort Eisenpeutel:

MGH Necr. 5 S.97:
1) Eisenpeutel b et sequitor I.)

MGH Necr. 5 S.62:
2) Sifridus I. Eisenpeutel.

MGH Necr. 5 S.629:
3) in Melk 5/3 533 Esienpeutel, Eisenpautel

Quelle: Necrologia Germaniae (Necr.)

Aus dem Inhaltsverzeichnis:
Eisenpeutel, Eisenpautel, Eyenpaewtel
- Chunradus dictus, laicus. (Seiten 19, 58, 97, 168, 199 1332. 219.)
- Sifridus laicus (Seite 62)
- Wigandus (Seite 30)

Seite 19 –Überschrift: MONUMENTA NECROLOGICA CLAUSTRONEOBURGENSIA.
12.     IV.id. […]
FAM. (A) Alrammus I., dedit 2 vineas. Trumpto I. Margareta I a. Rudgerus I. de Wrmiz, hie dedit 2 beneficia. Chunr(adus) dietus Eysenpeutel. [Elizabet I  a, tradidit vineam.]

a) Nota colorerubro scripta.

Seite 30:
4.   IV. non. […]
FAM. (A) Wigandus I. Eysenpeutel […]

Seite 58:
20.    XII. kal. […]
FAM. (A) Chunradus Eyssenpeutel I.,tradidit 5 [Geldsymbol] reddituum. […]

Seite 62:
6.   II. non. […]
FAM. (A) Pilgrimus ev. Otto I. Urlricus Sartor I., dedit vineam. Sifridus I. Eisenpeutel. [A. d. 1381ob. d. Hainricus dee. in Tuln.] […]

Seite 97, hier ist die Überschrift: LIBRI OBLATIONUM ET ANNIVERSARIORUM CLAUSTRONEOBURGENSES.
20. XII. kal. (A) Wichardus Stuchso subdyac. d(edi)t 2 t(al). redd(ituum). Chunr(adus) Eysenpeutel  a) d(edi)t 5 [Geldsymbol] redd(itumm). Mag. Wernherus Pragensis can. […]

a) Eisenpeutel B, et sequitur; I.

Seite 168, hier Überschrift: NECROLOGIUM PATRUM MINORUM AD S. CRUCEM VINDOBONAE.
IANUARIUS.
22. XI. kal. Chunradus  f) Eisenpautel ob., hie se(pultus).

f) Nomen supralocum rarum scriptum.

Seite 199, hier Überschrift: NOTAE DE SEPULCRIS PATRUM MINORUM AD S. CRUCEM VINDOBONAE.
VII. kal. Septembris. Sepulchrum Chunradi Eysenpautel, ubi litters. K  b) ob.1332.

b) Littera colore rubro scripta.

Seite 219, hier Überschrift: LIBER SEPULCORUM PATRUM MINORUM AD S. VINDOBONAE.
Nr. 71 WAPPEN, Sepulchrum  d   1) Chunr(adi) Eysenpaewtl, ob. s. 1332 [XI.kal. Ianuarii]  3), ubi littera X.  b)

1) XVII. kal.supra p. 184.
2) Februarii potius, supra p. 168.
b) Littera colore rubro distinecta.

Anmerkung Marktgemeinde, Andreas Bohnec, 26.7.2024:
Die Quelle „Das Ministerialengeschlecht der Eisenbeutel und das Besitztum der Grafen von Schaunberg im Viertel ober dem Wienerwald, 1970, Büttner Rudolf“ gibt an, dass Konrad Eisenbeutel 1332 starb. Wenn Chunrad Konrad bedeutet, ist hier sein Wappen zu sehen. Siehe PDF Wappen.
[Link und Abschrift siehe im Register D 11.]

Veröffentlicht am 15.8.2025


E Neues, nach der ersten Veröffentlichung - Siehe Teil 3